Reiten auf Rügen: Boldevitz

Anfang 2007 waren wir bereits einmal auf Rügen um reiten zu lernen (Hier auch eine Podcast-Folge die dort entstand). Wir fanden seinerzeit das Gut Grabitz wo wir, vor allem ich als Anfänger, von Kerstin sehr schnell fit für das Pferd gemacht wurden. Ich saß ja vorher sozusagen noch nie auf einem Pferd – und doch konnte ich schon in meiner ersten Woche einen richtigen Kontakt zum Pferd, es war Michel, aufbauen. Zudem hatten wir noch das Glück bei der Geburt eines Fohlens „dabei“ zu sein – „unser“ Stutfohlen, noch ohne Namen – Begeisterung pur smile
Es hatte uns so gut gefallen, dass wir später in 2007 noch einmal dort hin fuhren um unser gelerntes Wissen zu vertiefen – was auch gelang. Zu der Zeit erlebte ich meinen ersten Galopp und ein paar sehr lehrreiche Ausritte mit „Prinzessin“ mit der ich mich sehr gut verstand. Natürlich besuchten wir auch „unser“ Fohlen das inzwischen doch ein gutes Stück gewachsen war. Ich konnte sogar dabei helfen es von der Weide zu holen.

Leider bekamen wir zu der Zeit auch mit, dass Kerstin wohl nicht mehr lange auf Gut Grabitz bleiben wollte. Es gab dafür wohl verschiedene Gründe. Einer davon war, dass die möglichen Wege für die Ausritte in die Natur immer weniger wurden da immer mehr Ackerflächen ausgedehnt und genutzt wurden. Kerstin wollte mit den Pferden umziehen auf das Gut Boldevitz. Wir grübelten also, ob wir Kerstin überhaupt noch einmal wieder sehen würden, schließlich war es doch einfach so „perfekt“ in Grabitz.

Anfang 2008 fanden wir Kerstin dann im neuen Katalog von Pferd&Reiter – jetzt in Boldevitz. Sollten wir es wirklich wagen? Die geniale Gaststätte gab es dort natürlich nicht – stattdessen Ferienwohnungen für bis zu 4 Personen. Sprich: Selbstversorgung. Frühstück sollte aber inklusive sein. Da wir nicht mit zwei Fremden Personen zusammen in eine Wohnung wollten würde es also etwas teurer werden als letztes Jahr in Grabitz. Aber was sollten wir tun? Wir waren neugierig! Neugierig auf die neue Umgebung und natürlich neugierig wie es „unserem“ Fohlen gehen würde.

Also buchten wir eine Woche Reiturlaub und ließen uns überraschen…

Anreise und Lage
Das Gut Boldevitz liegt laut Anschrift in Neuendorf in der Straße Neuendorf 8. Mein Navigationssystem konnte damit allerdings gar nichts anfangen. Boldevitz wurde ebenfalls nicht gefunden. Hier also der Tipp für alle Navigations-Anwender: Versucht es mit der Postleitzahl – nicht mit dem Ortsnamen! Die Postleitzahl 18528 wird dann für Parchtitz gefunden und hier gibt es auch die Straße Neuendorf – allerdings in den meisten System wohl nur bis Nummer 6 – macht aber nichts. Hier ein Link zu Google-Maps direkt zur Reitanlage.

Wenn Ihr dann dort ankommt, dann fahrt Ihr am Gutshaus vorbei, biegt links ab, fahrt an ein paar Katen vorbei und wundert Euch, dass die Straße plötzlich einfach aufhört. Die Asphalt-Straße geht abrupt über in eine Art Stein-Feldweg mit teils tiefen Schlaglöchern und groben Steinen. Also vorsichtig im Schritttempo einige Meter über dieses Gelände und schon geht es rechts ab zur Reitanlage, direkt auf den Parkplatz des „weißen Hauses“ in dem die Ferienwohnungen sind.
Im Großen und Ganzen also nicht wirklich schwer zu finden und trotz kurzer holpriger Strecke war es für unseren Golf kein Problem – es muss also kein Geländewagen sein smile

