Mein Weg zu 100%

In diesem Fall ist Schokolade gemeint smile

Vollmilchschokolade

Die kennen wir doch alle. Schon als Kind mochte ich die sehr gerne. Kinderschokolade, Milka oder noch krasser, weiße Schokolade mit Crisp. Mmmmh, das war lecker. Im Laufe der Zeit veränderte sich mein Geschmack. Zwar musste es noch immer Vollmilch sein, aber Nuss- und Café-Variationen standen im Vordergrund. Kennt Ihr Kernbeißer? Wenn man Vollmilch-Ganze-Nuss mag, muss man die probieren. Ich kenne sie allerdings in grüner Verpackung, damals gab es noch kein Ja. In den Merci-Packungen lagen oft mindestens zwei Streifen Kaffee-Sahne, oft auch vier. Später gab es sogar Packungen nur mit dieser Sorte. Traumhaft.

Als Vollmilch wird üblicherweise Schokolade bezeichnet, die um die 30% Kakaomasse beinhaltet. Der Zuckeranteil liegt dann um 50%. Der Rest ist Milchtrockenmasse, Fett und ggf. weitere Inhalte wie Joghurt, Nuss, etc.

Langsam zur Zartbitter

Ab einem Kakaoanteil um die 40% wird gerne von halbbitter gesprochen aber in dieser Gewichtsklasse hat mir eigentlich nie eine Schokolade geschmeckt. Irgendwie zwischen den Welten. Keine Vollmilch mehr und noch keine Zartbitter. Vielleicht fand ich nie die richtige Sorte aber ich fiel immer wieder wieder zurück zur Vollmilch.

Doch dann, ab 50% Kakaoanteil spricht man von der Bitter- oder auch Zartbitterschokolade. Von J. D. Gross – die gab es bei Lidl – hatte ich verschiedene Sorten mit so klingenden Namen wie Madagaskar, Peru und ähnlich. Hinter dieser Schokolade steckt übrigens Rausch Schokolade. Quelle: wikipedia So kam ich über 46% (Madagaskar), zu 60% (Amazonas), 70% (Ecuador) bis zu 81% (Arriba Superieur), wobei mir die 81er noch nicht wirklich zusagte. Die 60er und 70er jedoch mochte ich inzwischen immer lieber und ertappte mich dabei, wie ich zuerst nach diesen Sorten schaute bevor ich zu einer eventuell vorhandenen Vollmilch griff. Es muss wohl daran liegen, dass sich die Geschmacksnerven mit zunehmendem Alter ändern, anders kann ich mir das nicht erklären.

Wie es mit 85%, 92% und gar 100% Schokoladen aussieht, wie sie schmecken und von welchen Herstellern ich die schon gekostet habe, dazu mehr nach dem Klick

Vivani

Schließlich befasste ich mich durch meine Ernährungsumstellung intensiver mit Lebensmitteln, suchte nach anderen Zutaten und kam so auch in andere Geschäfte. In unserer Gegend gibt es die Ölmühle-Solling und bei einem Besuch dort wurde ich auf Schokolade von Vivani aufmerksam. Ich nahm Täfelchen in verschiedenen Kategorien mit.

Vivani 85% Schokolade

Die Feine-Bitter mit 71% war dabei so mild, dass ich fast dachte eine Vollmilch zu essen smile Sie war aber nicht so mein Fall. Der Hammer war aber die Feine-Bitter mit 85% Kakao. 85% die sich so leicht und geschmeidig genießen lassen, wie ich es für eine Zartbitter niemals für möglich gehalten hatte. Ganz ehrlich, wer Zartbitter prinzipiell mag aber glaubt, dass 85% zu viel wären, dem möchte ich dringend empfehlen diese Sorte von Vivani auszuprobieren. Sie schmeckt unglaublich gut, ist sehr zart und wird u. a. mit Rohrohrzucker statt raffiniertem Zucker hergestellt.

Natürlich soll man auch von so einer Schokolade keine Tafel pro Tag verschlingen wenn man ein wenig auf seine Hüften achtet, aber mal ein Stückchen – das sind dann 10g – haben bei mir zu keinen negativen Effekten geführt, sprich ich habe weder zugenommen noch wurde das Tempo meines Gewichtsverlustes gebremst.

