iPad – Nicht für jeden praktisch

Nachdem Apple das iPad vorgestellt hat, sind die ersten Geräte in den USA bereits intensiv betrachtet worden. Es gibt viele Berichte in Podcasts (z.B. Macbreak weekly), Blogs, Youtube, etc. Auch ich habe mir natürlich Gedanken gemacht, ob dieses Gerät für meine Zwecke nützlich sein könnte und ich bin mal verschiedene Szenarien durchgegangen, in denen ich häufig unterwegs bin.

Flash, über das soviel diskutiert wird und das am iPad nicht verfügbar ist, interessiert mich eigentlich eher gar nicht, kann aber verstehen, dass es vielen fehlt (viele Webseiten basieren zu 100% darauf). Ich finde aber andere Dinge viel gravierender als einige Webseiten, die eben nicht mehr besucht werden (Flash-Webseiten sind bei mir am Desktop auch eher selten im Browser weil sie bei DSL1000 einfach zu lahm sind (viele von denen) und überhaupt mit der Bedienung und Darstellen nerven (viele))

Mir geht dieses in sich geschlossene Grundkonzept etwas auf den Zeiger für so ein Gerät:

mehr nach dem Klick

  • Mal angenommen Du sitzt auf dem Sofa und bastelst ein schönes Plakat in Pages zusammen. Jetzt noch ein paar Fotos dazu. Die hast Du gerade vorhin erst auf die Festplatte gerendert – am Mac. Ah, wie blöd… mal eben über das Netzwerk aus Pages heraus auf die Bilder zugreifen? Fehlanzeige! Du bekommst die Bilder jetzt nicht mal eben. Einzige Lösung: Die Bilder über iTunes syncen – also entweder über einen Finder-Ordner oder über iPhoto – Also hin zum Mac, Bilder nach iPhoto importieren oder in richtigen Ordner ziehen, iPad andocken, syncen (da läuft erst mal eine Sicherung und die aktuellen Video-Podcasts werden auch übertragen… und schon, viele Minuten später, hast Du die Bilder auf dem iPad… aber wo Du schon mal am Mac bist kannst Du das Plakat auch gleich hier basteln…
  • Nun hast Du vielleicht ein Dokument am Mac erstellt unter Pages. z.B. eine hübsche Speisekarte. Nun möchtest Du diese auf dem iPad mitnehmen um unterwegs etwas dran zu feilen. Fotos hast Du inzwischen ja schon gesynct. Nun hast Du aber Deine eigenen Fonts verwendet… Was nun? Das iPad kann keine Fonts installieren – schon gar nicht System weit.
    Kann mal jemand ausprobieren wie Pages-Dokumente mit eigenen Schriften am iPad aussehen? Dazu konnte ich noch nichts finden.
  • Überhaupt das Problem, dass es kein globales Dateifach gibt, so etwas wie die Öffentlichen Dateien am Mac. Etwas, wo man einfach mal ein paar Dateien vom Mac/PC auf das iPad schubsen könnte. Einfach mal im Finder ein paar Dinge markieren und auf das iPad ziehen (sollte im Finder natürlich angezeigt werden wie jeder Netzwerk-Rechner) damit man unterwegs, aus jeder Anwendung des iPads, darauf zugreifen könnte – die Apps bräuchten dafür natürlich Zugriff auf diesen globalen Dateikasten. Das würde es aber überhaupt erst möglich machen, dass man mal ein paar Dokumente unterwegs bearbeitet und dann, beim Freund/Kunden die Dateien einfach über das Netzwerk kopiert und z.B. druckt oder eben dem Empfänger gibt. Warum erst eine E-Mail schicken mit megabyteweise Anhang?
    Ich weiß es gibt Programme die Dateiaustausch ermöglichen – aber an diese Dateien kommt keine andere App ran – nutzt also nichts, wenn dort ein Pages/Keynote/Bild/whatever liegt
  • Die ersten haben nun auch schon festgestellt, dass sie ein Dokument ganz schnell in drei verschiedenen Versionen haben: Einmal auf dem Mac, eine Kopie auf dem iPad und womöglich noch eine Fassung online bei Apples iWork.com. Dabei ist offenbar nirgends ersichtlich, welche Version den aktuellen Stand widerspiegelt. Eine Synchronisation der Dokumente gibt es nicht, es werden Kopien erzeugt. Für wirklich ernsthaften, dezentralen Einsatz zur Bearbeitung von Dokumenten eignet sich das iPad daher wohl nicht wirklich – oder nur wenn man sehr genau aufpasst was man tut.
  • Im Wohnzimmer an einem Brief gebastelt, oder Glückwunschkarte,… jetzt nur noch ausdrucken – Fehlanzeige. Erstmal syncen gehen… naja, hätte ich dann auch gleich am Mac basteln können (außer man hat die Zeit im Zug genutzt etc., ist schon klar, aber das ginge mit einem 13″ MB sicher noch besser)