Im Gegensatz zum Gut Grabitz liegt das Gut Boldevitz viel zentraler auf Rügen. Mit dem Auto sind es etwa 10 Minuten nach Bergen wo man gut einkaufen und sehr gut Essen kann (dazu später mehr). Außerdem sind natürlich andere Sehenswürdigkeiten der Insel dadurch auch schneller zu erreichen als von Grabitz aus. Trotz dieser zentralen Lage ist es aber doch weit genug ab vom Schuss, so dass man wirklich seine Ruhe dort hat. Keine Schnellstraße in der Nähe, überhaupt kommt dort quasi kein Auto vorbei – außer man möchte zur Reitanlage. Es ist also wirklich sehr entspannend und extrem ruhig dort. Hatte man am Abend die Fenster offen, so konnte man die Frösche im nahe gelegenen Teich hören – Was für eine Idylle smile

Unsere anfängliche Skepsis, wir wussten ja nicht was uns erwarten würde, verflog also sehr schnell und als wir die geräumige Ferienwohnung betraten war schnell klar: Das würde ein erholsamer Urlaub werden.

Organisation und Tagesablauf
Frühstück war inklusive – das war uns auch wichtig. Wir hatten ja nichts dagegen auf die tolle Gaststätte zu verzichten und uns selbst um Mittag- und Abendessen zu kümmern – das spart ja neben Geld auch Kalorien wink – aber ein gutes Frühstück als Start in den Tag ist wichtig und gerade Morgens ist man doch gerne etwas faul.

Zum Frühstück traf man sich in einer kleinen Reiterstube die zwischen Sattelkammer und Reithalle lag – also mitten in der großen Scheune. Von dort aus hatte man durch ein großes Fenster auch einen guten Blick in die Reithalle um so, ohne zu stören, bei Unterrichtsstunden zuschauen zu können. Die Stube hatte einen rustikalen Charme der auf Anhieb eine ganz eigene Gemütlichkeit ausstrahlte. Ein Ofen sorgte an kalten Tagen für Wärme. Ab 8 Uhr, so hatten wir uns am ersten Tag verabredet, gab es warme Brötchen, Brot, Honig, Wurst, Käse, … alles was Herz begehrte. Und was fehlte wurde für den nächsten Tag besorgt – so z.B. ein Glas Nutella für einen jüngeren Gast, wobei wir älteren Gäste nicht minder dankbar dafür waren. smile
Während des Frühstücks kam Kerstin und klärte mit uns den Tagesablauf. Welche Wünsche gab es? Beschwerden? Klappte alles mit dem am ersten Tag ausgewählten bzw. zugewiesenem Pferd oder nicht? Bei uns klappte alles. Da Ingolf, den wir bereits in Grabitz kennen gelernt hatten, auch noch dabei war und wir in dieser Woche nur vier Personen waren klappte es, dass wir alle am Vormittag reiten konnten und so den Nachmittag zur freien Verfügung hatten. Nachmittags kümmerten sich Kerstin und Ingolf dann um weitere Reitgäste die aber nicht direkt vor Ort wohnten und teils auch eigene Pferde dabei hatten.

Bahn, Rad, Auto?
Diese vier Personen von denen ich hier schreibe waren neben Tanja und mir auch Manuela mit ihrer Tochter Melina. Die zwei waren mit der Bahn angereist. Dazu muss man sagen, dass das natürlich möglich ist – man wird vom Bahnhof abgeholt und auch wieder dort hin gebracht – aber ohne Auto ist es auf Rügen meiner Meinung nach etwas schwierig. Man kann sich zwar Fahrräder ausleihen aber ich wüsste jetzt nicht, ob es von Boldevitz einen Fahrradweg nach Bergen gibt – und auf den schmalen Hauptstraßen würde ich mich persönlich nicht trauen zu radeln. Wer also schwankt zwischen Bahn oder Auto, dem empfehle ich dringend das Auto. Damit ist einfach leichter mal schnell zu einem Restaurant zu kommen oder eben zu anderen Sehenswürdigkeiten.

Ausritte
Nun waren wir ja schon das dritte Mal bei Kerstin und wir fielen in der Vergangenheit auch deutlich genug auf (scheinbar ist es doch außergewöhnlich mit zwei bis drei Kameras und Aufnahmegerät zu reisen :)) so dass wir sofort erkannt wurden. Kerstin fragte kurz, ob wir lieber auf dem Platz arbeiten oder ausreiten wollten. Wir waren etwas unsicher da wir ja die Umgebung nicht kannten und sagten etwas zurückhaltend, dass wir im Grunde schon gerne in die Natur reiten würden – wenn sie denn glaube, dass wir dazu gut genug wären. Ohne langes zögern lächelte sie und meinte: „Wir werden viel ausreiten – Ich kenne viele schöne Wege“. Wir bekamen unsere Pferde zugewiesen und, Überraschung, ich bekam Michel der bereits meine ersten Reitstunden begleitet hatte.

