OutBank – Endlich gutes Banking mit Mac?

Als ich 2006 endgültig zum Mac wechselte, löste ich Stück für Stück alte Windows-Software durch entsprechende Mac-Anwendungen ab. Immer seltener musste ich Parallels starten um Windows in einem Fenster auszuführen. Eine Anwendung allerdings hielt sich hartnäckig: StarMoney. Damit konnte ich unter Windows online Überweisungen tätigen, Daueraufträge ändern, Nachrichten meiner Bank lesen und vieles mehr.

In diesem Beitrag soll es nun eigentlich um OutBank gehen, ein neuer Spieler auf dem überschaubaren Markt der Online-Banking-Programme für den Mac auf die ich mich schon sehr freue. Damit Ihr aber versteht, warum ich mich so freue, möchte ich Euch einen kleinen Abriss meiner bisherigen Suche nach einer Lösung geben von Jamaica/Hibiscus über BankX und MacGiro bis zu Pecunia. Danach wird vielleicht klar, warum ich durchaus glaube, dass OutBank die beste Online-Banking-Anwendung für den Mac werden kann.

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Es war Mitte 2007 als ich völlig fassungslos war als ich erkennen musste, dass es offenbar keine wirklich gute Online-Banking-Anwendung für den Mac gab. Mit „gut“ meine ich, dass ich meine Konten einfach hinzufügen kann, dass die Daten übersichtlich präsentiert werden, die Bedienung einfach und das Erscheinungsbild angenehm ist.

Wie schon erwähnt nutzte ich zu dieser Zeit noch StarMoney unter Parallels. StarMoney muss man aber jedes Jahr neu kaufen und da dieser Zeitpunkt näher rückte, dachte ich mir, ich könnte dann auch gleich eine Mac-Anwendung kaufen.

Die Anforderungen waren und sind eigentlich recht übersichtlich: Ich wollte meine Kontoauszüge abrufen und ich wollte Überweisungen tätigen können. Daueraufträge wollte ich verwalten und ich wollte die Nachrichten meiner Bank lesen.

Bei meiner Suche fand ich die folgenden Programme. Bitte bedenkt bei dieser Übersicht, dass es sich um ein Erfahrungsprotokoll aus 2007 handelt. Sollten einzelne Punkte inzwischen besser funktionieren, könnt Ihr das in den Kommentaren gerne vermerken.

Jameica/Hibiscus

  • Kostenlos. Open Source. Das ist natürlich interessant. Allerdings bedeuten Open Source Lösungen nicht immer auch, dass die Programme besonders gut sind oder besonders gut gepflegt werden. Wenn keiner etwas daran verdient, ist es den Programmieren oft schon genug wenn es irgendwie funktioniert, egal wie technisch es dabei ist.
  • Auf Java-Basis – und ganz ehrlich, so fühlt es sich auch an. Es ist träge und wirkt auf der OS-X-Oberfläche wie ein Fremdkörper, sowohl im Erscheinungsbild als auch in der Bedienung
  • Ich wähle eine Sicherheits-Methode (Index PIN/TAN bietet meine Bank) und klicke auf „testen“. Drei mal probiert, dreimal ist das Programm komplett hängen geblieben.
  • Hinzu kommt: Beim ersten Start soll ein Dialog kommen und mich nach einem Masterpasswort fragen. Das passierte nicht! Beim zweiten Start sollte ich aber so ein Passwort eintragen – war natürlich alles falsch (auch wenn man es leer ließ)
  • Die Dateien werden völlig untypisch unter $user/.jameica gespeichert. Also nicht im „Application Support“ und dann noch in einem versteckten Ordner. What the f….?!?
  • Fazit: Ich hab’s wieder gelöscht

