von der Leyen: Wer sich im Internet auskennt ist Pädokriminell

Nachtrag 27.04.2009: Am Ende dieses Artikels habe ich einen Link zu einem 3sat-Interview mit Johnny Haeusler (Spreeblick) eingefügt.
Nachtrag 28.04.2009: Link zu einem Artikel von heise.de eingefügt der dieses Interview ebenfalls zum Anlass für Kommentare und Kritik nimmt.

OK, gleiten wir ab auf das Niveau unserer Politiker. Fangen wir an zu polemisieren. Bitte. Was Ihr könnt, das können wir auch – Ihr habt es so gewollt.

Dass der „Herr“ Schäuble wohl ziemlich über das Ziel hinaus schießt bei seiner sogenannten „Terrorbekämpfung“, dass haben wir schon lange erkannt und T-Shirts wie auch Internet-Protestseiten mit dem Titel „Stasi 2.0“ sind oft zu sehen.

Was nun aber unsere „Zensursula“ von der Leyen von sich gibt – und es ganz offensichtlich auch noch glaubt – geht mir gewaltig über die Hutschnur. Kernaussage: 80% der Internetnutzer sind ganz normale Nutzer. Die 20% sind in der Lage Sperren zu umgehen und darunter sind sehr viele Pädokriminelle… Aber hört selbst:

http://emonk.net/stuff/audio/zensursula/internetprofis.mp3

Bitte verbreitet das. Schreibt darüber. Geht auf die Straße. Geht zu den Sprechstunden Eurer Politiker und bringt das zur Sprache. Es muss ein Schlussstrich gezogen werden. Pauschalverurteilungen waren noch nie gut und von der Leyen sorgt gerade für eine gegenteilige Pauschalverurteilung von meiner Seite: „Politiker sind dumm“ und wenn sie darauf bestehen, dass sie es nicht sind: „Politiker halten Ihre Wähler für dumm“. Stimmt das in dieser Pauschalität?
Wenn nein – Wo sind die deutlichen(!) Gegenstimmen aus der Politik? Ich bitte um Links.
Wenn ja – Gute Nacht Deutschland sad

Die Internetsperren sollen ja bereits eingerichtet werden nur nutzt das nichts, weil es ja auch wieder viele Ausnahmen gibt. Und wer eine Sperrliste erstmal eingeführt hat, der wird irgendwann auch andere Dinge sperren wollen. Erst Kinderpornografie (was im Grunde ja gut gemeint ist aber das Problem ja nicht mal ansatzweise anpackt), dann vielleicht Rechts- und Linksextreme Seiten? Dann vielleicht Seiten die sich nicht mehr ganz mit den Aussagen der Politiker decken? Sehe ich zu schwarz? Sehe ich zu viele Parallelen mit unserer eigenen Geschichte?

Links
3sat-Interview mit Johnny Haeusler
Zitate und Kommentare zu dem Interview auf heise.de

18 Kommentare zu “von der Leyen: Wer sich im Internet auskennt ist Pädokriminell

  1. Damit niemand behauptet, das Zitat sei aus dem Kontext gerissen: Unter http://www.radioeins.de/programm/sendungen/eine_stunde_zeit/kopf_der_woche/ursula_von_der_leyen.html findet sich das komplette Interview. Ja, Frau von der Palin meint das genau so.

    Aber keine Angst, *Sie* will ja keine Strafverfolgung der Stoppseiten-Gucker. Die darf dann Frau Brauserbeauftragte fordern. Und die Zweckbindung auf Böses Massengeschäft ist im Gesetz auch nur sehr relativ enthalten. Ergo: Es geht mit dem Gesetz darum, eine Zensur einzuführen, Täter (also solche Leute, die Kinder vergewaltigen) ungeschoren zu lassen, und die Filterliste nur additiv zu bearbeiten (oder findet irgend jemand einen Weg, wie Seiten aus der Liste wieder entfernt werden können?).