Wir holten, in Begleitung durch Ingolf, unsere Pferde von den Weiden, putzten und sattelten sie. Die Weideflächen sind übrigens gigantisch. Der Weg zum „eigenen“ Pferd kann also durchaus etwas länger sein aber ich persönlich fand das perfekt. Zum einen hatte man so einen kleinen Verdauungsspaziergang nach dem guten Frühstück. Zum anderen konnte ich so meinen Kreislauf schon etwas anregen und war dann zum Pferd putzen schon fit. smile

Im Übrigen finde ich, dass das holen der Pferde, wie auch das zurück bringen nach einem Ausritt irgendwie dazu gehört. Man holt das Pferd von der Weide und hat so quasi schon den ersten Kontakt. Man darf nie vergessen: Bei Kerstin und Ingolf werden die Pferde niemals als reines Nutztier sondern immer als Partner betrachtet. Da ist es doch ein schönes Gefühl, wenn das „eigene“ Pferd nach den ersten Tagen schon den Kopf hebt und auf einen zugelaufen kommt wenn man auf die Weide geht. Und wenn es dann nach einem Ausritt, bereits auf der eigenen Weide, nicht sofort zum grasen weg läuft sondern noch etwas gekrault werden möchte, dann fühlt man deutlich, dass man eine Beziehung aufgebaut hat. Ein tolles Gefühl.

Das klappt natürlich nicht auf Kommando! Wer so etwas erleben möchte, der muss auch mit der richtigen inneren Einstellung an die Sache heran gehen. Mein dringender Tipp daher: Betrachtet die Pferde dort wirklich als Partner. Seid zwar bestimmend aber eben auch rücksichtsvoll zum Pferd. Ich erinnerte mich z.B., dass Kerstin mal erklärte wie und wo Pferde gerne gekrault werden – z.B. an der Mähne. Pferde kraulen sich selbst auch gegenseitig mit dem Maul dort – müsst Ihr mal beobachten. Wenn man nun also gut mit einem Pferd klar kommt und es nach dem Ausritt mal so richtig massiert, dann kann es passieren, dass das Pferd dies richtig gut findet und ihr einen neuen Freund gefunden habt – kann, muss aber nicht. Wir Menschen mögen uns ja auch nicht von jedem massieren lassen wink

Aber zurück zu den Ausritten: Ingolf übernahm Manuela und Melina in der Reithalle. Melina hatte zwar bei sich zu Hause schon einige Reitstunden an der Longe aber sie wollte noch einiges dazu lernen. Manuela saß vorher noch nie auf einem Pferd und brauchte erst einmal die Grundlagen – das erinnerte mich stark an meinen ersten Besuch bei Kerstin smile

Kerstin ging mit Tanja und mir auf den Reitplatz der eigentlich eher eine eingezäunte Wiese war. Dort soll wohl einmal ein richtiger Reitplatz entstehen aber ich persönlich finde diese Wiese deutlich schöner. Sie ist groß und irgendwie macht es mehr Spaß auf dem Grün zu reiten als auf einer Sandbahn. Wegen Tanja und mir müsste Kerstin also nicht unbedingt einen offenen Sandplatz anlegen – dazu gibt es ja noch die sehr große Halle.
Wir machten also ein paar Übungen auf diesem Platz. Vor, zurück, anhalten. Gerade das anhalten war doch noch eine größere Schwierigkeit bei mir Ende 2007 und daran wollte ich gerne arbeiten. Wie immer gab es ein paar klare Anweisungen und Korrekturen von Kerstin und plötzlich verstand ich. Auch die Hilfen die man dem Pferd gibt sind ja für einen selbst schwer einzuschätzen. Wie stark kann ich Michel „kicken“ wenn er allein auf Zügel und Gewichtsverlagerung nicht hören möchte? Michel testet den Reiter nämlich durchaus. wink Kerstin kam zu mir und gab mir einen leichten „Knuff“ auf den Oberschenkel und meinte: „So stark – und das war jetzt eher noch sanft“. Das ist doch mal ein Ansage! Das verstand ich und der Rest lief fast wie von selbst. Kerstin war begeistert wie gut es mit uns klappte und wir probierten ein paar weitere Übungen: Zirkel, Wolten – im Schritt, im Trab, mit Tempowechsel. Meine Motivation muss sich wohl auf Michel übertragen haben als er vom Trab in den Galopp überging. Wie schon beim letzten Mal fand ich diesen zufälligen Galopp sehr angenehm – fast wie auf einem Schaukelpferd. Ein ruhiges „Eaaaasyyyy“ und etwas „zupfen“ an den Zügeln und wir waren wieder im Trab. Begeisterung als alles klappte. Zur Belohnung gab es einen Mini-Ausritt vor die Weiden und wieder zurück. Genug für den ersten Tag.

