Schlanke Geldbörse – Und keine für mich?

Ich habe ein Portemonnaie aus Leder, tolles Teil, schon sehr alt, hat mich seit zig Jahren überall hin begleitet. Man sieht es ihm an, es hat Patina, Kratzer, ist zerknautscht, geknickt, hat Charisma. Und nun hat das Münzfach aufgegeben, ist eingerissen, noch nicht schlimm aber einmal sind mir schon Münzen heraus gefallen.

Etwas neues soll nun her und bei der Gelegenheit soll die Geldbörse flacher und leichter werden, damit ich sie besser in einem Sakko tragen kann.

Ganz ehrlich: Die Suche nach einem flacherem Portemonnaie hatte ich mir einfacher vorgestellt…

Prolog

Es gibt hunderte, wenn nicht tausende Ansätze und Ideen für kleine Geldbörsen. Unter dem Begriff “Slim Wallet” findet man die extremsten Umsetzungen, bei denen alles auf Kreditkarten reduziert wird. Kleingeld kommt dann lose in die Hosentasche oder, bei einigen, in eine kleine Schale in Kartengröße. Manche werden von einem Gummiband zusammengehalten, andere kommen in Holz- oder Kohlenfasereinfassungen daher, manche haben einen cleveren Auswurfmechanismus um die Karten aufzufächern, andere lösen das über geschickte Anordnung der Karten und so weiter.

Viele haben nicht mal eine gute Lösung für Geldscheine, bei ihnen werden diese einfach oder mehrfach gefaltet unter das Gummi oder zwischen die Karten geschoben. Andere lassen sich einmal aufklappen, so dass Geldscheine ungefaltet eingeschoben werden und so im schnellen Zugriff sind.

Das ist alles super und die Auswahl ist gewaltig groß. Trotz der riesigen Auswahl gibt es nahezu kontinuierlich neue Kickstarter-Projekte für die jetzt endlich perfekte slim Wallet – weil eben jeder ein wenig andere Anforderungen und Vorlieben hat, kommt jeder auf andere Detaillösungen die für ihn perfekt sind.

Und da liegt auch das – mein – Problem: Es gibt offenbar nicht alle Lösungen für meine Anforderungen in einer Geldbörse.

Anforderungen

Mit einer Slim Wallet komme ich nicht weiter. Wenn ich nur zwei oder drei Karten hätte, bräuchte ich vermutlich gar kein Portemonnaie sondern ein simples Gummiband wink Ich habe ein paar Dinge, die in mein Portemonnaie passen müssen:

Fahrzeugschein.

Dieser ist größer als eine Kreditkarte und es gibt ihn nicht in Kartengröße. Und nein, ihn im Fahrzeug aufzubewahren ist keine so glorreiche Idee. Fragt dazu einfach mal bei Eurer Versicherung und örtlichen Polizeidienststelle. Eine Kopie im Auto macht es nicht besser.

Ich weiß, dass viele das nicht so ernst nehmen und ihn im Auto liegen lassen oder gar nicht dabei haben. Macht wie Ihr mögt – Ich habe den bitte immer dabei. Das ist meine Anforderung ;)

Führerschein und Personalausweis.

Ich weiß, dass ich beides in Kreditkartengröße bekommen kann, habe ich aber nicht. Es brächte mir auch keinen Vorteil weil ich wegen des Fahrzeugscheins auf eine bestimmte Grundfläche festgelegt bin. Der rosafarbene Führerschein und der laminierte Personalauswahl haben dieselbe Grundfläche – So what? Beides möchte ich immer dabei haben.

Münzgeld.

Ja, brauche ich. Regelmäßig und häufig. Parkuhren in Göttingen nehmen nur Münzen – sie lernen nicht von Northeim und Einbeck, wo ich per App bezahlen kann. Bäcker nehmen nur Bargeld, dort bekomme ich Münzen als Wechselgeld oder werde kleine Münzen los – Das wird sich nur sehr langsam ändern, immerhin sah ich neulich den ersten Bäcker der ein Kartenterminal auf dem Tresen bewarb smile Eiswagen, Eisdielen, Dönerbude, … überall Kleingeld.

