Betriebssysteme, aktuelle Software, Abos, Abhängigkeiten – Es ist kompliziertm

Ich finde mich seit einiger Zeit – es sind inzwischen Jahre – in einer Situation wieder, in der ich mich nicht so richtig wohl fühle.

Ich habe meine Computer und die darauf laufende Software nicht zum puren Selbstzweck, nein, ich arbeite damit um damit auch Geld zu verdienen. Vor einiger Zeit habe ich aufgehört Updates von OS-X – inzwischen macOS – einzuspielen, aus Gründen, doch jetzt holt es mich ein… und zieht einen ganzen Rattenschwanz hinter sich her.

Es geht um Mac, Lightroom und nicht vorhandenen Alternativen, Apple iWork, Scanner und überhaupt…

Apple OS-X El Capitan

El Capitan ist OS-X Version 10.11 – es lief und läuft zum Zeitpunkt dieses Eintrags nahezu problemlos auf meinem iMac und MacBook Pro. Diese Version kam im Jahr 2015 heraus und fand irgendwann 2016 den Weg auf meine Computer.

Ich spiele neue Betriebssysteme nie direkt nach ihrem Erscheinen auf meine Geräte sondern warte immer ab, ob Probleme bekannt werden und ob die Software-Hersteller Anpassungen vorgenommen haben. Ich habe nämlich keine Lust darauf, Stunden und Tage darauf zu verschwenden nach Lösungen für Probleme zu suchen, die natürlich dann auftreten, wenn man eine bestimmte Aufgabe erledigen möchte.

Wichtige Anwendungen

Ich verwende regelmäßig die folgenden Anwendungen:

  • Adobe Lightroom 6
  • iWork ’09 – Pages, Numbers
  • Audio Hijack Pro, zusammen mit einem Zoo anderer Audio-Tools
  • Das alles mit meinem Firewire Audio-Device RME Fireface 400
  • DevonThink Pro Office
  • Fujitsu ScanSnap S1500

Und noch einiges andere für Bildbearbeitung, Social Media, Notizen, Texte, … aber die oben genannten genügen für diesen Beitrag.

Kein OS-X Sierra?

Irgendwann 2016 kam OS-X Sierra raus und 2017 folgte High Sierra. Warum habe ich diese Versionen nicht eingespielt?

Weil es eine Fülle von Fehlermeldungen gab. Es gab viele Fehler im Bereich der Datensicherheit wie z. B. Passwörter die im Klartext in Log-Dateien landeten und andere Hiobs-Botschaften. Mein Punkt ist – ich bin selbst Software-Entwickler – dass ich kein großes Vertrauen in den restlichen Programmcode und die internen Tests habe, wenn solche offensichtlichen Lücken beim Anwender auftauchen.

Dann gab es Berichte nach denen PDF-Dateien ihre Text-Layer verloren bei bestimmten Aktionen, weil Apple unter der Haube die PDF-Schnittstelle erneuert und/oder ausgetauscht hatte – vermutlich um funktionskompatibel mit iOS zu werden? Verschiedene Anbieter rieten dringend von Sierra und später auch von High Sierra ab, sie mussten nun eigene Routinen für verschiedene Funktionen schreiben oder Workarounds finden weil das Betriebssystem die Funktionen nicht mehr bot oder Fehler dabei verursachte.

Mein MacBook Pro kaufte ich privat und der Verkäufer meinte es gut und installierte frisch Sierra. Ich gab dem eine Chance und fluchte schon bei der ersten Einrichtung. Nur ein Beispiel: Dateien, die auf einem Netzwerk-Laufwerk lagen, konnte ich nicht mehr mit Doppelklick öffnen – es erschien nur eine Fehlermeldung mit einer Nummer. Wählte ich das Kontextmenü und “Öffnet mit…” funktionierte es. Ich recherchierte kurz und fand heraus, dass ich mit diesem Problem nicht alleine war.

Da es noch einige andere Probleme gab, zog ich die Notbremse und installierte wieder El Capitan – und das läuft bis jetzt (April 2019)

Abhängigkeiten – Upgrade wird notwendig

Dieses Jahr, 2019, wird es so weit sein, dass ich ein Upgrade installieren werde oder sogar muss. Das löst einige Bauchschmerzen bei mir aus weil da eine ganze Kette an Aktionen dran hängen wird.

Was ist passiert?

Auslöser ist Adobe Lightroom. Die letzte Kaufversion ist Version 6 und diese nutze ich seit es sie gibt. Das Problem: Es gibt dafür keine Updates mehr um neue Kamera-Modelle zu unterstützen. Meine eigenen Kameras funktionieren damit noch, ich nutze Lightroom aber auch für Workshops und Teilnehmer haben vermehrt Kameras, deren RAW ich nicht mehr anzeigen und bearbeiten kann.