Zum reinen konsumieren von Daten mag das alles schick sein. So wie man sein Smartphone nutzt. Daten anzeigen, an Termine erinnern.
Sobald man aber etwas kreatives tun möchte, man also Inhalte erzeugen möchte, wird das Grundkonzept zur größten Krücke und mir ist nicht ganz klar, wohin Apple möchte. Immerhin haben sie iWorks für das iPad gebaut, großer Aufwand. Und dennoch krankt das Konzept gerade an dieser Stelle – Entweder ist es Apple einfach egal, oder die sind im Hinterkopf schon bei OS5 oder OS6 für das iPad wo es ganz neue Möglichkeiten geben wird (vermutlich nicht mit der heutigen Hardware aber das ist ja eh klar)

Vorläufiges Fazit

Rein von dem was ich bisher gesehen und gehört habe (von Leuten die das Teil haben), würde das iPad bei mir vermutlich keine Lücke schließen sondern neue Lücken aufreißen. Als digitaler Bilderrahmen sicher cool, und um Fotos bei Besuch von Familie/Freunden zu präsentieren – aber nur dafür ist es mir dann doch zu teuer.

Wie seht Ihr das? Wie stellt Ihr Euch den Einsatz des iPads in Eurem Umfeld vor – oder konntet Ihr es sogar schon probieren (mit iPad aus den USA z.B.)?

10 Kommentare zu “iPad – Nicht für jeden praktisch

  1. Ich würde das iPad unterwegs und abends im Bett nutzen, um Blogs zu durchforsten und Podcasts anzugucken. Um nur eine Version eines Dokuments zu haben, würde ich MobileMe benutzen. Wenn ich erst noch eine Tastatur kaufen und mitschleppen müsste, um halbwegs produktiv arbeiten zu können, dann benutze ich lieber gleich mein MacBook. Mich stört diese Ausrichtung auf Konsum, statt Produktivität auch, aber ich blicke hoffend in die Zukunft und neue Apps.

    • @Robert: Ich denke so werden das viele sehen. Allerdings wird das mit dem MobileMe-Ansatz für nur eine Version des Dokumentes nichts werden, jedenfalls nicht in dieser ersten Version. Meines Wissens greift iWorks auf dem iPad nämlich nicht auf die iDisk zu. Du hättest also mit dem Öffnen des Dokumentes (wenn dies z.B. direkt aus der iDisk-Anwendung auf dem iPad möglich sein sollte) eine zweite Version.

  2. Hi Boris,

    ich keine Beschreibungen gut nachvollziehen. Dass es keinerlei Konzept für ein öffentliches Dateisystem (oder wenigstens einen „Aktenkoffer“ à la Windows 95) finde ich auch super doof.
    Es wird ja in letzter Zeit immer mehr zwischen Konsum und Erstellung unterschieden. Ich glaube einfach, medialen Output zu erzeugen geht mit dem Ding einfach erst mal nicht.
    Aber ich nutze das iPhone so häufig auch daheim für den kleinen Konsum zwischendurch, dass ich mich oft nach etwas mehr „screen real estate“ gesehnt habe. Und das erfüllt das Ding.
    Und mit der größeren oder gar externen Tastatur werden auch Texteingaben jenseits der 140 Zeichen sicher möglich werden. Damit decke ich doch einen größeren Teil meiner Wünsche ab.

    Aber ehrlich gesagt. hatte ich vor dem Launch eher gehofft, ein 10″ Macbook zu bekommen mit OSX statt iPhone OS zu bekommen. Diese Lücke bleibt bei mir nach wie vor bestehen.
    Und solange Apple in der 13″-Klasse immer noch mit den völlig indiskutablen 800 Pixeln Höhe arbeitet, werde ich hier auch nicht nachrüsten, sondern mit meinem weißen SSD-MB weiter leben. Da bin ich auf Sony neidisch, die schon bi 9 Zoll mit höheren Auflösungen daherkommen.

    Als Besitzer enes Mifi(UMTS) bleibe ich bei meiner Entscheidung, eine WLAN Version zu beschaffen. Unter Umständen warte ich aber doch, bis zur nächsten USA Reise.

    VG Thomas

  3. Hi Boris,

    also meine Meinung ist relativ indentisch zu meinen Vorrednern. Allerdings stört mich das mit dem nicht offenen Dateisystem nicht so wirklich. Auch das mit dem produktiven.

