Gut oder schlecht – Was ist eine Bildkritik?

Bildkritik / Bildbesprechung… Ob das auch geht, ohne die Absicht des Künstlers zu erkennen…?!

Ich sage mal: ja smile

Martin stellt sich in seinem Blogeintrag der Frage: „Was ist eine gute Bildkritik?“. Meine Gedanken als Kommentar dazu sehen wie folgt aus.

Schaut Euch die vielen alten Gemälde an, von realistisch über avantgardistisch, expressionistisch bis abstrakt. In vielen Fällen lebt der Künstler nicht mehr und er hat nicht hinter das Bild geschrieben, was er damit ausdrücken wollte. Und trotzdem werden die Bilder oft besprochen und analysiert. Teils oberflächlich, teils intensiv.

Nicht nur der Laie, auch der Kunstexperte stellt sich oft die Frage: „Was hat sich der Künstler dabei gedacht?“, nur eben oft mit unterschiedlicher Intention wink

Ich schreibe nur selten zu meinen Fotos, was ich mir dabei gedacht habe oder was ich damit ausdrücken wollte. Nicht aus Faulheit sondern aus purer Absicht. Schreibt man nämlich ausführlich, warum man die Farbe so, den Winkel anders und das Licht so speziell eingesetzt hat, dann nimmt man im Kopf des potentiellen Betrachters bereits eine Wertung vor. Man schubst ihn quasi in eine bestimmte Richtung. Ein Profi wird sich davon vielleicht weniger lenken lassen, aber als solcher hat er bereits seine eigene Bildsprache und ihm wird mein Bild gefallen oder nicht – aber kein Tipp wird mich dazu nötigen können, meinen Stil an seinen anzupassen.
Nein, mich interessiert das unbefangene Feedback der Betrachter – egal ob Profi, Fotoeinsteiger oder überhaupt kein Fotograf. Mich interessiert, was der Betrachter, der Mensch, sieht und empfindet.
Ein bekanntes, sicher sehr extremes Beispiel dieses Phänomens, ist eine schmutzige Badewanne in einer Ausstellung gewesen die, sicher wortreich argumentiert, als Kunstwerk gelten mag. Sie wurde dennoch geputzt weil sie eben, völlig unbefangen betrachtet, einfach eine schmutzige Badewanne war. (Beuys Badewanne)

Ich möchte also lieber die unbefangenen Meinungen lesen/hören. Dabei lasse ich sowohl „tolles Bild“ / „kann ich nix mit anfangen“ aber auch inhaltsreichere Bewertungen gerne an mich heran.

Die kurzen Aussagen geben einen groben Überblick (gefällt es, gefällt es nicht, ist mein Publikum damit überfordert? ;)) – Die längeren Kommentare helfen mir das grobe Gefühle der Menge zu verstehen. Nicht sonderlich schön finde ich Kommentare, die beleidigend / unterstellend werden (Martin nennt Beispiele in seinem Blog). Ich werte solche Kommentare „intern“ als „gefällt mir nicht“, alles weitere wird ignoriert. Konstruktive Kritiken, also Verbesserungsvorschläge, lese ich dagegen sehr gerne.
Der Schreiber weiß natürlich nicht, ob er mit seinem Vorschlag wirklich eine Bildverbesserung oder eine komplette Bildänderung beschreibt, er kennt ja meine ursprüngliche Idee nicht. Das sehe ich allerdings nicht als Problem. Entweder ich lese aus so einem Vorschlag heraus, dass das Bild nicht in meinem Sinne verstanden wurde und ich daran arbeiten muss, oder dass das Bild genau richtig interpretiert wurde und ich gute Ideen von außen bekomme.

Was also ist eine gute Bildkritik, was eine schlechte?

Für mich ist jeder Kommentar zu einem Bild eine gute Kritik (im Sinne von hilfreich) solange sie nicht beleidigend oder angreifend formuliert ist – egal, ob mein Bild dabei gut oder schlecht abschneidet. Bekomme ich also durch einen Kommentar ein besseren Überblick darüber, wie das Bild „da draußen“ gesehen wird, dann ist es eine gute Kritik.