Ja, ich könnte den Adobe DNG Konverter benutzen. Das ist im Arbeitsablauf allerdings eher unpraktisch. Teilnehmer geben mir ihre Speicherkarte, wir wählen ein Bild aus und importieren es in Lightroom. Nun müsste ich aber die Auswahl anders vornehmen, vielleicht über den Finder, dann das Bild lokal kopieren, konvertieren und dann nach Lightroom importieren – das alles kostet extra Zeit, die bei Workshops sinnvoller genutzt werden kann. 

Ich sah mich dann sehr intensiv nach Alternativen zu Lightroom um, weil ich kein Abo abschließen wollte. Das Ergebnis war ernüchternd: Meiner Meinung nach gibt es aktuell keine wirkliche Alternative.

Es gibt andere RAW-Entwickler die überwiegend auch gute Ergebnisse liefern, keines der von mir getesteten Programme kommt jedoch an Lightroom heran, wenn es um den gesamten Arbeitsablauf geht – interessanterweise auch nicht bei der Geschwindigkeit! Sobald man mal in ein Bild zoomen und dann womöglich den Bildausschnitt verschieben möchte, rennt Lightroom allen davon. Capture One Pro ist noch am umfangreichsten und bietet tolle Farbanpassungen, nervt mich aber an vielen Ecken – das führt hier zu weit, einfach oben den Link anklicken und meine Review lesen wenn es Euch interessiert.

Es wird darauf hinauslaufen, dass ich ein Adobe CC Abo abschließen werde / abschließen muss, bis der Markt mir eine echte Alternative bietet. Und damit geht die Kette los:

Abhängigkeiten

Die aktuelle Lightroom CC Classic Version läuft nicht mehr unter El Capitan. Ich müsste mindestens auf Sierra oder High Sierra gehen. Das werde ich aufgrund der bekannten Probleme nicht machen (wollen) und außerdem gibt es schon seit einiger Zeit macOS Mojave…

Wenn ich aber Mojave installieren, laufen Pages und Numbers aus iWork ’09 nicht mehr. Die neuen Pages und Numbers Versionen haben allerdings bei weitem nicht den Funktionsumfang der alten Versionen!

Das neue Pages kann zum Beispiele keine Serienbriefe, im DTP-Modus kann man Textfelder nicht miteinander verbinden bzw. wenn, lassen sie sich in der Größe nicht mehr getrennt voneinander anpassen, der Farbwähler bietet keine Schattierungen mehr als Vorauswahl an, viele Schmuckrahmen können im neuen Pages nicht mehr gewählt werden (statt 50 Rahmen hat man nur noch eine Liste mit ich glaube 9 Rahmen). Das sind nur einige Beispiele.

Ich habe tatsächlich viele Druckvorlagen für Kunden mit dem alten Pages erstellt weil es am einfachsten funktionierte und der gewünschte Look oft mit wenigen Klicks erreicht werden konnte. Eine Umstellung auf Mojave stellt mich vor ein Problem mit diesen Kundenprojekten – Ich müsste entweder alle Designs mit Affinity Publisher komplett neu erstellen was wegen der Schmuckrahmen um Fotos sehr aufwendig wäre, oder ich müsste irgendwie mit den Einschränkungen des neuen Pages klar kommen

Mein Fujitsu ScanSnap S1500 bietet ebenfalls keine Unterstützung für Mojave – Sollte ich nun einen neuen Scanner kaufen müssen? Oder muss ich recherchieren, ob es einen Majave-Treiber gibt, der den alten Scanner doch noch unterstützt? Ich möchte eigentlich nur einfach wählen können, ob ich Einzelseiten oder Multipage scannen möchte und das Ergebnis soll an DevonThink Pro Office übergeben werden…

Die Audio-Software soll unter Mojave funktionieren. Was die Treiber für mein Audio-Device angeht, ein RME Fireface 400, muss ich noch klären.

Und jetzt?

Um also ein Lightroom-Abo abzuschließen, was ich ohnehin nur wiederwillig mache, muss ich das Betriebssystem aktualisieren und damit Lösungen für ganz andere Arbeiten suchen. Tja nun, es war klar, dass das irgendwann passieren würde.

Wie werde ich also vorgehen?

Zuerst werde ich prüfen, in wie weit ich meine Pages und Numbers Dokumente mit den neuen Versionen bearbeitet bekomme.

Dann werde ich mir zunächst externe Datenträger besorgen und von beiden Macs  jeweils ein bootfähiges Image anlegen. Das ist mein Netz, mein doppelter Boden. Wenn irgendetwas schief läuft oder ich nach Wochen feststelle, dass irgendetwas mit Mojave nicht mehr läuft, dann möchte ich – dann MUSS ich – in kurzer Zeit in der Lage sein, einen Job zu erledigen. Also möchte ich jederzeit mein bekanntes El Capitan booten können um dann wenigstens temporär damit arbeiten zu können.

