Apple Heute und vor fünf Jahren


Apple hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt und mit Apple auch die Hard- und Software.
Hier meine kritischen Gedanken in einer sicher unvollständigen Liste. Wenn Euch weitere Punkte einfallen, ergänzt diese doch bitte in einem Kommentar.

Vor nur 5 Jahren…

  • …hatten die PowerBooks matte Bildschirme in denen man sich nicht spiegelte (von 12″ bis 17″)
  • …hatten die iMacs matte Bildschirme. Die gibt es Heute nicht mal für einen Aufpreis.
  • …lief OS-X und dafür entwickelte Hardware extrem stabil. Mein m-audio Audiodevice störte sich nicht am Standby des PB und lief einfach weiter. Seit Intel und 10.4 gab es immer wieder Probleme. Mag an den Herstellern liegen, oder daran, dass die Architektur doch nicht so super zu beherrschen ist, wenn sie sich mit jedem Release grundlegend ändern kann. Seit 10.6 lief es dann endlich wieder stabil.
  • …hatten die Geräte selbstverständlich Firewire-Anschlüsse. Auch der iPod, der rasend schnell synchronisiert wurde ohne ewig lange Sicherungen und schnarchend lahme Datenübertragung (wie heute bei iPod-Touch/iPhone). Morgens kurz ins Dock, Sekunden später fertig, mitnehmen, glücklich sein.
  • …konnte sich das Adressbuch über Bluetooth mit diversen Handys verbinden und so eingehende SMS am Bildschirm anzeigen und zum Kontakt im Adressbuch archivieren. Per SMS antworten konnte man natürlich auch, direkt vom Rechner aus während das Handy in der Jackentasche blieb. Seit das ach so mächtige iPhone kommen sollte, verschwand diese Funktion aus dem System und das iPhone kann dies bis Heute nicht. Wo bleibt das tolle Zusammenspiel von Geräten bei Apple?
  • …hat man im iCal die Details zu einem Termin direkt mit einem Klick sehen und ändern können, ohne ein extra Fenster öffnen und ggf. noch in den Edit-Modus schalten zu müssen. Man konnte über die Suche mit einem leeren Suchbegriff auch schnell alle Termine in einem Kalender auflisten lassen um sich das lästige blättern durch die Monatsansicht zu ersparen.
  • …gab es einen MacMini für 499,- Euro. Heute werden über 800,- fällig
  • …konnte man ein Programm KOMPLETT deinstallieren, indem im Finder einfach den Programmnamen in die Suche eingetragen hat. Es wurden neben der Anwendung auch die zugehörigen Einstellungsdateien gezeigt. Alles markieren, löschen, fertig. Heute blendet die Suche die Systemdateien (z.B. Programm-Einstellungen) komplett aus und man kommt nur über Umwege an ein Ergebnis wie früher.

Das klingt alles nicht so schön. Teils mögen es Kleinigkeiten sein – es sind aber alles Punkte, die mich persönlich schon ärgern und/oder die mich in meiner Arbeitsweise einschränken oder behindern.

Auch Gutes

Auf der anderen Seite hat es aber auch einen gewaltigen positiven Ruck gegeben in den letzten 5 Jahren:

