Kein Google-Analytics mehr

Twitter sei Dank. Durch Martin wurde ich auf eine Untersuchung von Webseiten aus der Schweiz aufmerksam in der es u.a. darum geht, wie viele Google Analytics einsetzen aber auf der Webseite gar nicht darüber informieren.

Dumm gelaufen – denn bei nSonic.de hatte ich ebenfalls testweise dieses Analyse-Tool von Google eingesetzt. Nur der Hinweis darauf ist nie erschienen. Das war eindeutig mein Fehler.

Ich möchte solche Fehler nicht unter den Tisch kehren. Ich habe die Konsequenz gezogen und das Tool vollständig deaktiviert. nSonic.de ist damit 100% frei von Google Analytics.

An dieser Stelle gleich noch ein Tipp an alle Firefox-Nutzer: Die Erweiterung NoScript ist extrem praktisch. Damit könnt Ihr ein für alle Mal ausschließen, dass Ihr auf irgendeiner Seite bei Google Analytics aufgezeichnet werdet da diese Erweiterung die Skripte abschaltet und man bei Bedarf bestimmte Seiten freischalten kann – nicht aber die Google Seite freischalten muss.

Nachtrag: Ich finde es wirklich klasse, dass Euch (also den nSonic-Besuchern) es offenbar nichts ausmacht, dass ich das Analyse-Tool eingesetzt hatte. Vielen Dank also erstmal dafür smile
Dennoch kurz eine Erklärung da es jetzt ja auch in den Kommentaren (und auch über Twitter und per E-Mail) angefragt wurde.

Die AGB von Google Analytics verpflichten(!) Webseiten-Betreiber ihre Besucher darüber zu informieren, wenn diese das Analyse-Tool einsetzen. Hintergrund ist dabei der Datenschutz. Wenn Google Analytics eingesetzt wird, dann werden Informationen über das Surf-Verhalten der Besucher an Google (USA) übertragen – logisch, sonst könnte man ja auch nichts auswerten. Die Daten liegen dann also in Googles Händen und unterliegen, soweit ich das sehen konnte, nicht dem deutschen oder europäischen Datenschutz sondern allenfalls dem amerikanischen. Genau diesen Hinweis hatte ich auf meiner Webseite nicht freigeschaltet. Es ist allerdings auch etwas unsinnig diesen Hinweis irgendwo im Impressum oder sonst wo zu „verstecken“ denn wer guckt da schon hin bevor er eine Seite betritt? Mal abgesehen davon, dass schon in diesem Fall die ersten Daten gesammelt wurden. Und ein Popup oder Overlay vorm Betreten der Seite? Eher nicht praktikabel. Ergo: Google fordert, dass man seine Besucher darüber informiert aber dies ist so gut wie unmöglich (praktikabel) umzusetzen.

Vielen ist das nun völlig egal und ich gestehe, dass ich mir darüber auch noch kein großen Gedanken gemacht hatte. Ich vertraue Google in dieser Hinsicht. Ich kann aber verstehen, dass andere Nutzer es gar nicht gut finden, wenn Google zu viele Daten über sie sammelt. Natürlich kennt Google zunächst den Besucher nicht persönlich – aber wenn man mal länger darüber nachdenkt…
Nehmen wir mal an jemand nutzt die Google-Suche, soll ja vorkommen. Google kann dabei die Anfragen protokollieren und wird dies wohl auch tun für statistische Zwecke und natürlich um gezielt Werbung schalten zu können. Google könnte sich also schon hier die aktuelle IP-Adresse des Surfers merken. Nun betritt dieser Jemand eine Webseite auf der Google-Analytics läuft. Hoppla – die IP-Adresse ist ja schon bekannt. Nun kann Google also wissen was diese Person gesucht hatte und auf welchen Seiten sie sich welche Links wie lange angeschaut hat (wenn die Seiten das Analyse Tool einsetzen).

Klar – sobald sich die IP-Adresse ändert ist man wieder jemand anders für Google aber es soll ja auch Nutzer mit statischer IP geben. Und selbst wenn nicht, dann liegen die IP-Adressen in einem bestimmten Bereich und aus dem Surfverhalten können schon einige Rückschlüsse auf vermutlich identische Profile gemacht werden.
Wenn dieser Jemand nun zufällig irgendeinen Google-Dienst nutzt (Docs, Notizbuch, GMail…), irgendein Google-Dienst bei dem eine Anmeldung erforderlich ist – oder wenn die Google-Toolbar installiert ist – dann kann Google auch bei wechselnden IP-Adressen eine Verbindung zwischen den Daten herstellen.

