iPhone 6, plus, minus und überhaupt

Fortschritt bedeutet Wandel. Alles ist im Fluss. Nichts ist so konstant wie die Veränderung. Fünf Euro ins Phrasenschwein smile

Tatsache ist, dass Apple sich verändert, die Produkte ändern sich. Das bedeutet wohl dieses Fortschritt. Die Frage ist nur, ob sich die Produkte zum Guten oder zum Schlechten ändern. Und diese Frage wiederum ist nur sehr subjektiv zu beantworten. Und selbst das fällt nicht immer ganz leicht.

iPhone 6 angesehen – Apple-Store Hannover

Ich war nun zum ersten Mal in einem echten Apple-Store. Endlich gibt es einen in Hannover und somit einen, der verhältnismäßig nah für mich ist. Ich war an einem Samstag dort und das war nicht unbedingt die beste Idee. Die Innenstadt Hannovers war generell völlig überfüllt mit Menschen und ein Großteil davon schaute sich im Apple-Store um. Ich muss aber sagen, dass der Store selbst mit dieser großen Besuchermenge, ich habe mindestens 400 Menschen geschätzt, gut umgehen konnte.

Viele Tische mit den neuen iPhones, sortiert nach Farben. Weitere Tische mit iPads. Zwischendrin vereinzelt MacBooks, MacBook Air, ein paar iMacs, einen Mac Pro fand ich auch. Obwohl so viele Menschen im Geschäft waren, hatte ich keine großen Probleme einen Mitarbeiter zu finden, der mir Fragen beantworten konnte, das probierte ich zwei mal aus, ohne Probleme. Im Hinteren Teil konnte man prüfen lassen, ob das Wunsch-iPhone vorrätig wäre und ich hätte eines, wenn es denn auf Lager gewesen wäre, direkt mitnehmen können. War es aber nicht. 64GB und 128GB Versionen waren ausverkauft und man schlug mir vor, ein Gerät über die Webseite unverbindlich zu reservieren. Die Chance, es deutlich schneller, evtl. schon zum nächsten Tag zu bekommen, sei groß.

6 oder 6 plus oder…?

Aber wollte ich das? Ich hielt an diesem Tag mehrfach ein iPhone6 oder auch ein iPhone6 plus in der Hand. Viel ausprobieren konnte man nicht. Klar, Taschenrechner, Notizbuch, Web-Browser, den Hobbit abspielen… genügte für einen ersten Eindruck aber einen echten Alltag konnte man natürlich nicht simulieren.

Tanja gefiel das große Plus. Besser zum lesen. Mir erschien es einfach viel zu groß für ein Immer-Dabei-Werkzeug. Ich habe das iPhone immer dabei. Es ist mein Terminkalender, ich bekomme E-Mails und antworte unterwegs, ich twittere, habe meine Todo-Liste drauf, verwalte mein Budget, überweise Rechnungen, mache Fotos und nehme Video-Clips auf und noch einiges mehr. Ich brauche ein Gerät, dass ich einfach in die Hosentasche stecken kann. Das iPhone6 könnte diese Anforderung gerade noch erfüllen, wenn es auch deutlich sperriger ist als das iPhone5.

Wo bleibt der spontane Kauf-Impuls

Doch was ist hier los? Mal kurz die Augen zu und gedanklich einen Schritt zurück. Was passiert hier? Ich blicke mal zurück:

