Fotos in Windows nicht intuitiv?

Nein ich möchte kein Öl ins Feuer gießen, keine Streitereien anfangen oder ein System über das andere loben. Ich möchte einfach mal meine Erfahrungen als Fotograf schildern – genauer, Erfahrungen meiner Kunden.

Ich weiß, dass man für die Nutzung eines Computers ein gewisses Grundmaß an Schulung voraussetzen sollte. Dennoch sind es immer wieder die Windows-Anwender unter meinen Kunden, die Probleme haben.

Bilder zu groß, Download unklar

Ein aktueller Fall, der so nicht nur einmal aufgetreten ist:

Ich schicke dem Kunden einen Link zu einer ZIP-Datei, in der alle Fotos des Shootings in voller Auflösung enthalten sind. Der Kunde bezahlt für die beste Qualität, also bekommt er die auch. Normalerweise sollte das kein Problem sein: Link anklicken, Datei wird geladen und oft bereits automatisch entpackt oder geöffnet, Bilder können angesehen werden. Aber so einfach ist es offenbar nicht immer.

mehr nach dem Klick
 

Windows XP: Der Kunde klickt den Link in der E-Mail und offenbar wird auch etwas herunter geladen. Es wird offenbar auch ein Fenster geöffnet und der Kunde kann die einzelnen Bilder anklicken. Doch spätestens jetzt klingelt oft mein Telefon:

  • „Ich kann die Bilder nicht ganz sehen“. Die Bilder werden nicht für die Darstellung am Monitor skaliert. Bei einer hohen Bildauflösung sieht der Kunde also nur einen Teil des Bildes. Ob da Scrollbalken auftauchen kann ich nicht sagen aber selbst wenn, ist das für den Kunden unpraktisch. Eine Funktion zum verkleinern des Bildes kann der Kunde nicht entdecken.
  • „Muss ich jetzt jedes mal so lange warten, wenn ich die Bilder noch mal angucken möchte?“. Beim Klick auf den Link wurde das ZIP natürlich herunter geladen, der Kunde weiß das nur nicht und schon gar nicht weiß er, wo das gespeichert wurde. Unter Windows ist es oft in einem Temp-Verzeichnis, dass sich tief in einer Verzeichnisstruktur versteckt. Ich versuche zu erklären, dass man den Link mit der rechten Maustaste drücken kann um das Ziel in einem Wunsch-Verzeichnis zu speichern, am Ende funktioniert das aber auch nicht immer erfolgreich.
  • „Ich habe den Link noch einmal angeklickt, da kommt eine Fehlermeldung“. Als Fehlermeldung bekomme ich oft nur einen Teil eines Verzeichnis-Pfades vorgelesen – der Pfad zum Temp-Verzeichnis, der aber wohl abgeschnitten ist, nicht ganz auf den Bildschirm oder in den Dialog passt oder was auch immer. Der Kunde ist jedenfalls überfordert, kann die Bilder nicht noch einmal laden, weiß nicht was zu tun ist. Ohne Fernwartung sitze ich mit einem großen Fragezeichen im Kopf am Telefon.

Ich weiß ja auch, dass Windows XP schon sehr alt ist aber ist das wirklich so schwer sich Fotos damit anzugucken? Ich hatte früher auch XP und kam damit eigentlich gut zurecht, ich bin allerdings auch kein Maßstab für den normalen Anwender, da ich seit dem C-64 über MS-DOS, Windows 3.0/95/NT4/Millenium/2000/XP und auch OS/2 schon vieles gesehen und bedienen gelernt habe.

Und am Mac?

„Normale“ Kunden mit Mac habe ich bisher eher nicht gehabt, die meisten Mac-Nutzer kannten sich unabhängig vom System ganz gut mit Computern aus, daher ist das wohl eher kein Maßstab für einen fairen Vergleich.

Am Mac würde die ZIP-Datei allerdings in das „Downloads“-Verzeichnis gespeichert und dort ggf. sogar automatisch entpackt werden. Die geladenen Dateien wären dann über den Finder schnell erreichbar (Download-Ordner ist links in der Ordnerliste eingetragen). Über das Dock ist es sogar nur ein Klick, da der letzte Download ganz oben auf dem Download-Stapel liegt. Im Finder selbst bräuchte man nur die Leertaste auf einer Datei drücken um eine verkleinerte Darstellung des Bildes zu sehen. Mit den Cursortasten blättern man dann schnell durch die Aufnahmen. Oder man schaltet den Finder in die Coverflow-Darstellung und blättert einfach mit dem Mausrad durch die Bilder.

iPhoto ist kostenlos mit dabei und bisher habe ich noch keinen Anwender kennen gelernt, der es nicht geschafft hätte, geladene oder selbst erstellte Fotos nach iPhoto einzulesen um sie dort zu verwalten.

