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N26 – Betrügerische Abbuchung reklamieren – VORSICHT Kartensperrung

Jetzt war es auch mir passiert: Jemand hatte mit meiner DebitCard Geld ausgegeben und ich war den Prozess durchgegangen um diese Zahlung zu reklamieren. Der Ablauf war nicht ganz wie ich es erhofft hatte, aber ich war vorbereitet.

tl;dr;

Einzelne Abbuchung reklamieren läuft auf sofortige Sperrung / Kündigung der Karte hinaus. Der kostenlos bestellbare Ersatz ist nicht sofort vollständig nutzbar, da wichtige Kartendetails nicht einsehbar sind. Einzige Lösung: Vorher einen funktionierenden Ersatz besorgen.

Ich erkläre mal, was passiert war – da gab es eine kleine Vorgeschichte die auch mit eigener Dummheit zu tun hat – und wie ich bei dem Thema vorgegangen bin. Außerdem sage ich mal, dass ich noch sehr viel Glück hatte.

Was war passiert – Die Vorgeschichte

Am 8. September 2025 beging ich eine Dummheit. Bei Mastodon folgte ich einer Konversation über gute Küchenmesser und eine spezielle Art interessierte mich. Eine Person, die ich aus Podcasts kenne, der ich aufgrund des Auftretens in der Öffentlichkeit Vertrauen entgegen brachte, postete einen Link zu einem Shop, in dem es dieses Messer zu einem erstaunlich günstigen Preis gab. Ich war begeistert, es war schon spät für mich doch obwohl ich etwas müde war, schaute ich mich ein wenig auf der Webseite um.

Leichtsinniger Kauf

Ich fand kein Impressum. Aber es schien auch ein Shop mit Sitz im Ausland zu sein. Und hey, wer hat noch nie was günstiges aus China geordert? Es läuteten zwar ein paar Alarm-Glocken – wer Doctor Who kennt, so eine tiefe Glocke aus dem Off – aber hey, diese Person hatte es verlinkt und der wird doch wissen was er tut?

Spoiler: Nein, tut er nicht – muss er auch nicht. Ich habe das unterstellt aber musste lernen: Auch solche Personen posten ohne eigene Recherche und ohne eigene Erfahrung mit einem Händler die Links einer schnellen Web-Recherche.

Ich bestellte also das Messer und einzige Zahlungsmethode die funktionierte war Kreditkarte. Also gab ich meine Kartendaten ein. Was soll schon schief gehen. Ich kann leider nicht mehr genau sagen, wie der Shop, also die Webseite hieß, aber meine N26 App meldete mir eine erfolgreiche Zahlung:

  • electonicsmalls.com – 512,04 CN¥ = 61,51 €

Und das war nicht der Shop-Name bei dem ich bestellte. Nanu? Eine Websuche ergab wenige Treffer aber einige Davon mit deutlichem Verdacht auf fraud – Also mutmaßlich betrügerisch.

Schnelle Reaktion und Storno? Nicht möglich!

Nun dachte ich: Kein Problem! Ist ja eine MasterCard, also melden, stornieren lassen, fertig. So dachte ich mir das, weil ich das vor Urzeiten mit meiner allerersten MasterCard bei der Sparkasse schon mal so ähnlich hatte

Nein, so geht das nicht! Die Zahlung war noch als vorläufig bzw. in Bearbeitung markiert. Daher konnte ich noch keine Aktion ausführen lassen. Der Chat-Support meinte dasselbe. Erst muss die Zahlung durch und abgeschlossen sein, erst dann kann reklamiert werden. Ich dachte mir: “WTF? Ich melde einen 99,9%igen Betrug und der Vorgang lässt sich nicht stoppen bevor es knallt?” – Ja, so ist das.

Alles oder nichts

Man bot mir natürlich an die Karte sofort sperren und ersetzen zu lassen – hier hatte ich aber ein ungutes Gefühl und lehnte das erst einmal ab. Sollte sich zeigen, dass das eine gute Idee war

Die Tage vergingen, die Zahlung war final und ich hätte sie jetzt in der App beanstanden können. Allerdings wäre dies automatisch mit einer kompletten Sperrung der Karte einher gegangen. Eine Option diese eine Buchung zu reklamieren ohne gleich den GAU auszulösen gab es nicht!

