Cloud-Backup – Preise und Gedanken

Das war wieder klar – Kaum hatte ich eine schnelle Internetleitung, mit der ein Cloud-Backup überhaupt machbar wurde und kaum hatte ich meine Foto-Daten auf dem günstigen Amazon Cloud-Drive gesichert, schon stellte Amazon das “unlimited” Angebot ein.

Statt 70,- Euro pro Jahr für unbegrenzten Speicher sollen es nun knapp 100,- pro Jahr und Terabyte sein. Ich verstehe, dass man “unlimited”-Angebote nicht macht, damit Leute da Petabytes hochladen sondern weil man ein faires Angebot für größere Datenmengen bieten möchte. User nutzen das aber aus – verstehe ich ja auch, “unlimited” heißt nun mal ohne Grenzen. Am Ende wird das aber für “normale” Anwender uninteressant, weil schon das erste Terabyte teurer wird und man bei ein paar Gigabyte mehr gleich zwei Terabyte buchen muss.

Was tun? Ich habe mir zwei Alternativen angesehen: Backblaze B2 und Synology C2.

Aktuelles Setup mit Amazon Cloud Drive

Derzeit nutze ich die Backup-Software Arq um mein RAW-Verzeichnis und meinen Lightroom-Katalog vom Synology NAS auf das Amazon Cloud Drive zu sichern.

Arq läuft dabei auf einem Mac – Direkt vom NAS in die Cloud sichern funktioniert mit dem Amazon Drive nicht und Arq läuft auf der Synology auch nicht (spart Euch Tipps mit Hacks für virtuelle Maschinen etc. ;))

Der Nachteil an der Lösung: Der Mac mit Arq muss immer laufen und das Netzwerk-Volume mit den RAW-Daten muss immer gemounted sein.

Ersteres stört mich nicht, weil mein iMac ohnehin 24/7 im Standby oder in Benutzung ist und der Backup-Job so auch im Hintergrund laufen kann.

letzteres kann nerven weil der Umgang mit Netzwerk-Laufwerken unter OS-X irgendwie “merkwürdig” ist. Wird die Synology mal gebootet, ist das Laufwerk weg und kommt auch nicht automatisch wieder. Die Folge: Kein Backup bis ich das bemerke.

Der Vorteil an der Lösung: Ich könnte auch lokale Daten vom Rechner sichern, ich könnte Daten von angeschlossenen Festplatten und SSD sichern, ich könnte Daten von anderen Netzwerklaufwerken sichern – ich habe z. B. eine TimeCapsule im Betrieb – und ich könnte Arq noch auf anderen Macs installieren um diese ebenfalls zu sichern.

Das tue ich bisher nicht weil meine Backupstrategie das derzeit nicht erfordert oder mir, seit es kein “unlimited” mehr gibt, die Kosten zu hoch wären. Es wäre aber technisch machbar.

Keine Option mehr

Heftige Preissteigerung bei Amazon Cloud Drive

Die neuen Preise von Amazon sind für mich keine Option mehr. Bisher waren es 70,- Euro pro Jahr für unbegrenzten Platz. Über “unlimited” denke ich durchaus anders als der Begriff suggeriert, ich käme nicht auf die Idee das für hunderte TB nutzen zu wollen… offenbar taten das aber User und Amazon zog die Notbremse.

Die Speicherverwaltung zeigt mir, dass ich derzeit 1,01 TB nutze – Zack – schon müsste ich 2 TB für 199,98 Euro pro Jahr buchen bigsmile – Nein Danke.

B2 vs C2 – Backblaze und Synology

Bei meiner Suche nach einem Ersatz für das Amazon Cloud Drive, fand ich recht schnell zwei Anbieter: Backblaze und Synology.

Keiner kann mit dem alten Amazon-Preis für meine Datenmengen mithalten. Schon das erste Terabyte ist auf jeden Fall teurer und ich habe bereits 1,2 Terabyte die ich auf jeden Fall extern sichern möchte. Da aber Amazon deutlich teurer wird, kommen andere Anbieter wieder in Frage.

Ich rechne die Angebote mit 1,5 Terabyte durch, weil ich, wenn ich schon Paketweise buchen muss, auch noch ein paar zusätzliche Daten sichern kann und möchte.

Synology C2 – Sehr simpel

Das Angebot von Synology ist extrem simpel, auf den ersten Blick.

Preisstruktur von Synology C2 (Quelle: Synology Webseite)

Bis zu einem Terabyte sind die Preise wirklich günstig und bis zu 11 Versionen der Dateien sind inklusive. Ein Backup wird hier einmal pro Tag gemacht, damit könnte ich leben. Blöd nur, dass ich mehr als ein Terabyte sichern möchte.

Bei über einem Terabyte kommt nur das größere Angebot in Frage. Hier kann man dann stündlich Backups machen und zahlt pro Terabyte und Jahr 69,99 Euro. Aber Achtung: Versionen sind nicht mehr inklusive sondern werden auf das Volumen angerechnet. Es gibt zwar eine Deduplizierung, ich gehe also davon aus, dass kleine Änderungen an einer großen Datei nicht zwingend die doppelte Datenmenge in Anspruch nehmen, man sollte da aber ein Auge drauf haben.