Mehr nach dem Klick

  • Mit 10.4 kam Spotlight und damit eine irre schnelle Volltextsuche die eine völlig neue Arbeitsweise ermöglichte. Programme, Dokumente, Mails, Adressen – Alles war plötzlich nur noch ein paar Tastendrucke und wenige Sekunden entfernt.
  • Der Automator ermöglicht es plötzlich, dass man ohne Programmierkenntnisse eigene Routineaufgaben abbilden und automatisiert ablaufen lassen kann. So kann man sich Aktionen bauen die im Dock liegen oder die starten, wenn Dateien in ein bestimmtes Verzeichnis kopiert werden u.v.a.m.
  • Die Umstellung auf Intel-Prozessoren brachte einen enormen Leistungsschub bei gleichzeitig geringerem Stromverbrauch. MacBooks wurden flacher, leiser, kühler, schneller.
  • iMacs wurden immer günstiger und dabei immer leistungsfähiger. Die Bildschirmdiagonale wuchs von 17″ bis auf 27″, die Auflösung nahm dabei ebenfalls zu.
  • Der iTunes-Store etablierte sich. Es wurde nicht nur normal, seine Musik online zu kaufen, es wurde auch einfach. Nach einigen Kämpfen mit den Labels fiel sogar (teilweise) der DRM-Schutzzaun.
  • Mit dem iPhone wurde ein komplett neuer Markt geschaffen. Das Ding war und ist nicht nur ein Handy oder SmartPhone, es ist das mobile Internet in der Hosentasche, der Immer-Dabei-Informations-und-Kommunikations-Riegel. Um das Gerät herum entwickelte sich schließlich eine Entwicklungsplattform und der App-Store. Nie zuvor wurden Anbieter und Kunden einfacher zusammen geführt. Ein unglaubliches und trotz einiger Kritiken sehr erfolgreiches Konzept.
  • Mit dem iPad wurde, ob man es braucht oder nicht, eine ganz eigene Interpretation des Tablet-Computer auf den Markt geworfen. Mit ihm auch der Book-Store. Ob dieser so erfolgreich wird wie der App-Store, werden die nächsten 5 Jahre zeigen

Apples Strategie geht derzeit sehr gut auf und der Aktienkurs ist nahezu ununterbrochen auf einer steilen Fahrt nach oben. Das wird natürlich nicht ewig so weiter gehen können, irgendwann wird dieser Kurs einknicken.

Hochmut kommt vor dem Fall

Ich meine zu bemerken, dass Apple wieder hochnäsiger geworden ist, überheblicher, irgendwie „mutig“ in einer nicht immer sehr schönen Form. Das gab es in der Vergangenheit schon einmal bis sie hart dafür bestraft wurden und fast komplett am Boden lagen. Ich wünsche mir, dass sich das nicht wiederholt.

Es ist ja gut, Visionen zu haben und nach vorne zu schauen. Anders kann man keine innovativen Produkte entwickeln. Ich finde es aber übertrieben, wenn man etablierte Standards nicht mehr unterstützt ohne echte Alternativen anzubieten. Was ich damit meine?

  • Firewire verschwindet immer mehr bei Apple. Warum? Es ist nach wie vor die schnellere und CPU schonendere Übertragungsschnittstelle. Geräte können in Kette geschaltet werden, sich direkt miteinander unterhalten und es taugt nicht nur für Festplatten sondern für alle möglichen Geräte. USB als Alternative? Ach Bitte… Höhere CPU-Last, deutlich niedrigere Netto-Übertragungsraten, keine Kette möglich. USB3? Bei Apple nicht mal von Weitem zu sehen (wobei sich USB3 auch erst einmal bei Herstellern von Geräten etablieren muss – Aber: Henne/Ei…). Die iPods haben kein Firewire mehr und zu allem Überfluss werden nicht mal mehr die Stromleitungen der Firewire-Pins im Dock-Connector genutzt. Altes Zubehör, was die iPods darüber geladen hat, ist also obsolet.
  • E-SATA für schnellen Anschluss externer Festplatten? Fehlanzeige. An sich nicht immer tragisch, aber wenn Firewire auch weg fällt?
  • Blu-Ray? Klare Absage von Apple. Nun gibt es aber HD-Filme auf BD und es gibt Anwender, die solche Scheiben produzieren möchten. Mit einem Apple wird das nun schwierig.
  • Ein AppleTV das eigentlich gar kein TV ist, sondern einen (oder mehrere) Macs mit dem TV verbinden soll. Man kann nun zwar Inhalte vom Mac über das lokale Netzwerk anschauen, aber dafür ein extra Gerät? Warum hat das Gerät keinen DVD-Slot (von Blu-Ray brauche ich ja gar nicht erst reden, s.o.)? Dann könnte es den heimischen DVD-Spieler gleich mit ablösen und ich prophezeie, dass das AppleTV dann ein deutlich größerer Erfolg wäre.