Erst wenn das läuft, werde ich an einem Rechner auf Mojave aktualisieren und schauen, ob Audio-Produktion noch läuft, ob ich meinen Scanner zum Laufen bekomme, und so weiter.

Dann kann ich das Adobe CC Abo abschließen und auf das neue Lightroom aktualisieren.

Puh …

16 Kommentare zu “Betriebssysteme, aktuelle Software, Abos, Abhängigkeiten – Es ist kompliziertm

  1. Was ich absolut nicht verstehe, ist, das selbst IT-Profis so sorglos mit der Sicherheit ihrer auch privaten Computer umgehen.

    Wenn für keine Updates einspielst, rennst du mit riesigen Sicherheitslücken durchs Internet.

    • Die Updates für das jeweils laufende System werden natürlich installiert, wichtige Sicherheitslücken wurden auch in El Capitan noch geschlossen – inzwischen allerdings wohl nicht mehr und ja, das ist ein weiteres Argument.

      Dennoch ist DIESES Problem sehr viel weniger wichtig für mich als die anderen genannten. Vielleicht weil ich noch nie durch so eine Lücke kompromittiert wurde.
      Wenn Du diese Diskussion weiterführst, kommst Du am Ende aber immer zu dem Punkt: Am besten niemals einen Computer ans Internet hängen, weil: Keine Lücken gibt es nicht – Es sind nur Lücken, die im besten Fall noch nicht gefunden und im schlechtesten Fall noch nicht veröffentlicht wurden ;)

      • Und wie sieht es mit den Updates für Lightroom aus? Gibt es noch Security-Updates für V6?
        Ich meine: nicht das Adobe berühmt sei für sichere Software. :-)

        Ich arbeite als CISO eines internationalen Unternehmens und mache bei Penetrationstests immer solche System zuerst auf, auf denen ungepatchte Software rumliegt und genutzt wird.

        Das ist wirklich ein Problem.

        Umgekehrt musst du den Anbietern schon auch ein Stück vertrauen, auch wenn es mal Probleme mit einer Version gegeben haben sollte. Sonst dürftest du ja im Umkehrschluss gar keine Software mehr einsetzen, weil alle Sicherheitslücken haben. Du kennst als Entwickler ja das Prinzip „pro 1000 Zeilen Quellcode gibt es mindestens einen Fehler“.

        Also ich plädiere immer für Updates, Updates, Updates, und zwar für jede genutzte Software.

        Ich teste immer die aktuellen Versionen auf einem meiner beiden Rechner, wenn das bei dir nicht geht, wäre eine VM eine Alternative. VMware und Parallels sind da wirklich gut.

  2. Das klingt echt schmerzhaft. Hast du mal überlegt, ob eine Trennung der Aufgaben zwischen beiden Rechnern Sinn ergibt? Also z.B. neues System mit Lightroom nur auf dem Laptop?
    Oder eine VM für das alte Pages?

    • Trennung ist nicht sinnvoll bei mir, ich habe das MBP ja als mobile Verlängerung des iMac – Ich brauche also auf beiden dieselbe Lightroom-Version, arbeite auch mal unterwegs an einem Kundenprojekt etc.

      VM wäre in der Tat eine Möglichkeit – Früher lief kein OS-X als VM, das scheint aber inzwischen auch offiziell möglich zu sein? Der Haken an dieser Lösung ist schlicht der Platz: Die SSD in den Geräten sind ohnehin schon recht gut gefüllt, eine komplette VM möchte ich darauf nicht dauerhaft halten. Evtl. könnte ich das Image auf der externen SSD als VM anlegen, dann müsste ich nicht neu booten sondern könnte das alte System und Kundenprojekte parallel öffnen – Ich weiß nur nicht, ob sich das lohnt wegen der sicher trägeren Performance

  3. Hi,

    mal ganz doof gefragt. Eine Docker Instanz, auf der eine Umgebung für das Adobe Lightroom läuft ist keine Option evtl?

  4. Alexander Trica

    Hi Boris,
    ja, so ging es bei mir auch los. Eigentlich wollte nur, das meinem Lightroom 6 die GPS Koordinaten in den Metadaten auswertet. Keine lebenswichtige Funktion, aber ich habe extra ein GPS Modul an meiner Kamera und es ist toll zu sehen, wo genau man das Foto gemacht hat. Gerade auf Urlaubsreisen und Roadtrips.