  • Als Apple das erste iPhone vorstellte, klappte mir die Kinnlade herunter. Ich nahm an, dass die Werbevideos geschönt waren, so flüssige Animationen konnte es auf einem mobilen Gerät gar nicht geben… Ich hatte seit Jahren PocketPCs aller Klassen im Einsatz, nein das ging nicht. Ging doch! Auf der Keynote zeigte es Steve Jobs und in späteren Reviews wurde es bestätigt. Butterweiche Animationen, scrolling vom feinsten, eine UI die am Finger klebt. So geil! Aber noch viele Kompromisse. Kein 3G, keine eigenen Apps. In Deutschland zunächst gar nicht zu bekommen. Ich hibbelte und wartete auf die nächste Generation.
  • iPhone 3G. Da war es. Über Umwege auch in Deutschland ohne Vertrag zu bekommen. Eigene Apps. 3G Empfang. Zack, bestellt, bekommen, eingerichtet, klare Meinung gebildet: Endlich hat es einer begriffen! SO muss das funktionieren. Danke. Über diesen Kauf musste ich nicht nachdenken. Es war völlig klar warum ich das Gerät haben wollte und meine Erwartungen wurden übererfüllt.
  • Das 3GS wurde vorgestellt. Alles etwas schneller. Joa, nett, aber ich habe keinen Goldesel also lies ich diese Weiterentwicklung aus.
  • Es folgte das iPhone4. Neues Design. Mir gefiel es. Schneller, hohe Bildschirmauflösung, gestochen scharfe Schrift. Bessere Kamera. Mehr Speicher, das neue iOS läuft natürlich flüssig darauf. Zack, instinktiv gekauft und nie bereut.
  • iPhone 4S wird vorgestellt. Siri, mit dem Telefon reden, fragen stellen und beantwortet bekommen, Anweisungen geben, wie geil ist das denn? Bessere Kamera, Video wird stabilisiert, whoa, das hat mir beim 4er immer gefehlt. Ich schob ein paar Euros auf dem Konto umher, hatte ein gutes Jahr und so klickte ich das 4S sofort und ohne zu überlegen. Tanja bekam das 4er und so hatte wieder Geräte, die in die selben Auto-Halterungen passten. Praktisch. Das 4S überzeugte mich auch sofort und Siri benutze ich immer wieder. Oft um Timer zu starten, um mir Nachrichten vorlesen zu lassen, um eine Suche zu starten, eine App auszuführen und ab und an um einen Termin anzulegen, gerne auch mal um eine Nachricht zu diktieren. Ich brauchte keine Überzeugung, es war einfach geil.
  • iPhone 5. Naja. Länger, das Long-Phone. Brauchte ich nicht. Wozu? Neuer Anschluss, Lightning. Ein neues iPhone würde also auch eine neue Infrastruktur benötigten. Meine Reisekabel, meine Autohalterungen, meine Docks, … Wäre es mir das wert? Sonst gab es eigentlich nichts Neues. Ich sparte das Geld.
  • iPhone 5s. Fingerabdruck-Sensor. Das klang praktisch. 64 Bit, da ist der Fortschritt. Und sonst? Nichts was mich spontan überzeugt hätte. Den Finger-Sensor hätte ich gerne für Apps genutzt. Banking, Passwort-Manager, iTunes-Einkäufe… Das ging aber noch nicht. Also was soll’s, Geld sparen, abwarten.
  • Mein 4S ging leider kaputt und ich kaufte mir ein gebrauchtes 5er. Tatsächlich wurde schon dieses in einigen Hosentasche spürbar enger, vor allem beim sitzen. Ich gewöhnte mich aber schnell an das längere Display und die App-Designs setzten diese Extra-Pixel langsam schon voraus. Alles war etwas luftiger. Leider aber auch ein neuer Anschluss. Lightning. Nun haben wir also Dock-Connector und Lightning im Haus.
  • iPhone 6 / 6 plus. Größere Displays und somit größere Geräte. Hm, war mir nicht eigentlich das 5er schon zu Groß für die Hosentasche? Das 5 und 5s passen wenigstens mit Lightning-Adapter noch in die Autohalterungen, die 6er nicht mehr, weil sie deutlich breiter sind. Ja, sie sind schneller, größer und… und was? Sie haben NFC – aber nur für Payment, dass in Deutschland vermutlich erst in ein bis zwei Jahren kommen wird. Die Kamera ist zu dick für das Gehäuse und steht hervor. Nicht schlimm aber zum Thema Design? Naja. Optischen Bildstabilisator gibt es nur im Plus, das kleine 6er hat ihn nicht, genauso wenig wie den besonderen Querformat-Modus, der dem Plus vorbehalten ist. Am Ende bleibt: Ein größerer Bildschirm. Habe ich den bisher vermisst? Am interessanten ist die Option auf 128GB für mich, weil ich meine 64GB gerne mit Fotos und Videos fülle. Aber ist mir das 900 Euro wert?

Eine kurze Zeit lang wurden iPhones vorgestellt, die bei mir einen sofortigen Griff zur Kreditkarte ausgelöst haben. Der Wechsel zum Lightning-Anschluss ließ bei mir eine Bremse aktivieren. Ich hätte einfach zu viel umstellen müssen. Und jetzt, mit den größeren Bildschirmen bin ich eigentlich schon viel zu lange am grübeln und finde kein wirkliches Argument. Sind wir einfach satt oder bin ich das? Ein 5s wäre jetzt die vernünftige Alternative. Es hat 64 Bit, ist schnell, Tanja könnte mein 5er bekommen und wir hätten wieder identische Geräte im Haushalt – was Abmessungen und Anschlüsse betrifft. Dann könnten wir endlich FaceTime nutzen, was mit dem alten 4er von Ihr nicht funktioniert.