    Das erste mal habe ich von einem Freund über das iPad gehört. Er bezeichnete es als „quasi reinen E-Book Reader“. Meine Reaktion dazu war: „Ne, oder? Jetzt auch noch Apple!“. Ich persönlich bin kein Freund der E-Books. Wenn ich ein Buch lesen will dann geh ich in den Laden u. kauf mir eins u. das stell ich dann ins Regal u. bunkers nicht auf so nem „Schieferbrett“ wie ers nannte. Als ich mich dann allerdings etwas mehr informierte bzw. viel mehr als das Teil dann auch wirklich vorgestellt wurde fand ich es erstmal cool! Ich hatte den ersten (fälschlichen) Eindruck durch meinen Freund dass es ein reiner E-Book Reader sein soll was es ja schulssendlich Gottseidank nicht geworden ist.
    Für mich ist das iPad nicht wirklich ein produktives Gerät. Alleine schon die Eingabe (Touchscreen) für Text finde ich nicht wirklich komfortabel ohne es ausprobiert zu haben. Deshalb käme für mich die Frage ob ich mir iWork für das Teil kaufe gar nicht in Frage u. ich hätte so schon mal einige Probleme weniger.
    Dass man da nicht einfach mal was übers Netzwerk abholen kann finde ich nicht so wirklich toll.

    Mein persönliches Fazit:
    Generell weis ich nicht so wirklich was ich von dem Teil halten soll. Auf der einen Seite find ichs blöd und total überteuert auf der anderen Seite ist das etwas das mir schon lang mehr oder weniger gefehlt hat. Für mich liegen die Stärken des Gerätes vor allem im eigenen Heim. So würde ich es quasi ausschließlich verwenden um mal kurz was im Internet nachzuschauen, Mails zu checken, Musik zu hören, Filme zu schauen etc., auch Abends im Bett. Denn wer geht schon mit nem MB pennen :)? Is ja viel zu groß. Für produktives Arbeiten ist das iPad meiner Meinung nach ungeeignet deshalb würde es bei mir nie das MB ersetzen. Aber zusammen mit meinem Stationären Mac (normale MAC Arbeiten) u. dem iPod nano (Sport, Schule (also Bus :) )), später mal ein iPhone (als Handy u. immer dabei Ding (PDA)) würde das iPad für mich mehr o. weniger Sinn machen. Natürlich wäre es cool a. der Preis. 500 Euronen für nen größeren iPod Touch sind dann ja doch nicht wenig.

    Also zusammengefasst:
    Vorerst werde ich mir keines hohlen, alleine schon aus Preisgründen nicht. Ich werde einfach abwarten und mit der Zeit wird sich schon zeigen ob ich es mir in immer mehr Situationen wünschen würde. Also mal schauen, :)

    So weit,
    Viele Grüße,
    Tobi

  4. Also als ich die erste Ankündigung gelesen habe dachte ich mir: „Ui, hört sich interessant an, WENN es nicht so beschränkt wie das iPohne ist…“ Ich muß zugeben, ich bin PC-User und setze inzwischen 3 verschiedene Betriebssysteme ein (Windows, Gentoo und teilweise noch BSD), da würd es mir auf ein 4tes nicht ankommen, zumal mir ein guter Freund ständig vom MacOS vorschwärmt… aber mangels Mac und mangels Lust es auf mein Netbook (voll kompatibel) zu basteln, hab ich nicht viel Vergleichsmöglichkeiten… aber ein schicker Netbookersatz mit MacOS, das wäre was gewesen, aber was soll ich mit einem großen iPhone?

    Für mich wäre es interessant gewesen, wenn man per USB eine 2,5″ Platte hätte anschließen können und dann entweder über 2ten USB, oder eingebauten Kartenleser seine Fotos hätte sichern können. Ich hab mir gedacht, wenn man auf dem Rückweg vom Shooting im Zug, oder im Urlaub, seine Fotos schonmal hätte sichten können, vielleicht sogar schonmal Wertungen hätte vergeben können… aber nein…

    Grundsätzlich ist das Teil für mich nicht viel mehr, als ein digitaler Bilderrahmen, mit der Möglichkeit im Internet zu surfen. (Aber ohne die Möglichkeit, sich die Galerie auf meiner Seite anzuschauen, die basiert nämlich auf Flash) Ich war echt enttäuscht und hab mich ebenfalls gefragt, in welche Richtung Apple damit gehen möchte.
    Das sich das iPad nicht mal nahtlos in einer „Mac-Umgebung“ (also mit iMac und MacBook) einfügt, finde ich schwach, dachte diese Kompatibilität wäre immer eine der Stärke von Apple gewesen.
    Apple hat es jedenfalls vollständig verpasst, mir ein Gerät vor die Nase zu halten, dem ich nicht widerstehen kann. Es hätte mich vielleicht vom MacOS überzeugt und wenn ein neuer Computer fällig ist, wäre ich vielleicht überzeugt vom MacOS gewesen und ich hätte mir einen iMac gekauft… nur würde ich das nie tun, ohne das Betriebssystem mal ein paar Wochen im Produktiveinsatz getestet zu haben. Da hätte das iPad Pionierarbeit leisten können. Chance verpaßt.