BankX

  • Eine Demoversion ist verfügbar mit der man aber keine Überweisungen machen kann. Na, da werde ich ja ganz toll testen können…
  • Etwas altbackene, Brush-Metal-Oberfläche. OK, wenigstens ein wenig OS-X Look, wenn auch schon der Hauptbildschirm etwas überfüllt/unaufgeräumt wirkt.
  • Und nun? Nach etwas lesen und probieren finde ich heraus, dass ich ein Konto anlegen soll. Es geht ein Wizard auf und fragt mich Dinge, die ich eigentlich nur als Techniker beantworten kann. Zum Glück wusste ich schon einiges davon durch vergangene Recherchen.
  • Ich trage also alles ein (Link zum Bankingserver, HBCI-Version etc…)
  • Ergebnis: Nach viel Geklicke ist der Dialog zu und ich muss auf den Button zum Abgleichen klicken. Statt einer Verbindung kommt ein Hinweis auf eine neuere Version?! Hallo? Ich habe die Demo frisch geladen? Ich ignoriere (wer weiß, ob das mit der Demo überhaupt geht, so ein Update) und fahre fort. Ein Fehler?
  • BankX ist aber nicht der Lage mit der Bank zu kommunizieren und ich habe keinerlei Info warum nicht. Ich denke, dass vielleicht meine Einstellungen falsch sind – aber andere Daten habe ich nicht…
  • Fazit: Nach 5 Versuchen und verschiedenen Einstellungen gebe ich auf. Ich habe einen Mac und keine Windows oder Linux Bastelkiste. BankX wird gelöscht.

Soweit ich auf aktuellen Screenshots erkennen kann, wurde die Brushed-Metal-Oberfläche inzwischen ausgetauscht und die Fenster wirken aufgeräumter. Ob es technisch besser funktioniert als bei meinem Versuch damals weiß ich natürlich nicht.

MacGiro

  • Demoversion verfügbar. Einschränkungen: ALLE Werte werden durch 123,45 ersetzt. Sowohl bei den Kontoauszügen die man empfangen wird als auch bei Überweisungen die man tätigen würde… Ja haben die alle ein Rad ab? Ich bin aber bereit zu kaufen also akzeptiere ich das und lade es herunter.
  • DMG-Datei geöffnet und was sehe ich: Einen Installer! Wofür denn jetzt das? Nix Drag&Drop für ein einfaches Banking-Programm? Was will der Installer machen, dass er nach einem Passwort fragt… mit schlechtem Gefühl fahre ich fort und denke an Card-Reader oder ähnliches wofür es nötig sein mag…
  • Programm gestartet… DU MEINE GÜTE… Mir schießt Jobs Statement durch den Kopf: „They have absolutely no taste“… natürlich ist das Geschmackssache aber die Oberfläche erinnert mich mehr an Windows-Shareware aus den 90ern als an eine Mac-Anwendung
  • Ich fahre fort und lege mein Konto an. SEHR GUT! Die URL für den Bankingserver wird nach Eingabe der Bankleitzahl automatisch gefüllt! Das hätte ich mir bei den anderen Programmen auch gewünscht, hätte mir viel Suchen gespart.
  • Ich kann mich zur Bank verbinden, es werden Kontostände abgerufen (alle 123,45). Ich sehe verschiedene Symbole, muss die Zeilen übernehmen, habe inzwischen schon 3 Fenster offen…
  • Alle Fenster zu. Wieder im Hauptfenster (urgs) versuche ich eine Kontoübersicht zu sehen und zu verstehen wie Überweisungen laufen etc.
  • Zig Fenster, viel Rumgeklicke nötig, viel Gescrolle nötig, Fenster sind selbst für die Standardbuttons in der Toolbar zu klein und und und…
  • Fazit: Ist mir alles viel zu unübersichtlich, zu verworren, zu wenig Mac. MacGiro wieder gelöscht.

Das war Mitte 2007. Ich nutzte StarMoney dann noch so lange bis die Lizenz auslief, dann stieg ich um auf den einfachen Browser-Zugang. Das Web-Interface bot mir eigentlich alles was ich brauchte – mit Ausnahme einer guten Übersicht über vergangene Überweisungen. Das war dann 2008.

Mitte 2009 kam ich dann zu Pecunia

Pecunia

  • Open Source. Kostenlos bzw. Donation-Ware. Es gelten im Grunde die selben Bedenken diesbezüglich, die ich schon bei Jamaica/Hibiscus hatte
  • Kein Java sondern eine richtige Mac-Oberfläche. Aufgeräumt.
  • Kontoeinrichtung auch etwas arg technisch, hat aber nach einem Fehlstart, der auf die Beta-Version zurück zu führen war, gut geklappt
  • Umsätze werden problemlos abgerufen, Überweisungen (auch Vorlagen) möglich.
  • Alle Transaktionen können durchsucht werden
  • Keine Daueraufträge, keine Benachrichtigungen von der Bank
  • Fazit: Pecunia wurde und wird weiterentwickelt. Viele Fehler wurden recht schnell behoben. Ich spendete einen StarMoney-Kaufbetrag und nutze Pecunia seitdem ohne Probleme.

