Romeo und T610

T610

Dies ist keine Review für ein Handy. Wie in den beiden letzten Teilen geht es auch hier um eine Möglichkeit, seine Präsentation fernzusteuern. In den vergangenen Beiträgen ging es um zwei grundverschiedene Techniken: Funk mit dem Kensington Wireless Presenter und Infrarot mit der Apple Remote. Beides Geräte die mehr oder weniger genau für diesen Zweck entwickelt wurden.
In diesem Teil kommt nun eine dritte Technik ins Spiel: Bluetooth. Und zwar mit einem Gerät, dass eigentlich überhaupt nicht zur Steuerung von Präsentationen konzipiert wurde: Einem Handy.

Bluetooth
In der Vergangenheit habe ich meine Vorträge auf einem Apple 12″ PowerBook laufen lassen. Dieses Gerät besitzt keine Infrarot-Schnittstelle also kam ich gar nicht in die Versuchung eine Apple Remote zu benutzen und auch andere IR-Lösungen kamen nicht in Frage. Die Nachteile der IR-Steuerung waren mir ohnehin bekannt und somit kam für mich nur Funk in Frage.

Nun hat das PowerBook Bluetooth bereits eingebaut und ich hatte das Gerät auch bereits mehrfach erfolgreich mit meinem Handy, das ebenfalls BT hat, verbunden um z.B. SMS zu verschicken oder das Adressbuch abzugleichen. Da liegt es doch nahe, dass man das schlanke Gerät auch gleich zur Steuerung der Präsentation nutzt?

Romeo
Die Idee ist im Grunde gar nicht schlecht nur leider funktioniert das mit Bordmitteln nicht. Es gibt kein fertiges Protokoll und keine fertige Konfiguration um Tastendrücke vom Handy in bestimmte andere Tastendrücke auf dem Mac oder PC umzuwandeln und diese per BT zu übertragen.

Ich suchte ein wenig im Internet und fand gleich mehrere Anwendungen die dies und noch viel ermöglichten. Einige kosteten Geld (SallingClicker, RemoteBuddy) und konnten weit mehr als ich benötigte. Doch eine Anwendung war kostenlos: Romeo.

Die Programme machen im Kern alle das Gleiche und unterscheiden sich eher im Detail. Das Prinzip ist folgendes:
Über BT wird das Handy mit dem Mac verbunden. Die Software auf dem Mac stellt dabei die Hauptanwendung dar die diese Verbindung herstellt. Nun kann die Anwendung spezielle Menü-Einträge auf dem Handy zur Verfügung stellen wenn das Gerät das passende BT-Protokoll unterstützt und Platz für diese Menüs anbietet. Am Handy ruft man nun so einen Menüpunkt auf und schon kann man diese, von der Software bereitgestellten, Befehle aufrufen.
Je nach Vorgehensweise kann das z.B. ein Menü sein in dem Einträge für „nächste Seite“, „vorherige Seite“, „schwarz“, usw. stehen. Über die Auswahltasten oder den Joystick am Handy wählt man den gewünschten Eintrag und bestätigt diesen. Handys mit Joystick sind dafür vermutlich am besten geeignet – Mein T610 hat so einen Stick und habe es nie mit Geräten ohne probiert.
Die Software empfängt nun diese Information und kann diese auf dem Mac direkt in einen Tastencode umwandeln um diesen an die aktive Anwendung zu schicken.

Romeo wurde so konzipiert, dass andere Entwickler eigene Erweiterungen für anderen Programme einbauen konnten und das wurde auch gemacht. Diese Erweiterungen lassen sich auf der Webseite des Autors herunter laden.

Romeo wurde zwar kostenfrei zum Download angeboten aber wurde gebeten eine kleine Spende zu schicken damit der Autor sich ein neues iBook kaufen könnte. Das Konzept scheint nicht sonderlich gut aufgegangen zu sein denn auf seiner Webseite steht der Fortschrittsbalken unverändert irgendwo im ersten Drittel. Nun möchte ich bezweifeln, dass der Autor noch immer auf ein iBook spart wink und bereits vor Jahren, als ich Romeo entdeckte, bekam ich auf die Fragen keine Antwort mehr. Ich vermute also mal stark, dass das Projekt eingeschlafen ist und Romeo nicht mehr weiterentwickelt wird. Es lief gut unter Tiger (10.4). Mit Leopard (10.5) soll es Schwierigkeiten geben – Ich habe dies aber nicht mehr getestet da ich ohnehin aus anderen Gründen nicht mehr auf diese Technik setze.

Licht und Schatten
Der Clou ist natürlich, dass man neben fertigen Menüs auch eigene Steuerungskonfigurationen anlegen kann. Ich hatte auf diese Weise z.B. auch eine Steuerung für die Lightroom-Diashow angelegt. Je nach Gerät und Software kann man auch die Maus steuern und noch vieles mehr.
Die Handys sind sehr klein und liegen bei einer Präsentation wirklich gut in der Hand – zumindest bei meinem T610 ist das immer so gewesen. Mit dem Joystick einfach den Eintrag „nächste Seite“ ausgewählt und nun musst man den Stick einfach nur noch drücken um eine Folie zu kommen. Aufs Display gucken war nur nötig, wenn man z.B. eine Folie zurück oder die Präsentation schwarz schalten wollte. Beides kam bei mir äußerst selten vor.