In den nächsten Tagen betraten wir den Platz gar nicht erst. Es ging jeweils sofort raus ins Grüne. Claudia, ein weiterer Gast, kam mit uns, so dass wir mit Kerstin zu viert ausritten.

Wenn ich hier schreibe „ins Grüne“ dann meine ich das auch! Es ist schier unglaublich was für schöne Wege wir geritten sind. Teilweise ging es sozusagen mitten durch den Wald. Manchmal waren es Feldwege, teils nur breitere Reifenspuren von Treckern auf Graswegen und dann plötzlich war eigentlich überhaupt kein Weg mehr erkennbar und es ging einfach durchs hohe Gras vorbei an Bäumen entlang an einem Bach – inklusive einer kleinen Bachüberquerung. Man kann das mit Worten eigentlich kaum beschreiben. Ich fand die Wege in Grabitz ja schon klasse aber was uns hier rund um Boldevitz geboten wurde waren 1,5 bis 2 Stunden lange Ausritte mitten in der puren Natur. Wir sahen Störche und andere Vögel, ein Reh kreuzte unseren Weg, ein anderes lief über ein Feld, Hasen, Frösche, Ameisenhaufen…. Keine Autogeräusche. Stattdessen unterschiedlichste Gerüche und Eindrücke auf den verschiedensten Wegen. Ich hätte nie gedacht, dass es so viel Spaß macht durch die Natur zu reiten. Der Unterschied zu einem Ritt auf dem Platz oder auch entlang eines Feldes ist wirklich enorm.

Übrigens: noch im letzten Jahr konnte ich nicht glauben, dass ein Trab, womöglich sogar mit leichtem Sitz, entspannender sein könnte als der Schritt. Bisher war der Trab nämlich sehr anstrengend für meinen Rücken gewesen und ich knallte doch die meiste Zeit sehr unsanft in den Sattel – mein Timing war einfach nicht gut. Es ist aber interessant zu beobachten, wie man sich selbst steigert. Beim ersten Mal in Grabitz war der Trab eher eine Qual für mich. Für Rücken und Beine. Es machte zwar Spaß aber in der Woche nach dem Reiturlaub wollte mein Rücken bitte nicht mehr dass ich springe oder fest auftrete. Beim zweiten Besuch in Grabitz ging es dann schon etwas besser und beim traben bemerkte ich zwischendurch immer mal wieder, dass man auch sanft in den Sattel zurück kommen kann – nur ging das nicht auf Kommando gut.
Dieses Mal in Boldevitz drehte sich meine Meinung dann um: Trab kann wirklich entspannender sein als Schritt. Die ersten Tage drehte sich das Verhältnis von harten Sattelschlägen und sanften Landungen um und schließlich waren nur noch wenige harte Schläge dabei bis diese auch fast ganz verschwanden. Ich bekam einfach schneller ein gute Gefühl für die Bewegungen des Pferdes und so konnten wir gemeinsam auch längere Ausritte entspannt genießen.

Fotografieren vom Pferd
An einem Morgen meinte Kerstin: „Was ist los mit Dir? Ich seh‘ Dich ja gar nicht mehr mit der Kamera umher laufen?“ smile Naja, was will man machen? Wie sollte ich die große Kamera denn mitnehmen oder gar Fotos unterwegs machen? „Die passt sicher in eine Satteltasche“, meinte Kerstin und sie hatte Recht. Sogar die recht große Canon EOS 5D mit aufgesetztem 24-105/4 und Streulichtblende passte gerade eben so in die Satteltasche. Also hatte ich in den letzten Tagen die Kamera mit dabei und so konnte Kerstin ein paar Bilder von Tanja und mir machen und ich konnte einige Eindrücke von den Ausritten einfangen. Natürlich hielten wir für die Fotos an und bevor es weiterging kam die Kamera zurück in die Tasche.

