ZOLO Liberty+ – Kabellose In-Ears mit Bumms

Der Trend geht eindeutig weg vom Kabel hin zu Bluetooth-Kopfhörern. Dass nicht nur Apple die 3,5mm Buchse weglässt muss man nicht gut finden, ändern kann man es aber auch nicht. Also habe ich inzwischen mehrere Kopfhörer und In-Ears ausprobiert und war nie wirklich überzeugt.

Jetzt sind die Liberty+ von ZOLO eingetroffen, die ich bei Kickstarter unterstützt hatte. Ich probierte sie direkt aus und – WOW! Geiler Sound und ein oder zwei Haken…

Verpackung

Tolle Verpackung. Der Karton lässt sich von der Seite her aufklappen

Ist mir im Grund völlig egal bigsmile Ich packe Produkte aus und meistens wird der Karton dann entsorgt wink Trotzdem ist die Verpackung immer ein erster Eindruck für ein Produkt und hier war dieser Eindruck richtig gut!

Dominiert von der gelben Marken-Farbe, ein schicker Karton der den Blick auf die beiden kabellosen “Plugs” und die Lade- und Aufbewahrungsschale freigibt.

Karton aufgeklappt. Sofort bekommt man die Ladeschale und die Plugs präsentiert.

Auf der unteren Ebene in der Schachtel fand ich verschieden große Aufsätze für passenden Sitz im Ohr. Die größten waren bereits montiert. Außerdem gibt es Gummi-Überzieher für die Ohrteile mit verschieden großen oder keinem Bügel um sich im Ohr festzuhaken.

Das Zubehör: Verschiedene Aufsätze für die Plugs und ein gelbes, sehr flexibles Ladekabel

Richtig schick: Es ist ein Ladekabel – USB-A auf Micro-USB dabei. In gelb! Stoffummantelt. Sehr flexibel. Geil.

Ladeschale

Ein Schälchen wie ein Pillendöschen. Deutlich größer als das der Apple AirPods. Etwa so lang und hoch wie das der Bragi TheDash aber schmaler und leichter als dieses und abgerundeter. Kommt wertig rüber.

Die Schale lässt sich nach oben aufklappen. In der Schale sind die beiden Einsätze für die Ohrstücke. Sie werden magnetisch gehalten und vom Akku der Schale aufgeladen.

Die Ladeschale soll die Ohrstücke mehrmals aufladen können, so dass insgesamt 48 Stunden Musikgenuss möglich sein sollen. 15 Minuten sollen für eine Stunde genügen

Die Schale selbst hat vorne drei kleine LED um den Ladezustand zu zeigen. Bewegt man die Schale, leuchten diese kurz auf. Praktisch.

Drei sehr feine LED zeigen den Ladezustand der Schale an, wenn diese bewegt wird.

Aber warum hat die Ladeschale kein USB Type-C bekommen? Meh, das wäre das i-Tüppfelchen gewesen. Die Mikro-USB-Buchse ist mit einer Gummi-Abdeckung geschützt.

Die In-Ears

Zwei einzelne Ohrstücke ohne Verbindungskabel.

Bragi waren seinerzeit mit The Dash die ersten – Zumindest die ersten, auf die ich aufmerksam wurde. Die Dash hatte ich auch bei Kickstarter unterstützt und war nach anfänglicher Begeisterung eher enttäuscht: Extrem schlechte Verbindung, die schon aussetzte wenn das Smartphone in der Hosentasche steckte oder es vor mir auf dem Tisch lag und ich den Kopf drehte wenn ich mich zurück lehnte etc. Außerdem war der Klang sehr schwach, sehr dünn.

Ich hatte also keine besonders großen Erwartungen, auch wenn im Kickstarter-Projekt über die ZOLO Liberty+ geschwärmt wurde, technische Finessen wie Graphit-Treiber und ähnliches beworben wurden.

Aufbewahrungs-Konzept Vergleich: Links Zolo Liberty+ / Rechts Bragi The Dash

Nun, ich öffnete den Karton, las das Schild, dass ich die Schale und die Ohrhörer vor dem ersten Test vollständig aufladen sollte, ignorierte das und fing direkt an wink

Der Sitz

Die einzigen In-Ears, die mir wirklich passen, sind die, die mit Ohrabdruck speziell für mich gefertigt wurden. Die sind aber sehr alt, haben ein Kabel das inzwischen brüchig geworden ist und lassen sich am iPhone nur noch mit einem Adapter betreiben. Ansonsten entsprechen meine Ohren offensichtlich keinem Industriestandard. Alle In-Ears sind entweder zu groß, zu klein, fallen direkt wieder aus dem Ohr oder schmerzen nach kurzer Zeit.

