Überraschungen beim Standby Stromverbrauch

Wer meinen Blog schon länger verfolgt, der hat schon häufiger davon gelesen, dass ich immer auf der Suche nach großen Stromverbrauchern bin. So habe ich inzwischen viele Glühbirnen durch Energiesparlampen und schließlich viele von denen wiederum durch LED ersetzt. Zuletzt war der Deckenfluter dran.

Neue Großgeräte wie Ofen, Kühlschrank etc. kommen derzeit nicht in Frage. Blieb also die Frage, wo wird noch Strom verbraucht, den man sparen könnte?

Schon immer habe ich gehört und gelesen, dass Geräte im Standby eine Menge Strom verbrauchen können, allerdings habe ich das bisher oft ignoriert, weil es mir deutlich lieber ist, bestimmte Geräte immer sofort einsatzbereit zu haben. Ich möchte z. B. einen Computer nicht mehr booten müssen. Ich möchte ihn aufklappen / antippen und dann arbeiten oder kurz etwas nachsehen können. Das ist mir ein paar Euro im Jahr wert.

Durch einen Beitrag bei Facebook war ich aber mal wieder motiviert etwas genauer hinzusehen. Wie viel Strom verbrauchen meine Geräte im Standby wirklich? Ich habe mir vor Jahren ein gutes Messgerät angeschafft, den Energy Check 3000. Der hat mir schon viele wertvolle Dienste geleistet nur für manche Dinge war ich einfach zu faul. Um z. B. einen Computer zu messen, muss man ihn erst einmal herunter fahren, unter den Tisch zu den Steckern krabbeln, den Energy 3000 dazwischen klemmen, booten, wieder in Standby versetzen, … Aber jetzt wollte ich es wissen.

energy check 3000

Überraschungen Teil 1

Ich startete im Wohnzimmer. Neben dem TV-Gerät und dem Sat-Receiver steht hier eine alte Hifi-Anlage aus verschiedenen Einzelteilen, also Verstärker, CD-Spieler, Radio, Doppel-Kassettendeck (die älteren unter Euch wissen noch was das ist :))

Die Hifi-Komponenten hängen alle an einer Mehrfachdose. Ich steckte diese Mehrfachdose in das Messgerät und staunte nicht schlecht. Um die 2,7W im Standby – und das, obwohl nur der Verstärker eingeschaltet und im Standby war, alle anderen Geräte waren mit einem richtigen Schalter am Gerät ausgeschaltet. 2,7W klingt nicht viel, aber das sind über 5 Euro im Jahr für ausgeschaltete Geräte. Ich untersuchte das genauer und stellte etwas erstaunliches Fest: Das Kassettendeck saugte 2,2W aus der Leitung obwohl es ausgeschaltet war. Den Kassetten-Spieler habe ich zuletzt vor – wie viel? – Jahren benutzt. Potzblitz smile

Ich zog den Stecker vom Kassetten-Deck raus und sofort ging der Stromverbrauch auf 0,5W runter. Radio und CD-Player lagen bei 0,0W. OK, 0,5W für den Verstärker finde ich OK. Der CD-Player ging bisher automatisch mit an, wenn der Verstärker eingeschaltet wurde. Dies habe ich nun geändert um auch im Betrieb Strom zu sparen. Immerhin 8W im Betrieb werden so gespart.

Positiv überrascht haben mich TV und Sat-Receiver. Egal, ob ich diese am Gerät mit einem Taster oder mit der Fernbedienung ausschalte, nach kurzer Zeit sinkt der Verbrauch auf 0,0W. Ich weiß, dass das nicht 100%ig stimmen kann, denn von irgendetwas muss die rote LED am TV leuchten und irgendetwas muss auch nachsehen, ob an der Fernbedienung wieder der Einschaltknopf gedrückt wird. Dies scheint aber bei beiden Geräten extrem wenig Strom zu benötigen. Hier sah ich also keinen Handlungsbedarf.

Überraschungen Teil 2

Im Schlafzimmer steht ein alter Radiowecker, der uns die Zeit anzeigt. Außerdem mein alter iPod in einem kleinen Verstärker um uns zu wecken. Der kleine Fernseher lag bei 0,0W im Standby. Kann so bleiben.

Der Radiowecker lag bei 0,8W was zwar nicht viel klingt, aber über 1,80 Euro/Jahr nur um die Uhrzeit zu sehen? Ich bin sicher, dass ich hierfür eine bessere Lösung finden kann.