Für meine RAW-Daten, derzeit etwa 1,1 TB, ist das unerheblich, denn diese ändern sich nie. Für meinen Lightroom-Katalog ist das durchaus ein relevanter Punkt der für mich schwer zu kalkulieren ist. Wenn der Katalog 800 MB hat, wie viel Platz nimmt dann eine Version des Kataloges in Anspruch, wenn ich ein paar Bearbeitungen vorgenommen oder Stichworte gepflegt habe? Nur ein paar Kilobyte? Megabyte? Oder tatsächlich nochmal 800 MB? Und wie soll die Deduplizierung funktionieren, wenn die Daten doch verschlüsselt werden?

Ich sehe keine Möglichkeit das vorher abzuschätzen. Vermutlich muss ich einen Probe-Zugang anlegen und das mal ein paar Tage nur mit dem Lightroom-Katalog testen um zu sehen, wie sich das verhält. Oder hat jemand von Euch bereits Erfahrungen damit? Dann hinterlasst mir bitte einen Kommentar.

Davon abgesehen ist die Rechnung extrem simpel: 69,99 Euro × Terabyte × Jahre. Fertig.

Rechne ich mit einem Startvolumen von 1,5 TB und einem monatlichen Zuwachs von 10 GB, ergeben sich über die nächsten 5 Jahre diese Kosten:

  1. 139,98
  2. 279,96 (+139,98)
  3. 419,94 (+139,98)
  4. 559,92 (+139,98)
  5. 769,89 (+209,79)

Jedes Jahr müsste ich also knapp 140,- Euro zahlen. Im fünften Jahr würde es teurer werden, weil durch den monatlichen Zuwachs auf ein 3-TB-Paket gewechselt werden müsste, ab dem fünften Jahr wären es also knapp 210,- Euro (evtl. auch schon vorher, wenn die Deduplizierung bei Lightroom-Katalogen nicht so gut funktioniert)

Der Vorteil: C2 ist direkt in die Synology integriert. Das NAS kann also selbstständig die Daten in die Cloud schieben ohne dass ein Rechner dafür laufen muss. Es können auch Einstellungen von Programm-Paketen oder der DiskStation selbst gesichert werden.

Der Nachteil: Es können nur Daten von der DiskStation gesichert werden. Es gibt keine Möglichkeit, Daten von anderen Rechnern oder Festplatten im Netzwerk zu sichern.

Backblaze B2 – Komplexe Rechnung

Ohne den Rechner von Backblaze wäre es recht aufwendig die Kosten zu kalkulieren (Quelle: Backblaze)

Backblaze bietet verschiedene Backup-Pakete, darunter auch extrem günstige “unlimited”-Angebote. Der Haken: Diese Angebote gelten nur für einen lokalen Computer, Netzwerk-Laufwerke können damit nicht gesichert werden – weil so etwas wieder ausgenutzt wurde um komplette Firmenstrukturen günstig zu sichern sad

Ich finde das ziemlich unfair: Hätte ich eine 4 TB Festplatte im Mac, könnte ich diese komplett für 5,- Euro pro Monat sichern. Weil ich aber eine schnelle aber kleine SSD habe und deshalb meine Daten auf einem Netzwerklaufwerk vorhalte, muss ich tief in die Tasche greifen. Aber ja, ich verstehe den Anbieter auch, dass er sich irgendwie absichern muss. 

Also kommt nur das B2 Angebot in frage. Hierbei handelt es sich einfach um Speicher in der Cloud den ich mit Daten füllen kann wie ich möchte. Backblaze hält dabei Versionen der Dateien vor. Ob das noch funktioniert, wenn man die Daten vor dem Upload verschlüsselt, weiß ich allerdings nicht.

Was kostet das nun? Das ist gar nicht so einfach zu sagen wenn man es präzise wissen möchte. Es werden $0,005 pro GB pro Monat fällig. Das gilt für das hochladen bzw. vorhalten der Daten. Für einen Download werden $0,02 pro GB fällig. Man zahlt also nicht pauschal eine große Datenmenge, die man dann nach und nach füllen kann, sondern man zahlt jeweils präzise das Volumen, dass man auch wirklich speichert.

Im Grunde sehr fair – aber auch kompliziert zu rechnen. Zum Glück gibt es einen Preis-Rechner auf der Webseite.

In meinem Beispiel, mit 1,5 TB als Start und 10 GB pro Monat Zuwachs, ergibt sich dann diese Staffelung für 5 Jahre:

  1. 93,90
  2. 195,00 (+101,10)
  3. 303,30 (+108,30)
  4. 418,80 (+115,50)
  5. 541,50 (+122,70)

Durch den monatlichen Zuwachs an Daten steigen auch die jährlichen Kosten langsam an. Unterm Strich ist es aber deutlich günstiger als das Angebot von Synology. Die Ersparnis geht zwar jedes Jahr zurück, im vierten Jahr sind es nur knapp 25,- Euro Unterschied, ab dem fünften Jahr klafft die Lücke mit über 87,- Euro aber wieder groß auf, weil bei C2 dann das dritte Terabyte fällig wird.

