Back to the Mac – Teil 3 – OS-X Lion

Die Apple Keynote vom 20. Oktober 2010 stand unter dem Titel „Back to the Mac“ und ich glaube so ziemlich alle haben es so gedeutet, dass Apple sich jetzt wieder dem Mac zuwenden möchte oder dass man sich wieder auf das ehemalige Kerngeschäft stürzen möchte.

Steve Jobs erklärte aber die wahre Bedeutung hinter dieser Aussage. Er zeigte einen Entwicklungskreislauf von OS-X auf. Es fing mit OS-X auf dem Mac an. Als dann das iPhone kam, nahm man sich OS-X und passte es an. Neben Anpassungen kamen aber viele neue Details hinzu. Schließlich kam das iPad und nun nahm man die Entwicklungen des iOS vom iPhone und passte es für das iPad an. Erneut kamen neue Details hinzu und man lernte dazu.

Nun sollen mit der nächsten OS-X Version viele Entwicklungen vom iPad zurück auf den Mac kommen – Back to the Mac.

Was das bedeutet, bedeuten kann, über Chancen und Ängste erfährst Du mehr nach dem Klick.

OS-X Versionen

Es gab schon viele Versionen:

  • Cheetah (10.0)
  • Puma (10.1)
  • Jaguar (10.2)
  • Panther (10.3 – Mit dieser Version bin ich in die Mac-Welt eingestiegen)
  • Tiger (10.4)
  • Leopard (10.5)
  • Snow Leopard (10.6)

Und nun soll also der Löwe folgen, OS-X Lion – vermutlich 10.7.

Über den Namen kann man nun lange spekulieren. Der Löwe, oft als König der Tiere dargestellt, könnte die letzte OS-X Version werden. Danach wird vielleicht ein OS-11 oder eben ein iOS for Mac oder ähnlich folgen. Auf der anderen Seite ist der Löwe keineswegs die größte Raubkatze, der Tiger ist größer, war aber schon bei Version 10.4 an der Reihe. Vielleicht ist „Löwe“ aber auch einfach nur eine weitere Raubkatze ohne weitere Bedeutung für die Zukunft des Systems smile

X trifft iPad

Steve waren die folgenden Punkte bei einem iPad wichtig, die sich sicher auch gut auf dem Mac machen würden, so seine Aussage:

  • Multi-Touch Gesten. Klar sind die super und Apple hat ja nun auch das Magic Trackpad heraus gebracht. War doch klar, dass man das in Zukunft  intensiver nutzen möchte. Finde ich durchaus gut, wenn so etwas stärker auf den Mac kommt und einfacher für die Entwickler zu nutzen wird.
  • App Store. Oh weia, das hat einen Sturm an Meinungen losgetreten. Dazu später mehr. Grundsätzlich halte ich den App Store für einen guten Vertriebsweg von Anwendungen und es war wohl abzusehen, dass so etwas auch für den Mac kommen würde.
  • App Home Screens. Gemeint ist quasi die Ansicht beim iPhone und iPad, in der man seine App-Symbole sieht und mit einem Fingerstreich durch verschiedene Seiten blättern kann. Klar, wenn ein App Store kommt, dann möchte der geneigte Anwender auch eine Übersicht seiner Anwendungen haben. Was diese Homescreens sollen kapiere ich aber dennoch nicht, dazu auch weiter unten mehr.
  • Full screen Apps. Also Anwendungen, die den gesamten Bildschirm nutzen. Keine Menüzeile, keine Dock, kein Pixel verschenkt. Die neuen Anwendungen aus dem iLife’11 Paket machen es bereits vor. Prinzipiell auch keine schlechte Idee wenn man sich auf eine Tätigkeit konzentrieren möchte. Allerdings galt der Mac bisher als sehr Drag&Drop-freundlich und das geht nur bequem, wenn man mit Fenstern arbeitet die man dann nebeneinander zeigen kann. Ich habe nichts dagegen, wenn Anwendungen einen Vollbildmodus unterstützen. Wenn dies aber zum einzigen Modus werden sollte, vielleicht in späteren OS-X Versionen oder einzelnen Anwendungen, dann knirsche ich heftig mit den Zähnen.
  • Auto save. Das ist durchaus praktisch. Man trägt irgendwo etwas ein und die Daten sind gespeichert, ohne dass man einen Save-Knopf drücken muss. Allerdings ist das schon jetzt an vielen Stellen in vielen Programmen so. Man nehme nur mal die diversen Einstellungs-Dialoge der Anwendungen – da gibt es auch keinen Save-Button. Auch bei iPhoto oder Lightroom habe ich nie auf „Speichern“ klicken müssen. Bei anderen Anwendungen ist ein Speichern-Knopf evtl. sinnvoll, z.B. beim Pflegen von Stammdaten in Warenwirtschaftssystem oder eine FIBU, damit man nicht aus Versehen eine Telefonnummer löscht, nur weil man auf die Tastatur gekommen ist. Mir ist nicht ganz klar, was so neu an dieser Funktion sein soll und ich bin mir sicher, dass sie nicht überall sinnvoll ist.
  • Apps resume when launched. Das ist nun wirklich praktisch. Wenn man am iPhone oder iPad eine Anwendung verlässt und sie dann wieder startet, dann steht man genau dort, wo man sie verlassen hatte. Wenn das am Mac alle Anwendungen machen würden, wäre das schon praktisch. Aber auch hier: Viele Anwendungen tun das bereits. Die Idee und Umsetzung ist also nicht neu. Neu wird wohl sein, dass es für Entwickler einfacher zu realisieren sein wird weil es vom System direkt unterstützt wird.