Zolo bewirbt ein pfiffiges Haltekonzept: Plugs in die Ohren stecken, dann drehen zum fixieren. Die Idee: Ein kleiner, weicher Bügel am Ohrstück soll sich in der Ohrmuschel hinter eine Wölbung schieben um sich so einzuhaken. Es gibt Überzieher für die Ohrstücke mit verschieden großen Bügeln.

Links Bragi The Dash / Rechts Zolo Liberty+ – Die Bragi sind flacher und stehen daher nicht oder kaum aus den Ohren heraus. Liberty+ sind deutlich dicker, haben aber vermutlich dadurch eine bessere Funkverbindung

Funktioniert bei meinen Ohren nicht. War mir vorher klar. Ich war also nicht enttäuscht, eher bestätigt. Aktuell habe ich die Variante mit dem größten Bügel, der sich wenigstens minimal festhalten kann.

Aber: Die Dinger sitzen trotzdem gut in meinen Ohren, das hat mich überrascht. Beim ersten Versuch fühlte sich das nicht sehr sicher an, nach dem dritten oder vierten Mal wurde es besser. Die größten Aufsätze für in die Ohren funktionieren und halten gut. Einzig der Rechte rutsch nach einer halben Stunde oder so langsam etwas nach außen und möchte von mir neu gesteckt/gedreht werden.

Faszinierend außerdem: Die Teile isolieren verdammt gut. Es ist kein aktives Noise-Cancelling, man ist aber verdammt gut von seiner Außenwelt abgeschirmt und kann durchaus leise Musik hören während im selben Zimmer ein TV lärmt. Klasse.

Also kein perfekter Sitz in meinen Ohren aber ein deutlich besserer als ich erwartet hatte.

Die Bedienung

Die Liberty+ gibt es in schwarz und weiß – Ich habe die Kickstarter-Edition mit Gelb-Goldenen Applikationen gewähltsmile

Es gibt links und rechts jeweils einen Knopf, die ganze Fläche der Ohrteile ist im Grunde der Knopf.

  • Einmal kurz drücken ist Pause/Play. Egal auf welcher Seite. Klingelt das Telefon, nimmt man so das Gespräch an.
  • Zweimal kurz drücken aktiviert den Sprachassisten (egal auf welcher Seite)
  • Einmal lang drücken (1 Sekunde) springt zum nächsten (rechts) oder vorherigen (links) Song. Klingelt das Telefon weist man das Gespräch so ab. In einem Telefon kann man so wohl eine Konferenz starten oder vermitteln? “Transfer Call” – Keine Ahnung, nie ausprobiert.
  • Sehr lange drücken (3 Sekunden) aktiviert den Transparenz-Modus oder deaktiviert ihn wieder

Die Verbindung

Nochmal zu meinem Vergleich mit Bragi The Dash, bei denen ich mich kaum vom Rechner / Smarphone entfernen oder den Kopf drehen darf

Das gilt für die Umgebung bei mir zu Hause! Aus welchen Gründen auch immer ist die Verbindung in der Firma besser. Ich habe alle Geräte bei mir zu Hause verglichen, also selbe Bedingungen für alle.

Zolo Liberty+ in die Ohren, iPhone ließ sich über das Bluetooth-Menü sofort verbinden, fertig. Musik kam direkt in die Ohren gespült – Dazu gleich mehr.

Ich entfernte mich vom iPhone, das auf dem Schreibtisch lag. Ich ging aus dem Zimmer in den Flur und war fast in der Küche als die ersten Aussetzer kamen. Kann ich schlecht in Meter ausdrücken, ist um Welten besser als die Dash und deutlich schlechter als die großen Over-Ear von Beats – letztere sind ein unfairer Vergleich, weil diese viel mehr Platz für Antennen haben smile

Fazit: Absolut perfekte Verbindung in allen Alltagssituationen die ich zu Hause oder unterwegs habe oder haben könnte. Faszinierend – komplett kabellose Ohrhörer können also doch eine gute Verbindung halten

Der Klang

Die Dash von Bragi lassen wir mal gleich zur Seite, die klingen so dünn… Meine Custom-Made In-Ears am Kabel haben einen sehr neutralen Klang den ich immer sehr mochte weil er deutlich besser war als die kabelgebundenen Sony-Ohrhörer die ich sonst noch habe. Zuletzt habe ich zu Hause immer mal wieder mit den Beats Studio3 Wireless Over-Ear gehört, die einen recht kräftigen Bass aber auch ein sehr volles Klangspektrum haben.