Ich bin Tipps dankbar – also sparsame Digitaluhren mit großer Anzeige, evtl. sogar als Funkuhr die sich selber stellen kann, muss aber nicht sein.

Überrascht war ich aber beim iPod. Konstant wurden hier 4,5W gezogen. Selbst wenn ich den kleinen Verstärker ausgeschaltet hatte, gingen noch 3W durch die Leitung. Das Netzteil selbst, ein universelles Netzteil als Ersatz für das defekte Originalteil, schien eine Menge Strom zu verbrauchen.

Hier muss ich mir definitiv eine Alternative überlegen. Der iPod im originalen Dock braucht nur 0,8W – 1,0W allerdings hört man so noch nichts. Ich bräuchte also noch ein paar Lautsprecher mit Verstärker die sich wirklich ausschalten lassen und dann auch wirklich keinen Strom mehr verbrauchen. Auch hier bin ich für Tipps dankbar.

Überraschungen Teil 3

Im Büro setzten sich die Überraschungen fort. Dort habe ich mehrere Akku-Ladegeräte. eines davon habe ich nur in der Steckdose, wenn ich auch Akkus lade, weil es ansonsten ständig kleine LC-Displays blau beleuchtet. Das stört und verbraucht ganz offensichtlich Strom, so habe ich den Stecker immer gezogen.

Die beiden anderen Geräte, ein Ansmann und ein IVT, sehen ungenutzt unauffällig aus. Das Ansmann zeigt dann auch 0,0W an, wie erwartet. Das IVT jedoch nimmt sich 1W auch wenn gar nichts geladen wird.

Das sind um 2,30 Euro/Jahr und ich werde definitiv alle Stecker ziehen, wenn ich keine Akkus lade.

Ein Drucker, der über WLAN verbunden ist, steht mir ebenfalls ständig zur Verfügung. Verständlich, dass dafür Strom verbraucht wird. Es hat mich aber überrascht, wie wenig Strom der Drucker dafür braucht. Mit 5,7W ist es mir tatsächlich lieber, dass Gerät eingeschaltet bleibt. Würde ich den Drucker jedes Mal einschalten wenn ich ihn bräuchte, würde das zum einen viel Zeit benötigen und es würde Tinte kosten, weil das Gerät natürlich beim Einschalten die Druckköpfe testet.

Tinte ist so ziemlich das teuerste im Büro, so sind mir die ca. 13 Euro/Jahr egal. Würden meine Tintentanks schneller leer sein wegen des ständigen Aus-/Einschaltens, wäre das sehr viel teurer.

Erschrocken haben mich aber zwei ginge im Büro:

Zum einen mein Soundworks-Verstärker. Der ist die meiste Zeit über ausgeschaltet, verbraucht aber trotzdem 4,3W. Fast 10 Euro/Jahr für ein Gerät, dass nur wenige Stunden im Monat eingeschaltet wird, wenn überhaupt. Hier ist vermutlich auch das dicke Netzteil Schuld, dass ständig Strom zieht.

Zum anderen ein Gerät, dass ich vor dem Hintergrund des Standby-Stroms überhaupt nicht auf dem Schirm hatte. Ich maß den iMac und erschrak als ich im Standby und auch im ausgeschalten Zustand fast 19W ablesen musste. Das konnte nicht stimmten, ich hatte den iMac schon früher gemessen und auch wenn ich die Werte nicht im Kopf hatte, so hoch waren sie nicht. Ich überlegte und untersuchte und kam schließlich auf die Lösung…

…Das Firewire Audio-Device! Ein RME Fireface 400 hängt per Firewire-Kabel am iMac. Kein Netzteil, Bus-Powered. Tolles Gerät nur zieht es offenbar Strom über den iMac aus der Steckdose, auch wenn der Mac im Standby oder sogar ausgeschaltet ist. Ja, das Fireface hat einen richtigen Schalter auf der Rückseite und ausgeschaltet verbraucht es auch nichts mehr – nur auf so etwas muss man erst mal kommen smile

14,2W gingen auf das Konto des Audio-Devices. Ich benötige das Gerät vielleicht ein oder zwei Mal pro Woche für ein paar Stunden und so werde ich wohl dazu übergehen, es tatsächlich komplett auszuschalten. Das sind immerhin über 30 Euro/Jahr und somit schon über 2,70 Euro/Monat die ich so sparen kann.