Auf der Keynote wurde dann ein ganz kleiner Einblick in das neues System gegeben und nicht alles kam bei allen Mac-Anwendern gut an.

Gezeigt wurde z.B. die Funktion der Vollbilddarstellung von Anwendungen. Praktisch: Mit einer Fingergeste kann man diese Anwendung zur Seite schieben um den Desktop zu sehen oder um zu anderen Anwendungen umzuschalten. Es wirkt fast so, als sei diese Funktion so umgesetzt worden, dass jede Vollbild-Anwendung einen eigenen virtuellen Bildschirm bekommt zwischen denen man dann umschalten kann.

Überhaupt wurden die Konzepte von Spaces, Exposé, Dashboard, und Vollbildanwendungen vereint zu einem „Mission Control“. Mit einer Geste sieht man alle offenen Fenster, Vollbildanwendungen etc. übersichtlich angeordnet. Ich bin gespannt wie gut das funktionieren wird da ich Exposé sehr oft benutze.

Gesten Trouble

Bei der Vorführung von einigen Funktionen zeigte es sich, dass es gar nicht so einfach ist, Multi-Touch-Gesten auf der MagicMouse auszuführen. Das sah schon recht verkrampft aus und funktioniert auch häufig nicht.

Sicher wird man daran noch arbeiten und die Erkennung der Gesten verbessern aber warum bei der Demo nicht das Magic Trackpad genutzt wurde verstehe ich trotzdem nicht.

App Store

Um es deutlich vorweg zu sagen, weil offenbar viele nicht richtig zugehört haben: Der App Store wird nur eine Option sein! Natürlich wird man auch weiterhin Anwendungen auf herkömmlichen Weg installieren können und ich bin mir ganz sicher, dass das noch länger so bleiben wird. Es gibt nämlich viele Anwendungen, aus dem Profi und dem OpenSource Bereich, die gar nicht die Kriterien des App-Stores erfüllen würden, aber selbst Apple könnte es sich nicht leisten, diese Anwendungen einfach auszusperren. Das würde niemals funktionieren und ich mir sicher, selbst ein Steve Jobs weiß das.

Also empfehle ich die Alufolienhüte wieder abzusetzen und den Tatsachen ins Auge zu blicken: Der App Store für den Mac kann eine Menge Türen für Entwickler öffnen. Jeder einzelne Entwickler bekommt dadurch die Chance, auch kleine Anwendungen Millionen von möglichen Kunden anzubieten – und zwar so, dass diese das Programm auch finden, ohne eigenen Webauftritt, ohne eigenen Shop, ohne eigenes Inkasso, etc. Das gibt es natürlich auch jetzt schon von Anbietern wie Kagi und ähnlichen, zumindest was die Abrechnung angeht, aber wer hat denn schon mal so bequem so viele Anwendungen gefunden und ausprobiert wie im App Store des iPads oder iPhones? Ich glaube, dass kann etwas sehr großes und sehr Großartiges werden.

Allein die Vorstellung, dass man sofort sehen kann, zu welchen Programmen es Updates gibt, dass man dann alle Upates auf einmal laden kann und nicht von jedem einzelnen Programm beim Start genervt wird. Keinerlei Installations- oder Deinstallationsprozedur mehr. Ich meine, nicht dass es jetzt kompliziert wäre aber selbst das einfache Vorgehen überfordert die ganz Laienhaften Anwender: Mal Drag&Drop, manchmal mit verlinktem Programme-Ordner, manchmal ohne. Dann wieder Installationspakete mit Assistenten. Und deinstallieren kann man zwar durch löschen des Anwendungssymbols, es bleiben dann aber doch viele Dinge im Library-Verzeichnis liegen von dem der normale Anwender gar nichts weiß. Wenn das einfacher wird, kann es mir nur Recht sein.

Das schöne daran ist: Wenn Apple eine Anwendung ablehnen sollte, dann kann man diese ja immer noch über normale Wege verteilen. Man verliert also nichts, man gewinnt höchstens etwas.

