Strom sparen? Aber sicher!

Ich bin immer wieder auf der Suche nach Möglichkeiten Strom zu sparen ohne große Einbußen in meiner Bequemlichkeit hin zu nehmen. Denn seien wir doch mal ehrlich: Natürlich möchte jeder etwas für die Umwelt tun – selbstverständlich. Aber deswegen zu Fuß oder mit dem Rad zur Arbeit? Auch wenn es stürmt und schneit? Und auch zu Hause ist es eben deutlich bequemer Stand-By-Schaltungen zu nutzen damit die Geräte immer zur Verfügung stehen. Wenn man aber mal auf seine Stromrechnung schaut, dann kommt schon der Wunsch auf etwas für die Umwelt zu tun – nicht unbedingt weil es gut für die Umwelt ist, sondern weil es gut für das eigene Konto ist und wenn man gleich beides miteinander verbinden kann umso besser.

Ich fasse hier mal meine Ideen zusammen und gebe einen neuen Tipp zu sparsamen Festplatten bei denen sich endlich mal etwas getan hat.

Stromverbrauch messen
Auf die Stromverbrauchangaben der Herstellen mag man sich verlassen können, vielleicht aber auch nicht. Und oft genug sind die Angaben eher etwas undurchsichtig: Wurde der Verbrauch bei Last oder in Ruhe, bei voller Helligkeit oder gedimmt gemessen? Man weiß es nicht.
Ich habe mir daher ein Messgerät von Conrad besorgt, den Energy3000. Einfach mal übergangsweise in die Steckdose stecken und das zu messende Gerät in das Messgerät. Schon sieht man recht genau wie viel Strom verbraucht wird.

Sparsame Computer
Es ist unglaublich wie viel Watt moderne PC verbraten können. Oft genug schluckt schon die Grafikkarte mehr Strom als zwei leistungsstarke aber ältere Computer. Netzteile sind für 400W und mehr ausgelegt wobei man natürlich an dieser Stelle mal sagen muss: Nur weil da 400W drauf steht bedeutet das nicht, dass auch 400W verbraucht werden! Ein Gedankenfehler dem viele unterliegen. Es bedeutet nur, dass max. 400W geliefert werden können. Möchte man mehr Festplatten, Grafikkarten und andere Hardware damit versorgen, dann muss eben ein stärkeres Netzteil her.
Mein letzter PC verbrauchte problemlos über 100W ohne dass ich mit ihm intensiv gearbeitet hätte. Und das war nur der PC ohne den Monitor. Bei Last ging der Verbrauch gerne auf 120W oder 150W. Ein aktueller Rechner (man möchte ja auch mehr Leistung haben) ging oft auf 180W oder sogar auf über 200W. Der 17″ Monitor, immerhin schon TFT, kam dann noch mal mit 35W bis 40W dazu.

Seit einiger Zeit bin ich ja zu OS-X gewechselt und ich habe mich bei der Anschaffung eines Desktop-Rechners auch nach dem Stromverbrauch gerichtet. Nun habe ich seit einigen Jahren einen iMac 24″ der weitgehend auf Notebook-Technik basiert. Der Vorteil dabei ist, dass das Gerät sehr leise arbeitet ohne dabei langsam zu sein. Die Festplatte ist eine normale 3,5″ Fesplatte und damit auch schnell genug. Der Witz ist nun aber, dass dieser Rechner zwischen 80W und 120W verbraucht – Inklusive des 24″ Monitors!

Wer noch mehr sparen möchte, der sollte vielleicht überlegen komplett auf ein Notebook zu wechseln. Mein PowerBook 12″ hat unter voller Last einen Verbrauch von kaum 30W. Sicher werden die aktuellen MacBook und MacBook Pro etwas mehr verbrauchen, sie haben ja einen größeren Monitor und stärkere CPU. Aber selbst ein 17″ MacBook Pro dürfte kaum mehr als 50W-60W unter Last verbrauchen und bei normaler Arbeit eher deutlich weniger.
Außerdem arbeitet man mit einem Notebook auch noch deutlich sicherer. Der Akku ist nämlich sozusagen eine eingebaute USV (unterbrechungsfreie Stromversorgung). Fällt also der Strom aus dann läuft das Notebook weiter und man verliert keine Daten. Mit anderen Worten: Man hat einen 17″ „Desktop“ mit USV den man recht problemlos transportieren und auch unterwegs nutzen kann und verbraucht deutlich(!) weniger Strom als mit einem richtigen Desktop-Rechner ohne dabei wirklich langsamer zu sein. Klar, wer einen Rechner mit 8 Kernen braucht für den ist das nichts, aber das dürften doch eher die Ausnahmen sein.