Dermaßen motiviert von den geschmacklichen Möglichkeiten der Bitterschokoladen stöberte ich bei Vivani und fand eine 92% Schokolade. Die musste natürlich sofort bestellt werden.

Vivani Schokolade 92%

 

Der Geschmack war dann ganz anders als erwartet. Gewöhnungsbedürftig aber durchaus gut. Ein Blick auf die Zutatenliste erklärte die andere Geschmacksnote: Statt Rohrohrzucker wird hier mit Kokosblütenzucker gearbeitet wovon in 100g übrigens nur noch 7g stecken. Ein 10g-Stückchen hat also noch 0,7g Zucker. Es dauerte bei mir etwa eine Tafel bis mein Gaumen diese 92er lieber mochte als die 85er.

92% Kakaoanteil. Sollte dies das Ende des machbaren sein? Nein!

100%

Das klingt so verrückt, dass man es kaum glauben möchte aber es ist wirklich möglich. Also nicht nur möglich im Sinne von machbar sondern im Sinne von wirklich genießbar. 100% Schokolade kannte ich bisher nur aus dem Bereich der Backzutaten und ich wäre nie auf die Idee gekommen, diese einfach so, unverdünnt zu essen. In einer 100%-Schokolade ist kein Platz mehr für andere Dinge außer Kakao. Keine Milchtrockenmasse, kein Zucker, kein gar nichts – nur reiner Kakao.

Es gibt verschiedene Anbaugebiete für Kakaobohnen und es gibt natürlich auch verschiedene Sorten. Es gibt nun Hersteller, die in Ihrer Schokolade jeweils nur eine Sorte von Bohnen verwenden was sehr spannend sein kann, da sich diese durchaus deutlich voneinander unterscheiden. Andere, so nehme ich an, werden die Bohnen mischen um einen jeweils spezifischen Geschmack zu erreichen.

Zotter

Bei Freunden konnte ich dann eine 100%-Schokolade von Zotter probieren die den Namen Labooko Peru trug. Ja, durchaus essbarer als ich es gedacht hatte. Ich hatte mit einem eher staubig-mehligen Gefühl im Mund gerechnet doch stattdessen schmolz die Schokolade sehr weich am Gaumen. Sie war aber tatsächlich sehr herb und kräftig und definitiv nichts für Anfänger im Bereich der Bitterschokoladen. Ich fand sie zwar nicht schlecht aber sie würde wohl nicht mein Favorit werden.

Zotter Labooko Schokolade 100%

Coppeneur

Durch einen Zufall stieß ich auf den Hersteller Coppeneur. In einem Magazin war ein Interview mit dem Gründer abgedruckt in dem klar wurde, dass in diesem Atelier, so nennt Oliver Coppeneur den Betrieb aus guten Gründen, mit viel Liebe und Sorgfalt alles selbst gemacht wird. Die Kakaobohnen werden sorgsam gewählt und eingekauft um dann im eigenen Hause verarbeitet zu werden.

Das Ergebnis ist keine billige aber eine sehr gute und besondere Schokolade. Mit diesen Bitterschokoladen ist es ohnehin eher so wie mit einem Glas guten Wein, oder einem 16 Jahre alten Whiskey oder, für die Raucher, wie mit einer guten Zigarre. Man konsumiert nicht viel, dafür aber mit viel Freude und Genuss.

Und wie es der Zufall so wollte, bietet Coppeneur tatsächlich eine 100% Schokolade an: Cru de Cao – República del Ecuador. Ich bestellte und für schlanke 3,50 Euro zzgl. Versand erreichte mich diese 50g Tafel. Nichts für Sparfüchse aber ich wollte es jetzt wissen.

Coppeneur Schokolade 100%

Die Tafel ist an einem Stück, keine Rillen als Sollbruchstelle um sich eine definierte Portion abzuknicken. So knickte ich also ein Zufallsstückchen ab und legte es auf die Zunge. Sie ist hart genug für einen satten Klang beim Knicken aber weich genug um einfach zerbissen zu werden. Sie ist eher zum lutschen geeignet und schmilzt sehr zart auf Zunge und am Gaumen. Sie ist aber schon ziemlich herb und eher etwas säuerlich. Ich sehe schon, ich benötige ein neues Vokabular um Schokoladen zu beschreiben. smile Ich finde sie ausgezeichnet und mag sie gerne, sie hat aber eine eher raue Geschmacksnote, eben recht kräftig.

