Gedanken zum (nicht so smarten) SmartHome

Da lese ich gerade, nicht zum ersten Mal in den letzten Jahren, dass das Thema SmartHome noch nicht so richtig zündet – von ein paar Enthusiasten abgesehen, zu denen ich mich zum Teil dazu zählen möchte.

Nachdem ich meine Zehenspitzen in das Thema Smartes Heim eingetaucht habe, bekomme ich eine Idee weshalb die Zurückhaltung so groß und auch berechtigt ist – Und dabei rede ich nicht über Geld oder Datenschutz.

Offensichtliches zur Seite

Ja, Geräte für die Steuerung des Eigenheims kosten viel Geld. Geschenkt. Und ja, um wirklich “smart” zu sein, müssen die Geräte irgendwie mit den Bewohnern kommunizieren, was in der Regel über das Internet gelöst wird. Und weil niemals eine direkte 1-zu-1-Kommunikation sichergestellt werden kann – SmartPhones der Bewohner können ausgeschaltet oder im Funkloch sein – müssen die Daten irgendwo zwischengespeichert werden. Da es nicht nur blanke Daten sondern auch Funktionen sind, läuft dazu bei einem Anbieter ein Cloud-Dienst, dem man vertrauen muss.

Das alles kann man hervorragend diskutieren und beide Punkte sind schon sehr gute Gründe zurückhaltend zu sein.

Aber legt mal Anschaffungskosten und Datenschutz zur Seite. Was bleibt?

Gar nicht so smart

Es bleiben technische Geräte, die gar nicht so smart sind wie sie vorgeben zu sein.

Meistens/oft sind sie nicht kompatibel zueinander. Es gibt also nicht DAS SmartHome sondern man muss bei jeder Anschaffung schauen: Läuft das mit der Software mit der ich bereits die Lichter steuere? Funktioniert das mit Siri? etc. Jeder Hersteller liefert seine eigene Bridge als Zentrale für seine Geräte. Jeder kommt mit einer eigenen Software.

So setze ich beim Licht auf das Philips Hue System und somit auf das Zigbee Protokoll. Steckdosen gab es nicht für das System, weshalb welche von Osram in den Haushalt kamen. Diese ließen sich in das Hue-System integrieren – “Aber”… Die Hue-Lampen können mit Apple HomeKit und somit mit Siri gesteuert werden, die Steckdosen dagegen nicht, obwohl sie in die Hue-Anwendungen als “Lampe” auftauchen. “Smart” ist anders.

Nahezu immer sind sie weit weniger Smart als der Name vermuten ließe. „Smart“ setzen die Hersteller gleich mit „hat Internet“. Aber sehr oft bekommt man schon bei der Einrichtung den Eindruck, dass die Hersteller ihre eigenen Geräte überhaupt nicht benutzt. Da können für Lichter, je nach Tageszeit, verschiedene Szenen hinterlegt werden und mit etwas Glück auch abweichende Szenen fürs Wochenende – wenn diese aber über den Bewegungsmelder gesteuert werden sollen, dann hört es schon wieder auf. Am Sonntag muss das Licht um 6 Uhr nicht angehen wenn ich mich im Bett umdrehe, so eine Regel lässt sich aber in der Software nicht einstellen (Hier: Philips Hue; Auch nicht mit iConnectHue und schon gar nicht in Apples HomeKit)

Da weiß meine Überwachungskamera, dass ich aus dem Haus bin weil mein iPhone das WLAN verlässt und ich den GPS-Korridor verlasse. Sie weiß aber erst, dass ich zu Hause bin, wenn sie mein Gesicht erkannt hat (OK, könnte ja wer anderes mit meinem Handy kommen) – Diese Information wird aber natürlich nicht an andere Geräte (Licht, Thermostat etc.) weitergegeben.

Meine Lichter wissen, dass ich nach Hause komme, wenn ich in einen GPS-Bereich eintrete (der allerdings ja nach Mondstand schon am Ortseingang beginnt oder wirklich erst, wenn ich auf den Hof fahre) – Eine Erkennung über die Anmeldung im WLAN, was präziser wäre, gibt es nicht. Die anderen Geräte wissen das natürlich nicht – außer sie würden diese Technik selbst implementieren, was zu mehreren und damit verschiedenen GPS-Erkennungen führen würde.

Und dann brauchen die Geräte alle Strom. Bei Lichtern kein Problem, die hängen am Dauerstrom. Aber Thermostat, Türschloss, Rollo, … Wer hat denn Lust am Ende das ganze Jahr über ständig irgendwelche Batterien/Akkus zu wechseln/laden? Ja, die halten mehrere Monate aber man hätte am Ende ja auch zig Geräte und die halten alle unterschiedlich lange… und alle 3 Monate pauschal den ganzen Haushalt “laden”? Na, ich weiß nicht.

Und so weiter. Smart ist da relativ wenig. Wir stehen immer noch ganz am Anfang. Kein Wunder, dass sich die Nachfrage im Rahmen hält.

1 Kommentar zu “Gedanken zum (nicht so smarten) SmartHome

  1. Danke! Einfach nur Danke!

    Usability-Tests werden anscheinend überhaupt nicht mehr gemacht. Mein persönlicher „Favorit“ sind Thermometer. Es gibt nur ganz selten „smarte“ Thermometer, die auch eine Anzeige haben. Offensichtlich wird davon ausgegangen, dass die Leute lieber ihr Smartphone entsperren, die App aufrufen, zum Thermometer navigieren, um dort die Temperatur abzulesen. Wenn die dann außerdem über externe Server oder Blutooth übermittelt wird, dann dauert das seine Zeit.

    Natürlich kann man sich alles zusammenbetteln, aber ich will doch nur ein Thermometer (mit Aufzeichnung von historischen Daten) und keinen Drahtverhau aus Raspberry Pi, Sensoren und LCD (womit wir dann wieder bei der Stromversorgung wären).

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