Das neue iPad: Display, beamen – aber sonst?

Ich habe schon in der Vergangenheit über das iPad geschrieben (z. B. hier und hier). Das war 2010, die erste Generation des iPad. Seit dem gab es mehrere iOS-Updates, ein iPad 2 und nun das neue „iPad“ der dritten Generation. Grund genug für mich, einen erneuten Blick auf das Gerät zu werfen.

Was hat sich getan? Was kann man nun damit machen? Hier mein kritischer Blick auf das iPad und iOS.

Neu und toll

Ohne Frage ist das iPad sexy. Das war es schon ab der ersten Generation und mit dem hochauflösenden Display der dritten Generation schiebt es sich erneut vor den Mitbewerb. Wer am iPhone4 die höhere Auflösung zu den Vorgängermodellen gesehen hat, der wird verstehen, was für einen Schub das fürs iPad bedeutet. Die bessere Kamera tat auch Not, jetzt ist sie wohl etwa auf dem Niveau des iPhone 4S angekommen. LTE kann es nun, aber nur in ausgewählten Ländern – also USA und Kanada. In Deutschland vorerst wohl nicht, weil die Frequenzen hier und im Rest der Welt andere sind.

Und sonst?

Es mag ketzerisch klingen, wenn man bei einem Gerät wie dem iPad, das den Markt umgekrempelt und das Erscheinungsbild nahezu aller mobilen Geräte beeinflusst hat, fragt: „Und sonst so?“.

Mehr nach dem Klick

Sicher ist das Display klasse. Man kann nun also alles, was man bisher auch konnte, mit einer höheren Auflösung machen. Texte sind lesbarer, Surfen im Web dürfte mehr Spaß machen, etc.

Das ist alles toll, aber davon ändert sich an den Möglichkeiten des Gerätes selbst nichts. Weder an der Hardware noch am System iOS wurde am Konzept gearbeitet – und genau damit habe ich so meine Probleme.

Konsumieren ja – Produzieren nein

Man muss gar kein Power User sein (was immer das sein soll) um schnell zu bemerken, dass das iPad ein astreines Medien-Konsum-Gerät ist und die Medien-Erstellen-Funktionen extrem eingeschränkt sind.

iWork – ja, gibt es. Aber:

  • Zugriff auf ein Dokument ist nach wie vor nicht möglich. Dateien werden munter kopiert von App zu App. In welcher App ist am Ende der letzte Stand? Und wo? Mac, iPad, Cloud – wer hat Recht?
  • Schriftarten können weiterhin nicht installiert werden. K.O. für viele Anwendungen (Hausschrift, Sonderschriften für Schmuck oder Sonderzeichen, …). Somit scheidet sogar ein Überarbeiten vieler Dokumente unterwegs am iPad aus, da sonst die Formatierungen verloren gehen wenn man etwas ändert – oder man gar nicht erst sieht WAS man eigentlich ändert.
Fotos bearbeiten, ja, geht – aber:
  • Auch hier kein gemeinsamer Zugriff auf ein Foto. Es muss von App zu App kopiert werden, bzw. öffnen aus Kamera-Rolle (=Kopie in App) und anschließend speichern in Kamera-Rolle (=jetzt 2x vorhanden). Mit der nächsten Foto-App hat man schon 3 Versionen, dann 4…
  • Weiterhin gibt es keine Möglichkeit neue Alben/Unterordner in der Foto-App anzulegen um für Ordnung zu sorgen. Order werden beim synchronisieren zwar vom Mac auf das Gerät übertragen, auf dem Gerät selbst kann man aber keine Ordnung schaffen. Ich habe inzwischen 975 Fotos unter Aufnahmen. Ist es doch zuviel verlangt, dass ich meine Aufnahmen auf dem iPhone direkt einsortieren kann? Ordner anlegen geht inzwischen tatsächlich (Danke an Dunkelstern für den Kommentar) und vorhandene Bilder können in diese Einsortiert werden. Was nicht geht, sind Unterordner um z. B. einen „Urlaub“-Ordner und darunter verschiedene Reiseziele anlegen zu können.
  • Dass man weiterhin keine Fotos suchen kann – ich meine ohne einfach die ganze Liste von Hand durchlaufen zu lassen – möchte ich nur am Rande erwähnen. Kann ja auch nicht wirklich funktionieren, solange man keine Titel vergeben kann.
  • RAW-Entwicklung ist nicht möglich. Ja, ich weiß, das ist jetzt echt ein Spezial-Anwendungsfall. Es wird bei RAW-Dateien jeweils nur die eingebettete JPEG-Vorschau verwendet. Ob beim importieren mit dem Camera-Connection-Kit direkt eine JPEG-Vorschau erstellt wird, weiß ich nicht. Fakt ist aber, dass es keinen RAW-Entwickler für das iPad gibt. Doch, da gibt es einen, der kann aber auch nicht alles lesen und der Arbeitsspeicher zumindest des iPad 2 ist mit RAW-Dateien einer 5D Mark II überfordert.