Ich hatte keine Lust auf eine Sperrung. Mein Risiko war überschaubar: Es ist eine DebitCard – mehr als auf dem Konto ist, kann nicht abgebucht werden und das Konto war ein Zweit-Konto speziell für diese Karte. Die Beträge auf dem Konto sind immer übersichtlich. Und wäre es Betrug gewesen, hätte das Konto am nächsten Morgen leer sein müssen, richtig? War es aber nicht. Also wer weiß, vielleicht käme ja doch noch ein Messer oder jemand kicherte leise in Hong Kong und freute sich über tausende Kleinbeträge was vermutlich sicherer war als im großen Stil abzuräumen.

Die Fortsetzung im Dezember 2025

Es kam natürlich kein Messer. Der Shop war per E-Mail nicht erreichbar – also es gab ein Kontakt-Formular und eine E-Mail-Adresse aber die E-Mail ging nicht raus, Serverfehler und über das Kontakt-Formular bekam ich nie eine Bestätigung oder Antwort. OK, scheiß drauf, hab ich halt 60 € Lehrgeld bezahlt. Es war weiter nichts passiert, keine Auffälligkeiten also vermutlich ein einmaliger Scam.

Bis ich im Dezember 2025 plötzlich eine Push-Nachricht von N26 bekam. Erfolgreiche Zahlung bei

  • PM *wearnicee – $47,75 = 40,80 €

What?! Ich hatte nichts bestellt und ein Geschäft mit diesem Namen war mir unbekannt. Eine schneller Internet-Suche ergab: Sehr wahrscheinlich fraud – also betrügerisch. Die Seite sah, wie damals die Haushaltswaren, professionell aus. Es gab sogar eine Art Impressum mit Anschrift, wieder in Hong Kong glaube ich. Moment. Hongkong aber in Dollar abgebucht? Bei mir damals in CN¥ (chinesische yuen oder so?). Ich versuchte eine E-Mail zu schicken – N26 rät dazu, erst den Händler zu kontaktieren für eine einfache Lösung. Einen Tag später wieder die Meldung vom Server: Die E-Mail konnte nicht zugestellt werden.

Da sind wir also wieder. Kommt mir bekannt vor. Nur diesmal habe ich das nicht bezahlt sondern jemand anders!

Mein Verdacht: Bei meiner Dummheit hat die Webseite schlicht alle Daten inklusive der Prüfsumme gespeichert. Mehr benötigt man ja auch nicht um damit zu bezahlen. Warum die Betrugsprüfungen bei MasterCard / N26 hier nicht angeschlagen sind, wissen sie vermutlich selbst nicht.

Reklamation und Sperrung erforderlich – aber mit Bedacht!

Mir war klar: Ich komme um eine Sperrung der Karte jetzt nicht herum. Eigentlich erstaunlich, dass nach all der Zeit nur eine betrügerische Überweisung mit nur 40 € passiert war? Hatte die Betrugsseite damals evtl. neue Karten hergestellt mit meinen Daten und diese erst jetzt jemandem gegeben, der oder die jetzt im guten Glauben selbst auf einen Scam reingefallen war? Ich werde das wohl nie erfahren.

Kartensperrung und Ersatz bei N26: Nicht sofort vollständig nutzbar

Der Ablauf einer Reklamation und Sperrung bei N26 ist recht unkompliziert und läuft so ab:

  • In der App die Überweisung aufrufen und auf “Da stimmt etwas nicht” klicken
  • Dort kann man dann auf “Ich benötige Hilfe” klicken
  • In der Folge kann man dann die Reklamation starten und der Text am Display erklärt recht einfach und genau was passieren wird
  • Erst wird die Karte sofort gesperrt. Sonst geht es gar nicht erst weiter
  • Dann soll man einige Fragen beantworten: Hatte man die Karte bei sich, verloren oder verliehen? Wo bewahrt man seinen PIN auf? Und ein paar andere Fragen.
  • Optional soll man einen Polizeibericht hochladen
    • Klar, wenn ein paar tausend Euro entwendet worden wären, wäre ich zur Polizei gegangen. Bei 40 € aber war es mir den Aufwand nicht wert
  • Man muss bestätigen, dass man wahrheitsgemäß beschrieben hat was passiert war und dass man das wirklich nicht selbst überwiesen hat
  • Dann wird die Karte gekündigt! Damit ist sie dann unwiderruflich weg.
  • Im letzten Schritt kommt man in der App auf die Karten-Seite von wo man jetzt kostenlos eine neue Karte beantragen kann

Soweit, so stringent. Das war schnell erledigt. Bei der Bestellung der Ersatz-Karte stand geschrieben, dass man diese sofort einsetzen könne, noch bevor die physische Karte auf dem Postweg eintreffen würde. Kostenlos ist die Karte nur mit Standardversand und das können laut App auch mal 14 Werktage oder mehr werden – und hey, wir haben gerade Weihnachten und Sylvester vor uns.