Ich höre bei dem Thema ständig, dass ich das Wechselgeld doch in die Hosentasche stecken solle. Zu Hause könnte ich es dann in eine Spardose werfen. Wenn das für Euch so funktioniert, prima. Ich ticke so nicht. Es ist für mich durchaus normal, fünf Euro und mehr Kleingeld zu haben – das ist viel Geld und das gebe ich für Einkäufe aus und werfe solche Summen nicht mehrmals im Monat in eine Spardose. Ich möchte auch kein Geld in der Hosentasche beim Gehen klimpern haben und ich möchte das Geld nicht ständig zwischen verschiedenen Hosen wechseln – was wegen des Pferdes mehrmals in der Woche zweimal am Tag passiert.

Mir ist klar, wer ohne Münzen klar kommt, schüttelt den Kopf. Vielleicht tue ich das in ein paar Jahren auch. Derzeit ist es aber so, dass ich Münzen regelmäßig bekomme und auch benötige. Ist so.

Ich möchte also ein richtiges Geldfach haben, eines, in das ich reinschauen und aus dem ich gezielt Münzen entnehmen kann.

Ist-Zustand

Mein aktuelles Portemonnaie erfüllt all diese Anforderungen. Nur ist es jetzt defekt und außerdem ist es dicker als es sein müsste.

Mein altes Portemonnaie. Es hat schon viel mit mir erlebt

Es ist im Querformat. Klappt man es auf, hat es hinten zwei Fächer für Geldscheine und Quittungen. Vorne rechts ist ein bequemes Münzgeldfach. Links daneben ein breiter Einschub mit Sichtfenster für die Papiere.

Dieses Einschubfach kann nochmals nach links aufgeklappt werden. Dann sieht man, dass es auf beiden Seiten einen solchen Einschub mit Sichtfenster hat. Nun hat man links neben dem Münzfach drei Kartenfächer vor sich und diese kann man ebenfalls nach links aufklappen um dann auf der Rückseite drei weitere Kartenfächer zu sehen und nochmals drei Kartenfächer freizulegen. Hinter diesen letzten Kartenfächern ist nochmals ein Einschub für Papiere.

Klingt kompliziert, ist aber einfach und sieht so aus:

Der Linke Teil lässt sich zweimal aufklappen. Diese beiden Flügel könnte ich sparen um das Portemonnaie etwas dünner zu bekommen

Links neben dem Münzfach ist ein Reißverschluss mit dem man ein Einschubfach hinter dem Münzfach öffnen kann.

Monströs, möchte man meinen. Und trotzdem ist das ganze ziemlich flach, wie ich noch feststellen sollte. Es ist nämlich sehr dünnes Leder. Die einzelnen Fächer und Klappen tragen nicht sehr dick auf – trotzdem könnte ich auf vieles verzichten, weil ich nur einen Bruchteil der Fächer nutze.

Mein altes Portemonnaie – Etwa 3cm dick mit 4 Karten, Papieren, einigen Geldscheinen und ein paar Münzen. Das ist der Maßstab – Es soll deutlich dünner werden.

Mein Wunsch

Ich baute mir aus Papier einen Dummy um zu sehen, was ich eigentlich brauche. Querformat finde ich gut.

Mein Papier-Dummy – Wenn mir jemand so etwas in schön aber ähnlich schlank nähen könnte… #hach

Aufgeklappt genügt mir hinten ein Geldscheinfach, die zweite Ebene könnte ich sparen. Ein Einschubfach für die Papiere genügt mir auch, dies könnte hinter den Kartenfächern liegen von denen ich nur vier brauche. Die beiden Ausklapp-Fächer kann ich also komplett weglassen. Reißverschluss mit Zugang zu noch einem Fach? Brauche ich nicht.

Einfach ein Querformat. Aufklappen, hinten Geldscheine, vorne links 4 Karten, dahinter die Papiere, vorne rechts das Münzfach. Fertig.

Sah ziemlich normal und nach Standard aus.

Erste Suche

Tatsächlich war meine Wunschaufteilung ziemlich normal – Allerdings war der Standard, dass es immer zwei Geldschein-Fächer gab. Davon abgesehen gab es meine Wunschaufteilung sehr häufig und so bestellte ich gleich drei verschiedene Modelle.

