iChat, FaceTime, iMessages

Hat Apple den Fokus verloren, straucheln sie orientierungslos in einer Wüste der Kommunikationsprotokolle herum, haben sie zu viele kleine Teams die an ähnlichen Lösungen arbeiten oder was ist da los?

Es geht um Kommunikation im Allgemeinen und um Apples, sich überschneidende Lösungsansätze im Besonderen.

Apple-Like ist ein Begriff der häufig benutzt wird, wenn eine Lösung möglichst einfach für den Anwender umgesetzt wurde. So einfach wie möglich, so kompliziert wie nötig. Apple schießt beim Vereinfachen auch gerne mal über das Ziel hinaus und streicht zu viele Funktionen aber das ist ein anderes Thema.

Bleiben wir mal bei der Kommunikation. Warum bietet Apple bald drei verschiedene Lösungen an die zueinander nicht kompatibel sind?

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iChat

Apple hatte dafür vor Jahren iChat eingeführt. Ein Programm um mit anderen Mac-Anwendern über das Internet oder das lokale Netzwerk Textnachrichten auszutauschen. Ein Chat eben. Dieses Programm wurde dann erweitert, so dass man über ein Mikrofon auch miteinander sprechen konnte. Schließlich kam noch eine Video-Funktion hinzu und plötzlich konnte man sich auch sehen während man miteinander sprach, kurze Texte austauschte oder sich Dateien zukommen ließ. Das ganze funktionierte schließlich sogar mit kleineren Gruppen, so dass iChat zu einem kleinen und einfachen Video-Konferenz-Tool wurde mit dem man sogar Bildschirminhalte mit den Teilnehmern teilen konnte.

Der Haken an dem System: Es lief und läuft nur unter OS-X und funktioniert somit zwischen Mac-Anwendern.

FaceTime

Dann kam das iPhone und irgendwann auch iOS4 und mit diesem eine neue Software namens FaceTime. Damit sollte es nun möglich werden, mit dem iPhone Video-Telefonie zu betreiben. Offenbar als Zugeständnis an die Mobilfunkanbieter wurde diese Funktion zunächst nur über WLAN ermöglicht obwohl es technisch auch über 3G-Netze laufen würde.

Apple dachte glücklicherweise mit und schuf eine FaceTime-Anwendung für den Mac. Nun konnte man also vom iPhone aus andere iPhone- aber auch Mac-Nutzer per Video-Anruf erreichen. Klingt doch super und funktioniert auch gut.

Allerdings gibt es auch hier Haken. Initiiert man den Anruf über die im Mail-Kontakt hinterlegte E-Mail-Adresse, dann kann beim Empfänger sowohl das iPhone als auch der Mac klingeln. Ist aber nur eine Telefonnummer hinterlegt, so wird man den Mac dieses Nutzers nicht erreichen, auch wenn er FaceTime dort installiert hat. Es gibt offenbar keine Möglichkeit, seine Mobilfunknummer im FaceTime-für-Mac zu hinterlegen/registrieren. Somit hat man eigentlich eine Lösung die aber nicht wirklich Systemübergreifend einheitlich funktioniert.

Außerdem gibt es bis Heute keine FaceTime-Kompatiblen Programme für Windows, Linux, Android, …was auch daran liegen mag, dass Apple die großzügig als offen angepriesenen Protokoll-Details noch gar nicht veröffentlicht hat. Seit der Vorstellung von FaceTime, Mitte 2010, warten die Entwickler…

Es stellt sich aber schon eine Frage: Warum FaceTime? Warum wurde nicht iChat genommen und für den Mobilfunk angepasst bzw. erweitert? Nun hat man auf seinem Mac also schon zwei Apple-Anwendungen um einen Video-Kontakt herzustellen. Erklärt das mal einem Anwender, der sich nicht mit der Technik auseinander setzen sondern einfach seinen Mac benutzen möchte smile

iMessage

Nun kommt demnächst iOS5, im Herbst 2011 soll es soweit sein. Während der Keynote anlässlich der WWDC wurde es vorgestellt. Eine neue Hauptfunktion von iOS5 hört auf den Namen iMessage.

iMessage wurde in die SMS/MMS-Anwendung integriert. Stellt diese Anwendung fest, dass der Empfänger der Nachricht ebenfalls iOS(5+) nutzt, so ändert sich die Farbe des Senden-Tasters und die der Sprechblasen. Die Nachricht wird dann nicht als SMS über das Mobilfunknetz geschickt sondern als Nachricht über das Internet. Man sieht, ob sein Gegenüber gerade etwas eingibt und ob eine gesendete Nachricht auch gelesen wurde.

Mit anderen Worten: iMessage ist eine Chat-Anwendung die empfängerorientiert entscheidet, ob man über SMS oder über ein Internetprotokoll chattet.

Der Haken: iMessage ist nicht iChat und für den Mac wurde kein iMessage angekündigt. iMessage funktioniert also nur von iOS zu iOS. Man also vor dem Chatten wissen, ob der Gesprächspartner gerade am iPhone erreichbar ist oder ob er am Mac sitzt. Sitzt er am Mac, dann funktioniert kein Text-Chat… Vermutlich soll man vorher per FaceTime mal versuchen anzurufen um das zu klären? wink

Warum?