    Das ganze ging auch mit LR6, bis Google eine API in Maps geändert hat, was in LR6 nicht mehr aktualisiert wurde und was zur Abschaltung des Kartenmoduls geführt hat.

    Dann ging es los: LR Abo, die neuste LR CC Classic ging auf meinem MacOS nicht und das neuste MacOS unterstützt mein (zugegeben etwas in die Jahre gekommenes) MBP nicht. Jetzt brauche ich ein neues MacBook um meine GPS Metadaten in Lightroom auf der Karte zu sehen? Echt jetzt? Das ist doch alles irgendwie komisch…

    Gruß
    Alex

  5. Darktable für die Workshops installieren?

    In docker bekommst ja auch kein neueres OS X rein

    • siehe Link im Text zur Übersicht der von mir ausprobierten “Alternativen” – Darktable war auch dabei. tl;dr; Taugt nicht am Mac.

      • Daniel Eggerstorfer

        Kenn ich und eine aktuelle Version ist mittlerweile brauchbar, aber das ist hier nicht mal der Punkt.
        Für dich bleib einfach bei Lightroom 6.5 und für Workshops setz Darktable oder ein anderen RAW Konverter (Capture One, DXO PL,…) ein. Da benötigst keine Bilderverwaltung und ähnliches.

      • Das war vor einer Ewigkeit. Du hattest 2.4 getestet und inzwischen gibt es 2.6.

        Vom 1.4.2019: „we believe it offers an excellent solution for Mac OS X users“:
        https://www.lifewire.com/darktable-review-free-digital-darkroom-1701404

        Mein Laptop ist von 2008 und Darktable arbeitet sehr sehr flott. Vielleicht solltest doch noch mal einen 2. Blick drauf werfen?

  6. VMWare für die alten Programme würde ich empfehlen. Wie weit du da mit den Hardware dingen kommst (Firewire usw) ist aber ungewiss. Aber zumindest für iWork kram kein Thema. Mit VMWare kannst du ohne Probleme ein OSX virtualisieren.

    Was sogar gehen könnte ist das du den Clone auf einer externen Platte damit starten kannst, dann musst du nicht immer dual boot machen. Und wenn das alles auf SSD ist ist das sogar einigermaßen flott.

    Gruß
    eLcH

  7. Wenns beim Scanner hapert: Vuescan soll ihn können:

    https://www.hamrick.com/vuescan/fujitsu.html#scanner-drivers

    Nur falls es da nichts Aktuelles von Fujitsu geben sollte.

  8. kontrollfeld

    Genau so ein (unnötiges) Theater plagt mich, seit ich Mac OS X nutze und macht den Mac für professionelles Arbeiten eigentlich immer unbrauchbarer – man stelle sich nur vor, dass man mal neue Hardware braucht, die nur mit der aktuellen Mac OS-Version funktioniert…
    Dafür sollte man rechtzeitig Rücklagen bilden, denn neue Macs lassen sich nicht mehr aufrüsten und müssen daher m.E. mit 16GB RAM und 256-512GB SSD beschafft werden, wenn man die teuere Anlage länger als drei Jahre nutzen möchte. Das lässt sich Apple teuer bezahlen (von der Garantieverlängerung ganz zu schweigen). Ich verstehe inzwischen jeden Admin, der die Anschaffung von Macs wenn möglich unterbindet und rate Privatpersonen nur noch dann zum Mac, wenn sie finanziell mit den Konsequenzen leben können. So werde ich in absehbarer Zeit wohl zu Windows/Lenovo wechseln, weil der Mac in meinem Umfeld einfach nicht mehr zuverlässig zu betreiben ist.

  9. Um es auf den Punkt zu bringen:
    Ich warte auf das nächste Update im September und hoffe das Beste!
    Früher habe ich nie verstanden warum über die Langsamkeit von Lightroom geschimpft wurde. Das Programm lief bei mir seit Jahren wie Butter.
    Wie gesagt lief, oder besser bis zum Update auf Mojave. Mein iMac Pro ist 1,5 Jahre alt, hat tüchtig Power und zeigt mir fast pausenlos den Beachball bei der Bearbeitung. Wobei es vollkommen egal ist ob ich die CPU Unterstützung laufen habe oder nicht. Inzwischen bearbeite ich meine Aufträge in Photoshop was seltsamerweise wunderbar schnell ohne Dauerlüftungsgeräusch funktioniert.
    Lightroom wird nur noch für dem Im- und Export und ein bisschen hell/ dunkel benutzt.
    Eigentlich sollte ich die App löschen und wieder aufspielen aber ich scheue den Aufwand …. noch!
    Auf der Suche nach einer Lösung, mal wieder, bin ich hier gelandet – so hat der Mist doch endlich mal was Gutes 😁!
    Liebe Grüße an alle Leidensgenossen

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