    Aber nein, Scheiben sind ja Computer-Steinzeit, sagt Steve Jobs und er schaut in die Zukunft. Er, bzw. Apple bietet Miet- und Kauf-Videos online an. Mal davon abgesehen, dass ich meine bereits gekauften Filme nicht noch einmal bezahlen möchte – Es gibt ja nicht mal alle Filme oder Dokumentationen im iTunes-Store! Es gibt keine Extras, keine zusätzlichen Audiospuren oder Untertitel, oder hat sich das inzwischen geändert? Ich glaube nicht.
    Was Apple auch nicht anbietet, ist ein ausreichend schneller Internetzugang für dieses Angebot. Nicht nur in Deutschland, auch in den USA ist es keinesfalls selbstverständlich eine 50 oder wenigstens 30 oder 16 mbit Leitung zu haben. Das Problem sind dabei oft gar nicht die monatlichen Kosten sondern schlicht die nicht vorhandene Verfügbarkeit! Für gut aufgelöste Video-Inhalte braucht man aber eine schnelle Leitung. Mit DSL-1000 (= 1 mbit/s – und damit hat man oft schon Glück, von DSL-300 möchte ich gar nicht reden und die Zwangs-ISDN-Nutzer tun mir echt Leid) kann man schon viele Vimeo- oder Youtube-Filmchen nicht flüssig anschauen ohne lange Wartezeiten – einen ganzen Kinofilm kann man gleich vergessen, oder man muss schon zwei Tage vorher wissen, dass man ihn gucken möchte.

    Ein völlig unangemessen hoher Stromverbrauch im „Standby“ kommen nur noch hinzu.

  • Glossy wohin das Auge schaut. Ja, es sieht brillant aus und ja, es kann verdammt störend sein. Ich habe es jetzt wirklich ausprobiert (15″ MacBookPro seit über einem Jahr im Einsatz). Ich bin nicht allein wenn ich sage, ich möchte keinen iMac mit 27″ Glossy Bildschirm. Ich möchte auch dunkle Fotos bearbeiten können ohne mich im Bildschirm zu sehen. Ich möchte auch bei Sonnenschein im Zimmer arbeiten können, ohne ein helles Holzregal hinter mir im Display sehen zu müssen. Das alles geht mit meinem alten 24″ iMac (weißes Modell) problemlos. Mit dem MacBookPro auf dem Schreibtisch bekomme ich eine grobe Idee dessen, was mich mit dem neuen iMac erwarten würde. Viele Nutzer sehen das wie ich. Apple bietet aber keine Alternative. „Unsere Kunden LIEBEN Glossy“ – Sprach es und packte noch eine nicht-entspiegelte Glasscheibe davor.
  • Alles was, abseits des Livestyle, mit Arbeit zu tun hat kommt immer wieder viel zu kurz. Vernünftiger Jahresplaner in iCal? Wochenansicht auf dem iPhone? Wichtige Termine auf dem iPhone-Anmeldeschirm? ToDo?
  • Selbst beim Life-Style werden schleichend Abstriche gemacht. Das neue iMovie’09 macht bei DV-Cams gerne mal Probleme beim Import. Geht einfach nicht, es kommen nur unsortierte Sekundenbruchstücke an bei einigen Geräten. Eine Nachvertonung ist im neuen iMovie auch schwerer als im alten, vor allem, wenn man verschiedene Musikstücke platzieren möchte. Früher gab es immerhin ein „Senden an Garageband“ in iMovie, damit man dort präzise vertonen konnte. Diesen Menüpunkt gibt es nicht mehr. Natürlich geht es noch (Export mit QuickTime, dann manuell in Garageband öffnen) aber der einfache Weg ist weg. Das neue QuickTimeX kann nur ein Bruchteil dessen, was mit dem alten QuickTime (Player) möglich war. Man kann die alte Version noch installieren, wenn man weiß, dass es auf der CD in einem Zusatz-Paket steckt, sonst hätten alle Pro-User wohl auch Drohbriefe an Apple geschickt.
  • Neue Tastaturen kommen auf den Markt und als ob es nicht schon kontrovers genug wäre, eine Notebook-Tastatur für den Desktop zu bauen, wird bei der kabellosen Version einfach mal der Ziffernblock weg gelassen. Was soll das? Ich verstehe sehr gut, dass viele Kunden so eine schmale Tastatur für das Wohnzimmer lieben. Ich bin aber erneut nicht alleine wenn ich sage, ich liebe kabellose Tastaturen auf dem Schreibtisch, aber ich tippe viele Beträge und Termine und brauche den Ziffernblock. Fazit: Es gibt derzeit für den Apple keine einzige kabellose (Bluetooth ist gemeint) Tastatur mit Ziffernblock von Apple. Wer eine gute Bluetooth-Tastatur mit 10er Block von einem anderen Hersteller kennt, der möge sich bei mir melden. Ich kann nur hoffen, dass meine alte Apple-Tastatur noch eine Weile hält.