Designprobleme beim 6er

Übrigens war es interessant zu sehen, wie viele Menschen beim ausprobieren des iPhone6 und des 6 Plus das Gerät versehentlich auf den Tisch fallen ließen. Es liegt eher wie ein Stück feuchte Seife in der Hand.

Außerdem ist die neue Position des Standby-Tasters etwas unglücklich gewählt. Hält man das Gerät so im Querformat, dass man die Lautstärke-Taste zum auslösen eines Fotos oder zum starten eines Videos nutzen kann, so liegt der Standby-Taster im ersten Ansatz direkt unter dem eigenen Daumen. Ergebnis: Statt Foto oder Video zu machen schaltet man das Gerät aus. Wie schnell wird man sich eine neue Haltung angewöhnen können? Intuitiv gelang mir das jedenfalls nicht – und damit war ich nicht alleine, man musste nur mal genau die Besucher im Store beobachten.

Da ist eine hervorstehende Kameralinse wirklich nur ein kleiner optischer Makel. Wackelt auf dem Tisch? Das taten die 3er auch, und zwar deutlich stärker als das 6er.

Unentschlossen

Ich grübele ja oft länger über teure Anschaffungen nach. Beim iPhone war das bisher aber nie so. Entweder es hatte mich schon bei der Ankündigung überzeugt oder eben nicht. Beim 6er ist es eigentlich genauso. Im Grunde überzeugt es mich nicht, es ist eher die Neugier, ob ich mit einem größerem Gerät noch zurecht käme. Aber ob mir dieses Experiment so viel Geld wert ist?

Wie sind Eure Gedanken? iPhone 6? iPhone 6 plus? Generation überspringen? Habt Ihr schon eines? Wie kommt Ihr damit klar?

Keine Tags zu diesem Beitrag.
Kategorien Mac

9 Kommentare zu “iPhone 6, plus, minus und überhaupt

  1. Hi Boris,
    Habe im Bezug auf die Größe schon 2 Jahre Zeit gehabt mich daran zu gewöhnen mit dem 5er… Die Kaufentscheidung ging zum 6er da der Vertrag nun auslief und das 6er mit einem wesentlich günstigerem Vertrag schon für 100€ zu haben war.

    Mein 5er würde es aber sicher noch 2 Jahre tun ^^

    Rein technisch hat sich am 6er nicht viel zum guten gewendet und stellt für mich keinen Grund zum Kauf dar aber ich bin seit dem 3GS iPhone User und habe Qualität und vor allem Service zu schätzen gelernt. Deshalb fiel die Entscheidung nicht schwer :)

    schönen Sonntag , Axel

  2. Hey Boris.
    Habe mich in deinem Text vollkommen wieder gefunden. Kann ich voll und ganz unterschreiben und werde die 6er Reihe erstmal auslassen. Das erste iphone, wo ich keinen „Haben-Muss“ Impuls entwickel.
    Da freut sich mein Sparschwein. ;)

  3. Mir geht es ähnlich. Im Unterschied zu dir war bei mir das iPhone 5 ein „Insta-Buy“, endlich kein zerbrechliches Glas mehr hinten und das deutlich leichtere Handgefühl, die polierten Kanten, das eingelassene Frontglas… hat mich weggehauen.
    Der Fingerabdruck-Sensor im 5S hat das gleiche Wow-Gefühl ausgelöst, aber ein Blick aufs Budget und ich konnte das Upgrade nicht rechtfertigen.
    Jetzt ist das iPhone 6 da, und ich bin ähnlich unschlüssig. Meine Freundin hat es, und von vorne sieht es toll aus, das Display ist super und das abgerundete Glas, was „in“ das Metall läuft ist die logische Fortsetzung und gerade für die Zurück-Geste (von links reinstreichen) super! Aber weder Handgefühl noch die Antennenbänder hinten überzeugen mich, und jedes Case macht das gerundete Display wieder zunichte.
    Ich glaube dass Apple Pay, wenn es hier in Deutschland einschlägt, wieder ein Mitreißer für mich sein könnte…hoffentlich gibt es bis dahin auch wieder ein 4″-iPhone mit aktueller Hardware!
    Bin gespannt aufs nächste Jahr… solang halt ich es noch gut aus mit dem iPhone 5: ein tolles, stabiles Design mit guter Hardware, die mit iOS 8 locker mithalten kann!

