Neue MacBook und MacBookPro

Da sind sie nun also und die Gerüchteküchen hatten Recht: Neue MacBook im Alu-Gewand, neue, noch dünnere MacBookPro und als kleine Überraschung noch ein neues 24″ Cinema-Display als eine Art Kabel-Dock für die neuen MacBook(Pro).

Am 14.10.2008 um 19 Uhr war es soweit. Apple hatte eingeladen zu einem Special-Event in Apples heiligen Hallen in Cupertino und viele Journalisten waren dieser Einladung gefolgt. Man war gespannt was wohl vorgestellt werden würde. Neue Notebooks – das war klar. Aber was genau?

Was dann kam war für viele keine Überraschung mehr. Schon Tage vorher sah man Fotos von Ober- und Unterschalen. Die Gerüchteküche kochte. Kaum einer wollte glauben was dort gezeigt wurde – und doch waren diese Gerüchte alle wahr.
Steuert Apple in eine glänzende Zukunft?

Nachtrag 16.10.2008: Am Ende des Berichtes ein Link zu einem Bild. Vergleich altes/neues MacBookPro – Das alte glossy, das neue ist ein Spiegel!

Nachtrag 16.10.2008 (2): Am Ende des Berichtes Link zu zwei Petitionen ergänzt – einmal für matte Bildschirme in MB/MBP, einmal für Firewire im MB.

Was wurde vorgestellt
Aber der Reihe nach.
Zunächst gab es einen Überblick über die aktuelle Produktpalette und es wurde erwähnt wie gut Apple derzeit am Markt vertreten ist. John Ive persönlich sprach dann über neue Wege in der Produktion um dünnere und gleichzeitig stabilere Geräte herstellen zu können. Statt mehrere Einzelkomponenten zu einem Rahmen zusammen zu setzen damit eine aus dünnem Alublech gepresste Hülle Stabilität erlangt, werden die neuen Geräte aus einem massivem Alu-Block gefräst. Der „Abfall“ wird dabei sofort wieder verwertet.

Übrigens: Sartorius fertigt nach diesem Prinzip schon lange bestimmte Präzisionswaagen wobei sogar bewegliche Teile enthalten sind – alles aus einem massivem Stück gefräst ohne anschließende Montage.

MacBookPro
Dann wurde das neue MacBookPro 15,4″ vorgestellt. Die technischen Details findet Ihr auf der Apple-Seite. Hier nur soviel:

  • Nur noch ein Firewire-Anschluss und zwar ein FW800-Port
  • Statt DVI- oder Mini-DVI-Anschluss gibt es nun einen Display-Port. Dort soll die Zukunft liegen. Über Adapter kann man daraus DVI oder VGA (je 29,- Euro extra) ziehen oder auch Dual-DVI bekommen (für extra 99,- Euro)
  • Glossy Display (Hochglanz-Bildschirm) mit schwarzem Rahmen wie beim aktuellen iMac und mit LED Hintergrundbeleuchtung
  • Touchpad ohne Taste. Das Touchpad IST die Taste. Das gesamte Touchpad kann mechanisch gedrückt werden und somit kann man überall mit etwas Druck einen Klick ausführen
  • Neue Grafikkarte, nun von NVidia

Natürlich ist das MacBookPro mal wieder dünner als sein Vorgänger – es ist jetzt nur noch 24mm „dick“.

Cinema Display
Es folgte die Vorstellung eines neuen Cinema-Displays. Hier ein paar Eckdaten (weitere Details auf der Apple-Seite):

  • 24″ LED Hochglanz (Glossy) Bildschirm
  • Jetzt mit zwei Kabeln auf der Rückseite. 1x wie gehabt für Strom. 1x für Anschluss an die MacBooks. Letzteres endet an einer Kabel-Peitsche mit Stromanschluss für die Books (sehr praktisch), USB und Display-Port

MacBook
Dann kam das „One more thing…“ das aber nicht so überraschend war: Neue MacBooks.
Das „alte“ MacBook in weiß wurde im Preis gesenkt (um 950,- in Deutschland) und wird weiterhin verfügbar sein.