Vom Pferd aus zu fotografieren ist allerdings gar nicht so einfach. Zum einen muss man natürlich die Kamera aus der Satteltasche bekommen und sie auch wieder zurück legen und die Tasche wieder verschließen können – ohne dass etwas herunter fällt. Zum anderen muss man natürlich sein Pferd gut im Griff haben damit es beim fotografieren möglichst ruhig stehen bleibt oder eben ein paar Schritte in die richtige Richtung macht wenn man dies denn möchte. Auch ist es auf dem Pferd natürlich etwas wackeliger als man selbst auf dem Boden – schließlich atmet das Pferd auch, entspannt sich oder schaut mal in verschiedene Richtungen was ebenfalls ein leichtes wackeln zur Folge hat. Michel entdeckte auch gerne mal einen kleinen Snack am Boden dem er nicht widerstehen konnte. Ein Bildstabilisator ist zwar keine Pflicht aber dennoch sehr hilfreich, vor allem, weil im Wald die Belichtungszeiten gerne mal recht lang werden können.

Ich war noch so aufgeregt über das reiten selbst, dass ich mich bei den Fotos mehr oder weniger auf Schnappschüsse beschränkt hatte. Die Perspektive und das Gefühl ist ungewohnt und ich bin noch kein wirklich routinierter Reiter. So vergaß ich dann schon mal auf die Belichtungszeiten, ISO oder Blendenwerte zu achten und der Ausschuss der Bilder war doch recht hoch. Nun weiß ich aber, dass ich die Kamera problemlos mitnehmen kann und hoffentlich habe ich bei unserem nächsten Besuch schon mehr Routine für bessere Fotos smile

Verpflegung
In Grabitz war Essen kein Problem: Einfach nach der Reitstunde ein paar Meter zur Gaststätte und etwas leckeres bestellt. Das geht in Boldevitz nicht mehr. Wir hatten uns diese Situation allerdings schlimmer vorgestellt als sie dann wirklich war. In etwas über 10 Minuten ist man mit dem Auto in Bergen wo man sich bei Lidl, Aldi, etc. gut und günstig versorgen kann. Wir hatten also immer kühle Getränke und etwas zu essen in der Ferienwohnung. Sprich: Mal schnell ein Toast oder Sandwich gemacht – kein Problem. An einem Tag hatte ich mir eine Pizza in den Ofen geschoben. Tanja, Manuela und Melina hatten einen Salat mit gebratenen Putenbruststreifen gemacht.

Und wenn man wirklich nicht selbst kochen mochte, dann fuhr man nach Bergen in ein Restaurant. Zum Beispiel zum Italiener „Leonardo Da Vinci“ bei dem es auch leckere selbst gemachte Nudeln gab. Oder ins „Tüffelhus“ das von außen etwas rustikal wirkte aber von innen sehr hübsch und edel war und wo es einfach sagenhaft leckere Gerichte gab. Nicht nur Kartoffelgerichte (wie der Name des Restaurants vermuten ließ) sondern auch Schnitzel und Steaks wenn man mochte. Sehr nette und gute Bedienung, Portionen zum abwinken und wem das nicht genügte, der bekam kostenfrei einen Nachschlag. Hammer!

An einem Abend haben wir zusammen mit anderen Gästen einen Grillabend organisiert und saßen so bis zum Sonnenuntergang bei leckerem Fleisch, Wurst, Toast und Baguette zusammen und plauderten über die Pferde. So erfuhr ich, dass Michel schon sehr früh kess war und die meiste Zeit wohl außerhalb der Weide graste – Kaum eingefangen war er dann wieder draußen. Michel eben smile

Fleisch und Wurst haben wir übrigens in einer kleinen Fleischerei in Bergen in der Königsstraße gekauft. Sehr lecker und zumindest im Vergleich zu den Preisen hier in unserer Gegend sehr günstig: Vier Marinierte Steaks, sechs große Grillwürstchen und ein großer Topf Salat für unter 16 Euro fand ich nicht schlecht. Laut Kerstin soll es auch möglich sein im Großhandel einzukaufen. Direkt zwischen Bergen und Boldevitz ist ein großer „C+C“-Markt der wohl ebenfalls sehr gutes Fleisch und Würste zu guten Preisen haben soll.