Die Rechnung ist unter Umständen nicht ganz exakt. Ich kann nur schwer abschätzen, ob Download-Kosten durch den Backup-Prozess anfallen, weil ein Backup-Tool wie Arq ggf. einen Datenkatalog oder Prüfsummen herunterladen möchte. Der Datenzuwachs ist außerdem nur ein geschätztes Mittel und kann schwanken. Hinzu könnten noch geringe Kosten für die API-Zugriffe kommen. Das alles dürften am Ende aber nur Unterschiede im Cent- oder einstelligen Euro-Bereich werden, sind also zu vernachlässigen.

Was eher ins Gewicht fallen könnte ist wieder der Lightroom-Katalog, wenn ich mehrere Versionen davon sichern möchte. Das Backup würde mit Arq laufen, welches die Daten vor dem Upload verschlüsselt. Wie geht Arq damit um? Bedeutet das, dass für jede Version dann 800+ MB anfallen? wenn ich also 15× im Monat den Katalog öffne und eine Kleinigkeit ändere, habe ich dann ca. 12 GB pro Monat zusätzlich? Dann wäre ich nach 5 Jahren schon bei knapp 162,- Euro pro Jahr. Allerdings auch nur dann, wenn ich alle Versionen so lange aufheben wollte… Würde ich das auf 5 Versionen reduzieren… es ist schwer zu rechnen.

Der Vorteil: Den B2-Speicher kann ich mit Arq füllen, ich muss also an meiner bisherigen Backup-Strategie nichts ändern. Die Vorteile, die ich dadurch habe oder hätte, bleiben erhalten – Ich könnte lokale Daten vom Mac sichern, ich könnte Daten von externen Festplatten oder anderen Netzwerklaufwerken sichern und ich könnte mehrere Macs sichern.

Hinzu kommt, dass ich B2 auch direkt von der Synology aus füllen kann. Ich könnte also meine RAW und den Lightroom-Katalog direkt vom NAS aus sichern lassen, ohne dass ein Mac laufen oder das Netzwerklaufwerk verbunden sein muss.

Der Nachteil: Die Berechnung ist komplex und der exakte Betrag für ein Jahr nur schwer planbar. Ich sehe nirgends eine Erklärung für Euro-Preise, ich gehe also davon aus, dass monatlich Rechnungen in US-Dollar eintrudeln – Das ist ein großer Spaß für die Steuererklärung. Immerhin gibt es wohl die Möglichkeit seine Ust.ID zu hinterlegen um sich die Umsatzsteuer zu sparen – Ansonsten kämen da sicherlich noch mal 19% auf die Preise oben drauf.

Außerdem sollte man seinen Speicherverbrauch sehr genau im Auge behalten um keine Überraschungen zu erleben. Es gibt kein Limit – man zahlt was man nutzt. Eine falsche Einstellung in der Backup-Software, einmal ein umfangreiches Video-Archiv ins falsche Verzeichnis verschoben und man könnte über Nacht eine Überraschung provozieren…

Fazit

Amazon möchte 99,99 Euro pro TB und Jahr. Das muss ich gar nicht erst vergleichen – B2 und C2 sind auf jeden Fall günstiger. Amazon ist damit raus bei mir.

Synology C2 ist natürlich gut integriert in die Synology. Backup und Restore funktionieren direkt auf der DiskStation oder auch über ein Web-Interface, sollte es genau die DS sein, die defekt ist. Die Kalkulation scheint einfach zu sein, der Umgang mit Versionen ist mir allerdings nicht klar, das käme auf einen Versuch an. Allerdings können nur Daten gesichert werden, die sich auf der DiskStation befinden. Für meinen konkreten Fall würde das allerdings reichen.

Backblaze B2 ist, egal wie ich es rechne, immer deutlich günstiger als Synology C2. Man zahlt nur das, was man wirklich nutzt – Allerdings gibt es kein Limit, man muss also sehr genau aufpassen, was man sichert. Die Kalkulation der Kosten ist dafür komplexer und ich gehe davon aus, dass es nur US-Dollar-Rechnungen geben wird, was es für die Steuer wieder komplizierter macht. Dafür kann ich Daten direkt von der Synology sichern lassen und/oder ich kann weiterhin Arq verwenden um von meinem Mac aus zu sichern und ich könnte so auch lokale Daten sichern wenn ich wollte. B2 ist also flexibler zu nutzen.

Ich werde mir zunächst einen B2-Zugang anlegen und das ausprobieren. Der Preis schlägt alles andere und ich werde abwarten, wie die Rechnungen aussehen. Ich kann es ja jederzeit kündigen und zu einem anderen System wechseln – Auch wenn das immer mit Tage- oder Wochenlangen Uploads für einen Neustart verbunden ist.

Schreibt doch mal, wie Ihr Eure Daten sichert. Welchen Anbieter nutzt Ihr oder verzichtet auf externe Backups?

39 Kommentare zu “Cloud-Backup – Preise und Gedanken

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