Technik-Wirrwarr

Apple führt in letzter Zeit auch vermehrt Verwirrungen ins System ein, mehrere Techniken für gleiche Aufgaben.

Da gibt es z. B. iChat, FaceTime und dann kamen iMessages auf das iPhone. Da habe ich mich schon gefragt, warum das nicht in einer App läuft. Nun soll Messages auf den Mac kommen und alles vereinen, die Bildschirmfreigabe zu entfernten Rechnern (Support/Fernwartung) scheint aber weg zu fallen (das ist mit iChat möglich) und was ist mit Konferenz-Gesprächen mit Video? Mit Facetime (noch) nicht möglich, iChat entfällt demnächst aber wohl.

Dateien übertragen zu iOS-Geräten ist bisher eigentlich nur über iTunes möglich. Von Mac zu Mac über Netzwerkfreigaben. Dann kam für Mac AirDrop um schnell und einfach zwischen Macs, über WLAN, Dateien zu kopieren. Warum tauchen iPhone/iPad nicht in AirDrop auf? Ich sage: Weil es keinen globalen Dateien-Speicher auf diesen Geräten gibt. Das gibt es bisher nur für Fotos, für sonst nichts.
Dafür führt Apple nun das Fotos beamen mit dem iPad, Entschuldigung, iPhoto für iPad ein. Schon wieder etwas neues.

So könnte man sicher noch viele andere Beispiele anführen.

MacBook Air als Alternative

Ich lese und höre immer häufiger, dass Anwender sich ein MacBook Air 11″  zulegen und das iPad immer weniger oder gar nicht mehr in die Hand nehmen. Das 11″ Air ist kaum größer als das iPad – ja, es ist etwas dicker – ist aber ein vollwertiger Mac, auf dem alle bekannten Apps laufen. Auch Lightroom, iPhoto, Photoshop, und und und.

Fazit

Für viele Bereiche ist das iPad sicher toll und ich verstehe, dass es viele kaufen und nutzen (wollen). Für mich ist es aber nach wie vor eine Art Wissens-Datenbank. Ich kann ins Netz, TV-Programm nachschlagen, Wetter, Kontakte, Mail, … es kann die Zeit vertreiben mit Spielen etc. Auch im Geschäftsleben kann man es durchaus einsetzen, wenn die Nutzung eben darauf reduziert ist, dass man seine Outlook-Anbindung unterwegs hat, also Termine, Kontakte, Mails und Aufgaben immer vor Ort hat. Einige nutzen es, um auf den Firmen-Terminal-Server zuzugreifen und natürlich gibt es auch ganz spezielle Apps für Firmen, die nicht im App-Store auftauchen.

Für mich fehlt dem iPad und/oder dem iOS aber noch so einiges, bevor man mit dieser Klasse von Geräten eine „Post-PC Ära“ einläuten kann.

Und bei Euch so? Was genau macht ihr wirklich mit dem iPad? Oder was fehlt Euch konkret, bevor es für Euch sinnvoll wird?

13 Kommentare zu “Das neue iPad: Display, beamen – aber sonst?

  1. Das iPad 1 habe ich recht viel zum Lesen benutzt. Allerdings habe ich seit einigen Monaten ein Air 13″ und ich mache so gut wie alles damit. Wenn ich es brauche ist es sehr schnell einsatzbereit und ich habe einen vollwertigen Rechner.
    Das iPad 3 ist schon cool, aber ein richtiges System, mit dem ich alles machen kann ist noch cooler!

    Viele Grüße
    Sven

    • Falls es sich um klassischen Bücher handelt schau dir mal den Kindle oder einen anderen e-Ink Reader an. Bisher hat dessem laif keiner aus meinen Bekanntenkreis bereut – einfach perfekt für diesen speziellen Einsatzzweck und seine 100€ allemal wert.

  2. Kleiner Hinweis: RAW-Entwicklung geht, mit meiner 30D und dem Camera Connection Kit einerseits und der App PhotoForge2…

    • PhotoForge2 macht keine RAW-Entwicklung sondern arbeitet auf einem JPG. Das ConnectionKit zeigt keine RAW-Dateien an sondern berechnete JPG-Vorschaubilder und auf denen arbeitet PhotoForge.