Verhungern ist also schwer möglich – auch wenn die Gaststätte nicht direkt neben der Reitanlage ist smile

Hopp, hopp, hopp…
…Pferdchen lauf Galopp. Ihr kennt dieses Lied? Bei unserem zweiten Besuch bei Kerstin, damals noch in Grabitz, lernte ich den Galopp kennen. Mit Prinzessin auf dem Reitplatz. Es war zwar sehr spannend aber für mich auch sehr anstrengend. Ich hatte eigentlich mehr damit zu tun mein Gleichgewicht zu halten als den Galopp zu genießen oder gar zu steuern smile Aber es war ja auch mein erster Galopp überhaupt.

Dieses Mal hatte ich natürlich den Wunsch verspürt etwas sicherer im Galopp zu werden. An einem Tag ergab es sich, dass wir mit Kerstin nur zu dritt unterwegs waren. Kerstin wählte eine etwas offenere Strecke und hielt plötzlich an. Sie drehte zu uns um und gab uns ein paar Anleitungen. Tanja kennt den Galopp schon gut da sie inzwischen wieder regelmäßig reiten geht. Ich konnte mich noch erinnern und so waren die Trockenübungen schnell abgeschlossen. Leichter Sitz, Zügel kurz und tief, leicht vorgebeugte Haltung. Alles klar. Eine kurze Rückfrage, ob wir bereit sind, ein klares „JA“ und es ging los! Immer gerade aus über die Wiese – im Galopp. WAHNSINN!!!! smile smile smile

Bei den ersten Galoppsprüngen war ich noch etwas wackelig aber schnell fand ich den richtigen Schwerpunkt und damit eine gute Balance. Es ist wirklich einfacher draußen zu galoppieren als auf dem Platz. Warum? Weil es auf dem Platz quasi immer um die Kurve geht – draußen aber gemütlich geradeaus. Da blieb für mich mehr Zeit eine gute und stabile Haltung zu finden und zu spüren, wie sich das Pferd bewegt. Man musste eben nicht dauernd aufpassen, ob denn der Platz schon wieder zu Ende ist smile

Ich weiß gar nicht mehr wie lange wir im Galopp blieben. Immer wieder kam rufende Fragen und Aufforderungen von Kerstin zu uns: „Alles klar bei Euch?“„Nicht das atmen vergessen!“ smile Keine Ahnung ob ich geatmet habe – ich habe mich einfach nur großartig gefühlt. Dann wechselten wir in den Trab und schließlich in den Schritt.

Am nächsten Tag wollten wir alle gemeinsam ausreiten. Mit Manuela und Melina verstanden wir uns schon von Anfang an sehr gut und da auch Manuela inzwischen so weit war ausreiten zu können wollten wir dann wenigstens einen gemeinsamen Ausritt wagen. Natürlich war das Tempo dabei etwas gedrosselt und auch ohne Galopp.

Am letzten Tag fragte Kerstin dann wie jeden Morgen was wir gerne machen würden und ob alles OK war. Ich wünschte mir einen weiteren Galopp zum Abschluss. Kerstin musste lachen und meinte nur: „Machen wir – kein Problem!“. Und so war es dann auch. Diesmal waren wir wieder zu viert unterwegs. Auf einem Feldweg durch den Wald dann die Frage: „Wollen wir einen kleinen Spurt einlegen?“ – Ich wusste noch gar nicht genau was gemeint war als ich „Ja!“ rief und schon galoppierten wir los. Geradeaus. Die Bäume „flogen“ an uns vorbei. Diesmal war ich fast sofort in einer „satten“ Position und konnte mich voll auf die Bewegungen konzentrieren. Ich hatte sogar noch genug Zeit mal nach links und rechts zu schauen. Zu keiner Zeit hatte ich das Gefühl irgendwie unsicher im Sattel zu „stehen“ – es war einfach locker und entspannend – und vor allem wahnsinnig Aufregend. Die Galoppstrecke war dieses Mal auch deutlich länger. Kerstin rief: „Alles klar bei Euch?“ und mir entfleuchte nur ein sattes: „YEEEEEEHAAAAAWWWW“.