Die verbleibenden 4,8W für den iMac nehme ich der Bequemlichkeit zuliebe in Kauf, ich möchte den Computer nicht booten müssen – abgesehen davon verbraucht der iMac auch im ausgeschaltetem Zustand kaum weniger Strom.

fireface400 - soundworks verstärker

Ebenfalls überraschend waren die externen Festplatten. Eine gab sich mit 1,4W noch relativ sparsam, eine andere griff mit 5,6W schon ganz schön zu und der Drobo nuckelte satte 8,7W aus der Dose – wohlgemerkt, im Standby, die Platten liefen nicht und der Computer war im Standby.

Das sind 15,7W für Festplatten, während sie nicht genutzt werden. Am liebsten würde ich alle gemeinsam an eine Schaltsteckdose hängen, befürchte aber, dass ich dann einen Konflikt mit dem Computer bekommen könnte. Sollte ich den iMac aufwecken, während die Platten noch ohne Strom sind, wird das System die Platten nicht finden, eine Fehlermeldung bringen und die Geräte auswerfen. Bestimmte Programme, die auf Daten auf diesen Platten zugreifen, würden ebenfalls Fehlermeldungen werfen und Datenverluste sind vielleicht nicht ausgeschlossen. Schalte ich sie dann wieder ein, sollten sie wohl wieder gemountet werden, aber die feine Art ist das nicht.

Ich müsste also stets sicherstellen, dass ich die Platten immer mit Strom versorge bevor ich den iMac aufwecke – das wird sich kaum sicherstellen lassen. Für Ideen bin ich offen und dankbar.

Standby – Das läppert sich

Zu den genannten Geräten kommen noch Telefone, die TimeCapsule und andere hinzu. Rechne ich dann alles zusammen, komme ich auf fast 80W Standby. 24 Stunden, 7 Tage die Woche. Das sind über 180 Euro pro Jahr. Kein Kleinkram. Und da sind die Notebooks noch nicht eingerechnet, die natürlich auch ständig aufgeladen werden.

Wie schon geschrieben, werde ich diesen Wert nicht auf Null reduzieren können und wollen, dennoch sind einige Überraschungen dabei gewesen. Ein erstes Rechenbeispiel zeigte mir, dass ich um die 90 Euro/Jahr sparen könnte, wenn ich bestimmte Geräte komplett vom Strom trennen kann, wenn sie nicht benutzt werden. Vermutlich sogar noch etwas mehr, wenn ich eine sparsamere Lösung für den Radiowecker (=Uhr) und den iPod-Verstärker finden kann.

Mein Tipp also: Macht Euch mal eine Tabelle mit den Standby-Stromverbräuchen Eurer Geräte. Tragt Euren Strompreis ein und schaut mal nach, was unterm Strich raus kommt. So banal wie das alles klingt, so überrascht war ich am Ende doch.

Was sind Eure großen Standby-Verbraucher? Wie macht Ihr das mit externen Festplatten? Und habt Ihr Tipps für einen stromsparenden Verstärker für meinen iPod? Das können auch zwei simple Aktiv-Boxen mit 3,5mm Klinke sein, Hauptsache sparsam smile

9 Kommentare zu “Überraschungen beim Standby Stromverbrauch

  1. Eine ähnliche Überraschung hatte ich auch mal in Gestalt des Netzteiles eines Toshiba-Notebooks: Leistungsaufnahme wenn an 230V angeschlossen und kein Notebook angeschlossen: 23 Watt.

    Wegen der Uhr im Schlafzimmer: Muss dich unbedingt der Ipod wecken? Wir nutzen einen Radiowecker von Sony, der zieht 0,2 Watt und spielt MP3s zum Wecken. Dann könntest Du Dir ipod + Radiowecker + Verstärker sparen.

    • Nein, es muss nicht zwingend der iPod sein. Gib mir doch mal mehr Details zu dem Sony-Gerät – genaue Bezeichnung z. B. :) Wie geschrieben: Für Ideen bin ich offen.

      • Komando zurück, das Ding spielt doch keine MP3s ab…. So kann man sich täuschen, gut, er verrichtet jetzt auch schon seit 3 Jahren seinen Dienst und wir lassen uns von den Nachrichten wecken. Es ist ein XDR-C705DBP (http://www.sony.de/electronics/uhrenradios/xdr-c706dbp). Ich war der festen Überzeugung, das Ding hätte einen USB-Anschluss für MP3s… naja. Immerhin stellt er sich automatisch per DAB-Zeitsignal um.

