Bankgeschichte Teil 2 – Illusion von Individualität

Bank

Im letzten Beitrag schilderte ich, wie man früher zu (s)einer Bank gefunden hatte und wie technische Entwicklungen diese Banken inzwischen überholt haben. Ich bin auch nicht alleine mit dem Eindruck, dass die Bank-Angestellten über die Zeit eher schlechter geworden sind – Ich meine damit, dass immer mehr Angestellte die eigenen Produkte nicht mehr richtig kennen, falsche Auskünfte geben oder nicht spontan helfen können, weil sie sich erst mal informieren müssen.

Es mag natürlich auch sein, dass die Produkte umfangreicher und komplizierter geworden sind, das vermag ich nicht zu beurteilen da ich bei keiner Bank arbeite. Ich möchte auch niemandem etwas unterstellen sondern nur Erfahrungen weitergeben.

Wie auch immer – Inzwischen fand der zweite Termin statt. Der Termin, bei dem mir mein persönlicher Kundenbetreuer vorschlagen wollte, wie ich mehr aus meinem Geld machen könnte um z. B. die lästige Kreditkartengebühr finanzieren zu können. Ganz individuell so eine Beratung, richtig? Ne, nicht wirklich wink

tl;dr; Der Kundenbetreuer machte mir Angebote, die stark mit meinen Antwort auf festgelegte Fragen kollidierten und bot zusätzlich einen Sparplan an mit Zinsen, die im Vergleich mit dem Wettbewerb nicht standhalten konnten und zudem meine Liquidität einschränken würden. Mein Ziel die Kreditkartengebühren zu senken oder zu streichen wird so nicht erreicht und die Karte mit eingeschränkter Liquidität bezahlen ist nicht mein Weg.

Kurze Zusammenfassung für den Einstieg

  • Alles fing damit an, dass die Kreditkarte um fast 100% teurer werden sollte. Auch wenn das für mich, dank besonderer Konditionen, nur 20 Euro pro Jahr wären – Es nervte mich.
  • Es folgte ein Telefonat mit der Bank, mit meinem Kundenbetreuer. Meine Bitte: Die Gebührenerhöhung rückgängig machen oder nach Möglichkeit die Gebühr komplett streichen – Er möge mal auf meinen Jahresumsatz mit der Karte schauen. Ohne hier genaue Zahlen zu nennen… Es sind weit über 4000 Euro seit mehreren Jahren
  • Bei diesem Telefonat fragte er mich bereits einige Dinge und machte dann einen Termin mit mir. Ich dachte, ich würde bei diesem ersten Termin bereits einen Vorschlag erhalten, stattdessen bekam ich nur mehr Fragen – Ich schilderte dies im ersten Teil.
  • Nun also ein weiterer Termin für den konkreten Finanzierungs-Vorschlag

Beratung ganz individuell?

Ich reite mal ein bisschen auf diesen Dingen herum, die inzwischen so geläufig und akzeptiert sind. Individuelle Beratung und Angebote? Ich sag Euch mal etwas dazu…

Kennt Ihr noch die ganz individuellen Biorhythmus-Kurven? Konnte man sich für 5 Mark auf dem Jahrmarkt ausdrucken lassen. Später gab es Software für den eigenen PC um das selbst zu machen. Voll Individuell… so ein Computer-Algorithmus wink

So ähnlich läuft das auch bei der Bank, zumindest lief es so bei der Sparkasse. Beim ersten Termin bekam ich einige Fragen gestellt und konnte aus vorgegebenen Antworten wählen, also eine Bewertung abgeben, wie sehr ich einer Aussage zustimmen würde. Wie sieht so etwas aus?

Es wird die Basis abgefragt:

  • Wie hoch ist mein Netto-Einkommen monatlich?
  • Wie hoch sind meine Ausgaben?
  • Wie hoch ist mein Haushaltsüberschuss im Schnitt?
  • Wie hoch ist mein derzeitiges Vermögen?
  • Wie lange könnte ich von meinen Reserven leben? Wirklich? Hey Computer, nimm mal die Antworten von oben und rechne es aus?! – Ja mir ist klar wie die Frage gemeint ist, schließlich kann man sich ja auch etwas einschränken und im Notfall länger mit seinem Vermögen auskommen als die Rechnung ergeben würde.