Kontakt mit Frida
Das war also der letzte Tag. Der Urlaub war schon wieder vorbei. Bevor wir abreisten wollten wir aber unbedingt noch mal zu den Weiden und uns von den Pferden verabschieden. Am Sonntag haben die Pferde auch frei und so standen und lagen sie entspannt im Gras. Natürlich besuchten wir auch wieder „unser“ Fohlen dessen Geburt wir in Grabitz mit erlebt hatten. Inzwischen hat die (nicht mehr so) Kleine auch einen Namen: Frida. Hm – na gut, warum nicht smile
Wir gingen also zu den Weiden und machten ein paar Fotos von den Tieren. Neugierig wie sie sind kamen sie zum Zaun um uns zu beschnuppern und einige auch um sich kraulen zu lassen. Da passierte etwas für mich sehr aufregendes: Frida kam zu mir und lies sich von mir massieren. Zwischen den Ohren, über die Mähne und am Hals entlang zur Brust. Sie drehte sich förmlich so hin, dass ich möglichst gut an sie heran kam um sie auch über den Rücken zu massieren. Schließlich lehnte sie sich an mich und zupfte mich ebenfalls ganz sanft an den Haaren. Als ich weiter machte fing sie an meine Schulter anzuknabbern. smile Da musste ich sie leider etwas weg schubsen denn als nächstes hätte sie mir wohl am Hals geknabbert – nur ist mein Hals leider nicht so robust wie ihrer wink das weiß sie aber noch nicht. Sie lies sich aber weiter kraulen und legte ihren Kopf auf meine Schultern – wir kuschelten regelrecht. Ich – So nah an einem Pferd. Das hätte ich noch Anfang 2007 für unmöglich gehalten weil ich viel zu viel Respekt – oder auch Angst – hatte. Inzwischen stimmt die Chemie aber und es macht sogar richtig Spaß mit dem Pferd gemeinsam etwas zu erleben.

Ich wollte mich gar nicht mehr von Frida lösen aber irgendwann mussten wir ja auch mal los nach Hause. Auf dem Hof trafen wir dann noch Kerstin und Ingolf und so konnten wir uns noch verabschieden. Das Kaufangebot für Frida musste ich aber doch ablehnen. smile Für ein Pferd braucht man nicht nur Platz und Geld sondern auch viel Zeit.

Fazit
Ein wunderbar erholsamer Urlaub mit vielen Ausritten durch die pure Natur an den wir wohl noch sehr lange denken werden. Der neue Standort von Kerstins Reitanlage in Boldevitz hat unsere Erwartungen weit übertroffen. Es ist genauso ruhig wie in Grabitz (oder sogar noch ruhiger) und die Reitwege stellen Grabitz um längen in den Schatten. Das Frühstück lies keine Wünsche offen und die Ferienwohnung bot mehr als genug Platz – OK, wir waren ja auch nur zu zweit in der Wohnung. Die Küche in der Wohnung war sehr gut ausgestattet. Braten, Kochen, Backen, Toasten – Kein Problem. Kühlschrank mit Gefrierfach, Wasserkocher, Kaffeemaschine, genug Besteck und Geschirr und ein Geschirrspüler. Fernsehen gab es auch – aber wer auf Boldevitz vor der Glotze hängt der macht irgendwas verkehrt smile

Klar, die gute Gaststätte wie in Grabitz direkt vor Ort gab es hier nicht. Die guten Restaurants in Bergen sind aber mehr als nur ein guter Ersatz. Außerdem haben wir so definitiv einige Euro gespart weil wir nicht jeden Tag mehrfach in Versuchung waren etwas zu bestellen smile

Würden wir also wieder nach Boldevitz fahren? Ein klares ja! Und hoffentlich sehen wir Frida wieder smile

Links
Fotos vom Urlaub in Boldevitz (werden in nächsten Tagen mehr)

2 Kommentare zu “Reiten auf Rügen: Boldevitz

  1. Hallo,

    wart Ihr seitdem noch mal im Gut Boldevitz? Ich möchte evtl. dort Ferien machen, habe aber keine Telefonnummer von Karin Ludwig gefunden. Habt Ihr die aktuellen Kontaktdaten von ihr?

    Danke und Gruß aus dem Steigerwald

    Patricia Heidtmann

    • Auf dem Gut ist sie leider nicht mehr. Mein letzter Stand ist, dass sie als Trainerin unterwegs auf verschiedenen Höfen ist, sicher bin ich mir aber nicht. Leider kann ich Dir nicht weiterhelfen. Solltest Du sie ausfindig machen, bestell ihr einen lieben Gruß :)

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