Die neuen MacBook sehen nun aus wie die MacBookPro. Gleiche Fertigungsweise aus einem Alu-Block, schwarzer Rand um das 13,3″ LED Hochglanz (Glossy) Display und im größeren Modell auch mit Tastaturbeleuchtung etc.
Allerdings fehlt bei den neuen MacBook der Firewire-Port komplett! Beim alten (nun dem weißen Einsteigermodell) und günstigerem Modell ist er weiterhin vorhanden.

Fazit
Tja – kontroverse Produkte. Über Geschmack braucht man nicht streiten.
Versteht mich nicht falsch, ich finde die neue Technik in den Geräten klasse und mit dem Design kann man sich sicher anfreunden. Was mich aber wundert ist: War bei Apple der Begriff „Design“ nicht immer so definiert, dass es eben nicht nur um Optik sondern auch um die Funktion ging? Und jetzt?

  • Glossy: Reizwort seit jemand auf die Idee kam, die Streuschicht vom TFT einfach mal weg zu lassen weil die Farben ja dann ach so knallig sind. Die einen mögen es und in manchen Situationen hat es sogar Vorteile. Die anderen hassen es und es kann auch deutliche Nachteile haben. Schon mit einem hellen Hemd/T-Shirt vor so einem Gerät wird es schwer in dunklen Bildpartien Details zu erkennen (man sieht überwiegend sich selbst)

    Apple sagt: „Mit Helligkeit kann man den Reflektionen entgegen wirken“. „Schwachsinniger Marketing-Sprech“ meiner Meinung nach. Reflektionen verschwinden nicht – man wird höchstens davon abgelenkt von hellem Licht. Zu helles Licht ist wiederum äußerst unglücklich für die Augen – hoffentlich kann man es auch noch sehr schwach leuchten lassen für die Abendstunden. Und den Trick, wie Apple nun auch die dunklen Bildpartien oder gar das schwarz heller leuchten lassen möchte, haben sie auch noch nicht verraten.

    Warum also nicht einfach eine Option anbieten und das Design entsprechend anpassen?

  • Dann der Display-Port. Neue Technik macht übergangsweise Adapter erforderlich. Von mir aus. Für den Mini-DVI-Anschluss musste ich auch zwei Adapter haben die beim PowerBook aber beide(!) inklusive waren. Aber warum ist dieser Port vorne, noch vor den USB-Anschlüssen? Hängt da mal einen Adapter und einen Monitor dran. Das Kabel wird üblicherweise nach hinten wandern und somit den einfachen Zugang zu den USB-Anschlüssen verhindern. Ein Display-Anschluss gehört nach hinten (also auch wenn er an der Seite ist – Ihr wisst was ich meine?) z.B. direkt vor den Stromanschluss.
  • Und der neue Akku. Prima, endlich kommt man hinter der Klappe auch an die Festplatte – das wurde echt Zeit!
    Aber der Akku hat keine Füllstandanzeige mehr – die sitzt nun im MBP an der Seite. Na klasse. Dann prüft mal den Ladezustand Eurer zwei oder drei Ersatz-Akkus… Munteres Wechselspielchen ist angesagt statt einfach, wie bisher, den Akku aus dem Regal zu nehmen und einen Knopf am Akku zu drücken.
  • Recht „scharfe“ Kanten an der Oberseite. Die Hände/Handgelenke werden sich „freuen“. Da es aus einem Block kommt – hätte man es nicht etwas stärker abrunden können? Wenn es so ist wie beim MBA – o weia. Dort ist es noch etwas entschärft, weil das Gerät extrem flach ist vorne… ein MBP hat diesen Vorzug nicht.
  • Wie sieht es mit dem Öffnungswinkel des Displays aus? Die alten PowerBooks konnte man fast plan (naja nicht ganz) nach hinten öffnen. Extrem praktisch bei Präsentationen wenn das Book auf einem Stuhl vor einem kleineren Podest platz fand (Präsentator-Screen). Mit den MBP ging das nur noch eingeschränkt. Hat man daran gedacht oder ist der Öffnungswinkel weiterhin sehr eingeschränkt?
  • Firewire. Schnelle Schnittstelle für (HD)DV-Kameras, Audio-Systeme und Festplatten. Nun gibt es also nur noch 1x FW – und zwar 800. OK, schön schnell. Aber in vielen Fällen erstmal ein Adapter oder neues (oft dickeres und damit unflexibleres) Kabel nötig. Aber was tun wenn man irgendwo vor Ort ein Video von einer HDDV-Cam auf eine externe Platte ziehen möchte um es dann zu schneiden? Und ja, das ist kein exotischer Einsatz sondern kommt bei Reportagen vor Ort genau so vor. Dann müssen die Platten also über USB angeschlossen werden beim Capturen und anschließend auf FW umgesteckt werden für den schnelleren Zugriff? Wie „toll“ ist das denn?