  4. Mich schreckte am Anfang auch die Größe ab vom iPhone 6. Im Alltag ist es aber gar nicht mehr so wild. Was am meisten auffällt ist die Höhe des Geräts. Es ist ja knapp 1 cm höher.
    In normale Jeans mit normalen Taschen (Levi’s o.ä.) passt es aber wirklich noch ganz locker in die vordere Tasche und drückt dabei nicht unangenehm beim Sitzen.

    Hatte zuletzt das iPhone 5 und da auch schon die gleichen Probleme gehabt die ersten Tage. War ja auch um ein ganzes Stück größer als das iPhone 4. Man gewöhnt sich aber sehr schnell dran. Vor allem, weil Apple ein bisschen weiter gedacht hat, als die Konkurrenz. Man muss sich einfach angewöhnen öfters mal einen Doppel-Tipp auf den Homebutton zu machen um den Bildschirm runter zu schieben. Dann erreicht man auch die oberen Dinge problemlos mit dem Daumen.

    Alles eine Gewohnheitssache. Ich bereue es aber keine Minute upgegradet zu haben :-)

  5. ich erkenne viele Parallelen zu Deinem Verhalten. Hatte das iPhone 3G, 4, 4s und das abgelegte Teil jeweils an meine Tochter weiter gegeben. Die Long- und Bigphones interessieren mich nicht so. Deshalb bin ich derzeit unentschlossen und halte auch einen Wechsel zu Android für möglich. Dies hauptsächlich, weil Apple es mir nicht mehr gestattet mein iPhone 3G, das ich von meiner Tochter zurück erhalten habe wieder neu zu installiern. Out of support :-( Kann nach Rücksetzen auf Auslieferungszustand das Teil nicht mehr in Betrieb nehmen. Das geht gar nicht und spricht für mich erst mal gegen Apple. Weiß noch nicht, wie ich mich entscheide. Werde das 4s noch eine Weile nehmen… und dann …?

    • Das mit den alten Geräten habe ich neulich auch erst erfahren. Apple schaltet die „Server“ ab, über die das iOS signiert / aktiviert wird. Ich hätte nun echt gedacht, dass dies nur für die neuen iOS-Versionen gilt, dass man also auf ein iPhone4 im Zweifel zu iOS7 genötigt wird, dieses dann aber noch funktioniert, weil es ja die letzte mögliche Version ist. Die Vorgängerversion von iOS auf dem Gerät geht dann nicht mehr. Nunja… Ob man das mit einem Jailbreak umgehen kann, weiß ich allerdings nicht. Es wäre eine Möglichkeit.

      • Jailbreak klappt schon – habe ich auch gemacht. Allerdings ist das halt nicht jedermanns Sache und nicht wirklich das, was ich mir von einem Hersteller erwarte. Hätte meine Tochter nicht das iPhone 4 von mir genommen, so wäre (mit Ihrer Apple-ID) einer weiteren Nutzung nichts im Wege gestanden. Zumindest, solange ihre Apps das „alte“ iOS unterstützen.

  6. Mir geht es mit den neuen MacBooks so… Mein erstes und bisher einziges MacBook Pro ist von 2011. Ja, es läuft noch gut. Ich hab später das DVD-Laufwerk ausgebaut und eine SSD dafür eingesetzt. Jetzt hab ich ein FusionDrive und alles läuft gut. Aber was passiert, wenn mir das Gerät wirklich kaputt geht? Apple wird es nicht mehr reparieren, zu alt. Aber die neuen MacBooks sind noch teuerer, nicht upgradebar und kaum reparierbar…
    Ich habe damals als Stundent 1100€ für ein 13 Zoll MacBookPro bezahlt. Darin sind jetzt 8 GB RAM und ein 620 GB FusionDrive (500 GB HDD + 120GB SSD)
    Okay, die 8 GB RAM sind Standart, aber wie bekomme ich über 500 GB Speicher ins MacBook… derzeit gar nicht. Bei 512 GB ist Schluß und der Preis liegt dann beim doppelten meines alten MacBooks…

    Ich kann nur hoffen, dass das alte noch lange hält.

    Was ich damit sagen wollte, ist das Apple nicht nur bei den iPhone neue Wege geht, sondern auch die Mac derzeit nicht unbedingt besser werden, wenn man sich Preis und Leistung anschaut.

    PS: Ich bin seit Jahr und Tag Android-User und hab erst letzte Woche ein aktuelles Telefon mit 64 GB Speicher für 300€ gekauft…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.