Domori

Schließlich erreichte mich ein Tweet mit der Frage, ob ich wohl Domori 100% schon einmal gekostet hätte. Nein, hatte ich nicht. Ich schaute kurz nach und erschrak schon ein klein wenig als ich den Preis sah: 3,18 Euro für ein 25g Täfelchen. Alle Achtung. In anderen Shops findet man sie ggf. für knappe 3 Euro, sehr viel günstiger wird es kaum. Aber wenn man neugierig ist, dann bringt man auch kleine Opfer und so bestellte ich.

Domori Schokolade 100%

Der Verpackung kann ich nicht entnehmen, woher die Kakaobohnen stammen weshalb ich annehme, dass es sich um eine Mischung handelt. Aber was für eine!

In der rauhen Pappschachtel im Quadratischen Format steckt das Täfelchen in einer undurchsichtigen, rötlichen Folie eingeschweißt. Die quadratische Tafel selbst hat eine Längs- und Querfuge als Sollbruchstellen für insgesamt 4 Stückchen. Jedes Stück hat dann also 6,25g.

Die Konsistenz und der Geschmack haben mich aber nochmals umgehauen. Natürlich war ich inzwischen 92% und 100% Schokoladen gewöhnt aber diese Domori war noch zartschmelzender als ich es für möglich hielt. Geschmacklich ist sie vergleichsweise mild.

Wer gerne torfigen oder rauchigen Whiskey mag, für den würde ich eher Coppeneur oder, so aus dem Gedächtnis, die Zotter empfehlen. Wer aber lieber einen leichten Rum oder sehr milden Whiskey bevorzugt, der sollte sich diese Domori definitiv mal ansehen bzw. auf der Zunge und am Gaumen schmelzen lassen. Preislich ist das natürlich keine Schokolade für jeden Tag sondern eher für besondere Abende smile

 

Und welche Schokolade ist Euer derzeitige Favorit?

5 Kommentare zu “Mein Weg zu 100%

  1. jürgen neldner

    Hallo Boris.
    Das kann doch nicht sein …….
    Gerade als ich Dir schreibe schiebst du auf deinen Blog genau das hoch.
    :-)

    Das war wohl Gedankenübertragung.
    Danke!

    Gruß, Jürgen

  2. Bei mir steht immer noch Rausch an erster Stelle, nicht nur wegen dem günstigen Preis.
    und da ist es Nuß an Nuß oder die 47%. Im Werksverkauf in der Nähe von Hannove gibt es das Kilo für ca 10,00€.
    Gruß Thomas

  3. Hallo Boris,
    danke für deine Ausführungen und Tests. Ich habe jetzt auch mal solch hochprozentige Schokoladen getestet und musste feststellen, dass mir die Rapunzel 85% Kakao (aus Bolivien) am besten schmeckt (zart schmelzend, kakaoig, leichte nougatnote). Für meinen Geschmack schneidet Lindt 90% am schlechtesten ab (bitter und trocken), die ebenfalls von dir getestete Vivani 92% schmeckt mir auch sehr gut, schafft es aber nicht ganz an die 85%ige ran.

    VG
    Torsten

    • Das freut mich :)
      Ja, die 92er von Vivani hat bei mir etwas gebraucht bis sich mein Gaumen gewöhnt hatte – aber sie hat (für mich) etwas sehr verlockendes :)

  4. Hallo,

    Natürlich sind Geschmäcker verschieden, aber je höher der kakaogehalt ist, desto mehr zeihnen sich die Nuancen zwischen sehr hochwertigem kakao und mittelmäßigem ab. Lindt ist meines Erachtens eine akzeptable Supermarktschokolade, doch keine hochwertige, facettenreiche Schokolade. Deswegen finde ich dessen Schokolade bis 70 % durchaus essbar, doch dann kann sie einfach nicht mehr mithalten. Domori zählt auch zu meinen Favoriten! Ich kann jedem, der sich über die 90%Marke begeben will nur raten: Je hochwertiger, desto aromatischer und ausgeglichener… Lentztendlich muss man das aber für sich selbst probieren. :)

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