  2. bicyclist

    Es wird immer offensichtlicher, welch Geistes Kind das ganze ist. Denn warum wehrte sie sich noch vor kurzem gegen die Sperrung ausländischer Glücksspielanbieter (und wer errät den Beruf ihres Bruders ?) Jetzt aber auch noch 20% derer, die aktive Sperren umgehen ?? woher hat sie eigentlich diese Zahlen ? als zum teil schwerstpädophil zu bezeichnen, dafr ist ein Rücktritt und eine Entschuldigung fällig. Oder eine Verleumdungsklage. So nicht Frau von der Leyen. Sonst heisst es irgendwann..Die Geister, die ich rief.. Die Bundestagswahlen kommen erst noch. Viel Zeit, die Öffentlichkeit über solch ein unverschämtes Verhalten aufzuklären. Vielleicht erleben wir bald eine Variante des Streisandeffekts.

  3. Zunächst zur Frage nach Links zu deutlichen Gegenstimmen aus der Politik: http://www.henningschuerig.de/blog/2009/04/16/missbrauchsopfer-kaempfen-gegen-internet-zensur/

    Aber dann zu dem Interview-Mitschnitt. Es fällt mir jetzt schwer, von der LEyen bei diesem Thema zu verteidigen, aber man muss schon auch genau hinhören: Sie unterteilt doch die „Kunden“ (also vermutlich meint sie KiPo-Kunden) in 80 % „ganz normale Internetnutzer“ und 20 % technisch versiertere. Wobei sie gegen Ende etwas wirr hin- und herspringt als sie zwischendrin mal die Frage stellt, wer denn überhaupt Leute kennt, die das umgehen könnten und dann wieder zu den 20 % kommt. Gemeint sind wohl nach wie vor die 20 % der KiPo-Konsumenten, die sie nicht den 80 % „Normalos“ zurechnet. Auch wenn es etwas anders klingt und ich verstehen kann, wenn man es beim ersten Zuhören anders versteht.

  4. Oh mein Gott, ich muss kotzen… „Ich kann eine 12-stellige Zahl mit Punkten austauschen – ich bin ein Kinderschänder!! Ich brauche Hilfe!!“ Wie kann man bitte sowas erzählen ohne zu lachen?

    Aber was anderes. Wie sieht’s eigentlich mit nem Internetführerschein für Politiker aus? Und, wie wär’s mit dem Volksentscheid deswegen, wo man aber auch nur wählen kann, wenn man vorher 10 Fragen zum Internet richtig beantworten konnte?

  5. Ja, als nächstes kommen erstmal die Sperren für urheberrechtlich geschütztes Material – die Musik-Lobby ist da ja schon schwer dran, und auch die Verlags-Lobby rüstet sich. Im Endeffekt wird dann Google & Co. dazu verdonnert die Listen mit auf die Blacklists zu nehmen…

    Aber der Schuss wird nach hinten losgehen; die *innovativen* IT-Unternehmen, die ja in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten so hoch gelobt wurden, ziehen sich aus gutem Grund immer weiter zurück.

    Und zum Thema dumme Politiker: liegt in der Natur der Sache – wer nicht fähig ist in der freien Wirtschaft zu überleben (aus Gründen der Inkompetenz?) der geht halt in die Politik…

    Aber das Internet wäre nicht das Internet wenn es nicht zurückschlagen könnte – stay tuned!

  6. Die gute Frau von der Leyen hat den Schuss doch nicht mehr gehört!

  7. Henning hat es richtig beschrieben: #zensursula meint 100% = Konsumenten von Kinderpornographie, davon 80% „Normalos“ und 20% Versierte die sich die Mühe machen auch Sperren zu umgehen.
    Wir tun uns (freiheitsliebende Internetnutzer) und der Sache (keine schleichende Einführung von Zensur) keine Gefallen, wenn wir jetzt ebenso oberflächlich und schwammig anfangen die Statements der Politik zu zerfasern.
    Was hilft ist eine nüchterne, sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema, vor allem durch Einbinden der Medien die das bis auf wenige Ausnahmen (HEISE) komplett verpennen.

    Nebenbei: ich vermute die 80/20 Zahlen oben sind so schleicht nicht geschätzt. Nur: ich habe keine Lust darauf das das Internet ein Ort der Angst wird, in dem ich bei jedem Klick Angst haben muss das mir das BKA über die Schultern schaut. Und hier müssen wir m.E: abgreifen, nicht bei den Zahlen oben: das Ursula sich völlig widerspricht ob denn nun was gespeichert wird oder nicht. Wer wiederkehrende Besucher identifizieren will, muss diese widererkennen – das geht nun mal nur mit Speicherung. Also soll die Möglichkeit der Speicherung erlaubt werden, alles andere ist Augenwischerei.
    Darauf muss sich der Protest konzentrieren!

