Innenministerium nimmt satirische Sperrseite vom Netz

Na drollig. Da gab es also eine satirische Webseite mit der man eine Sperre auf eine beliebige Seite (durch URL-Erweiterung) simulieren konnte.
Das Innenministerium fand das wohl nicht wirklich lustig, sprach mit dem Hoster und – zack – schon verschwand dieser Webauftritt komplett aus dem Netz.

So einfach geht das also. Die Frage an v.d.Leyen, Guttenberg, Kinderhilfe u.v.a.m.: Warum geht man nicht in gleicher Weise gegen die zu sperrenden Webangebote von Kinderpornografie vor anstatt krampfhaft zu versuchen sich mit einem Stoppschild-Vorhang zufrieden zu geben? Bitte denkt da mal ganz kurz drüber nach.

Zahlen und Fakten
Zeit-Online greift die unseriöse Argumentation der v.d.Leyen ebenfalls auf.

Weitere Links zu diesem Thema
Ich werde bald einen Artikel für die ganzen Links erstellen smile Aber bis es soweit ist:

  • Die SPD-Bundestagsfraktion hat eine öffentliche Anhörung zu diesem Thema durchgesetzt. Termin ist der 27. Mai 2009. (PDF) – Es liest sich im ersten Augenblick gut. Immerhin sucht man das offene Gespräch und nimmt die Einwände zur Kenntnis. Der letzte Absatz lässt aber anklingen, dass wohl nur geflickt werden könnte statt die Idee des Gesetzentwurfes generell in Frage zu stellen.
  • Das ZDF schreibt über Hintergründe, Probleme und Kritik an den Intenetsperren. Wer wusste es? Auch den W3C (dort entstehen Standards für Webseiten weltweit) hatte es erwischt: In Finnland wurden die Seiten des W3C irrtümlich auf die finnische Sperrliste gesetzt – wegen angeblicher Verbreitung von Kinderpornografie. Dies zeigt einmal mehr, dass solche Dinge passieren können. Wäre es nicht der W3C gewesen, die Rufschädigung und der wirtschaftliche Schaden wären wohl enorm gewesen. Und wenn die Liste, wie in Deutschland geplant, niemand kontrollieren kann und es keine Regelungen für Einwände gibt? Weiter wird auch dort erwähnt, dass CareChild 20 Provider anschrieb (die dänischen Sperrlisten kursierten ja im Internet) – und zwar weltweit (USA, den Niederlanden, Südkorea, Portugal und England). Nach nur einem Tag waren 16 Seiten komplett vom Netz genommen. Und v.d.Leyen + Guttenberg möchten uns erklären, dass so etwas durch das BKA oder andere Behörden nicht zu meistern ist?
  • Christian Heßmann hat einen offenen Brief an die Unicef (Beführworter der Sperren) geschrieben und auch eine erste Antwort erhalten.
  • Die deutsche Kinderhilfe möchte nun wiederum eine Gegenaktion(heise.de) starten und bis Ende Mai 100.000 Stimmen FÜR die Internetsperren sammeln. Warum diese Stimmen (die u.a. vor Fußballstadien gesammelt werden sollen) nun mehr Gewicht haben sollen als die mittlerweile über 77.000 Unterzeichner der Online-Petition (bei der es ja doch einige Hürden zu nehmen gibt bis hin zur Online-Datenspeicherung persönlicher Daten) hat sich mir zwar nicht erschlossen, aber es soll gerne auch erwähnt werden.

Mehr Beiträge mit interessanten Links, Briefen und Antworten an und von Abgeordneten in meinem Blog.

1 Kommentar zu “Innenministerium nimmt satirische Sperrseite vom Netz

  1. Die Zeit bringt es doch genau auf den Punkt. Da Politiker das offensichtlich nicht verstehen, verwundert einen kaum. Ich verweise auf die Pisa Studie. Die meisten Politiker sind Lehrer. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.
    Aber es soll doch diesen Bundestroyaner namens Schäuble geben? Braucht die Politik die Gesetzeserweiterung zur Legalisierung dieser umstrittenen und letzlich auch wirkungslosen Maßnahme?
    Ich fotografiere Menschen. Dazu gehören Erwachsene. Und Kinder. Es gibt auch erwachsene Frauen. Die fotografiere ich auch. Auch in Form von Akt. Also finden sich irgendwo auf meinen Seiten die Worte Kinder und Akt. Mal sehen, wann ich vom BKA in´s Visier genommen werde. Von anderer Stelle hatte ich das schon. Das war heftig, aber dann wohl nur ein Vorgeschmack auf das was man dann systematische Rufschädigung und Vernichtung einer moralisch integeren Person nennt.

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