Stellenwert eines Bildes

Erik Kessels hatte eine Idee: Einfach mal alle Fotos ausdrucken, die innerhalb von 24h bei Flickr hochgeladen werden und in einen Raum kippen. Gesagt getan.


Erik Kessels installatie © Christian van der Kooy 2011

350.000 Fotos. Ausgedruckt und in einen Raum geworfen. Über den Umweltaspekt sollte man nicht nachdenken und auch nicht über die Druckkosten. Es bleibt ein beeindruckendes Bild, in jedem Sinne, das uns zeigt, wie viele Bilder, wie viele Ansichten und Aspekte jeden Tag zwischen den Menschen weltweit geteilt werden – Und hier geht es nur um die Flickr-Nutzer smile

Es regt aber auch zum nachdenken an. Welchen Stellenwert hat eine Fotografie heutzutage noch?

mehr nach dem Klick

A Photoeditor spricht in diesem Zusammenhang eine Meldung von Aurora Photos an, die ein Stock-Photo Archiv eröffnet haben in dem ausschließlich Fotos lizensiert werden können, die mit mobilen Geräten aufgenommen wurden.

Kann man nun seine Anmerkungen bezüglich der Minderwertigkeit von Handy-Fotos auf Fotos generell übertragen? Ich denke nicht.

Zum einen gilt seit jeher, dass es keine Rolle spielt womit oder wie ein Foto entstanden ist, sondern was das Bild erzählt oder zeigt. Auch was das die technische Qualität der Fotos angeht braucht man zunehmend weniger oder gar nicht mehr zu diskutieren. Was aus aktuellen Smartphones an Fotos heraus kommen kann ist wirklich erstaunlich.

Zum anderen dachte ich bei dem Projekt: „Ähm, nur 350.000 Fotos?“
Bei Flickr dürfte die registrierte Nutzerzahl wohl eher in die hohen Millionen gehen.
Ich möchte mal frech behaupten, dass auch Früher, vor dem Internet, jeden Tag auf der ganzen Welt viele hunderttausend, vermutlich eher mehrere Millionen Fotos gemacht wurden. Im Unterschied zu Heute, konnte man die damals aber nicht alle sehen wink Man kannte nur Bilder aus dem direkten Umkreis oder aus Galerien.

Nur weil jetzt jeder seine Bilder, bei Flickr und anderswo, öffentlich zeigen kann, bedeutet das nicht, dass der Wert der Bilder sinken würde. Nur weil man damals nicht alle Bilder der Fotografierenden sehen konnte bedeutet das nicht, dass diese Bilder wertvoller gewesen wären.

Es gibt 7 Milliarden Menschen auf diesem Planeten und jeden Tag werden es mehr. Nun fragt ein Liebespärchen mal, welchen Stellenwert der Partner hat oder Eltern, welchen Stellenwert ihre Kinder haben. Die schiere Menge von etwas setzt den Wert nicht zwingend herab. Es mag die Auswahl erschweren aber man sollte nicht Fehler machen allein vom eigenen Geschmack auf die Allgemeinheit zu schließen und mutmaßen, dass alle Menschen – äh – Fotos an Wert verlieren, weil man so viele einfach nicht gut findet.

Gute und weniger gute Bilder gabe es zu allen Zeiten und nicht jedes gute Bild hat einen großen Wert für die breite Masse. Oft hat ein Foto für einen Einzelnen oder für eine kleine Gruppe an Personen einen unglaublich hohen Stellenwert weil ein ganz bestimmter Moment oder ganz besondere Erinnerung darin gespeichert wurden. Das wird auch zukünftig so sein und wie schon immer wird es stetig wechselnde Trends geben, die bestimmte Bilder oder Bildstile besonders in den Fokus rücken lassen.

Was sind Eure Gedanken dazu? Wie findet Ihr die Installation von Erik Kessels?

3 Kommentare zu “Stellenwert eines Bildes

  1. Herwig Henseler

    Flickr mag zwar die am weitesten bekannte Foto-website sein, doch werden hier mitnichten die meisten Fotos hochgeladen.

    Die größte Foto-Website ist … Facebook. Mit großem Abstand. Zahlen gefällig? Täglich werden etwas 100 Mio (ja, 100.000.000!) Bilder hochgeladen. Am letzten Silvester betrug die Rekordmarke 750 Mio. Da ist Flickr ein kleines Licht gegen. Es steht zu vermuten, dass dieses Silvester 1 Milliarde Bilder am Tag geknackt wird.

  2. Solche eine Installation ist in der Tat schon ein wenig heftig und polarisiert die Welt.
    Aber heute haben wir eine echtes Problem mit dem was wir digital! tun, schreiben, abbilden und veröffentlichen. In der Regel sind diese Daten für die Ewigkeit.
    Gerade beim „Fotografieren“ haben wir das Dilemma, das fast jedes Handy einen Kamera eingebaut hat, wie man sie sich für 6 Jahren gewünscht hat. Auch die Kosten für ein einzelnes Fotos sind gegen null. All dieses führt in der Gesellschaft dazu das wir immer mehr abdrücken und an jeden Ort irgendwas versuchen zu dokumentieren.
    All diese Schnappschüsse (wie es sicherlich 90% der Fotos bei Facebook sind! )würde ich nicht als adequate Fotos bezeichnen.
    Die Zahl der Fotos bei deren Erstellung sich jemand eine bestimmte Intention gedacht hat, ist sicherlich gleich geblieben.
    In dem Sinne kann man sich nur wünschen das sich die Leute wesentlich mehr bewusst sind wann, wie und was sie ablichten.

  3. Gedanken über die gesamte Zahl aller jemals gemachter Fotos findet man hier: http://1000memories.com/blog/94-number-of-photos-ever-taken-digital-and-analog-in-shoebox

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