Apple OS-X Lion – Pro und Contra

Der Löwe ist seit einiger Zeit in freier Wildbahn und auch auf meinem MacBook Pro anzutreffen – nicht aber auf meinem iMac. Es ist an der Zeit ein kleines Resumé zu geben.

Lion, auch als OS-X 10.7 bekannt, hat für mich einige Vorteile aber leider auch Nachteile, darunter einen großen Haken, der mich wirklich ärgert.

Die Punkte im einzelnen aus meiner ganz persönlichen Sicht.

Pro

  • Programme, Fenster, etc. werden nach Neustart wieder so hergestellt wie ich sie verlassen hatte. Der kleine Schrecken, nach einigen Sicherheitsupdates die Maschine neu starten und alle Programme neu aufrufen zu müssen, ist vorbei. Das finde ich echt praktisch.
  • Versionen. Nervige Speicher-Fragen und verlorene Änderungen sind damit hoffentlich weitestgehend Geschichte. Programme beenden sich einfach und sichern alle geöffneten Dokumente automatisch. Das nutze ich inzwischen ganz gerne. Es gibt auch kein „Speichern unter…“ mehr, stattdessen wählt man nun „Duplizieren“. Auch kommt man leicht zu einer vorherigen Version zurück, wobei ich sagen muss, dass ich das bisher nur ein oder zweimal wirklich genutzt habe.
  • AirDrop. Das ist vielleicht genial! Man muss es mal intensiv genutzt haben um zu merken WIE genial das ist. Und wie schnell! Während eines Workshops haben wir unter den Teilnehmern in Windeseile Fotos und Präsentationen ausgetauscht. Drahtlos, ohne Konfiguration: Sehr praktisch.
  • Fullscreen Apps. Habe ich nicht vermisst, ist auch nicht immer von Vorteil, könnte mir aber zunehmend für einige Dinge gefallen. Es ist angenehm, einzelnen Programmen auf Knopfdruck einen kompletten Bildschirm zur Verfügung zu stellen. Das Menü ist „weg“, das Dock auch, jeder Pixel wird für die Anwendung genutzt und mit einem 3-Finger-Wisch schalten man zwischen den Anwendungen um. Streckenweise wirklich angenehm.

Contra:

  • Etwas an der Audio-Logik hat sich geändert. So ist z.B. WireTap Anywhere nicht mehr in der Lage, an die Audiostreams der Anwendungen zu kommen. K.O.-Kriterium für ein Lion-Update auf meiner Produktionsmaschine. Auch mit 10.7.2 hat sich daran nichts geändert und ersten Nachfragen zufolge ändert auch 10.7.3 nichts an diesem Problem. Dieses eine Problem führt mich in eine klassische Patt-Situation. Mehr dazu weiter unten.
  • Fullscreen Apps. Sie machen einen zweiten Monitor nutzlos – der ist nämlich dann tot weil das Konzept meiner Meinung nach nicht durchgängig umgesetzt wurde. Sie sorgen teils für ganz schöne Verrenkungen – wenn man z.B. eine neue Mail schreibt und nun per Drag&Drop Dateien einfügen möchte oder man nun verschiedene Passagen aus einer oder mehreren anderen Mails einfügen möchte, das geht nämlich nicht mehr im Full-Screen. So kommt es wirklich stark auf den Anwendungsfall an, ob dieser Fullscreen-Modus als Pro oder als Contra wahrgenommen wird.
  • Adressbuch ist komplizierter als Früher und zeigt dabei sogar weniger an. Ich vermisse das Drei-Spalten-Layout – Gruppen, Adressen, Visitenkarte – und die Anzeige für die Anzahl von Adressen in einer Gruppe – diese ist teilweise vorhanden, wenn man die Adressliste ganz nach unten scrollt, aber eben nicht immer. Ganz ehrlich, was sich Apple mit diesem Adressbuch gedacht hat, werde ich wohl nie verstehen…
  • …gleiches gilt für iCal. Mich stört gar nicht mal dieser neue „Leder-Look“ sondern die eingeschränkte Funktionalität. Die Liste der Kalender ist nicht mehr dauerhaft einzublenden, neue Termine eintragen in der Monatsansicht oder auch das kopieren ist unhandlicher geworden. Immerhin gibt es eine Jahresübersicht, in der die Tage in Abhängigkeit der Terminanzahl eingefärbt werden. Hilfreich ist das für mich nicht wirklich, da ich in dieser Übersicht nicht sehen kann, wie viele Termine aus welchen Kalendern zu der Färbung führen. Eine echte Jahresplanung ist hiermit auch nicht wirklich möglich