Drei einfache Leder-Geldbörsen. Leider sind alle drei schon leer ziemlich dick

Überrascht stellte ich fest: Obwohl alle drei Kandidaten weniger Ebenen hatten als mein altes Portemonnaie, waren alle drei nicht oder kaum schlanker. Sie hatten nämlich allesamt dickeres Leder.

Urban Forest, Volmer, Coin Keeper – alle ziemlich ähnlich dick im leeren Zustand

Außerdem waren sie alle ein klein wenig kürzer, so dass die Papiere zwar in ein Schubfach passten, dann aber gerade eben noch so weit heraus ragten, dass sie durch den Knick in der Mitte in Mitleidenschaft gezogen würden. Bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger.

Urban Forest

Urban Forest – Die kürzeste der der von mir bestellten Modelle. Zu Kurz für meine Papiere

Dies ist die kürzeste der drei. Die Papiere würden deutlich vom Mittelfalz betroffen werden, wenn man sie links hinter die Kartenfächer oder rechts hinter das Münzfach schiebt. Es hat links 4 Kartenfächer wobei das vorderste noch ein Sichtfenster hat, vermutlich sinnvoll für Monatskarten o.ä. für Bus & Bahn. Rechts das Münzfach und hinten zwei Fächer für Geldscheine.

Volmer

Volmer – Links 4 Kartenfächer, eines mit Sichtfach. Rechts Münzfach. Hinter beiden Einschübe für Papiere. Hinten zwei Geldscheinfächer

Das Model von Volmer ist etwas breiter. Papiere passen schon besser hinter die Kartenfächer, sie ragen immer noch ganz knapp zu weit hervor, so dass mein Führerschein bei einem Testtag an der Außenkante etwas geknickt wurde.

Wie bei Urban Forest gibt es hier links 4 Kartenfächer, das vorderste mit Sichtfenster. Zwei Fächer für Geldscheine hinten, vorne das Münzfach hinter das man ebenfalls Papier schieben kann.

Volmer – Im Münzfach ein kleines Steckfach für einen Euro oder Einkaufswagen-Münz-Dummy

Eine Besonderheit gibt es hier im Münzfach: Ein kleiner Einschub für eine Euromünze oder einen Münz-Dummy für den Einkaufswagen.

Coin Keeper

Coin Keeper – links 3 Kartenfächer, rechts Münzfach, hinter beidem Einschübe für Papiere. Hinten zwei Geldscheinfächer

Dies ist der breiteste der drei Kandidaten. Es ist ein ganz kleines bisschen breiter als die Geldbörse von Volmer. Das führt dazu, dass die Papiere problemlos hinter das Karten- oder Münzfach geschoben werden können, sie verschwinden vollständig darin und werden nicht geknickt.

Coin Keeper – Meine Papiere passen hier nahezu komplett in das Einschubfach.

Hinten wieder zwei Fächer für Geldscheine, vorne rechts das Münzfach und vorne links die Kartenfächer, von denen es hier aber nur drei gibt.

Coin Keeper – Gefüllt mit 4 Karten, einigen Geldscheinen, Papieren und ein paar Münzen

Allett

Coin Keeper, Allett, Urban Forest – Ähnliche Abmessungen, ganz anderes Konzept bei Allett

Diesen etwas anderen Vertreter der Slim-Wallets habe ich von einem Happyshooting-Hörer und Twitter-Follower Christian zur Verfügung gestellt bekommen, um einen Eindruck davon zu gewinnen – Vielen Dank dafür smile Das mir vorliegende Exemplar ist aus einem Nylon-Gewebe, also nicht Leder und es ist verdammt flach!

Das Allett (mitte) ist tatsächlich viel(!) flacher als die Lederkandidaten. – Sieht hier nicht so aus? Achtung: Das Allett ist gefüllt (4 Karten, Papiere, Geldscheine und Münzen), die anderen beiden sind leer!

Die Allett kommt im Hochformat daher, was für mich ungewohnt ist. Aufgeklappt gibt es hinten ebenfalls zwei Fächer, das hintere für Geldscheine geht nur so tief wie Geldscheine hoch sind, das vordere hat die volle Höhe/Tiefe, so dass meine Papiere problemlos dort hinein passen.