  5. Hallo Boris,

    eine gute Frage, die Du dort gestellt hast. Durch die von Dir genannten Einschränkungen ist das iPad ein Medien-Konsument und kein Medien-Produzent. Anbei meine Überlegungen zum iPad und weshalb ich noch keine Reservierung habe…

    Meine private IT-Ausstattung: Media-Center MacMini, MacBook, iPhone, Sony PSP3
    und zusätzlich BlackBerry und WinXP Notebook von der Firma.

    Filme, TV-Aufnahmen, Photos zeigen => Media-Center am 42″ TV
    BlueRay, Spiele => Sony PSP3
    Photos bearbeiten, E-Mail, lange I-Net Suchen, sonstiger privater Kram => MacBook
    MS Excel, Word, SAP und andere berufliche Dinge => WinXP Notebook (und das hoffentlich selten zuhause)

    Da ich gegenwärtig Single bin und als Mann eher Single-Tasking orientiert bin, komme ich mit der oben genannten Ausstattung gut zurecht. Ich sehe nur folgende Einsatzlücken: Medienkonsum am Frühstückstisch und im Bett. Im Auto nutze ich das iPhone, alles andere ist als Fahrer nicht mit der Verkehrssicherheit vereinbar.

    Für das Lesen meiner täglichen Nachrichten zum Frühstück und abends im Bett sind mir 500,- Euro etwas viel Geld.
    Da nutze ich doch lieber mein iPhone. Zumal auch Abo’s elektronischer Medien monatliche Gebühren kosten werden.

    Anders kann ich mir die Situation in einer Partnerschaft vorstellen = so kann man beim gemeinsamen Fernsehabend bei der Werbung noch mal eben schnell die Mails checken, Dinge im I-Net suchen, etc. Es macht schon Spaß zu spielen, wer bei „Wer wird Millionär“ schneller die richtige Antwort im Netz gefunden hat….aber so etwas kann auch ein einfaches NetBook, was für weniger Geld zu haben ist.

    Ich werde also erst einmal zu den Beobachtern gehören, wie auch beim iPhone… Dieses nutze ich erst mit dem 3GS.. da war das Killerargument Turn-by-Turn Navigation… so hat es den iPodTouch als Freisprecheinrichtung, Navi und Audio-Player im Auto mehr als abgelöst und dafür gesorgt, dass ich keinen Gerätezoo habe. Eine ähnliche Entwicklung erwarte ich auch für das iPad… das neue Bedienkonzept wird viele Dinge möglich machen, die vorher nicht mal in den kühnsten Träumen vorhanden waren. Da das iPad neue Märkte eröffnet und es eine eigene Gerätekategorie ist, sehe ich dem gegenwärtigen Hype gelassen entgegen.

  6. Peter Brülls

    Das Konzept krank nicht, sondern Du versuchst (geistig) das Gerät für Einsatszwecke zu verwenden, für die es nicht gedacht ist.

    Und natürlich ist es nicht für jeden praktisch.

    Die Erkenntnis ist, verzeichung, so banal wie die Feststellung, daß eine DSLR nicht für jeden praktisch ist.

    • @Peter: Das mag aus Deiner Sicht korrekt sein und teilweise stimme ich zu. Wenn Apple aber die iWork Programme für das iPad anbietet, dann suggerieren Sie meiner Meinung eine Funktionalität, die in der Form nicht wirklich gegeben ist. Warum sollte man am iPad Präsentationen erstellen oder Layouts entwerfen können, wenn nicht mal andere Schriftarten möglich sind (zumindest konnte mir bisher niemand erklären, wie das funktionieren soll)? Wenn es nur um das Erfassen von Gedanken geht, die man dann zu Hause am Mac ins Layout bringt, dann ist ein Pages überhaupt nicht erforderlich, es genügt ein einfacher Texteditor.
      Ich würde auch gerne sehen, wie Keynotes und Pages-Dokumente am iPad aussehen, die am Mac erstellt wurden und eben andere Schriftarten als die vom iPad verwenden.

      Betrachtet man das Gerät als Spielekonsole und kleines Fenster zum Internet (Mail, Browser, Twitter, …), dann reduziert man es IMHO auf ein großes iPod Touch und es mag durch den größeren Bildschirm deutlich praktischer sein.

  7. Peter Brülls

    iWork ist eine Ausrede, um die Ausgabe zu rechtfertigen. „Guckt mal, ich kann damit arbeiten.“ :-)

  8. hoppi2001

    Das iPad ist nicht zum PRODUZIEREN sondern lediglich zum KONSUMIEREN.
    Entweder akzeptiert man das oder man kauft sich was anderes.

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