Pecunia hat allerdings ein großes Problem: Es ist eine One-Man-Show. Der Entwickler ist nett und hat bei Problemen schnell geholfen, er kann aber von Pecunia nicht leben. Das bedeutet, dass die Anwendung nicht so schnell weiterentwickelt wird, wie man sich das als Anwender wünschen würde. Bis Heute sind keine Daueraufträge möglich und bis Heute werden keine Nachrichten der Bank gezeigt. Es gab vor einem Jahr (oder länger?) mal eine Umfrage, was die Anwender gerne als nächstes hätten. Ich habe irgendwann aufgehört zu verfolgen und weiß nicht wie das ausgegangen ist. Ich bin auch gar nicht böse oder enttäuscht, ich weiß selbst wie das ist, wenn man in seiner Freizeit so ein Projekt aufziehen möchte. Aber alles Verständnis ändert am Ergebnis nichts und selbst daran mit programmieren kann und möchte ich nicht.

iOutBank auf dem iPhone

In der Zwischenzeit fand ich iOutBank, eine Banking-App für das iPhone. Wow! Diese App konnte mehr auf dem iPhone als Pecunia auf dem Mac. Sie konnte sogar mehr als alle anderen Programme die ich getestet hatte: Sie konnte nämlich völlig problemlos und ohne technische Hürden eine Verbindung zu meinem Konto herstellen.

Klar, wer einen Chip-Kartenleser benötigt, dem ist mit iOutBank nicht geholfen. Wer aber iTAN, mTAN, smsTAN nutzt, dem wird mit iOutBank schon etwas geboten. Daueraufträge konnte ich nun auf dem iPhone ändern.

Der Wunsch kam auf, dass es ein iOutBank für den Mac geben müsste. Und genau das ist nun, wir haben inzwischen Mitte 2011, passiert smile

OutBank

  • Outbank ist seit Juni 2011 als Beta-Version verfügbar. Jeder darf testen und Fehler wie auch Wünsche melden. Später soll es die Anwendung im App-Store für den Mac geben. Ein Preis ist mir nicht bekannt.
  • Die aktuelle Beta-Version war sofort und völlig unkompliziert in der Lage, eine Verbindung zu meinem Konto und zum PayPal-Konto herzustellen. Schnell waren die letzten zig-hundert Transaktionen geladen und angezeigt.
  • Aufgeräumte Oberfläche. Sieht aus und fühlt sich an wie eine moderne Mac-Anwendung
  • Großer Haken: Die derzeitige Beta-Version kann nur Umsätze anzeigen und durchsuchen. Keine Überweisungen, keine Nachrichten, keine Kategorien… Viel zu testen gibt es also noch nicht
  • Überweisungen sollen aber in einer folgenden Beta-Version möglich sein und wer iOutBank aus dem selben Hause kennt, der mag sich vorstellen können, wie das aussehen wird und welche Funktionen da kommen können. Außerdem ist klar, dass der Hersteller etwas von diesem Job versteht. Ich habe also keinen Grund anzunehmen, dass es bei der Mac-Version schlechter laufen wird als bei der iPhone-Version.
  • Welche HBCI-Verfahren unterstützt werden? Lassen wir uns überraschen. Wer dringend Chip-Karte oder Flimmer-Code am Bildschirm benötigt, der sollte sich die Beta-Version laden und Feedback schicken.

Fazit

Ich lese nun im Web viele Stimmen die sagen, dass es doch bei OutBank noch gar nichts zu sehen gibt, dass man Banking und Beta-Version nicht miteinander vereinbaren könnte und überhaupt, dass sich der Hersteller ganz schön aufspielt mit dem Slogan „Beste Online-Banking App für den Mac“.
Diesen Stimmen möchte ich meine Historie (s. oben) entgegen halten und dazu sagen, dass ich nicht der Einzige bin, der eine vernünftige App sucht.

Die oben genannten Programme sind seit sehr vielen Jahren am Markt und haben sich seitdem kaum verändert – und das meine ich durchaus nicht positiv. Nun kommt ein neuer Anbieter sehr selbstsicher auf den Markt und wenn ich mir die Lösungen für iPhone und iPad betrachte dann möchte ich glauben: DAS könnte endlich die Lösung werden, auf die ich so lange gewartet habe.

Wie sieht das bei Euch aus? Womit macht Ihr Euer Online-Banking und welches HBCI-Verfahren nutzt Ihr? iTAN, mTAN, Chip-Karte, Flimmer-Codes, …?

22 Kommentare zu “OutBank – Endlich gutes Banking mit Mac?

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