Wenn Apple aber den App Store für den Mac als alleinige Installationsquelle machen sollte, vielleicht mit einer OS-X Version nach Lion, dann wird es Proteste hageln und dann werden sich sicher auch viele Klagen gegen Apple ansammeln. Ganz ehrlich, ich verstehe die Ängste zwar ein wenig, weil man bei Apple derzeit sehr merkwürdige Tendenzen wahrnehmen kann, aber ich glaube daran wirklich nicht. Ein Mac der NUR über den App Store gefüttert werden kann? Never! Und wenn doch, dann ist es kein Mac mehr und wenn es keine Macs mehr gibt, verliert Apple sicher viele Kunden.

 

App Home Screens

Die machen mir etwas Angst. Bisher werden die wohl auch optional sein und nur für Programme aus dem App Store soweit ich sehen konnte. Aber wofür? Es gibt doch den Finder und sein Programme-Verzeichnis, das Dock und Spotlight. Da konnte man schon seine Programme anordnen und schnell finden.

Warum jetzt diese Home Screens? Weil sie sich besser mit Gesten bedienen lassen? Weil es in Zukunft keinen Finder mehr geben wird und alle Anwendungen in eigenen Verzeichnissen laufen wie beim iPad oder iPhone? Wenn letzteres passiert, dann wird es echt hart. Keine Dateien mehr zentral ablegen? Bitte nicht!

Davon wurde natürlich nichts gesagt und es sind meine persönlichen Ängste die aber hoffentlich genauso unbegründet sind wie die Sache mit dem App Store als alleinigen Zugang für Software in Zukunft.

Fazit

Viel wurde nicht gezeigt. Ein paar Gesten um zwischen Vollbildanwendungen zu wechseln, ein Exposé auf Droge und natürlich der App Store. Schwer daraus ein Fazit zu ziehen. Es sieht so aus, als würde alles laufen wie bei 10.6 nur mit ein paar neuen Möglichkeiten bei der Darstellung, wenn die Entwickler das in Ihre Anwendungen einbauen – und nicht überall wird es sinnvoll sein.

Insgesamt freue ich mich auf eine moderne OS-X Version und hoffe, dass wir in den nächsten Monaten weitere Einblicke von Apple bekommen und dass sich wirklich auch Dinge unter der Haube verbessern. Besseres Audio-Handling, so dass man die Lautstärke einzelner Anwendungen zentral regeln kann wäre z.B. toll, oder dass Audiodevices den einzelnen Ein- und Ausgängen auch Namen geben können die dann in allen Anwendungen gezeigt werden. Ein besserer Finder und vieles Andere mehr könnte man sich wünschen… Mal gucken was da kommen mag.

Wie ist Deine Meinung zu OS-X Lion, soweit man überhaupt etwas sehen konnte? Hast Du Angst vor dem App Store oder den Konsequenzen oder siehst Du es als Chance? Welche Funktionen des iPads würdest Du noch gerne auf OS-X sehen? Ich freue mich über Deinen Kommentar.

 

3 Kommentare zu “Back to the Mac – Teil 3 – OS-X Lion

  1. Ich habe ja so ein paar Bedenken dass der Mac zu viel zum iPhone und iPad abrutscht. Dass es Eine Mischung aus Mac und iOS wird. Meiner Meinung ist der Mac doch noch das „mächtigere“ Tool und das soll auch so bleiben, obwohl ich es ja nicht schlecht finde, wenns ein paar graphische Neuigkeiten gibt.

    Zum App Store: Find ich eigentlich nicht so schlecht, aber die Bilder, die ich davon gesehen habe haben mich nicht vom Hocker gerissen (Design).

  2. Wieder ein neues MacOS in Planung? Der Schneeleo ist doch noch garnicht so alt – bisher wurde er dank regelmäßiger Updates zu einem sehr guten Performancesystem getrimmt. Bin gespannt.

    Ich habe die iLife10 zu meinem Mac dazubekommen, dies nutze ich aber viel zu selten – habe dafür keine Verwendung. Über die MagicMouse war ich eh überrascht – angeblich bis zu 20 Gesten… wer braucht sowas?

    Thema Appstore: finde ich eine tolle Sache, leider aber ist er viel zu stark auf iphone&ipod getrimmt. Gäbe es dort auch verifizierte Mac-Anwendungen, wäre es großartig. Was ich mir noch wünschen würde: ein besseres Angebot im itunes-Store: in den Staaten kann man HD-Material kaufen, hier in Deutschland muss man sich mit besseren Dvd-Rips abgeben, was soll das? Auf der einen Seite FullHD-Auflösungen beim iMac anbieten, auf der anderen keinen passenden Content dafür bereitstellen. Schade.

  3. Stellt sich die Frage, was ein Update kostet. 30 Euro -wie beim letzten – bin ich dabei, 100 – hm, vielleicht, 150 nein danke.

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