Podcast mit WordPress

Kann ich meine bestehenden Einträge aus dem Podhost-Blog nach WordPress übernehmen?
Ja, das geht. Im Grunde mit jedem RSS2-Feed.
Den kompletten Feed herunterladen
Bei seinem Podhost-Blog findet man in der Seitenleiste (je nach benutztem Template) mehrere Links zum abonnieren des Podcasts. Einer davon deutet auf einen Feed in dem alle Beiträge gelistet werden. Er endet normalerweise auf „/rss+all“. Auf diesem Link drückt man nun die rechte Maustaste und wählt „Ziel speichern unter…“. Das Ergebnis ist eine RSS-Datei mit allen Beiträgen und allen Enclosure-Links.

Den Feed in WordPress importieren
Bevor man jetzt irgendetwas importiert sollte man sicher stellen, dass für den Podcast eine eigene Kategorie angelegt wurde und dass diese Kategorie in WordPress als die Standard-Kategorie eingestellt ist. Hintergrund ist, dass alle im folgenden importieren Beiträge genau dieser Standard-Kategorie zugeordnet werden. Die Standard-Kategorie stellt man in WordPress unter „Einstellungen – Schreiben“ ein. Nach dem Import kann man das wieder zurück ändern.

WordPress bietet nun eine Importfunktion für verschiedene Quellen an. Unter anderem auch einen RSS-Import. Man findet ihn in WordPress im Menü „Verwalten“ unter „Import“, dann auf „RSS“ klicken.
Hier kann man nun eine lokale Datei wählen – nämlich die gerade gespeicherte RSS-Datei – und den Import starten. Alle Beiträge aus dem Feed werden nun als einzelne Beiträge in WordPress angelegt, dem ersten Autoren zugeordnet und veröffentlicht. Außerdem wird die Standard-Kategorie zugeordnet.

Man wird aber recht schnell feststellen, dass die Enclosures fehlen! Das ist für einen Podcast natürlich ganz schlecht – ohne Enclosures kein Podcast!

Import mit Enclosures?
Die Ursache für den lückenhaften Import wird schnell klar wenn man sich den Quelltext von WordPress anschaut. In der Datei „wp-admin/import/rss.php“ sind die Funktionen für den RSS-Import zu finden. Die Funktion „get_posts()“ zerlegt dabei den kompletten RSS-Feed in die einzelnen Beiträge und holt aus jedem der Beiträge eine Reihe von Informationen ab. Allerdings nicht die Enclosures.

Ich habe mich also rangesetzt und den Quellcode so erweitert, dass auch die Enclosure-Einträge ausgewertet und nach WordPress übernommen werden. Hier der Download der rss.php Datei.

Zur Installation geht man am besten wie folgt vor:

  • In der WordPress-Installation in das Verzeichnis „wp-admin/import/“ wechseln und die dort vorhandene Datei rss.php umbenennen
  • Die neue rss.php in dieses Verzeichnis kopieren

Man muss selbst entscheiden, ob man nach der Podcast-Übernahme wieder die Originale rss.php nutzen möchte oder nicht.

Wichtig! Bitte probiert solche Dinge unbedingt vorher auf einer Testinstallation aus. Spielt niemals an Eurem Live-System. Ich bin nicht für irgendwelche Schäden verantwortlich zu machen. Jede Benutzung des Quellcodes geschieht auf eigene Gefahr!

Kategorie ändern
Dieser Schritt ist nur notwendig, wenn man vor dem Import vergessen hat die Standard-Kategorie einzustellen (s. oben)
Nach dem Import sind nun alle Beiträge vorhanden aber eben alle in der Kategorie „Allgemein“. Das möchte man natürlich nicht. Ich habe mir z.B. eine Kategorie „nSonic Podcast“ angelegt und möchte diese nun allen Podcastbeiträgen zuordnen. Wenn man vorher aufgepasst hat, dass keine anderen Beiträge in dieser Kategorie standen, dann kann man diese Änderung jetzt mit einem einfachen SQL-Befehl vornehmen.

Achtung! Das ist nur für Anwender gedacht die wissen was MySQL ist, was SQL bedeutet und wie man mit Datenbanken und Tabellen umgeht. In jedem Fall sollte vorher ein Backup der Datenbank gemacht werden. Und nochmal: Testet so etwas vorher mit einer Testumgebung – nicht mit Eurem Live-System!

