Porsche – Dabei die Zukunft zu verschlafen?

Porsche-Chef Oliver Blume hatte im Interview mit dem Westfalen-Blatt klare Worte zum Thema autonomes Fahren:

Das ist so verlockend wie eine Rolex fürs Eierkochen. Einen Porsche will man selbst fahren.

Ein iPhone sieht er eher in der Tasche und nicht auf der Straße, sagt er. Und ich staune mal wieder über die Kurzsichtigkeit dieser Branche.

Meinung

Natürlich assoziiert man mit Porsche einen Sportwagen und einen solchen möchte man selbst bewegen, den Asphalt spüren, harte Schläge, fester Druck in die Rückenlehne beim Tritt auf das Gaspedal, wimmerndes Gummi wenn der Bolide um die Ecke gezwungen wird. Emotion pur, sehe ich ein.

Porsche hat inzwischen aber auch Fahrzeuge mit vier bzw. fünf Türen am Start und bedient auch den Wunsch nach dicken SUV. Sportwagen? Nur weil etwas viel PS hat ist es doch noch kein Sportwagen?!

Und nun meint Porsche, dass autonomes Fahren öde wäre. Immerhin möchte man bis 2018 einen Plug-In-Hybriden bringen, der – ich muss kurz lächeln – ganze 50 km rein elektrisch fahren kann.

Bei allem Respekt, Porsche, 2018 erwarte ich persönlich deutlich mehr von der Automobilindustrie. Ich möchte möglichst rein elektrisch fahren. Wenn möglich bitte auch von Hamburg bis München ohne oder nur mit kurzem Zwischenstopp. Das wäre doch mal ein Ziel an dem man arbeiten könnte?

Ach und wenn ich so eine Tour antrete, dann sind mir die vielen PS komplett egal! Fahrt doch mal auf die A7 und sagt mir, an wie vielen Stellen ihr überhaupt schneller als 120 km/h fahren dürftet und wo es dann trotz Verkehr tatsächlich funktioniert hat?! Nein, die Zukunft stelle ich mir so vor, dass ich auf die Autobahn fahre und das Fahrzeug übernimmt. Ich kann mich entspannen, Mails beantworten oder etwas lesen.

Das gilt auch für die täglichen Strecken zur Arbeit und zurück. Pendeln wäre so viel angenehmer und entspannter, wenn das Fahrzeug es selbstständig erledigen könnte.

Nokia war sich sicher, an der Spitze des Handymarktes zu sein und genau zu wissen was die Kunden wünschten. Dann kam Apple und plötzlich änderte sich eine komplette Welt. Im Augenblick glauben die etablierten Automobilhersteller genau zu wissen was der Markt wünscht und sie sind sehr überzeugt von sich… Immerhin lässt Mercedes schon mal Fahrzeuge selbstständig fahren – Vielleicht hat dort jemand verstanden?!

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6 Kommentare zu “Porsche – Dabei die Zukunft zu verschlafen?

  1. Hallo Boris,

    ganz ehrlich? Schau auf die Automessen. Alle vorgestellten „hybriden Boliden“ zeigen ganz klar, was nicht die Zukunft sein kann: 3t SUVs für 2 Personen mit 400PS und 300kW electro…..

    Und ganz klar: Porsche denkt nicht an die Zukunft (uns, unsere Kinder, Enkel,…), sondern nur an den Umsatz, besser den Gewinn.

  2. Hallo Boris,

    Bei allem Respekt, Porsche, 2018 erwarte ich persönlich deutlich mehr von der Automobilindustrie. Ich möchte möglichst rein elektrisch fahren. Wenn möglich bitte auch von Hamburg bis München ohne oder nur mit kurzem Zwischenstopp.

    Das erhoffe ich mir auch, aber erwarten? Da bist du ganz schön optimistisch! Ich glaube, dass die gewinnorientiert arbeitende Autoindustrie – gerade in Deutschland – schon rechtzeitig in die Pötte kommt. Die Lobbyarbeit wird’s schon richten. Siehe die gerade laufende Forderung nach staatlicher Förderung für Elektroautos.

    Wir werden spät dran sein, aber nicht zu spät. So zumindest meine Einschätzung.

  3. Ich schreibe nun gefährliches Halbwissen, aber war es nicht so dass die Automobilhersteller in der EU durch einen Elektroantrieb, und sei er noch so klein (Hybrid), andere Umweltvorschriften mehr oder weniger umgehen bzw lockern können?
    Ich „meine“ da mal irgendwas in die Richtung in einem Bericht gehört zu haben und wenn dem tatsächlich so ist wäre es mal wieder eine von vielen kontraproduktiven Regelungen hier.

    Persönlich hoffe ich ja noch den Tag zu erleben in dem das Auto als Eigentum eine Rarität geworden ist und wir von elektrischen, autonomen Fahrzeug transportiert werden. Zumindest für das Leben in den Städten wäre es eine enorme Bereicherung wenn der enorme Platz der von stillstehenden PKWs verschwendet wird sinnvoller genutzt werden könnte.

  4. Ich will diese ganzen elektronischen Spielereien absolut NICHT in meinem Auto haben. Und ich bin wahrlich kein Technologiefeind, ganz im Gegenteil.
    Ich bin gottseidank wohl schon alt genug (50), dass ich hoffentlich die komplette Automatisierung des Autofahrens nicht mehr miterleben werde.

    Und zu den Elektroautos: wie auch gerade der Chef von Mazda geschrieben hat, ist das ganze Thema Elektroauto nur dann sinnvoll, wenn auch die Stromerzeugung wirklich aus wiedererneuerbaren Energien kommt. Nur wird es da wiederum immer sehr schwer gemacht. Stichworte: „Verspargelung der Landschaft“ bei Windparks, „Zerstörung von Augebieten, Flussläufen oder Bergregionen“ bei den diversen Wasserkraftwerken, Nahrungsmittelkonkurrenz bzw. Monokulturen bei Biomasse.

    Und ich denke, einen Porsche wird man trotz der ganzen LKWs, die sie heutzutage auch produzieren, immer wegen des Fahrens kaufen.

    @Leif: wozu sollte man dann in der Stadt überhaupt in einem Auto rumfahren? Weshalb soll dieses vollautomatisch fahren?

  5. Schade, dass hier mit viel Halbwissen Meinung und nicht Fakt wieder gegeben wird. Porsche bietet bereits heute Plug-in Hybriden an. Ende des Jahrzehnts wird in Stuttgart ein vollelektrisches Fahrzeugs gebaut. Das Thema autonomes Fahren ist grundsätzlich separat zu betrachten. Wen’s interessiert, möge sich die Rede von Johann Jungwirth (Vollswagen Group) auf dem Genfer Autosalon 2016 anschauen.
    http://www.dailymotion.com/video/x3vb9el

    Beste Grüße, Bernd

    • Bernd, lies mal den verlinkten Bericht, gleich ganz oben in meinem Text. Ich bezog mich mit dem Plug-In auf den angekündigten 911er. Also auf einen „weiteren“ Plug-In-Hybriden. Hätte ich deutlicher schreiben können.

      Und der Aufhänger für diese. Beitrag ist genau das Thema moderne Technik, autonomes Fahren – also alles, womit mein Text startet :) und die abschätzige Meinung des Porsche Chefs zu diesem Thema.
      Ich bleibe dabei – die etablierten Autobauer verschlafen gerade einiges. Entweder sie holen wieder auf (Kapital haben Sie um Know How einzukaufen) oder jemand anders übernimmt.

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