  3. Alben Anlegen geht doch in der Fotos App?
    1. Oben rechts auf den „Action-Button“ drücken
    2. alle Fotos die in ein Album sollen antippen
    3. Oben rechts auf „Hinzufügen…“ drücken

  4. Nachdem ich das iPad 1 und zwischenzeitlich mal ein Android Tablet ausprobiert habe, ist das iPad 3 nun mein dritter Anlauf in Sachen Tablet. Es ist also eigentlich kein Upgrade sondern ein Neukauf.

    Braucht man es unbedingt, sicher nicht, ein flacher, leichter Rechner würde es auch tun. Aber zum Konsumieren von Büchern, Filmen, Musik, Internet… ist es, vor allem unterwegs (Bahn, Flug), aufgrund der Größe ideal. Beruflich nutze ich es vor allem um Dokumente schnell im Zugriff zu haben oder unterwegs bequem lesen zu können. Da ist das Hochkantformat deutlich angenehmer als die niedrigen 11″ oder 16:9 formatigen Laptop Displays.
    Daneben dient es mir im Urlaub als Backup Festplatte für Fotos, mit dem Effekt, dass man die Bildmassen schon einmal bewerten und aussortieren kann.

    Aus meiner Sicht ist ein Tablet momentan ein verzichtbares, teures Spielzeug, vor allem weil Aufgaben wie Fotobearbeitung (RAW) und komplexere Arbeiten am Rechner deutlich schneller zu erledigen sind. Aber bei Hobbies schaut man darüber ja gerne mal hinweg… ;o)

  5. Hi, mir fehlt ganz einfach, dass ich eine Festplatte und einen Cardreader anschließen kann um Daten von der Speicherkarte auf die Festplatte zu sichern.

  6. Christoph

    Eine kleine Anmerkung:
    Die Kamera des iPad 3 entspricht mit ihren 5 Megapixel eher der des iPhone 4. Das iPhone 4S hat stolze 8 Megapixel…

  7. Steppenwolf71

    Den von dir genannten Einschränkungen kann man nicht widersprechen, allerdings hoffe ich schon, dass in Zukunft noch einiges besser wird. Man darf ja nicht vergessen, dass es das iPad erst seit 2 (!!!) Jahren gibt.

    Ich habe das (Ur-)iPad und habe mir letztes Jahr ein MacBook Air 13 Zoll gekauft, z.T. wegen der von dir genannten Einschränkungen. Allerdings muss ich feststellen, dass ich das MBA viel zu selten nutze. Das iPad ist einfach noch schneller eingeschaltet und z.B. beim Surfen auf der Couch oder im Bett viel angenehmer. Und wenn ich arbeiten will, dann gehe ich halt an meinen iMac. Für den Konsum kann ich mir einfach nichts besseres vorstellen, deshalb werde ich mich morgen auch gleich in die Schlange einreihen :D

    Und dann noch ein Apple TV dazu, dann ist für mich die Sache im Moment perfekt!

    Schöne Grüße,

    Volker

    PS: Es hat nicht zufällig jemand Interesse an einem wenig benutzen 13 Zoll MacBook Air (Mid 2011)?

  8. Was ich hier mal an der Stelle anmerken möchte:

    Ihr habt sicher irgendwie alle auf Eure Weise recht, keine Frage.
    Aber: Das iPad ist ein „Benutzer“, kein „Macher“ Device. Aber so was es auch nie gedacht. Bei der Präsentation des ersten iPads hat Steve Jobs extra deutlich gemacht, dass dieses Gerät zwischen Smartphone und Notebook angesiedelt ist.

    Das iPad ist dazu da, um das zu machen, was vermutlich 90% (die Zahl hab ich mir jetzt erdacht) der Leute so tagtäglich mit ihren Geräten machen: Surfen, Mailen, Musik hören, Videos gucken, Spielen. Genau dafür ist das da.

    Es war noch nie dafür gedacht, damit wirklich zu Arbeiten oder zu Entwickeln. Mittlerweile gibt es Apps (siehe iWork oder iPhoto), mit denen es doch irgendwie gehen soll, aber das scheint mir nicht so ins Konzept zu passen.

    Das iPad (welches auch immer) ist für reine „Consumer“ und so war es von Anfang an auch gedacht. Wem das nicht gefällt, der muss ja keins kaufen, sondern sollte sich besser ein MacBook oder ein usonstiges Notebook kaufen. Daher finde ich es manchmal nicht fair, wenn Leute am iPad kritisieren, dass man damit nicht „arbeiten“ kann. Dafür war es eben auch nie gedacht.