Hier noch eine Webseite mit einer schönen Stromverbrauch-Übersicht verschiedener Macs.

Sparsames Licht
Man fragt sich ja schon, ob man wirklich 100W für die Flurbeleuchtung benötigt. Warum also nicht die Halogenstrahler gegen LED tauschen? Naja, ich habe es auch versucht – es war aber eher ein Reinfall und offenbar gibt es bis Heute wohl keine ernst zu nehmende Alternative? Wer da etwas aus eigener Erfahrung (nicht Hörensagen!) weiß, der möge sich bitte bei mir melden. smile

Also ging ich es anders an. In meinem Büro sorgten 160W für Licht. 4x 40W Spots. Da sollte doch etwas zu machen sein? Also besorgte ich mir passende Energiesparlampen und probierte es aus. Natürlich ist es jetzt nicht mehr ganz so bequem weil es etwas dauert bis die Lampen wirklich hell sind aber daran habe ich mich recht schnell gewöhnt. Nun beleuchten also 4x 7W = 28W das Büro und zwar fast so hell wie vorher auch. Man kann es nicht genau vergleichen da auch die Farbtemperatur eine andere ist.

Im Schlafzimmer habe ich eine 60W Glühbirne gegen eine 11W Sparlampe getauscht und die Nachttischlampe leuchtet mit 8W nun heller als die alte 40W Glühbirne.
Gesamtergebnis:

  • Vorher: Büro 160W + Schlafzimmer 60W + 40W = 260W
  • Nachher: Büro 28W + Schlafzimmer 11W + 8W = 47W
  • Ersparnis: 213W

Sparsame Festplatten
Für meine Backups habe ich mir vor einiger Zeit einen Drobo angeschafft und diesen gleich mit drei Festplatten á 1TB von Seagate bestückt. Natürlich interessierte mich auch hier der Stromverbrauch. Ich habe ihn gemessen und kam auf maximal 43W unter Last und etwa 38W wenn er eingeschaltet ist und die Platten laufen.

Leider fiel nach wenigen Tagen die erste Platte aus. Inzwischen bin ich mir sicher, dass dieser Ausfall direkt mit dem Firmeware-Fehler zusammen hing den Seagate inzwischen zugegeben hat und auch Updates anbietet. Dieser Fehler kann beim einschalten der Platte dazu führen, dass nicht mehr auf die Daten zugegriffen werden kann. Ein erstes Update wurde dann schnell wieder zurück gezogen weil es wohl bei einigen erst zu den Problemen geführt haben soll. Inzwischen soll es wieder ein Update für einige Modelle geben.

Zu dem Zeitpunkt des Ausfalls war das aber noch nicht bekannt und ich schickte die Platte als Defekt zum Händler zurück. Da ich aber in der Zwischenzeit auf Backups angewiesen war besorgte ich mir auf die Schnelle eine Samsung-Platte bei einem lokalen Händler.

Als nun diese Firmeware-Fehler-Geschichte bekannt wurde stand ich vor einer wichtigen Frage: Was sollte ich tun? Das Update kann man nur einspielen, wenn man eine der Seagate-Platten als einzige Platte in einen Intel-Rechner einbaut und dann von einer Firmware-CD bootet. Nun habe ich aber einen iMac in dem ich nicht mal eben die Platte austauschen kann. Meine alten PC haben keine SATA Schnittstelle und über Firewire oder USB kann die Firmware nicht aufgespielt werden.