Nun frage ich mich natürlich, warum ich dies beantworten muss wenn mein Konto und die Statistik für das Konto bei der Bank vorhanden sein sollten. Ich weiß nicht wie das mit dem Datenschutz geregelt ist, ich weiß aber, dass der Kundenberater auf das Konto schauen kann.

Dann kamen Fragen, deren Ziele oder Antworten für den informierten Kunden schon fast klar sind – Hier sollte ich angeben, wie stark ich zustimme:

  • Achte ich bei Geldanlagen vorrangig auf die Rendite?
  • Belastet mich die Gefahr stark, ein Teil meines Vermögens zu verlieren?
  • Ist die Sicherheit einer Geldanlage am allerwichtigsten für mich?
  • Gehe ich bei Geldanlagen nur ungern Risiken ein?
  • Machen mich auch kleine Verluste nervös?

Das sieht nun nach fünf Fragen aus und bestimmt haben sich Psychologen viel Gedanken um diese Fragen gemacht. Für mich sind das aber viel weniger Fragen:

  • Möchte ich eine sichere Anlage oder bin kann ich mit dem Risiko von Verlusten leben wenn ich dafür Aussicht auf große Gewinne habe?

Oops? wink

Ich äußerte sehr deutlich, dass ich meine Erfahrungen mit Aktien bereits hinter mir habe und Spekulationen mich nicht interessieren. Ich habe hart für mein Geld gearbeitet und bin nicht bereit es aufs Spiel zu setzen. Und mir ist es wichtig, dass ich liquide bleibe. Feste Anlagen über viele Jahre interessieren mich derzeit nicht.

Alles wurde in den Computer eingetippt und ein Termin für den zweiten Termin gemacht. Ganz individuell eben…

Der zweite Termin

Ich fuhr also ein zweites Mal in die Stadt, Parkplatz suchen, durch die Stadt laufen bei Sturm und strömendem Regen. Diesmal etwas früher als letztes Mal – Ich bekam erneut weder ein Wasser noch einen Kaffee oder Tee angeboten. Keine Kekse oder Gebäck für den späten Nachmittag wenn der Magen langsam zu den Kniekehlen rutscht…

Mir wurde ein Stapel Papier präsentiert. Ein ganz individuelles Angebot für mich auf Basis der Fragen und meiner Vermögenssituation. Ein tolles Deckblatt mit einer bunten Pyramide. Danke, kenne ich.

So in etwa waren die Torten im Vorschlag der Bank eingeteilt – Ich habe sie frei nachgebaut und in 3D aufgepeppt… totaler Quatsch, hat aber Spaß gemacht und sieht nicht so trocken aus ;)
So in etwa waren die Torten im Vorschlag der Bank eingeteilt – Ich habe sie frei nachgebaut und in 3D aufgepeppt… totaler Quatsch, hat aber Spaß gemacht und sieht nicht so trocken auswink

Dann eine Seite mit zwei wichtigen Torten-Diagrammen. Links meine Ist-Situation, ein voll gefüllter Kreis der für Liquidität steht. Genau, ich habe ein Giro-Konto. Ende der Geschichte. smile Rechts daneben das Ergebnis meines individuellen Angebots. Eine Torte mit vier Abschnitten:

  • Ein winziges Stückchen für Liquidität
  • Ein etwas größeres Stückchen für Immobilienfonds
  • Ein recht großes Stückchen für Aktien (gemeint waren Fonds)
  • und ein gewaltiges Stück für Renten / Spareinlagen

Wir erinnern uns? Was hatte ich beim ersten Termin sehr deutlich und unmissverständlich zu Protokoll gegeben? Keine Spekulationen, keine Aktien. Welche Torte bekomme ich? Immobilien und Aktien? Na gut, der größte Block war für Spareinlagen eingeteilt, das gebe ich zu.