Die Maße des T610:
Länge: ca. 10 cm
Breite: ca. 4,5 cm
Höhe (Dicke): ca. 2 cm

Ein Haken ist aber: Das klappt nicht mit jedem Handy nur weil es BT kann! Das Gerät muss das passende Protokoll unterstützen und in der Lage sein, solche Erweiterungs-Menüs einzublenden. Welche Geräte unterstützt werden, das steht jeweils auf den Seiten der Softwareanbieter.

Es gibt aber noch viel gravierende Nachteile bei diesem Prinzip.

Zum Einen funktioniert es nur wenn das Handy auch eingeschaltet und funktionstüchtig ist. Ich habe z.B. inzwischen ein iPhone und nutze das T610 nicht mehr. Ich habe auch keine SIM-Karte mehr dafür und daher komme ich gar nicht mehr soweit es zu koppeln – es erscheint nur lapidar „Insert SIM“. Als reine Fernbedienung taugt die Handy-Lösung also nicht.
Hat man nun aber eine SIM eingelegt, dann ist man natürlich auch telefonisch erreichbar – auch während des Vortrags smile Natürlich kann man das Gerät stumm schalten aber selbst dann vibriert das Gerät gerne mal (außer man schaltet das auch ab) und zeigt natürlich den Anrufer am Display an. Je nach Gerät kann das nun sehr unglücklich sein weil man unter Umständen nicht direkt zur nächsten Folie schaltet wenn man den Knopf drückt sondern das Gespräch entgegen nimmt. Selbst wenn man es nicht entgegen nimmt muss man erst mal schauen, wie man jetzt zurück ins Menü kommt ohne den Anruf entgegen zu nehmen. So etwas kann bei kleineren Vorführungen im Freundeskreis noch lustig sein, bei größeren Vorträgen ist es aber ganz bitter. Der Erzählfluss wird unterbrochen, die Verbindung zum Publikum geht verloren und man wirkt sofort sehr unprofessionell.

Zu guter Letzt hat man es natürlich mit einer BT-Verbindung zu tun. Normalerweise ist dies kein Problem und sie ist sehr stabil. In der Praxis passieren aber durchaus komische Dinge – auch am Mac. wink Da kann es passieren, dass nach langer Zeit ohne Reboot der Bluetooth-Stack etwas durcheinander ist und einfach keine Verbindung aufbauen möchte. Oder die Verbindung geht während des Vortrags einfach mal verloren – sei es weil der BT-Stack spinnt oder weil das Handy meint in den Standby gehen zu müssen nur weil man länger über eine Folie diskutiert. Wobei mit „Verbindung verlieren“ meine ich schon den Fall, dass der nächste Klick nicht den Menüeintrag ausführt sondern erst mal das Gerät aufweckt.
Beide Probleme hatte ich bisher zwar sehr selten aber sie traten auf. Im ersten Fall hilft ein Reboot des Rechners und es passiert eigentlich nur ganz am Anfang – man kann es also lösen bevor man auf die Bühne geht. Im zweiten Fall hilft es wenn man zwischendurch mal am Handy spielt, also z.B. Joystick nach oben klicken. Da die „nächste Seite“ in meinem Fall der oberste Eintrag war habe ich den Eintrag nicht gewechselt sondern nur das Handy am „leben“ gehalten.

Fazit
Das Handy als Präsentationsbedienung ist im Grunde eine nette Sache und man kann den einen oder anderen damit durchaus verblüffen. Es klappt allerdings nur dann, wenn man im Grunde nie angerufen wird und man das Handy auch wirklich einsatzbereit, also mit eingelegter SIM, betreibt. Ansonsten wird man im Vortrag unterbrochen bzw. kann es gar nicht erst dafür nutzen.
Die Reichweite war bei meinem T610 immer ausreichend und ich bekam auch so gut wie nie Anrufe, daher funktionierte das immer ganz gut. Inzwischen werde ich aber häufiger angerufen und ich habe das iPhone, also auch keine SIM mehr für das T610. Beides Gründe die diese Technik disqualifizieren für einen professionellen Vortrag.

Obwohl ich diese Technik lange genutzt habe kann ich sie nicht uneingeschränkt empfehlen. Als Backup ist sie aber in jedem Fall interessant. Ansonsten würde ich so etwas wohl eher für das Home-Entertainment nutzen. Zu Hause stört es nicht wenn die Foto-Vorführung vom Anruf unterbrochen wird – man wäre ja sowieso ans Telefon gegangen smile

2 Kommentare zu “Romeo und T610

  1. Habe das handy schon seit einigen Monaten, und bin wie immer mit SonyE. sehr zufrieden.

  2. Hi,

    Sony Ericsson Handy’s haben ein Bluetooth HID Profil eingebaut, die können sich doch als Tastatur und Maus am Rechner anmelden?!? Ich hab das mit dem K610i und dem W910i schon gemacht.

    Von SE gibt’s sogar ein Programm mit dem man sich ein eigenes Profil zusammenstellen kann (also welche taste auf dem Handy was bewirkt), da braucht man normalerweise gar kein Externes Programm mehr für.

    Funktionsweise: BT einschalten, dann Menu->Unterhaltung->Fernbedienung, die 3 Profile die drin sind sind recht Sinnlos, aber wie gesagt man kann sich selber welche basteln, download der SE Software dafür:
    http://developer.sonyericsson.com/site/global/docstools/misc/p_misc.jsp
    (gibt’s für mac und Windows)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.