Ich war verunsichert. Das Update wurde zurück gezogen und es mehrten sich die Fehlermeldungen von Anwendern. Ich machte Nägel mit Köpfen und beschloss alle Seagate Platten im Drobo auszutauschen.
Mein Wahl fiel auf WesternDigital GreenLine. Ebenfalls 1TB aber sehr Stromsparend.
Hier mal der Vergleich:

  • WesternDigital WD10EADS: Ruhe ca. 0,4W bis 2,8W, Last ca. 5,4W
  • Seagate ST31000340AS: Ruhe ca. 8W, Last ca. 12W

(Quelle: http://www.alternate.de)

Chip hat das mal getestet und leider gibt WD den Stromverbrauch wohl etwas geringer an als er wirklich ist – aber trotzdem sind die Platten extrem sparsam:

  • Western Digital WD10EACS (ich habe die EADS): Ruhe ca. 3,4W, Last ca. 7,6W
  • Samsung HD103UJ: Ruhe ca. 5,8W, Last ca. 8,4W
  • Seagate ST31000340AS: Ruhe ca. 7,4W, Last ca. 9W

Ich habe nun inzwischen 3x WD + 1x Samsung im Drobo.

Nun rechnen wir mal:
Der Drobo selbst schlägt mit ca. 8W zu.

  • lt. Chip-Messung: 3x Seagate (9W) müssten also bei 27W gelegen haben + 8W Drobo = ca. 35W. Das entspricht nicht meinen Erfahrungen.
  • lt. Angabe bei Alternate mit 12W passt eher: 3x 12W + 8W Drobo = 44W. Tatsächlich habe ich zwischen 38W und 43W messen können
  • lt. Chip-Messung: 3x WD 7,6W + 1x Samsung 8,4W + 8W Drobo = 39,2W. Auch das kann ich in etwa bestätigen:
  • Tatsächlich gemessen: 3x WD + 1x Samsung + Drobo = 30,4W Ruhe / 40W-42W Last

Mit anderen und einfachen Worten:
Jetzt, mit vier Platten, verbraucht der Drobo mit max. 42W ungefähr soviel Strom wie vorher mit nur drei Platten.

Die GreenLine Platten von WesternDigital sind dabei nicht teurer als normale Platten, sparen Strom, sind leise und werden nicht so warm. Da muss man nicht mehr drüber nachdenken. Einen Geschwindigkeitsunterschied konnte ich im Drobo auch nicht feststellen da der Engpass hier ohnehin das RAID-Artige System und die Firewire-Schnittstelle ist. Bei internen Festplatten mag es sein, dass die GreenLine etwas langsamer sind, dazu kann ich aber keine Erfahrungen beisteuern.

Fazit
Man kann durchaus Energie sparen wenn man vor einer Anschaffung mal etwas den Markt durchstöbert. Wenn man nicht ständig das neueste Blutvergießen in 3D in feinster Auflösung spielen möchte, wenn man keine aufwendigen Video-/Filmproduktionen erstellen muss und wenn man einen Augenblick warten kann bis es hell wird, dann helfen Notebook-Technik und Energiesparlampen beim Strom und Geld sparen. Und sparsame Festplatten drängen sich einem fast schon auf da sie im Grunde fast nur Vorteile bieten.

7 Kommentare zu “Strom sparen? Aber sicher!

  1. Alle DInge haben zwei Seiten. Auch sparsames Licht:
    http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/1335052
    http://www.mobilfunk-buergerforum.de/presse/pdf/Zitate-09-EnergieSparlampen.pdf
    Aber, letztlich muss jeder selbst entscheiden, wie er seinen Raum erhellt.
    Ich wünschte, dass die LED-Technologie für Beleuchtung wäre weiter, damit wir
    die „Zeit der Sparlampen“ überspringen könnten.

  2. MysteriousDiary

    Schönes Thema. Ich denke das gerade bei den Computern einmal ein umdenken stattfinden muss – vor allem seitens der Hersteller. Über Jahre wurde dem Nutzer regelrecht aufgeschwätzt immer performantere Grafikkarten und CPUs zu benötigen. Mit diesem Trend gingen auch die Anwendungen immer verschwenderischer mit eben dieser Leistung um. Ein gutes Beispiel ist da für mich zum Beispiel Lightroom. Während Photoshop CS 3 selbst auf etwas älteren Rechnern noch durchaus performant läuft stottert Lightroom selbst bei den simpelsten Bearbeitungen schon vor sich hin – was haben die da blos gemacht?

    Wenn ich mich im Bekanntenkreis umschaue nutzen 80-90% den Computer in erster Linie fürs Internet, ein wenig Office, eMails, und immer häufiger als kleines Media Center. Wenn man sich dann einmal die PCs und deren Auslastung anschaut sind die in der Regel höchstens zu 5-10% ausgelastet – wenn überhaupt.