Wie sollte das nun also laufen?

Immobilien-Fonds

Einen recht kleinen Betrag sah das Angebot dafür vor. Das Unternehmen investiere europaweit in große Gewerbe-Immobilien um so das Risiko zu minimieren.

Investiert man in diese Fonds, verliert man zunächst Geld. Man muss Gebühren und ähnliches bezahlen. Ich habe die Prozente nicht mehr im Kopf und die Unterlagen habe ich nicht – mehr dazu weiter unten. Ich erfinde jetzt mal Zahlen, die nahe an der Realität liegen:

Würde ich mit 2000 Euro einsteigen, hätte ich sofort etwas verloren und nur noch 1900-irgendwas bleiben übrig nach Abzug der Gebühren. Das Geld liegt dann auch erst einmal fest, für ein oder zwei Jahre wenn ich mich recht entsinne. Dann habe ich die Chance auf recht ordentliche Gewinne, irgendwo um 2% bis fast 6% in den letzten Jahren.

Jährlich kommen Gebühren von 0,7+% drauf und wenn man aussteigt zahlt man auch wieder ein paar Prozent.

Es mag Menschen geben, die mit so etwas klar kommen und die damit ganz gute Gewinne erwirtschaften. Ich gehöre nicht dazu. Ich mag diese Spekulationen nicht und wenn ich mir anschaue, wie viele Gewerbe-Gebäude in Deutschland leer stehen – ich kann nur vermuten, dass das in anderen Ländern nicht anders ist – dann fällt es mir schwer hier eine lukrative Zukunft zu sehen. Das ganze Handling dieser Fonds ist mir auch zu undurchsichtig. Gebühren dafür, dass man sein Geld zur Verfügung stellt, Gebühren wenn man Geld wieder heraus ziehen möchte, sehr schwankende Dividenden. Nein, das passt nicht zu mir.

Ein weiter Punkt ist: Mit 2000 Euro braucht man so einen Zirkus gar nicht mitmachen, meiner Meinung nach. Würde man tatsächlich 6% bekommen, wären das 160 Euro. Nun hat man bei der Einlage aber schon Geld verloren, sagen wir also 60 Euro. Realistischer sind aber 2% bis 3%. Das wären dann 40 bis 60 Euro im Jahr. Die Kosten für die Einlage wären dann nach 2 Jahren wieder raus und man müsste vermutlich 5 Jahre drin bleiben, bevor man beim Ausstieg auch wirklich etwas übrig hat?! Nein, das lohnt sich nicht. Wenn man so etwas machen wollte, müsste man vermutlich mindestens 5-Stellig einsteigen.

Aktien-Fonds

Das mit den Aktien war ganz früher mal eine recht simple Idee: Da hatte jemand die tolle Idee, mit einem Schiff auf einem besonderen Seeweg zu fahren um dann Gewürze und Waren zu günstigen Preisen und in kurzer Zeit einkaufen zu können um diese mit Gewinn im eigenen Land anbieten zu können. Super Idee die nur leider scheiterte, weil nicht genügend Kapital vorhanden war um ein Schiff und die Besatzung zu bezahlen. Manche große Ideen benötigen eine Start-Hilfe, Venture-Capitial – Risiko-Kapital. Da sagte dann ein Geschäftsmann mit genügend Geld, dass er die Idee finanziert, dafür aber einen gewissen Anteil am Unternehmen erhält. So wurde der Geschäftsmann an den Gewinnen beteiligt und konnte mitreden und mitbestimmen, was und wie viel gekauft wurde.

So oder so ähnlich lief das ganz früher mal und es entwickelten sich die Aktien daraus, Anteile an Unternehmen. Im Grunde ähnlich wie es jetzt ganz neu mit den Crowd-Funding-Unternehmen läuft – Jeder kann einen Teil dazu geben, um eine Idee zu finanzieren. Bei den Aktien behält man dann eben einen Anteil am Unternehmen. Da gab es früher zum Beispiel die Schiffe, die den Pfeffer holten und Geschäftsleute konnten sich daran beteiligen.