Wie gesagt, ob man das alles schlimm findet liegt im Auge des Betrachters. Ich persönlich möchte mit so etwas in Zukunft offen umgehen und da ich nicht für eine offensichtliche Aufklärung (lt. Google AGB) sorgen kann, lasse ich das Tool lieber ganz weg. Ich weiß auch so, dass die Besucher eines Blogs immer nur kurz bleiben und hauptsächlich die Startseite gelesen wird smile
Sollte ich das Tool wieder einsetzen wollen, dann werde ich diese Punkte genau beleuchten und die Webseite so gestalten, dass man auch auf der Startseite sehen kann, dass das Tool genutzt wird. Bis auf weiteres bleibt es deaktiviert.

Ich hoffe also auf eine weiterhin vertrauenswürdige Zusammenarbeit und dass Ihr mir das nicht allzu übel nehmt. Eure Meinung ist mir wichtig – schreibt mir also gerne Kommentare/Mails/Tweets zu diesem Thema. Vielen Dank.

12 Kommentare zu “Kein Google-Analytics mehr

  1. Hä? Ich checks nicht. Warum sollte man darüber informiern wenn man google analytics einsetzt?

  2. @ Boris,

    danke für den Hinweis und Dein Konsequentes handeln. Ich zitiere aus dem Artikel: „«Google hat das Potential, die Daten zusammenzuführen und die anonymen Benutzerprofile mit Personen in Verbindung zu bringen».“
    Das ist Grund genug, entweder, wie Boris, konsequent den Dienst nicht zu nutzen oder Besucher einer Webseite darauf hinzuweisen. Google geht sehr locker mit persönlichen Daten um. Auf den Dienst Street View sei nur hingewiesen. Ich finde das recht unverschämt von Google, man könne ja widersprechen. Da Google konkrete Angaben dazu verlangt, wo ich zum Beispiel zu sehen bin, muss ich erst alles durchsehen, um die verlangten Angaben machen zu können. Das ist ein absolutes NoGo.

  3. Hi Boris,

    man benötigt keine Noscript-Erweiterung. Es reicht ein ganz normaler Adblocker und hier die Website: http://www.google-analytics.com/* zu sperren. Damit kann erst gar kein JavaScript geladen werden. ;o)

    Gruß

    Thilo

  4. Moin Boris,

    soweit ich das bisher überschauen konnte, nutzt Google nicht die IP (wegen NAT) sondern Cookies zum identifizieren der Nutzer. Ein Wechsel der IP bringt also erstmal nichts. Natürlich könnte man den Browser anweisen, Cookies von Google abzulehnen. Dann sind aber auch die Dienste wie Mail, Notebook etc. nicht mehr nutzbar.

    Boris, Du nutzt aber z.B. auch noch einen anderen Dienst von Google: Feedburner. Auch hier gehen sicher alle Userdaten an die Konzernmutter und werden dem Gesamtprofil hinzugefügt.

    Die Frage ist halt: Was kann man in Bezug auf Google / Yahoo / Amazon / Microsoft / Apple / HierDerNameEinerFirmaDeinerWahl noch verhindern? Bisher hat sich Google an sein Motto „sei nicht böse“ gehalten – aber ob das so bleiben wird….

    Solltest Du eine Alternative suchen, die deutschem Datenschutz unterliegt, sei Dir die Hamburger Firma eTracker empfohlen: http://www.etracker.com. Deren Dienst ist in der kleinsten Variante auch kostenlos.

  5. richtig. Feedburner benötige ich, damit der Feed iTunes-Konform aufbereitet wird. Das Tracking selbst läuft über podtrac das soweit ich weiß anonymisiert abläuft.

  6. Also von meiner Seite finde ich Dein Verhalten, Boris, überaus konsequent und glaubwürdig. Mir persönlich hätte es jetzt nichts ausgemacht, ob GA weiterhin auf Deiner Webseite benutzt würde oder nicht, aber es gibt auch etliche Personen, die weniger technische Erfahrung mit dem Medium Internet haben und denen es was ausmachen würde. Daher, eine klasse Entscheidung von Dir, Boris.

    Anbei noch einmal ein Tipp: NoScript ist ein Plugin für den Firefox. Wer es etwas universeller – auch browserübergreifend – haben möchte kann sich Privoxy mal ansehen. In der Standardkonfig werden afaik auch alle Google-Klamotten herausgefiltert.