Mit phpMyAdmin (oder jedem anderen Zugriffstool) kommt man auf die Datenbank.
Aus der Tabelle „wp_categories“ merkt man sich die ID der Kategorie, die man den Beiträgen zuordnen möchte. In meinem Beispiel ist dies die ID „9“.
Die Zuordnungen finden in der Tabelle „wp_post2cat“ statt. Dort stehen also jetzt bereits Einträge für jeden importieren Beitrag – allerdings mit Link zur Kategorie mit der ID „1“ (oder was auch immer die eingestellte Standard-Kategorie war).
Um das zu ändern benutzt man folgendes SQL-Statement:

UPDATE `wp_post2cat` SET category_id = 9 WHERE category_id = 1

Das bedeutet soviel wie: „Ersetze in der Tabelle wp_post2cat in allen Einträgen mit category_id 1 die category_id durch eine 9“. Die „9“ müsst man natürlich durch die gewünschte ID ersetzen.

Im Grunde wäre das schon alles, wenn die Verwaltung von WordPress nicht etwas merkwürdig wäre. WordPress merkt sich nämlich in der wp_categories Tabelle wieviele Beiträge es pro Kategorie gibt – vermutlich um Zeit für die Anzeigen zu sparen.
Diese Einträge müssen nun natürlich ebenfalls noch angepasst werden. Das passiert mit einem weiten SQL-Statements:

UPDATE `wp_categories` SET category_count = (SELECT count(*) from wp_post2cat WHERE wp_post2cat.category_id = wp_categories.cat_id)

Damit werden die Beiträge für jede Kategorie gezählt und das Ergebnis in das jeweilige Zählerfeld eingetragen.
Je nachdem wie die Kategorie-Struktur verschachtelt ist kann es sein, dass das noch nicht alles war! Es gibt nämlich auch Zähler für die Parent-Kategorie (also die jeweils übergeordnete Kategorie) und es ist möglich, dass man weitere Statements bauen muss um die Zähler zu aktualisieren.
Man kann aber auch einfach ganz normal weiterarbeiten. Sobald man in den Kategorien neue Beiträge schreibt werden diese Zähler ohnehin Stück für Stück aktualisiert – ist also kein großes Problem (soweit ich sehen konnte – ich habe mir aber nicht den kompletten WordPress-Code durchgelesen).

Jetzt sind jedenfalls alle Einträge in WordPress vorhanden. Der Feed kann erzeugt werden und einer Umstellung steht eigentlich nichts mehr Wege. Wie das mit dem Feed funktioniert, dazu weiter hinten in diesem Beitrag mehr.

Wo sind die Kommentare?
Kommentare sind ein Problem.
Im RSS-Feed können die Kommentare nicht vorkommen – das ist so definiert. Podhost bietet nun auch keine mir bekannte Möglichkeit die Kommentare als eigenen Feed zu bekommen. Wenn der ehemalige Anbieter so eine Möglichkeit bietet, dann könnte man den Kommentar-Feed herunterladen, die Kommentare von Hand in den Podcast-Feed einpflegen (copy/paste, oder man schreibt sich ein Skript dafür) und eine weitere Modifikation an der rss.php vornehmen. Wie das geht, das habe ich hier gelesen. Probiert habe ich es nicht da ich an die Kommentare nicht herangekommen bin. Ich habe mich schlussendlich tatsächlich dazu entschieden die Kommentare von Hand nachzupflegen – über 400 Kommentare – ich muss völlig bekloppt sein bigsmile Die Kommentare waren aber oft wirklich gute Ergänzungen auf die ich nicht verzichten wollte.

20 Kommentare zu “Podcast mit WordPress

  1. Hallo Boris,

    DAS ist ja mal ausführlich!
    Vielen Dank für deine Mühe und das excellente Resultat.

    Viele Grüsse,
    Frank

  2. PodPress war nicht praktikabel?

    Mit diesem Plugin wird Podcasten finde ich recht einfach mit WordPress realisiert. Da ist alles mit drin.

  3. ob PodPress praktikabel ist weiß ich nicht. Ich hatte von einigen Problemen gelesen (auch von vielen positiven Meldungen) und wollte einfach kein Risiko eingehen. Ich wollte umziehen – jetzt. Ich wollte mit dem Live-System nicht experimentieren oder mal zum testen denselben Podcast ein weiteres mal bei iTunes anmelden etc.

    Der Vollständigkeit hier der Link zu PodPress: http://www.podpress.org/
    Von der Beschreibung her absolut fantastisch und die Tatsache, dass man damit auch den Download selbst zählen kann hat natürlich was für sich.

    Wenn Du Erfahrungen damit gesammelt hast (positive wie negative) bist Du herzlich eingeladen die hier als Kommentar zu ergänzen :) – Ich erhebe nicht den Anspruch frei von Fehlern zu sein und freue mich auch immer über neues Wissen :)

  4. Und noch ein Nachtrag zum PodPress: Zwei Seiten wo Problemchen genannt werden
    http://www.isightseeing.de/2007/06/25/podpress-spinnt/
    http://upload-magazin.de/?p=436#comment-7201

    Es ist mir völlig klar, dass solche Probleme sicher nicht bei jedem auftreten. Ich hatte nur schlicht keine Lust herauszufinden, ob es bei mir keine Probleme damit gibt um dann beten zu müssen, dass dies nach einem Update noch immer so sein wird…
    Daher dachte ich mir: Ist egal – nimm den Standard-RSS2-Feed, schick ihn an Feedburner. Die haben damit Erfahrung :)

  5. Hallo Boris,

    danke für deinen großartigen Erfahrungsbericht. Sollte ich auf die Idee kommen meinen Podcast-RSS selbst zu erstellen, werde ich mich darauf stützen.