Es dauerte nicht lange und die Spekulationen mit den Aktien fingen an. Die Idee hinter den Unternehmen wurde immer irrelevanter und viele wissen gar nicht mehr, was ein Unternehmen wirklich tut. Es war nur noch wichtig, ob ein Analyst meinte, dass diese oder jene Aktie an Wert gewinnen könnte oder eben nicht. Man kauft sich in bestimmte Industrien ein, hofft darauf, dass andere das auch tun wollen – der Preis steigt dann – und verkauft dann wieder, bevor das alle tun – der Preis sinkt dann. Verkauft man zu spät, verliert man Geld. Verkauft man zu früh, verschenkt man mögliche Gewinne.

Aktien haben dabei keinen reellen Gegenwert mehr. Ein Unternehmen ist, laut Aktienkurs, vielleicht 10 Milliarden Dollar wert. Das Geld hat aber niemand, es ist eine Fiktion. Würden alle Anleger auf einmal die Aktien verkaufen wollen, müsste erst mal jemand mit 10 Milliarden Dollar sein, der diese Papier kauft. Ich wette: So jemanden gibt es nicht! Das bedeutet: Was das Unternehmen und somit die einzelnen Aktien wirklich wert sind, dass erfährt man erst, wenn alle verkaufen wollten.

Das mag jetzt arg vereinfacht klingen, aber so ist es eben. Das wurde natürlich inzwischen alles verkompliziert. Man braucht nicht mit den Aktien selbst zu handeln, man kann auch auf die Kursentwicklung einzelner Werte oder der Indexe spekulieren, auf die Kurse von Währungen oder auf den Goldpreis. Was für ein Blödsinn. Trainierte Spekulanten machen kleinere und größere Vermögen bei diesen Spekulationen, indem sie mehrere Transaktionen pro Sekunde durchführen. Inzwischen werden solche Transaktionen im Nanosekunden-Bereich ausgeführt! Man muss sich diesen kompletten Irrsinn mal vorstellen o.O

Nein, das ist alles komplett kaputt und hat mit der Idee oder Fairness überhaupt nichts mehr zu tun. Es ist überhaupt nicht kalkulierbar. Die .com-Blase platzte Anfang 2000 als den Investoren mal aufging, dass eine kleine Bude mit einer Hand voll PC keine Milliarden Wert sein könnte und sie die Einlagen sicher nie wiedersehen würden. Es ist meiner Meinung nur eine Frage Zeit, bis der nächste Crash kommt.

Bei Aktien-Fonds setzt sich nun jemand hin und sammelt mehrere Unternehmen in einem Paket. Stürzt der eine Kurs ab, ist das nicht so richtig schlimm, weil vielleicht 10 andere Kurse ansteigen und den Verlust so auffangen. Fonds sind also so etwas wie ein gewichtetes Durchschnittsrisiko. Das kann auch jeder selbst machen, indem er sich nicht Aktien von einem Unternehmen kauft sondern sein Geld auf mehrere Unternehmen verteilt. Das ist nur schwieriger, weil man mehr Aufwand damit hat und deutlich mehr Geld benötigt – Es muss ja immer mindestens eine Aktie gekauft werden und das kann schon teuer werden, wenn man 10 oder 20 Unternehmen im Portfolio haben möchte.

Also nimmt man einen fertigen Fond. Da kann man auch mit kleineren Beträgen einsteigen und lässt den Verwalter den Rest machen. Die Chancen sind geringer als bei Einzelwerten, das Risiko ist aber auch etwas geringer.

Wen möchte man unterstützen?

Das ist der eigentliche Knackpunkt! Wenn ich Strategien von Apple oder Microsoft gut finde, dann kann ich investieren oder es eben lassen. Bei einem Fond muss man schon hinsehen, welche Unternehmen darin enthalten sind.