Ich wäre gerne Mäuschen bei Apple. Mein Verdacht ist, dass Apple sich konsequent vom „Pro“-Markt verabschieden möchte. Vielleicht noch MacPro für größere Studios mit Geld. Der Rest komplett auf Consumer-Schiene. Die Masse bringt es auch. Lass doch ein paar tausend Pro-Kunden abspringen – dafür kommen ein paar zehntausend Consumer mit Geld hinzu… Lieber schicke „Glanz“-Geräte für die Chefetage als die paar Power-User bedienen die uns eh nur nerven mit Ihren Ansprüchen… Alle Anschlüsse gleichzeitig nutzen wollen – pah – wo kommen wir denn da hin?

Gestärkt wird dieses Gefühl dadurch, dass nun ständig erzählt wird (von Apple/Steve Jobs selbst), wie schnell jetzt nicht diese oder jene Spiele auf dem MBP laufen würden… Herrjeh – schön… aber es juckt mich nicht im mindesten. Eher würde mich interessieren wieviel schneller Aperture, Lightroom, CS3/CS4 oder FinalCut laufen, wie viel schneller ich nun ein AVCHD importieren/konvertieren kann um es schneiden zu können etc. Was juckt den Pro (denjenigen, der mit dem Gerät Geld verdienen möchte) wie schnell Ego-Shooter oder Autorennspiele laufen?

Also doch nur noch Consumer-Schiene von Apple? Schade!

Ich werde bald ein neues mobiles Gerät benötigen. Ich werde mir die neuen Geräte genau anschauen und dann entscheiden, ob es nicht doch ein „altes“ MacBookPro mit mattem Display und DVI-Anschluss wird. Mal schauen.

Links
Vergleich mit älteren Geräten: Gizmodo
Hands on: Ars Technica
Touchpad: Ars Technica

Weitere Links:
Apple MacBookPro revealed
Hands On With MacBookPro 2008
MacBookPro First Hands On
Slideshow: First Pictures! Apple’s Notebook Event
Up close and personal with the new MacBook Pro
Apple MacBook aluminum and glass super-shiny hands-on
Hands On The New Silver MacBook
Hands-on photos of the new MacBooks
New MacBook / MacBook Pro unboxing and first impressions
First Look: MacBook and MacBook Pro

16.10.2008: Hier ein Link zu ifixit. Das erste Bild auf Seite 2 zeigt schön den Vergleich zwischen altem und neuen MacBookPro. Dem Foto nach zu urteilen dürfte das alte Modell ebenfalls die Glossy-Variante sein (sehr saubere Spiegelungen der Tastatur zu erkennen was bei einem matten Display so nicht auftritt). Aber im Vergleich zum neuen ist das alte ja geradezu harmlos! Seht selbst.

Petitionen
Was solche Petitionen bringen ist umstritten. Sie können Apple immerhin zeigen, dass es wohl doch mehr Kunden gibt die gerne ein mattes Display hätten oder denen der Wegfall von Firewire sauer aufstößt. Es darf bezweifelt werden, dass Apple nun kurzfristig etwas an den Produkten ändern wird (das dürfte von der Produktion so mal eben gar nicht machbar sein) – Es ist aber der einzige Weg Apple dazu zu bringen, die ganze Modellreihe vielleicht mal etwas kritischer zu betrachten und in Zukunft wieder Optionen anzubieten. Wie auch immer: Meckern kann jeder – wer wirklich etwas ändern möchte muss auch handeln. Diese Petitionen sind immerhin eine Möglichkeit geschlossen aufzutreten.