Ich finde es ja schon gut, wenn Apple nicht einfach blind und unüberlegt einfach alles in die Geräte einbaut, was irgendwann mal von einzelnen Kunden gewünscht wurde. Sonst würde man irgendwann bei unförmigen Geräten landen die wenig effizient, unnötig kompliziert und zudem noch hässlich sind.

Ein unglaublich freches „Function follows Form“, wie es Apple aber derzeit immer wieder macht, ist aber auch nicht in Ordnung:

  • Sorry – Aber wieder Glossy: Ja, sieht toll aus. Aber seit Jahrzehnten versucht man Monitore sinnvoll zu entspiegeln und hat das auch sehr gut hin bekommen. Das geschah nicht aus Spaß sondern weil es für viele Anwendungsbereiche äußerst sinnvoll ist. Apple mag es aber wenn es dünn ist und glänzt. Zum Glossy-Bildschirm auch noch eine Glasscheibe, der absolute Design-Wahnsinn für einen Computer. (Und ja, ich weiß, dass viele sehr gut damit leben können – sehr viele andere aber nicht)
  • Natürlich sieht ein iMac klasse aus – er lässt sich aber weder schwenken noch in der Höhe verstellen, dafür sieht das Design des Standfußes aber ganz toll aus.
  • iCal sieht natürlich sehr hübsch und aufgeräumt aus, weil man alle Details zu einem Termin einfach nicht mehr im selben Fenster anzeigt. Dass nun aber viele Klicks nötig sind um einen Termin zu bearbeiten kann nicht im Sinne des Erfinders sein. (Tipp: cmd+e auf einem Termin geht schneller als Doppelklick + Klick auf Bearbeiten)
  • Die neuen Antennen am iPhone4 sind schick und haben sogar eine Funktion. Wenn man nun aber eine Anleitung braucht, wie man das Telefon in der Hand zu halten hat, damit man das Signal nicht über die Maßen beeinträchtigt, dann ist das nicht in Ordnung. Ein Gerücht behauptet, Apple sei es vorher vermutlich nicht aufgefallen, weil man die Geräte in einer iPhone3G-Verkleidung (getarnt) getestet haben soll und somit die Antennen nie direkt berührt wurden von den Testern. Ich denke schon, dass Apple diesen Signalabfall bemerkt hat in den eigenen Testlabors. Sie werden abgewogen haben was schwerer wiegt: Design ändern, Gerät vielleicht dicker machen und die Antenne in alter Form einbauen – oder Gerät so dünn lassen und dem Anwender nahe legen das Telefon anders zu halten oder einen Bumper zu verwenden… Ich sagte ja schon, Apple mag es glänzend und dünn, die Entscheidung war also vermutlich nicht sehr schwer. Ob das Problem wirklich so groß ist, werde ich erst beurteilen können, wenn ich selbst ein iPhone4 habe… Jemand hier, der mir eines aus England schicken kann? wink

Fazit

Apple Heute und vor fünf Jahren. Es hat sich viel getan. Für Apple läuft derzeit sehr vieles außerordentlich gut. Sie nehmen dabei allerdings auch in Kauf, dass sie langjährigen Kunden immer mal wieder vor den Kopf stoßen. Ich bin gespannt, wie lange das gut gehen wird. Mangels echter Alternative könnte das noch eine Weile so weiter laufen. Zu Windows werden wohl nur wenige wechseln wollen und Linux ist längst nicht in jedem Bereich eine Lösung.

Ich gebe die Hoffnung vorerst nicht auf. Beim Glossy-Thema ist Apple eingeknickt und bietet die MacBookPro inzwischen ab 15″ optional auch in matt. Wer weiß, wie der nächste iMac aussehen wird? Ich denke mal positiv: Solange es Apple so gut geht, so lange haben sie auch das Kapital um neue, außergewöhnliche Produkte zu realisieren und das ist wohl das Beste, was wir uns wünschen können.

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14 Kommentare zu “Apple Heute und vor fünf Jahren

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