Der Fond, der mir vorgeschlagen wurde, bestand überwiegend aus Unternehmen im Genussmittel-Bereich. Ganz oben Tobacco, also Zigaretten und anderes Rauchwerk. Ich, als überzeugter Nichtraucher, möchte diese Industrie nicht auch noch bewusst unterstützen, die ihre Renditen damit erwirtschaftet, dass sie die Bevölkerung abhängig macht und deren Gesundheit schädigt, womit sie höhere Kosten für uns alle erzeugt. Volkswirtschaftlich eine Katastrophe.

Mir ist klar, dass ich das nicht vollständig verhindern kann. Ich weiß ja auch nicht, worin (m)eine Bank investiert um ihr Vermögen zu bilden. Darauf habe ich wenig Einfluss und selbst wenn man sich einmal intensiv informiert und dann eine andere Bank wählt, so müsste man diese Informationen vermutlich monatlich aktualisieren.

Ich möchte aber nicht auch noch ganz bewusst in solche Unternehmen investieren.

Das sah mein Berater dann auch ein, brachte ihn aber gefühlt schon etwas aus dem Tritt. Er überlegte und meinte, dass er mir zwar eine andere Fond-Nummer nennen könnte, die dürfe er mir aber nicht aktiv empfehlen.

Warum nicht? Weil es von der Bank, dem Konzern, eine Auswahl an Fonds gibt die beworben werden sollen. Ist klar, niemand kann alle verfügbaren Fonds kennen und beobachten um wirklich Empfehlungen aussprechen zu können. Ich vermute aber auch andere Strategien dahinter – vermutlich verdient die Bank eben an manchen Fonds mehr als an anderen?

Nun zeigte er mir am Computer so einen Fond, den ich mir dann privat aussuchen könnte. Wer war da drin? Die ersten vier kannte ich nicht auswendig, dann folgte Nestlé sad

Ich zuckte und winkte sofort und energisch ab. Das verstand mein Berater gar nicht. Warum ich Nestlé nicht aktiv unterstützen wolle? Ich gab den Tipp, im Internet mal nach Nestlé und Wasser zu suchen, nur ein Beispiel. Ein Unternehmen, dass mit der Politik global und lokal kungelt um zu erwirken, dass Wasser kein Allgemeingut sondern Privateigentum ist, mag ich nicht unterstützen. Was diverse Dokumentationen und Berichte zu diesem und anderen Themen aufdecken… Ne, anderes Thema. Will ich nicht.

Auch hier ist mir bewusst, dass ein kompletter Boykott von Nestlé echt schwer ist, weil sie fast überall ihre Finger drin haben. Ich müsste noch viel genauer beim Einkaufen darauf achten als ich es jetzt tue. Trotzdem werde ich den Teufel tun und auch noch tausende Euro in einen Fond mit diesem Konzern stecken! Ich möchte wenigstens nicht an diesen Gewinnen partizipieren.

Da waren wir dann auch schon ziemlich am Ende der Fond-Idee. Nunja, ich sagte ja schon vor dem ersten Termin am Telefon, dass mich Aktien und Fonds nicht interessieren. Er wollte es nicht anders und ich nahm mir die Zeit. Es war durchaus unterhaltsam. Entschuldigt den Zynismus, es ist wirklich nicht böse gemeint.

Dann war da noch der größte Block der Torte…

Spareinlagen

Das Geld auf dem Girokonto bringt genau gar nichts, 0,0% Zinsen. Jede Form des Sparens ist also besser als gar keine. Das mal vorweg. Das stimmt, sehe ich ein. Also mal Fakten auf den Tisch, was konnte mir die Sparkasse anbieten um mein Vermögen sinnvoll und sicher anzulegen?

Zuwachssparen heißt das Zauberwort. Man legt sein Geld auf ein Sparkonto wo es auch erst mal fest liegt für ein bis vier Jahre, die Zinsen sind dabei verbindlich festgelegt, was es einfach macht zu rechnen.

Was meine ich mit fest? Ein Jahr ist das Geld erst mal unerreichbar. Nach dem ersten Jahr hat man eine 3-monatige Kündigungsfrist. Maximal vier Jahre kann man das Geld liegen lassen.