Nein, sie ist NICHT sofort nutzbar. Jedenfalls nicht vollständig

Tatsächlich tauchte die neue Karte sofort in der App auf und ich hatte direkt die Option die Karte zu ApplePay hinzuzufügen. Das hatte auch funktioniert. Ich vermute, dass ich jetzt sofort via ApplePay mit der neuen Karten hätte zahlen können.

Außer ich würde in einem Geschäft damit bezahlen und müsste einen PIN angeben. Den wüsste ich nämlich nicht. Ich konnte ihn nicht einsehen und auch nicht ändern. Die App sagte mir, dass das aus Sicherheitsgründen erst funktioniert, wenn die Karte aktiviert wäre und das ginge in der App erst, wenn ich das Stück Kunststoff in den Händen halten würde.

Ich könnte die Karte auch bei keinem Online-Dienst hinterlegen um bei den diversen Abos weiter Zahlungsfähig zu bleiben, oder im Konto für mein Auto, mit dem beim Laden automatisch abgebucht wurde und mit dem Premium-Funktionen automatisch einmal im Monat abgebucht wurden. Warum? Weil weder die vollständige Kartennummer, noch das Ablaufdatum, noch die Prüfnummer einsehbar waren bevor die Karte nicht aktiviert wurde – was wiederum erst gehen würde, wenn ich die Karte in meinen Händen halten würde.

Abbuchungen reklamieren und Karte sperren ERST wenn man funktionierenden Ersatz hat

Das ist wirklich etwas irre in meinen Augen aber genau so ist es! Wenn Ihr nicht zahlungsunfähig sein wollt, im Zweifel für mehrere Wochen, bis die physische Karte von N26 eintrudelt, dann geht diesen Weg der Reklamation / Rückforderung erst, wenn Ihr schon einen Ersatz habt!

Ich möchte mir nicht ausmalen was passieren könnte, wenn z. B. Apple Zahlungen nicht abbuchen kann – ich habe dort ein Entwickler-Konto und diverse Abos auf meinem Account laufen, auch viel Speicherplatz in der iCloud.

Eine Option kann es vielleicht sein, die Karte selbst manuell zu sperren und kurzzeitig freizugeben, wenn man weiß, dass eine Zahlung ansteht oder manuell getätigt werden muss. Man kann die Auslandszahlungen deaktiviere und div. andere Dinge einstellen. Und evtl. einen Ersatz anfordern, auch wenn es dann nicht kostenlos ist, ohne gleich die eigenen Karte zu sperren – ob das funktioniert wenn man manuell auf Ersetzen klickt, weiß ich aber nicht.

Mögliche Option: Neue virtuelle Karte

Man kann in der N26 App im Bereich Karten eine Zusatzkarte anfordern. Dort kann man dann Virtuelle Karte wählen. Soweit ich das vom Support verstanden habe, sind diese diese Virtuellen Karten völlig eigenständige Karten für Online-Nutzung. Ich hätte also vermutlich auch eine solche Karte zusätzlich erstellen können und ich vermute, dass deren Karten-Details dann sofort vollständig einsehbar wären um sie bei diversen Online-Dienst hinterlegen zu können.

Vielleicht wäre es generell eine gute Idee, mehrere solcher Karten zu haben. Eine für essentielle Dienste und Abos, eine für weniger wichtige aber regelmäßige Dinge und eine für den ganze Kram der Unterwegs und spontan anfällt. So könnte man das Risiko streuen und bei einem Betrug müsste man nicht alles ändern.

Es wäre dafür etwas mehr Dokumentationsaufwand, welche Karten man wo verwendet und mehr Organisation, wenn auch noch verschiedene Anbieter und Bankkonten dahinter stecken sollten. Macht man das alles bei einem Anbieter, wäre es aber vermutlich immer dasselbe Konto, nur andere Karten-Nummern.

Fazit

Ich war froh, dass ich den Reklamationsweg erst gegangen bin, als ich einen funktionierenden Ersatz am Start hatte! Ich hatte die Tage vorher bei Bunq ein Konto geöffnet bzw. Reaktiviert und mir dort eine Karte angelegt die ich, im Gegensatz zu N27, direkt vollwertig nutzen konnte. Aber das war auch eine Geschichte für sich und die erzähle ich evtl. später bigsmile

Nachtrag: Die Erstattung wurde tatsächlich sehr schnell durchgeführt – Habe ich hier mal aufgeschrieben.

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