Aufgeklappt liegen 4 Kartenfächer vor einem, zwei links, zwei rechts, wobei in jedes Kartenfach mehrere Karten übereinander hineinpassen. Tatsächlich liegen einzelne Karten in diesen Fächern ziemlich lose.

Das Münzfach ist außen mit einem Reißverschluss zugänglich. Es ist aber leider kein richtiges Münzfach, dass sich ein Stück weit aufklappen lässt sondern einfach nur eine eingenähte Tasche mit Reißverschluss. Durch das Material kann man noch einigermaßen hineinschauen – Der Zugriff auf einzelne Münzen oder gar das heraus schütten in die Hand ist schwierig bis unmöglich. Beim heraus schütteln bleiben die Münzen an der oberen Lasche des Reißverschlusses hängen.

Außerdem gibt es einen Klettverschluss um die Geldbörse beim zusammenfalten zu fixieren, vermutlich, damit es nicht aufklappt wenn man das Münzfach möchte.

Allett (Mitte) ist gefüllt nicht dicker als die Leder-Geldbörsen im leeren Zustand

Flach ist es, deutlich. Genug Platz hat es auch. Das Münzfach ist aber überhaupt nicht nach meinem Geschmack und mit etwas anderer Aufteilung hätte das Münzfach innen liegen können, so dass man sich den Klettverschluss auch hätte sparen können.

Allett – 4 Karten, Papiere, Geldscheine, Münzen. Die dünnste Lösung, leider mit sehr unpraktischem Geldfach

Wenn der Hersteller mir in dieser dünnen Ausführung meine Wunschaufteilung anfertigen könnte… bigsmile

Offenes Fazit

Die Urban Forest war zu klein für die Papiere. Die Volmer habe ich einen Tag ausprobiert und festgestellt, dass auch hier die Papiere nicht sauber passten. Nun probiere ich die Coin Keeper und wechsele dann vermutlich zurück zu meiner alten Geldbörse…

Links mein altes Portemonnaie, leer. Rechts die noch frische und steife Coin Keeper mit 4 Karten, Papieren, Geldscheinen und Münzen

…Bis ich entweder etwas besseres finde, was ähnlich dünn wie die Allett ist aber ein besseres Münzfach hat… oder bis ich mir am Ende doch noch das Nähen beibringe und mir selbst etwas baue wink

Wenn jetzt jemand von Euch beim Lesen aufgeschrien hat, weil er oder sie genau das gefunden hat was ich suche, bitte hinterlasst mir einen Link, ich freue mich sehr darüber smile

5 Kommentare zu “Schlanke Geldbörse – Und keine für mich?

  1. Volker Puttmann

    Hallo Boris

    Ich hab mich für die Allet-Variante und, damit das Kleingeld nicht lose in die Hosentasche muss, für eine Minigeldbörse in Form einer „Wiener Schachtel“ entschieden. So kann ich das Kleingeld ggf. im Auto lassen und nehme nur die Karten/Papiere mit. Das Kleingeld klimpert nicht rum, ich verliere nix und ist beim Hosenwechsel schnell erledigt.

    z.B.: https://www.amazon.de/dp/B00QKFK8F6/ref=cm_sw_em_r_mt_dp_U_RRJNBbXZPEQKQ

    Gruß Volker

  2. Du hast ein aus meiner Sicht nicht unwichtiges Feature vernachlässigt: heutige Geldbörsen sollen einen NFC Schutz haben. Es ist sonst sehr einfach unberechtigt Geld via NFC abzubuchen.
    Just my 2 cents.

  3. Genau das ist auch mein Problem. Ich würde genau das gleiche nehmen, wenn du was findest.

  4. Mal als Anregung.
    https://bellroy.com/products/note-sleeve-wallet/leather_rfid/navy#image-8

    Kleingeldfach ist nicht so gut zu erreichen da müsste man sich die Frage stellen wie oft man Kleingeld wirklich braucht.

  5. Das ist bei mir auch ein Dauerbrenner – die perfekte Geldbörse gibts wohl nicht. Ich hoffe, dass das mit Bargeld bald ein Ende hat und ich dann nur noch mein kleines Karten-Etui brauche. Schicker Papier-Dummy übrigens. :)

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