Vor dem Testen komplett aufladen ist sinnvoll – habe ich nicht gemachtwink

Nun hatte ich also die Liberty+ im Ohr. Stille. Waren die an? Ein extrem feines und leises Rauschen ist nur zu vernehmen, wenn es ansonsten wirklich absolut ruhig ist. Ich startete meine Musik am iPhone… und …

SCHEISS DIE WAND AN! bigsmile

Leck mich fett – Was ist das denn? Wie zum Geier machen die das mit diesen kleinen Ohrstöpseln?! WOW.

Entschuldigt, aber ich war und bin echt begeistert vom Sound. Tiefe Bässe sind klar zu vernehmen und haben genug Druck ohne aufdringlich zu sein, viel angenehmer als die Beats. Mitten und Höhen sind klar und verzerrungsfrei. Musik kommt absolut sauber rüber mit gutem Stereo-Bild. Einen so vollen und satten Sound hatte ich ganz sicher nicht erwartet. Boah!

Gerade wo ich das hier schreibe läuft Tapes von Allanis Morissette – Alter Falter, wie machen die so einen Bass ohne die Höhen zu schreddern?

Die App

Für die Liberty+ gibt es eine kostenlose App die ich mir aufs iPhone lud. Wenn alles gut geht, verbindet sie sich mit den Ohrteilen und bietet ein paar Einstellungen an.

Man kann einen Sprachassisten wählen, der hier am iPhone fix auf Siri steht. Vermutlich eine Vorbereitung für zukünftige Erweiterungen?

Man kann den Transparenz-Modus hier per Knopfdruck aktivieren. Dabei werden die Mikrofone aktiviert und Geräusche von außen werden mit ins Ohr geleitet. Das lässt sich auch direkt an Ohrteilen mit einem langen Druck ein- und ausschalten.

Dieser Transparenz-Modus ist praktisch, damit man überhaupt etwas von seiner Umwelt mitbekommt. Allerdings rauscht es dann relativ stark, was vor allem bei ruhigeren Musikstücken auffällt. Dauerhaft werde ich diesen Modus nicht aktiviert lassen.

Es gibt verschiedene Klangprofile, die man im EQ-Menü wählen kann. Ich finde aktuell die Pop-Einstellung tatsächlich sehr angenehm. Es gibt aber einige weitere die sich durchaus unterscheiden, ohne wirklich als Effekt genutzt zu werden. Es sind mehr oder weniger subtile Anpassungen, die man nicht mal bei jedem Song sofort bemerkt. Mal werden die Höhen stärker betont, mal ist es flacher.

Die App zeigt auch den Akku-Stand der Ohrstücke an. Man kann eine Mitteilung ans Telefon bekommen, wenn man sich zu weit von den Ohrhörern entfernt und man kann sein Feedback schicken.

Die App wird sicher noch Updates erfahren um Probleme auszuräumen – So konnte ich schon problemlos über die Liberty+ Musik hören und die App meinte dennoch, sie wären nicht verbunden.

Laufzeit

Mit einer Ladung sollen die Ohrstecker 3,5 Stunden Musik wiedergeben können. Ich habe es angefangen auszuprobieren. Nach etwa 2,5 Stunden musste ich abbrechen, weil ich blöderweise das iPhone vorher nicht aufgeladen hatte wink Nach 2,5 Stunden hatten die Liberty+ laut App noch 44% Ladung. Ich käme also rechnerisch auf ca. 3,8 Stunden – Passt.

Mit dem Akku in der Ladeschale soll man insgesamt auf 48 Stunden kommen können. 15 Minuten in der Ladeschale sollen für eine Stunde reichen.

Fazit

Ich habe die Liberty+ bei Kickstarter für $99 bekommen. Sie waren für Oktober 2017 vorgesehen, wurden jetzt im Dezember 2017 geliefert.

Man kann es nicht oft genug wiederholen: Kickstarter ist keine Einkaufsplattform. Man gibt Risikokapital wenn man von einer Idee überzeugt ist und erhält im Gegenzug ein Produkt zum guten Preis statt Firmenanteilen. Es gibt keine Garantie auf einen Liefertermin oder überhaupt auf den Erfolg.

Ich war sehr glücklich als das Paket eintraf und ich bin nach wie vor unfassbar überrascht über die stabile Verbindung und den genialen Klang. smile Ich bereue keinen Cent und kann die Teile wirklich empfehlen.

3 Kommentare zu “ZOLO Liberty+ – Kabellose In-Ears mit Bumms

  1. Danke für die Einschätzung, wie ist das Verhalten beim Telefonieren? Wie gut versteht dich das Gegenüber?

  2. Schöner Review! Ich habe meine heute auch bekommen und bin bisher zufrieden, Klang ist sehr gut – bin überrascht, Bluetooth koppeln war sehr einfach, Ladeschale ist wertig, fühlt sich gut an. Telefoniert habe ich aber auch noch nicht ;-)

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