    Man kauft sich ja auch keinen Porsche und ärgert sich dann, dass dieser nicht geländetauglich ist.

    Ich werde mir für meinen Teil jedenfalls das iPad3 zulegen (mein erstes überhaupt) und zwar mit dem vollen Bewusstsein, dass es in keinster Weise meinen iMac oder das Notebook ersetzen kann :)

  9. Stimme dir hierbei vollkommen zu. Ich selbst bevorzuge Android Tablets – Freundin hat ein iPad. Während ich Android hier seit ICS etwas weiter vorn sehe was das OS betrifft stören mich auch dort so einige Dinge. Vor allem das bearbeiten von Bildern ist einfach nervig. Zwar kann ich bei Android zumindest bei fast jeder App auch einen eigenen Speicherordner angeben, aber das Problem der unzähligen Versionen eines Bildes bleibt auch hier bestehen. Die Option das geöffnete Bild einfach zu überschreiben sucht man meist vergeblich.
    Android ermöglicht mir immerhin andere Fonts zu nutzen, aber die 100%ige Freiheit wie man sie vom Desktop gewohnt ist fehlt hier auch noch. Ebenso fehlt mir auch noch weiterhin wirkliches multitasking. Fast alle Anwendungen haben ihr SmartPhone Pendant weshalb es kein Problem sein sollte 2 Apps gleichzeitig in einer 50/50 Aufteilung nutzen zu können – bei Android dürfte dies eigentlich sogar noch einfacher umzusetzen sein weil hier die Apps eh auf unterschiedliche größen skalieren müssen. Immerhin gibt es inzwischen einen Browser welcher sich beliebig in der Größe verändern und über jegliche andere App legen und verwenden lässt.

    Bin gespannt was die Zukunft bringt. Eines ist jedenfalls klar – von einer Post PC Ära wie sie gerne genannt wird sind wir noch meilenweit entfernt. Apple war beim neuen iPad wieder ziemlich geschickt bei der Auswahl der Komponenten (Display & SoC von Samsung), nur die noch immer verbaute VGA Front-Kamera kann ich in der Zeit von Facetime, Skype und G+ Hangouts nicht nachvollziehen. Aber bei iOS steht in den letzten Jahren irgendwie alles etwas still und es ist noch immer mehr ein reines Phone OS.

    Android war bis ICS auf Tablets grausam, dann haben sie mit ICS nun einen riesigen Sprung vollbracht. Ich hoffe dass sie dieses fortsetzen werden und vielleicht überrascht uns ja auch Apple mit iOS 6.

    Derzeit sind die 400-700€ Tablets einfach etwas für uns technikverliebte Geeks, aber noch nichts für die Masse was sich ja auch in der noch relativ geringen Verbreitung wiederspiegelt. Die meisten sind mit einem aktuellen SmartPhone + Kindle e-Ink (sofern sie gerne lesen) einfach besser und günstiger bedient. Bei der durchschnittlichen Nutzungweise sehe ich Tablets erst in einer Preisregion von 100-200€ in den Haushalten. Bisher hatten diese oft mangelhafte Displays oder waren extrem langsam, aber das in den Gerüchten weit verbreitete Google Tablet für 149-199$ könnte einiges ändern. Auch das Novo 7 zeigt dass die günstigen Geräte nun eine ernsthafte Konkurrenz zu den teuren Geräten darstellen (http://www.netbooknews.de/65313/ainol-novo-7-aurora-im-hands-on-ics-tablet-fuer-160-euro-ueberzeugt/).
    Für den normalen Haushalt sind derartige Geräte mehr als ausreichend. Wir haben ja auch nicht alle 200€ teure Küchenmesser in der Schublade nur weil es sich damit etwas leichter schneidet.

    Den hohen Auflösungen stehen ich auch noch skeptisch gegenüber. Sei es das neue iPad oder das 11,6″ Samsung Tab welches bald erwartet wird. Die dadurch verdoppelte bis verdreifachte Größe der Apps zerstört einiges am Mobilitätsfaktor. Mal schnell etwas herunterladen ist dann auch nicht mehr. Fotografen die bisher Apps mit ihrem Portfolio im Store hatten stehen nun auch vor einem Problem. Behalten sie die Auflösung der Bilder bei schauen sie auf dem neuen iPad schäbig aus, erhöhen sie die Auflösung verteilen sie freiwillig ihre ganzen Werke in einer 3mio Pixel Auflösung

  10. Eigentlich braucht es ein Laptop aus zweien dieser Bildschirme wie das iPad hat. Damit läßt sich viel machen und gucken. Wann hat es denn das endlich?

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