Ein paar „Warum“ muss sich Apple schon gefallen lassen:

  • Warum gibt es mit iMessage jetzt einen eigenen Chat-Client der aber nur von iPhone zu iPhone funktioniert? Wem möchte man nun erklären, dass man damit nicht zu einem Mac-User texten kann? Warum muss ich vor dem tippen wissen, an welchem Gerät der Empfänger gerade sitzt um dann die passende Anwendung zu starten?
  • Warum kann ich mit FaceTime geräteübergreifend telefonieren (derzeit nur im WLAN aber das ist vermutlich nicht Apples Schuld), kann dann aber, obwohl ja eine Verbindung besteht, nicht mal eben einen Text oder eine Datei rüberschicken? Dafür muss ich dann eine andere Anwendung bemühen.
  • Warum kann ich mit iChat am Mac texten, sprechen und Video übertragen aber eben nicht zu iOS-Geräten, obwohl diese prinzipiell jede dieser Funktionen besitzen?

Fazit

Im Grund sollte Apple:

  • iMessage mit FaceTime koppeln. Egal über welchen Bereich man einsteigt (Video-Fon oder Text), man sollte einen Button haben um das jeweils andere zum gewählten Kontakt zu aktivieren. Ob es unter der Haube zwei Apps sind? Egal. Je fließender der Übergang zwischen diesen Bereichen, desto besser.
  • iMessage kompatibel zu iChat machen oder, alternativ, iChat durch iMessage für den Mac ersetzen, damit man von iOS auch OS-X Anwender erreicht ohne das vorher wissen zu müssen.

Man könnte doch problemlos seine Mobilfunknummer in der Mac-Anwendung hinterlegen oder mit seiner Apple-ID verknüpfen, so dass die Kommunikationsserver jeweils wissen, auf welchem Kanal man erreichbar ist.

Drei Lösungen – iChat, FaceTime, iMessage – sind meiner Meinung nach zwei zuviel. Mir ist dabei schon klar, dass es verschiedene Protokolle sind, nur ist das einem Anwender doch völlig egal. Wenn mich jemand per Video-Anruf erreichen möchte, dann sollte das möglich sein, egal ob ich am iPhone, iPad oder Mac sitze. Optimalerweise sollten es offene Protokolle sein, so dass auch Anwendungen für Android, Windows Phone, etc. entwickelt werden können.

Ich staune diesbezüglich schon, wie weit voraus Skype in diesem Bereich seit Jahren ist. Skype gibt es für nahezu alle Betriebssysteme und die Kontakte sind von jedem zu jedem System erreichbar – egal ob man texten, sprechen oder Videotelefonie betreiben möchte. Je nach Geräteausstattung (und Provider-Restriktionen) ist alles überall möglich.
Der Haken bei Skype: Es ist nicht im System integriert was bedeutet, dass man Skype aktiv starten und laufen lassen muss um erreichbar zu sein und man benötigt den Skype-Namen des Gesprächspartners. Die Telefonnummer oder Mail-Adresse hilft nicht weiter.

Apple könnte das alles einfacher machen, wenn sie es hinbekommen Ihre drei Lösungen zu vereinen. Aber ob sie das wollen?

4 Kommentare zu “iChat, FaceTime, iMessages

  1. iChat habe ich noch nie wirklich benutzt – außer zum Test.
    FaceTime habe ich genutzt um vom iPhone zum MacBook mal nen Test zu machen. Geht und ist lustig. Aber geht auch von iPhone zu iPhone (auf Arbeit zum test).
    iMessage werde ich wohl auch nicht nutzen, außer zum Test.

    Warum nun nur zum Test? Ganz einfach mir ist das ebenfalls zuviel bzw zu eingeschränkt.
    Als meine Frau beruflich unterwegs war, waren wir (trotz beide MacBooks) nur per Skype verbunden. Man kann schreiben, Video machen und Daten senden. Außerdem ist es Plattformübergreifend.
    Bei FaceTime ging das alles nicht. Obs bei iChat geht weiß ich nicht. Aber da muss Apple ordentlich aufholen um nicht den Faden zu verlieren.

  2. pingchat oder whatsapp gibt’s zum Beispiel für die wichtigen Mobildevice Pattformen – leider nicht für Rechner.
    Zumindest was Chat, Foto und Voiceanhaenge betrifft, sollte sich Apple ein Beispiel nehmen oder noch besser mal ein paar Millionen oder Milliarden in die Hand nehmen und was Etabliertes kaufen und ausbauen.
    Mal sehen was Microsoft aus seiner Skypechance macht.
    Hier hätte Apple gut dran getan, zuzuschlagen.
    In den nächsten zehn Jahren wird Apple sicher nicht so vertreten sein, dass man solche Insellösungen wie iMessage und Konsorten marktbeherrschend verbreiten kann. Dies würde aber sicher Kundenbindung bedeuten.

  3. Komisch. Hat MacTechNews jetzt bei Dir geklaut oder hast Du das bei denen geschrieben? ;)
    http://www.mactechnews.de/news/index.html?id=150328

    • Lustig :) Mein Beitrag kam aber eher ;) und nein, ich habe das nicht bei/für MTN geschrieben. Habe aber kurz nach dem schreiben gehört, dass sie bei MobileMacs auch darüber geredet haben… Ist ja auch recht naheliegend das Problem.

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