    So, Dr. House geht weiter…. :-)

  7. Wie sieht’s denn mit eigener Statistik-Software aus? Was muss man da beachten? Man denke nur daran, man nutzt eine beliebte Statistik-Software, hat sie nicht aktualisiert und durch eine Sicherheitslücke käme jemand an die Daten?

  8. @Tekl: Das wirst Du leider nie 100%ig ausschließen können. Der Provider selbst liefert ja auch Log-Dateien die in einem geschützten Verzeichnis liegen. Was, wenn der Provider da eine Sicherheitslücke übersieht?

    Im aktuellen Fall ging es aber eher darum, Google nicht unnötig mit Informationen meiner Besucher zu versorgen ohne dass die davon etwas wissen. Das war einfach nicht notwendig.
    Um an dieselben Informationen mit eigener Log-Funktion zu kommen (also als böser Mensch) müsste ja gleich mehreres passieren: Die Daten Deiner Seite und die Daten von Millionen anderer Seiten müssten so unsicher liegen dass man da heran käme um dann die Informationen sinnvoll miteinander zu verbinden. Bei Google ist es ja anders: Sie müssen nichts klauen – sie bekommen es einfach zugespielt :) Die Log-Dateien nur einer Webseite sind völlig uninteressant – Erst die Verknüpfbarkeit zu einem vollständigen Profil machen die Google-Daten so wertvoll.

  9. Kristallregen

    Mh heikles Thema bei dem die Meinungen schnell auseinadergehen.
    Ein großer Vorteil von googlan Analytics ist das dort Webseitenbetreiber sehen wie sie im Vergleich zu anderen Webseiten stehen (anonymisiert).
    Ich persönlich fühle mich mit den Daten bei einem Unterenehmen wie Google (auf das viele Datenschützer ein Auge haben und die auch relativ offen damit umgehen was für welche Zwecke genutzt wird) wesentlich sicherer als bei irgend kleinen Unternehmen oder Startups die dann schneller mal aus finanziellen Gründen dazu verleitet werden die Daten zu mißbrauchen oder im Ausland auszulagern.
    Was mir ein wenig aufstößt ist diese Konzentration der Datenschutzbedenken auf Google in den Internetmedien. Wie man in einem Artikel der New York Times (http://www.nytimes.com/2008/03/10/technology/10privacy.html?_r=3&pagewanted=1&hp) sieht sammelt Yahoo (zu denen auch sehr viele kleinere Dienste gehören) fast 5x soviel Daten über seine Nutzer wie Yahoo – und die gehen nicht so offen damit um. Teilweise sind selbst Fox Interactive Media und Myspace noch vor Google.

    Mal ganz davon zu schweigen wie viele deutsche Unternehmen mit unseren Daten umgehen. Dort werden teils Bankinformationen incl digitalisierter Unterschriften von diversen Unternehmen (Payback, Krankenkassen etc) in Asien „untergebracht“ weil es dort kostengünstiger ist. Das diese dort dann auf dem Schwarzmarkt vertrieben werden ist dann kein wunder mehr.
    Interessante Doku die mal nicht nur den Fokus auf Google legt
    http://sharetabs.com/?wosindmeinedaten

    Finde was die Offenheit bezüglich des Themas betrifft Google eher vorbildlich im Vergleich zu anderen Unternehmen. Da muss man nur mal ein wenig deren Blogs, Videos und andere Beiträge verfolgen.

  10. Kristallregen

    „sammelt Yahoo fast 5x soviel Daten über seine Nutzer wie Google“

    sollte es natürlich heißen ;)

  11. Wenn ich hier die Kommentare lese mit den Beschwichtigungen und Unterstellungen bleibt derzeit mein Fazit:
    Und seelig sind die Einfältigen.
    In Bezug auf Google finde ich die neueste Entscheidung eines Gerichtes, dass die ungefragte Verwendung von Bildern als Thumbnails in dem Suchdienst Bilder rechtswidrig ist und die Urheber einen Anspruch auf Schadenersatz haben.
    Diese Entscheidung ist bahnbrechend und wird zur Einstellung dieses Suchdienstes führen. Ich bin darüber erfreut.
    Eine gute Entscheidung für das Urheberrecht, dass im Internet immer wieder missachtet wird.

  12. Ich kann die Aufregung wegen der Thumbnails nicht ganz nachvollziehen. Zum einen bekommt man ja dadurch Besucher und zum anderen ist man selber schuld, wenn man was öffentlich zur Schau stellt. Wenn man nicht will, dass Bilder gefunden werden, dann stellt man sie nicht ins Internet oder sorgt dafür, dass die Bots diese nicht indexieren.

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