Liquidität ist also nicht direkt gegeben. Dafür sollten die Zinsen doch sehr gut sein, schließlich kann die Bank sehr genau kalkulieren und hat kein Risiko, dass der Kunde plötzlich alles abheben möchte, richtig?

Entscheidet selbst – die Zahlen beziehen sich auf das konkrete Angebot. Die Zinsen dürften sehr stark abweichen, wenn Ihr das hier in ein paar Monaten oder Jahren lest:

  • Im ersten Jahr gibt es 0,05%
  • Im zweiten Jahr 0,1%
  • im dritten Jahr 0,15%
  • im vierten Jahr 0,4%

Die Zinsen werden jährlich gutgeschrieben – also keine monatliche Gutschreibung für Zinseszins.

Also Euphorisch werde ich dabei natürlich nicht. Warum nicht?

  • Rechenbeispiel: Läge ich 5000 Euro für vier Jahre fest an, bekäme ich am Ende 5035 Euro und 9 Cent ausgezahlt. Dafür wäre das Geld vier Jahre weg.
  • Gegenrechnung – Das selbe Geld auf ein DKB-Girokonto legen, bei derzeit 0,1%. Nach vier Jahr wären es etwas über 5020 Euro, der Zinseszins wirkt sich bei den kleinen Werten kaum aus. Immerhin nur 15 Euro weniger, nach vier Jahren, dafür aber ständig liquide.
  • Gegenrechnung – Das selbe Geld auf einem DKB-Visa-Konto bei derzeit 0,7%. Nach vier Jahren hätte ich fast 5142 Euro, also fast 107 Euro mehr und trotzdem ständig liquide.
  • Noch mehr? Na gut, nehmen wir halt ein Tagesgeld-Konto bei der PSA-Bank zu derzeit 0,9%, ebenfalls monatliche Gutschrift. Nach vier Jahren sind aus 5000 Euro schon 5183 Euro und ein paar Cent geworden. Das Geld ist dabei jederzeit mit einem Tag Verzögerung verfügbar.

Bin ich nun ein Nörgler wenn ich glaube, dass das Zuwachsspar-Angebot der Sparkasse irgendwie nicht so richtig prickelnd ist? Immerhin vereint es alle Nachteile – geringe Liquidität und geringe Zinsen – erfolgreich miteinander. Da weiß man woran man ist wink

…Aber einen hab ich noch…

Es dürfte wohl klar sein, dass ich höflich aber deutlich sagte, dass die Angebote mich nicht vom Hocker gehauen haben. Aktien-Fonds anbieten obwohl man dem Computer mitgeteilt hatte, dass man doch eher konservativ anlegen wollte. Zuwachssparen mit Zinssätzen, die im Vergleich wenig attraktiv sind und das Geld für Jahre binden.

Und alles nur, weil ich mit der Erhöhung der Gebühren für die MasterCard nicht einverstanden war. Das zeigte mir sehr deutlich, dass mein Kundenbetreuer keinerlei Hebel besitzt.

Er sieht mein Erspartes, er sieht meine Umsätze mit der Kreditkarte – mit denen die Bank auch Geld verdient – und ist dennoch nicht in der Lage – den Willen möchte ich mal höflich unterstellen – die Gebührenerhöhung für mich, ganz individuell, rückgängig zu machen oder zu verhindern. Von einer kompletten Streichung der Gebühren hatte ich ja gar nicht zu hoffen gewagt sondern es als mögliches Ziel einfach mal in den Raum geworfen.

Aber jetzt passierte es, ich muss immer noch kichern smile

Nun meinte er, am Ende des Gespräches, dass er nun noch ein Gesprächsprotokoll erstellen müsse. Es ist die Pflicht der Berater, so ein Protokoll anzufertigen, wenn im Gespräch Investitionen in Aktien und ähnliches empfohlen wurden. Es wären einige Seiten Papier – die jetzt erst mal gedruckt werden müssten – die er mir dann zumindest in Teilen vorlesen müsste und ich müsste das dann unterschreiben. Das würde jetzt noch mal so 20 bis 30 Minuten beanspruchen.