4 Kommentare zu “Neue MacBook und MacBookPro

  1. Mit großer Spannung habe ich den Bericht gelesen. Es macht sich bei mir Ernüchterung breit. Die Sache mit den neuen Anschlüssen finde ich auch nicht klasse. DVI ist derzeit der Standard. Und bei FireWire ist es genauso. Haben die bei Apple da eine Glaskugel stehen, die denen zeigt, dass sie in wenigen Monaten die ersten sind, die dann die weit verbreiteten neuen Anschlüsse zu bieten haben, wo andere dann Adapter brauchen? Also werde ich wohl mein gutes altes Powerbook noch gut behandeln und behalten. Da habe ich DVI, beide FireWire. Und schöne abgerundete Kanten. Und die etwas heraus ragende Trackpadtaste stört mich nicht. Mit dem matten Display bin ich auch sehr gut bedient. Spiele zocken will ich eh nicht und für mal nen Film schauen oder TV reicht es jetzt auch allemal.
    Die Einschätzung, dass Apple in den Consumermarkt abdriftet, scheint mir plausibel. Nichts gegen die Consumer, aber das Apple seine Wurzeln vergisst und die ProUser mit Inkompatiblen Anschlüssen und Zwangsadaptern nervt, ist unverständlich. Und wenn die Gerüchteküche nicht ganz lügt, wird das Mac OSX wohl schon bald auf neuen Windows Rechnern lauffähig sein. Es soll schon Netbooks geben, mit denen das funktioniert.
    Also liebe Apple Updater, kauft Euch schnell diese neuen Powerbooks bzw. ProBooks und ich schnappe mir dann von Euch ein Super Macbook Pro der vorletzten Generation zum Schnäppchenpreis.
    Das finde ich dann Toll.

  2. Hallo Boris,
    obwohl ich kein Apple-User bin, habe ich ebenso mit Spannung die Keynote verfolgt und nun auch Deinen Bericht gelesen. Auch bei mir hat sich eine gewisse Ernüchterung breit gemacht. Habe ich doch mit einem MacBook geliebäugelt. Zum Einen wegen des geringeren Preises, mehr jedoch wegen der Handlichkeit. Dass man sich nun jedoch auf Glossy-Displays festgelegt hat und der Firewire-Port auch eingespart wurde, macht die Entscheidung für einen Wechsel zu Apple nicht leicht. Ich würde mich nicht als ProUser bezeichnen, dennoch habe und nutze ich an meinem mehrere Jahre alten Sony Notebook den Firewire-Port und würde ihn sicher, bei einem neuen Gerät mit deutlich mehr Leistung, vermissen.
    Ist der Consumer also jemand, der in dunklen Räumen sitzt und sein Notebook nur zum Surfen und als Schreibmaschine nutzt? Dann hätte man mit den MacBooks die Zielgruppe vielleicht getroffen. Warum hebt sich die „Pro“-Reihe dann aber nicht deutlicher ab und bietet die Wahlmöglichkeit für die Art des Displays und mehr als nur einen FW800-Port?
    Ich persönlich kann nicht glauben, dass sich Apple einen Gefallen damit tut darauf zu spekulieren, dass viele „Consumer“ den höheren Preis gern zahlen, weil die Geräte „Hip“ sind. Ich werde jedenfalls erstmal abwarten und den Wechsel erstmal auf Eis legen.
    Gruß
    Mirko

  3. Hi Boris,
    super Bericht, du sprichst mir aus der Seele!
    Waren Apple-Rechner vor 5 Jahren noch Arbeitstiere (die nebenbei ganz schick aussagen), so verkommen die neuen Rechner immer mehr zu Lifestyle-Produkten mit immer schneller schwindender Halbwertszeit.
    Bei mir stand auch ein Kauf eines neuen Mobilrechners an, und ich habe mich für ein „early 2008 macbook pro“ entschieden.
    Das Ding hat einen matten Screen, zwei Firewire und wird noch dazu in Apples refurbished Shop für 1199€ verscherbelt! :)

  4. jetzt gibt es ja auch einen matten BS bei MBP 17″. Hat jemand damit Erafhrungen? Bei Mac-TV wird ein erster Test veröffentlicht.

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