  8. Pingback: 20% der webuser sind Pädokriminelle « zeitblickblog

  9. Polemik? Da kann ich helfen: Wie wäre es zu behaupten, von der Leyens Politik unterstützte eine mögliche Pädo-Lobby? Begründung ist gewollt? Achtung:

    Irgendwann werden die Filterlisten wikileaken -> Jeder Pädo wird sich danach die Finger lecken -> und mit einer einfachen DNS-Manipulation auf einfachste Art und Weise Zugriff zu all diesen Seiten erhalten. Außerdem verhindert der Polizeiaufwand, der für die Strafverfolgung von diesen Kleinstvergehen (also dem versehentlichen ansurfen der Stoppseiten) aufgewendet werden muss, ein wirksames Vorgehen gegen auf inländischen Servern gehostete KiPo.

    Also, nochmal Polemik: #Zensursula muss sich eigentlich fragen lassen, ob sie nicht doch eher KiPo unterstützen will. Da außerdem Kindesmissbrauch größtenteils innerhalb von Familien erfolgt, hilft der Filter den Kindern auch nicht. Im Gegenteil: Wieder verhindert der Polizeiaufwand für die oben angesprochenen Kleinstvergehen ein wirksames Vorgehen gegen innerfamiliären Kindesmissbrauch. #Zensursula unterstützt damit nicht nur Kinderpornographie, sondern hilft auch noch mit bei der Strafvertuschung von Kindesmissbrauch. Vielleicht sollte man mal die Motive der Mutter von Sieben hinterfragen. Das war Polemik – die aber trotzdem nicht jeder Grundlage entbehrt.

  10. ICH BIN EIN PÄDOPHILER!

    .. denn ich kann ein paar Zahlen in einer Eingabemaske austauschen. Außerdem bin ich ein Internetnutzer, was an sich schon reichlich kriminell ist.

    Aber wenn Joseph von der Leyen sagt: „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“, wird sie schon recht haben. Und lieber 10 Unschuldige hängen, als einen Schuldigen laufen lassen…, aber vielleicht bringe ich da jetzt auch was durcheinander. Ich glaube, dass haben wir schon einmal gehört, ist schon ein paar Jährchen her.

    Ich frage mich nur, ob sich ein Politiker, der zugibt „den Täter“ zu kennen (Sperrliste) und dann nur den Blümchenteppich über die „Leiche“ deckt statt den „Mörder“ zu verfolgen, ob sich dieser Politiker, BKA-Beamte, etc. nicht der Strafvereitelung schuldig macht.

    Das es sich bei der ganzen Aktion ausschliesslich um die Etablierung geeigneter Zensurmechanismen handelt ist so offensichtlich, dass ich beleidigt bin, dass man uns für so blöd hält. Vielleicht hätten unsere Politiker daran denken sollen, dass nicht alle Bürger BILD lesen und das Nachmittagsprogramm von RTL2 geniessen.

  11. Eine rein theoretische Frage:
    Was passiert, wenn Zensursula oder ihr Sektretariat eine E-Mail erhält, in der mittels Tag das Stop-Schild verlinkt ist. Steht dann am nächsten Tag das BKA auf der Matte?

    Ich kann nur mit dem Kopf schütteln und mache mir Sorgen um die Zukunft.

  12. Danke, menschzweinull. Irgendwie scheint hier niemand zuzuhören.

  13. @Henning,@menschzweinull: OK, mag in dieser Schärfe auf einer missverständlichen Formulierung beruhen. Mag sein, dass von der Leyen nur noch die Pädokriminellen im Kopf hatte bei der Frage nach Umgehung der Sperren.

    Es ändert aber nichts am grundsätzlichen Gedankenmodell dieser Frau. Auf der einen Seite möchte sie keine Zugriffe auf das Stoppschild protokollieren lassen (was schon mal gar nicht geht, weil die Provider ja alle Zugriffe auf egal was für eine Seite festhalten sollen. Jetzt nicht wegen diesem Fall sondern generell.) Sie möchte also gar keine Strafverfolgung. Das ist im Grunde gar nicht so dumm! Denn wenn es ja ach so einfach ist, aus versehen auf solche Seiten zu kommen (und im Prinzip reicht ja eine blöde E-Mail und ein Klick auf einen verschlüsselten Link) sollen natürlich keine Unschuldigen verfolgt werden.