“Nein, ganz sicher nicht!” – schoss es aus mir heraus. Meine Mimik muss zwischen Verärgerung und Amüsement geschaukelt haben smile

Die Alternative, schlug er mir vor, wäre, dass er das nun vorbereiten würde, und wir noch einen Termin für die Unterschrift machen könnten.

“Aber ganz bestimmt nicht!“ – beteuerte ich. Meine Verärgerung wich einer unterhaltsamen Bewunderung dafür, dass mein Kundenbetreuer, wirklich höflich, nett, spricht mit normalen Worten, so unfassbar fest verankert in der Denkstruktur des Unternehmens tickte.

Ich war bis zu diesem Zeitpunkt wirklich, das müsst Ihr mir glauben, sehr höflich und neugierig. Nun aber wurde ich ernst und schaute ihm tief in die Augen. Ich machte mit einfachen Worten klar, dass ich nun zwei Termine auf mich genommen hätte, wovon bereits der erste der gewesen sein sollte der nun der zweite war. Jedes mal über eine Stunde Gespräch, zuzüglich der Umweg in und durch die Stadt. In der Zeit hätte ich auch produktivere Dinge tun können. Ich machte unmissverständlich klar, dass ich nun weder weitere 30 Minuten mit einem Protokoll verbringen würde noch ein dritter Termin in Frage käme.

Ich gab deutlich zu verstehen, dass ich was Aktien, Fonds und Immobilen betrifft informiert genug bin, die vorgeschlagen Lösungen zu 100% nicht zum Einsatz kommen würden und er doch bitte für sein Protokoll so tun möge, als hätte er mir niemals solche Angebote gemacht – dann bräuchte ich ja wohl auch nichts zu unterschreiben, richtig?

Er schmunzelte und meinte, ich würde ihn da in eine vertrackte Lage bringen. Ehrlich? Dann dürfe er mir die Unterlagen nicht mitgeben, meinte er. Ich sammelte den Stapel Papier und drückte ihm diesen in die Hand…

…Nun wollte er mir doch etwas mitgeben. Alles, was verfänglich sein könnte wurde aussortiert. Alle öffentlich zugänglichen Daten konnte ich behalten – ich hätte sie ja auch selbst im Internet finden und drucken können wink stimmt!

Fazit

Bestimmt kann man auch Heute noch Kunden davon überzeugen, dass mit der Beantwortung bestimmter Fragen ein ganz individuelles Angebot aus einem Computer fällt – So ein Computer weiß ja Bescheid. Mich kann man damit nicht mehr beeindrucken, ich programmiere solche Kisten. Die Leistung des Beraters beschränkt sich dann darauf, aus den möglichen Paketen, die der Computer auswirft, ein oder zwei auszuwählen und die passenden PDF-Dateien auszudrucken.

Das möchte ich nicht unterstellen sondern es ist ein Verdacht von mir.

Wie weit das Angebot von meinen Antworten entfernt war hat mich dann aber doch überrascht. Dass ein Gesprächsprotokoll nötig wäre, wusste der Berater sicher schon vorher, warum war es noch nicht ausgedruckt? Warum hat er mir bestimmte Passagen nicht im Beratungsgespräch vorgelesen um das dann quasi nebenbei zu erledigen?

Ich unterstelle: Mangelnde Vorbereitung, mangelnde Flexibilität, mangelhaftes Einfühlungsvermögen oder mangelnde Fähigkeiten sich auf einen Kunden einzustellen.

Ich kann mir aber vorstellen, dass ihm die Hände auch gebunden sind und die Berater in Gesprächstrainings lernen, die wenigen Möglichkeiten möglichst wortreich zu verkaufen.