    Ich muss ja gestehen das ich früher auch immer dem Spleen verfallen war die Hardware ständig aktualisieren zu wollen. Aber besonders seit mich mein kleines Netbook mit der scheinbar so schwachen 1.6Ghz Atom CPU ständig begleitet hat auch bei mir ein umdenken stattgefunden. Anfangs war es als auf Grund der kompakten Maße und sehr hohen Akkulaufzeit als ständiger Begleiter angedacht, aber inzwischen nutze ich auch fast zu Hause nur noch das kleine Netbook und der leistungsstarke Desktop wird nur noch angeschaltet wenn es wirklich mal um Bildbearbeitung geht.

    Für 90-95% meiner Anwendungen reicht die Atom CPU super aus, teilweise reicht sogar der Silent Mode in dem sie nochmals heruntergetaktet ist. Und das schöne ist, das komplette Teil verbraucht incl Display, aktiven Wlan usw nur 8-11W. Bei den Desktop CPUs und Grafikkarten wird zwar auch immer mehr Wert auf Stromsparfunktionen gelegt, aber dieser Verbraucht bei normaler Nutzung in der er kaum ausgelastet ist immerhin noch 60-70W ohne Monitor was schon ein Unterschied ist.

    Ich glaube zumindest bei den Usern wird der neue Trend der Netbooks ein Umdenken anregen weil sie auf eindrucksvolle Weise zeigen wie wenig Leistung wir im Alltag eigentlich benötigen. Jetzt heist es mal abwarten ob einige Hersteller dies ebenfalls realisieren oder weiter versuchen ihre Hochpreisigen Rennwagen an Durchschnittsuser zu verkaufen. Eine Bekannte von mir hat sich nun die EeeBox geholt und ist verdammt glücklich damit. Kostet nur ~270€, sieht schick aus so das man es auch ins Wohnzimmer stelen kann, ist sehr leise, und verbraucht dank der Atom CPU und Net/Notebook Technik auch nur 18-21W. Solche Geräte würden für die meisten User vollkommen ausreichen, oder geben einen hervorragenden Zweit PC ab für die alltäglichen Aufgaben die nicht soviel Leistung erfordern.

  3. Hallo Boris,

    noch eine Anmerkung zu Steckerleisten mit Ausschaltknopf. Oftmals sind sie ja nur schwer (z.B. irgendwo unter dem Schreibtisch) zu erreichen. Aus Bequemlichkeit lässt man sie dann doch einfach an. Und wenn man sie in den Vordergrund holt, stören sie das optische Bild. Deshalb finde ich folgende Steckerleisten genial:
    http://www.google.de/products?q=Money%20Saver&ie=utf-8&oe=utf-8&rls=org.mozilla:de:official&client=firefox-a&um=1&sa=N&tab=wf
    Diese kann man leicht hinter dem Gerät oder unter dem Schreibtisch verstecken und hat trotzdem die Bequemlichkeit eines leicht erreichbaren Ausschaltknopfes.

    Gruß Jochen

  4. Ich bin da auch faul und nehme Funksteckdosen. :-)

  5. Denke auch, dass sich die Anschaffungen der neuen Geräte auf die Dauer lohnen, da die Einsparungen doch enorm sein können. Übrigens tolle Zusammenstellung :)

    Viele Grüße Hans

  6. Hier kann man neben anderen Gerätetypen auch sparsame IT recherchieren:
    http://www.stromeffizienz.de/private-verbraucher/topgeraete-datenbank.html

    Gruß
    Rainer

  7. Ein Strommessgerät muss ich mir auch unbedingt mal zum Testen holen und dabei auf die Suche nach den größten Stromverbrauchern in meinem Haushalt gehen. Ansonsten nutze ich auch schon Steckleisten, um alle Geräte rund um den Fernseher ausschalten zu können. Den PC habe ich schon lange gegen ein Notebook getauscht und lasse ihn nur noch für den Fall stehen, falls das Notebook mal Probleme macht. Es wäre schon interessant, mal zu messen, wie viel man bei normalen Arbeiten mit dem Notebook verbraucht. Zumindest ist es für 60 Watt ausgelegt.

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