        Es gibt praktisch den gleichen Wecker auch noch als Variante mit Ipod-Anschluss, und welche mit USB-Anschluss. Da kenne ich aber nicht die Leistungsaufnahme…

        Als ich das Ding damals gekauft habe, war ich mit meinem Leistungsmesser im örtlichen Mediamarkt. Die waren total scharf auf die Messwerte und haben alle mitgeschrieben, als ich fragte, ob ich die Leistungaufnahme im „Leerlauf“ messen dürfe.

  2. Habe alles was ich nicht ständig brauche mit einer schaltbaren Steckerleiste versehen. Damit kann ich alle Verbraucher (Stanby) spannungsrfrei schalten. Den Radionwecker durch einem LCD-Wecker mit Batterie ersetzt. Und mal ehrlich, Ich glaube bis aus den Kühlschrank und das Aquarium kannst Du Alles abschalten, wenn Du es nicht benutzt.

  3. Einige Zeit vor der EU-Verordnung über den jetzt limitierten Standby-Verbrauch von Elektrogeräten kam ich auf 60W(!) Standby für TV, Sat-Receiver, VHS, DVD. Die Geräte konnte man auch gar nicht „weiter“ ausschalten, weil ihr Trafo auf der „falschen“ Seite des Netzschalters angebracht war.

    Eine Steckerleiste zu benutzen war dann die naheliegende Lösung. Bei neuen Geräten ist es mittlerweile nicht mehr notwendig, weil sie weniger als 0,1W im Standby verbrauchen.

  4. Auf die Gefahr hin, dass ich Dir als Technik-Junky jetzt Freizeit stehle: Schau Dir mal FHEM an. Damit kannst Du richtig viel (alles?) automatisieren. Ob und wann sich das amotisiert bleibt Dir überlassen. Wenn Du aber schon dabei bist ein wenig Bequemlichkeit reinzubringen, steigt auch der WAF.
    Ich habe z. B. Tasten für verschiedene Zustände wie schlafen, zuhause, Arbeit, Urlaub. Darüber werden Verbraucher entsprechend abgeschaltet und Heizungen runtergefahren. Natürlich kannst Du darüber auch andere tolle Dinge machen. Bei mir läuft z. B. die Gartenbewässerung darüber. Meine Backup-HDDs, die extern am NAS hängen schalten sich 15 Min. vor den Backupzyklen ein und ca. 1 Stunde danach aus. Dafür habe ich natürlich meine Backuolaufzeiten erstmal analysieren müssen.

    Bzgl. Deiner IMac-Geschichte könntest Du entweder mit einem Slave-Master-Schalter arbeiten – so er denn so fein anspringt oder Du nutzt einen Schaltaktor, der auch Energiemessung beherrscht (z. B. HomeMatic) und hängst den an Deinen IMac. Sobald der aufwacht erkennt FHEM, dass der Verbrauch hochgeht und schaltet über einen 2. Aktor Deine Festplatten ein. Zu prüfen ist hier natürlich, ob das zeitlich noch reicht um die Platten in OSX zu erkennen.
    Achtung: Diese Aktoren verbrauchen selbst ca. 0,5 W.

    Vielleicht gibt Dir das ja ein paar Hinweise auf Möglichkeiten.

    Hier kannst Du schauen. Aber nur, wenn Du weiterhin podcastest und das nicht hieran scheitern lässt: http://fhem.de

  5. Ich achte da auch immer drauf. Der letzte Test ist nun aber schon über ein Jahr her. Die großen Geräte wie TV haben einen AUS-Schalter an der Mehrfachleiste. Nur der Receiver nicht, der sonst 2min zum Booten jeden Abend braucht. Das ist mir zu lag ;) Außerdem kann er ja dann nichts mehr Nachts aufnehmen.
    Ansonsten hab ich vor erst einem halben Jahr erneut alle Lampen geprüft. Die 3 größten Lichtquellen (Flur, Wohnzimmer und Arbeitszimmer) hatten tatsächlich noch ne 60 Watt Birne drin! Inzwischen sind dort 8 Watt LED-Lampen drin, die auch die gleiche Helligkeit und Wärme erzeugen. 24 Watt gegen 180 Watt. Schon heftig!

  6. Pingback: 2014 – Mein Jahr | Ansichten

  7. Die meisten wissen nicht wie man das errechnet… Hoffentlich wird nun einigen klar, dass die meisten StandBy-Geräte nur wenige Cents pro Jahr überhaupt verbrauchen… auch wenn die Hersteller es einem ja anders klarmachen wollen…

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