    Auf der anderen Seite sollen aber Nutzer die häufiger auf das Stoppschild treffen verfolgt werden. Wie soll das ohne Datenspeicherung aber gehen?

    Viel gravierender ist aber, dass schon die Grundidee komplett am Problem vorbei zielt:
    – Eine Sperre verhindert nicht ein einziges Verbrechen und schützt kein einziges Kind
    – Eine Sperrliste stellt einen, für die kriminelle Randgruppe, sehr interessanten Katalog dar. Ich wette, dass es nicht lange dauert, bis diese Liste in diesen und anderen Kreisen die Runde macht (soweit sie nicht ohnehin schon bekannt ist). Wenn von der Leyen glaubt, dass das nicht möglich ist, dann ist sie dümmer als ich je zu träumen wagte. Wie viele Kundendaten der Telekom oder von Monster.de sind öffentlich geworden? Und da liegen diese Daten relativ zentral. Wenn nun aber zig DNS-Betreiber einen Katalog lesen sollen um zu wissen was geblockt werden soll – an wie vielen Stellen ist diese Liste dann bekannt? Wie viele Pädokriminelle arbeiten bei einem DNS-Dienst? Möchte von der Leyen jetzt auch eine pauschale Prozentzahl dazu nennen? Sind die pauschal vertrauenswürdig – nur die Privatkunden nicht?
    – Längst nicht jeder DNS-Betreiber hat dieses Abkommen unterzeichnet. Kleinere brauchen es gar nicht zu machen etc. Die Lücken sind also hausgemacht. Nutzen Pädokriminelle also nur die großen Anbieter? Woher weiß sie das? Eine äußerst dumme Annahme.
    – Pädokriminalität gab es lange vor dem Internet und es wird sie wohl leider auch immer geben. Eine Sperre verhindert rein gar nichts. Ich möchte mal behaupten, dass jeder Kreis (egal um welche illegalen Taten es geht – ob Musik, Film, Pädo, etc.) sehr genau weiß wie er das Material verteilen kann und wie man da heran kommt.

    So eine Sperrliste verhindert gar nichts. Sie schafft nur neue Probleme und Begehrlichkeiten die wir verhindern sollten. Eine vermeintliche „Über-„Mutter, die Wahlkampf Stammtischparolen von sich gibt ist keine Hilfe. Die Tatsache, dass dabei aber viele Politiker und Netzanbieter mitziehen macht mir Angst.

  14. @nSonic
    Die grundsätzliche Denke dieser CDU-Ministerin verteidige ich doch auch mit keinem Wort und kritisiere sie ebenso wie du. Nur sollte man eben das kritisieren, was sie sagt und meint und nicht das, was man fälschlicherweise bei nicht genauem Hinhören verstehen kann.

    Sonst macht man sich unglaubwürdig und schadet der Sache für die man kämpft eher. Das ist der Punkt.

  15. Zu den Leuten die meinen Frau von der Leyen wird ja nur falsch verstanden.

    Das ist unfug,man muss sich doch einfach nur mal die vorherigen äusserungen dieser frau durchlesen.

  16. @Stefan
    Es geht doch nicht um vorherige Aussagen. Bei der Grundrichtung dieser Frau in dieser Frage sind wir uns wohl alle einig. Es geht um diesen Radio-Mitschnitt.

  17. Hi Boris,
    Danke für den Eintrag und Link, ab es sofort in allen meinen sozialen Netzwerken gestreut…
    Hoffentlich wacht Dtl. irgendwann mal auf…
    Es sollte einen fähigen Web-Minister geben, der selbst mal eine Zeile Quellcode geschrieben hat und ’ne Ahnung von dem Zeug hat mit dem er sich beschäftigt.
    WTF hat eine Familien-Trulla mit IT am Hut – nix und das merkt man halt…
    Ende der Durchsage

  18. Pingback: Zensur schon wieder.. | robertkrueger.de

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