Eine richtig gute und wirklich sehr hilfreiche Besprechung ist es immer dann, wenn der Betrachter eine Begründung liefert oder sich wenigstens ein Detail heraus pickt und beschreibt, warum es ihm gefällt oder er es nicht wirklich leiden kann. Diese Besprechungen (finde ich besser als das negativ belastete Wort „Kritik“) sind es übrigens auch, die dem Kommentar-Schreiber in seiner eigenen Fotografie enorm weiterhelfen.

Wie ist Eure Meinung dazu? Was ist denn für Euch eine gute oder eine schlechte Bildbesprechung?

2 Kommentare zu “Gut oder schlecht – Was ist eine Bildkritik?

  1. Hey Boris. Cool, dass Du einen Artikel draus gemacht hast, das wäre schon ein sehr langer Kommentar geworden und so sehen es auch Deine Blogleser. Aktuell bin ich immer noch der Meinung, dass es ein Vorteil ist, die Absicht hinter einem Foto zu kennen bzw. Gründe für die Veröffentlichung zu wissen. Das kann man ja evtl. auch in einem Kommentar erfragen. Hm.

    Aber ich kann auch Deine Position sehen, was die Absicht betrifft – ich denke mal darüber nach und nehm das mit in die Woche ;) Schönen Abend noch!

  2. Ich denke, das Entscheidende ist immer, ob ein Betrachter sich oder ein für ihn interessantes Thema in dem Werk erkennen kann. Ganz subjektiv also. Gerade was die alten Gemälde betrifft, die du als Beispiele nennst, sieht man das imho ganz deutlich: Auch Hunderte von Jahren später können Menschen noch etwas in ihnen entdecken, das sie für relevant oder interessant halten.

    Nicht ganz einverstanden bin ich mit deinen Ideen zum Thema „unbefangen betrachten“, gerade auch mit dem Beispiel von Beuys. Jeder Betrachter wird ein Werk zunächst mit seinen eigenen Augen sehen und dort Dinge hineinlesen, die ihn interessieren – also ganz unbefangen herangehen. Allerdings steht das Werk nicht für sich alleine, sondern immer in einem Kontext, zum Beispiel weil die Badewanne im Museum steht. Dieser Kontext wird automatisch die Unbefangenheit nehmen, wenn sich die Besucher fragen, warum denn die Badewanne nun Kunst sein soll. Oder wenn jemand Hintergründe zur Zeit kennt, in der ein Werk entstanden ist, wird auch dieses Wissen seine Unbefangenheit beeinflussen. Mir geht es oft so, dass ich mit einem Werk zunächst einmal nichts anfangen kann, es mich aber irgendwie fesselt. Wenn ich dann ein bisschen was gelernt habe zu seinem Kontext, fange ich an, Dinge darin zu erkennen, die mir vorher nicht bewusst waren. Im Laufe meines Studiums habe ich den Eindruck gewonnen, dass ich im Kopf eine Art Schalter entwickelt habe, die mich zwischen unbefangenem (subjektiven) Eindruck und einem hinterfragenden (kontextorientierten) Betrachten hin- und herschalten lässt. Das Interessante daran ist, dass mir keines der beiden Verfahren besser als das andere vorkommt. Meistens entsteht meine Meinung aus einem Wechselspiel zwischen beiden.

    Was den Punkt angeht, ob ich eine Beschreibung brauche, bin ich mir unschlüssig. Zum einen denke ich, dass jedes Kunstwerk Raum für Interpretationen lassen sollte. Zum anderen kann aber gerade aus einer Beschreibung des Bilds (die oft genug nicht mehr als ein Titel ist!) ein interessanter innerer Dialog in den Betrachtern, wenn sie einen auf Aspekte stößt, die dem Fotografen wichtig waren oder den Betrachter verwirren, weil sie nicht in seiner eigenen Interpretation vorhanden sind. Ich denke, der Königsweg liegt darin, einerseits nicht so viel zu beschreiben, dass der Betrachter sich bevormundet oder eingeengt fühlt, andererseits aber auch genug „Input“ zu geben, um Gedanken im Betrachter anzuregen.

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