Fazit

Meine Lösung bei solchen Fällen sieht dann normalerweise so aus, dass ich die Fotos bei einem Online-Dienst wie pictrs.com oder fotograf.de ablege und den Link zur Galerie an den Kunden schicke. Dort kann der Kunde einfach im Web-Browser durch die Fotos blättern und sich auch gleich Abzüge bestellen. Auf Wunsch gibt es natürlich auch eine CD/DVD mit allen Aufnahmen.

Mit Windows7 könnte das wohl etwas einfacher werden, hoffe ich. Aber bis alle auf das aktuelle System aktualisiert haben, wird wohl noch etwas Zeit vergehen.

Wie sind Eure Erfahrungen und wie lasst Ihr Euren Kunden die Fotos zukommen?

4 Kommentare zu “Fotos in Windows nicht intuitiv?

  1. Hey Boris, das kommt mir sehr bekannt vor. Ich fotografiere zwar wahrscheinlich nicht so viel wie Du und wahrscheinlich noch viel weniger „im Auftrag“, aber wenn man dann mal jemandem Bilder zukommen lassen muss bzw. will …dafür scheint es keinen Königsweg zu geben. In letzter Zeit habe ich sogar wieder öfters CDs bzw. DVDs gebrannt und mit der Post verschickt, damit ich wenigstens keine „komplizierten“ Downloads erklären muss. Tatsächlich: Zip File-Handling scheint manchen Leuten nicht so wirklich geläufig zu sein.
    Mit einem echten physischen Datenträger isses dann für die meisten derer, mit denen ich zu tun habe, kein Problem mehr – inzwischen scheinen sie alle Windows „so weit“ zu beherrschen. Oder vielleicht gucken sie sich die Bilder auch mit dem DVD-Player an; das weiß ich nicht einmal.

    Für manche Zwecke habe ich auch eine eigene Web-Galerie parat, die ich „kostenlos“ auf einem Rechner in meinem Wohnzimmer, der eh‘ 24×7 läuft, per Coppermine in einer LAMP-Umgebung betreibe. Der Vorteil: Ich kriege die Bilder da recht schnell per Batch Update reingeladen, habe „quasi unendlich“ Speicherplatz dort, und die Leute können sie sich über den Browser ansehen und bei Gefallen einzeln runterladen. Der Nachteil: Läuft über meinen DSL-Upstream und ist darum relativ langsam bzw. verkraftet nicht so viele gleichzeitige User.

    Funktioniert aber anscheinend ganz gut, wenn ich bei Hochzeiten/Geburtstagen/Abifeiern eine DVD an „den Auftraggeber“ schicke und den anderen Gäasten eine Info (Passwort) für die Galerie an die Hand gebe. Nicht zuletzt kann „der Auftraggeber“ die Bilder dann ja eh‘ weiterverteilen, sofern er das technisch auf die Reihe kriegt, und damit wären wir wieder bei einem ähnlichen wie dem ursprünglichen Problem :-)

  2. Kenne das gut, allerdings von grafiken statt Fotos. Der Härtefall war dann als ich selbst keine Lust mehr auf Erklärungen hatte und einfach mit dem usb-stick zum kunden gefahren bin um es ihm aufs Desktop zu legen.
    Aber werde mal die o. g. Dienste ausprobieren.

  3. Ich würde eher behaupten nicht der umgang mit Bildern sondern mit Zip-dateien ist nicht intuitiv. Der interne Bildbetrachter von Windows XP funktioniert eigentlich sehr gut. Bilder werden auf Bildschirmgröße skaliert und die Druckfunktion ist auch praktisch für den normalen Anwender. Da habe ich mit einem alten OS X mehr probleme.
    Warum das Temp-Download Verzeichnis bei Windows so versteckt liegt habe ich auch nicht verstanden.

    Gruß
    Rainer

  4. Hi Boris,

    die Verständnis-Problematik können wir mit fotograf.de natürlich nur schwer adressieren.
    Hast du aber schon unsere neue Shop-Ansicht gesehen? Gäste/Besucher/Kunden haben bei uns inzwischen die Möglichkeit, nur die gewünschten Fotos vorab auszuwählen und kostenlos herunter zu laden. Hiermit lässt sich insbesondere auf Events die Problematik der Verteilung von Fotos sehr gut adressieren.

    Ein Beispiel hierfür ist http://roman-thomas.fotograf.de – Roman Thomas bietet hier die Fotos des iF design awards für sehr viele Gäste kostenlos zum Download an.

    Grüße
    Markus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.