Patt-Situation

Trotz einiger Negativpunkte habe ich mich mit Lion angefreundet und ich würde es gerne auf meinem iMac aufspielen.
Das kann ich aber nicht, weil ich mit 10.7 keine Podcasts mehr produzieren könnte. Der Grund ist, dass Wiretap Anywhere nicht mehr an die Audiostreams der Anwendungen kommt. Ich benötige aber mehrere getrennte Spuren für Mikro, Skype, Soundboard.
Ich muss aber bald auf 10.7 gehen, weil ich ebenfalls MobileMe-Nutzer bin. MobileMe wird aber bald eingestellt und alle Nutzer werden auf iCloud umgestellt. iCloud läuft aber erst ab 10.7. Ich hoffe ja immer noch auf eine 10.6.9-Version mit iCloud-Unterstützung aber drauf wetten würde ich nicht mehr.

Ich kann jetzt also wählen, ob ich meine Termine, Kontakte, etc. am iMac sehen und bearbeiten oder ob ich dort weiterhin Podcasts produzieren möchte. Beides geht derzeit nicht mit einem System und das ärgert mich, da ich zum Mac gewechselt war, weil Apple sich immer Gedanken um die Zusammenarbeit von Geräten und Diensten gemacht hatte.

Einzige Lösung, die ich derzeit sehe: Das aktuelle 10.6-System auf eine externe Platte ziehen und den iMac auf 10.7 bringen. Für Podcast-Produktionen muss ich dann von der externen Platte booten. Schön geht anders. Ob ein neuer iMac, den ich gerne kaufen würde, noch mit 10.6 läuft, weiß ich natürlich auch nicht.

Fazit

Durchwachsen. Ich mag Lion und ich hoffe inständig, dass für Programme wie Wiretap Anywhere Lösungen gefunden werden. Lange warten kann ich darauf allerdings nicht mehr.
Ich habe außerdem schon lange das Gefühl, dass Apple selbst nicht mit den eigenen Tools arbeitet. Mir kann niemand erzählen, dass man bei Apple ernsthaft und produktiv mit dem neuen Adressbuch und iCal arbeitet?! Eine echte Alternative habe ich allerdings auch noch nicht gesehen – nein, Busy-Cal ist es leider auch nicht.

Und wie sieht es bei Euch aus? Schon zum Löwen gewechselt oder wartet Ihr noch?

3 Kommentare zu “Apple OS-X Lion – Pro und Contra

  1. Schöner Vergleich von dir. Ich nutze weiterhin Snow L.
    Bisher gab es für mich keinen Grund für einen Upgrade. Klar der Preis ist nett. Aber was ist der Mehrwert?

    Alle (deine) PROs sind nett, aber brauch ich alles nicht. Aber ebenso stören mich deine CONTRA Punkte auch nicht ;)
    Ich nutze Google Adressbuch und Kalender im Web. Der Sync auch überall auch aufs Handy (Android).
    Was gibts sonst neues? mhm nix großes was ich bisher vermisse. Daher für mich weiterhin warten bis es sich lohnt.

  2. Hallo Boris,

    der zweite Monitor ist nicht wirklich tot im Vollbildmodus, das jeweilige Programm muss ihn nur unterstützen. So kannst Du z.B. bei Pixelmator Deine einzelnen Fenster mit dem Ebenenmanager etc. auf den anderen Bildschirm schieben und hast den Hauptmonitor für Dein Bild frei.
    Vielleicht sollte man es nicht Vollbilldmodus sondern Einzelappmodus nennen :)

  3. Steppenwolf71

    Also ich finde Lion wirklich spitze! Kann allerdings auch keinerlei Einschränkungen feststellen…
    Und auf dem MacBook Air ist die Kombination von Vollbildmodus und Gestensteuerung sensationell, das geht so intuitiv und schnell – einfach Waaaaahsinn!!! :D

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