Bei mir hätte er Punkte sammeln können, wenn er mir schon beim ersten Termin ein paar Dinge hätte zeigen können – ich meine, diese paar Fragen, siehe oben, sind doch auch am Telefon schnell erledigt – und wenn er mir klar gesagt hätte, dass ihm die Hände gebunden sind und keine Ausnahmen möglich sind. Punkt. Ende der Geschichte. Ich wäre enttäuscht gewesen, hätte die Bank und den Berater aber als ehrlich im Kopf behalten, man weiß ja nie, wohin die Reise mal geht.

Wohin geht die Reise nun?

Aufhänger waren die Gebühren für die Kreditkarte. Es gibt nun mehrere Möglichkeiten. Entweder Girokonto und Kreditkarte zu einer anderen Bank wechseln. Oder mehrere Banken nutzen um verschiedene Vorteile nutzen zu können. Oder das, für mich bisher noch kostenlose Girokonto bei der Sparkasse lassen und erst mal eine neue Lösung für die Kreditkarte suchen.

Wenn es Euch interessiert, wie meine Gedanken dahingehend aussehen, schreibt mir einen Kommentar smile

 

4 Kommentare zu “Bankgeschichte Teil 2 – Illusion von Individualität

  1. Puh! Da fällt die Lektüre schon schwer… so viel will man den Kopf in die Hände sinken lassen.

    Wie schon beim ersten Artikel kommentiert: ich würde der Bank den Rücken kehren, und konsequent umstellen. Das kann ja Schritt für Schritt passieren (altes, kostenloses Giro weiterlaufen lassen, und nach und nach Geld und Abbuchungen übertragen), aber du hast dir ja schon selber ausgerechnet, wie viel Geld dir durch die Lappen geht indem du nichts tust…

    Ich bin gespannt wie’s weitergeht!

  2. Sieh es ein, Boris. Die Filialbanken *wollen* untergehen.
    Mittlerweile zieht ja nicht einmal mehr das Serviceargument, wie Du ja ausführlich dargestellt hast. Ich hatte vor ein paar Jahren mal ein Problem bei einer Flugbuchung per Kreditkarte. Die Zahlung ging einfach nicht durch. Ich ohne viel Hoffnung, es war abends um halb zehn, bei der Bank (in meinem Fall die Diba) angerufen. „Ja, da ist ein Limit auf der Karte. Soll ich das mal kurzzeitig aufheben?“ „Ja, machen Sie mal“. Fünf Minuten später war der Flug gebucht. Kein langes warten, kein „das darf ich nicht entscheiden, rufen Sie mal Montag wieder an“. Wen hätte ich um die Zeit wohl bei einer „normalen“ Bank erreicht?
    Und alles andere kann ich halt komfortabel selbst machen. Wenn ich einen Fonds möchte, suche ich mir anhand von Kenndaten einen raus und kauf den und muss nicht den mit der höchsten Provision für die Bank nehmen.

  3. Ich hatte ein ähnlichen Fall vor kanpp 2 Jahren. Ich überlegte ob ich von meiner alten Bank zur Volksbank oder Sparkasse wechsle da die alte Bank kaum Automaten in meinem Täglichen Umfeld hatte und ich öfter mal die 5`€ bezahlen durfte. Nach einer kurzen Beratung haben beide Banken mir den Zahn gezogen. Unflexibel gebühren für keine Leistung usw..
    Bei mir ist es die DKB geworden und ich habe es bisher nicht bereut.

  4. Danke für diesen sehr unterhaltsamen Bericht. Ich weiß jetzt wieder mal warum ich schon seit vielen, vielen Jahren keinen Fuß mehr in eine Bank gesetzt habe. Mein Anforderungsprofil ist allerdings auch sehr simpel. Mir reicht ein kostenloses Konto, eine kostenlose Kreditkarte und die Möglichkeit überall auf der Welt kostenlos Geld abzuheben. Ein vollständiges Online Banking sollte ja inzwischen bei allen Anbietern dazu selbstverständlich sein. Ich bin übrigens auch bei der DKB. Mehrere Konten bei mehreren Banken wäre mir schon wieder zu aufwendig. Wie viele Dinge im Leben soll es einfach funktionieren ohne sich großartig darum kümmern zu müssen.

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