    Viele Grüße

    Deef

    PS: schon mal drüber nachgedacht ein Fachbuch zu schreiben?

  6. Pingback: Die Gefühlskonserve » Blog Archive » Podcastumzug für Dummies

  7. Hallo,

    wenn du etwas machst, dann aber richtig, wie? Das ist ja ein super ausführlicher Bericht. Zwei kleine Anmerkungen habe ich jedoch noch:

    1. Deine Rechnung wie Du auf 10GB Traffic pro Monat kommst ist zwar korrekt, aber viele Podcaster dürften weit weniger Traffic haben. Für unseren kleinen Podcast brauche ich z.b. ca. 5GB/mon.

    2. Podpress läuft super – zumindest hier. Es gab ein paar Probleme mit der Statistikfunktion, aber sonst war es klasse.

    Viele Grüße,
    Patrick

  8. Vielen Dank für Lob und Ergänzungen!

    Zum Traffic: Wie viele Downloads hat Euer Podcast etwa pro Monat?

    Zu Podpress: find‘ ich großartig! Wenn hier noch mehr User von Podpress lesen die wirklich gute Erfahrungen gemacht haben, dann bitte schreibt hier darüber! Ich finde das immer blöd wenn man etwas sucht und dann überwiegend negative Stimmen findet die einen verunsichern :)

    Ich werde dennoch bei Feedburner/podtrac bleiben – selbst wenn ich podpress nutzen sollte. Grund: Wenn ich mal auf ein komplett anderes System wechseln wollte, dann wären meine Statistiken ja auch wieder weg – so habe ich unabhängige Statistiken – egal mit welcher Software ich den Feed erstelle und wo ich die Files hoste :)

  9. Hallo :-),

    wir hatten im letzten Monat ca. 1100 Downloads, Wobei unsere Folgen im Schnitt 20MB haben – das schwankt aber noch ziemlich. Wir sind ja auch keine Alpha-Podcaster, wie du ;-). Das schöne an den Statistiken von Podpress ist, dass sie in der eigenen Datenbank liefen und ich daher jederzeit Dinge anpassen kann. Zugegeben, wenn mir Podpress eines Tages nicht mehr gefällt, dann ist das schon ein größerer Aufwand, dafür bin ich jedoch unabhängig von irgendeinem Dienstleister. Kannst du die Statistiken bei podtrac irgendwie exportieren, z.B. als csv?

    Grüße,
    Patrick

  10. Eine sehr gute Frage eigentlich :)
    Bei Feedburner kann man so einen Export aufrufen. Bei Podtrac konnte ich so etwas tatsächlich noch nicht finden. Ich habe die mal per Mail gefragt – mal gucken :)
    Guter Hinweis! Danke!

  11. Pingback: Die Gefühlskonserve » Blog Archive » Podcast 137: Schlechte Laune, gute Themen

  12. Marco Koch

    Hallo Boris,

    eine Super geschriebene Anleitung. Du machst Dir echt viel Mühe um anderen das Leben mit dem Umziehen bzw. Aufziehen von einen Podcast-Blog zu machen.

    Grüße
    Maroc

  13. Hey Boris,
    habe grad gesehen, dass RSS importieren in WordPress nicht mehr geht…
    Super Artikel übrigens!
    Grüsse von Balthi

  14. @Balthi: Vielen Dank :) Aber was meinst Du damit, dass RSS importieren nicht mehr ginge?

  15. Pingback: iSightseeing » Podpress 8.8

  16. Pingback: Phil’s Podcast » Blog Archiv » Linksammlung: Anleitungen und Tipps zum Podcasten

  17. Pingback: Podcast 137: Schlechte Laune, gute Themen | Die Gefühlskonserve

  18. Hi!

    Ich war auf der Suche nach der Lösung eines Problems. Und zwar konnte Itunes meinen feed link zum Podcast nicht lesen.
    Apple support forum hat mir gerade eine htaccss datei mit umleitung zu erstellen, was aber erst mal ein Studium erfordert hätte.

    Dein Beitrag hat mich auf eine einfach und elegante Lösung gebracht. Vielen Dank hierfür!

    Droid Boy

    PS Auch guter Service das du diesen Beitrag nochmal im Podster Forum verlinkt hast!

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