Kernfrage: 2, 4, 8 – Lohnt sich das?

Da ich in den letzten Wochen immer mal wieder nach den Vorzügen von mehreren Kernen gefragt werden, möchte ich meine Gedanken an dieser Stelle mal kurz niederschreiben.

Auslöser für diese Fragen war natürlich die Vorstellung der neuen Intel-Prozessoren: i5 und i7. Ich muss voraus schicken, dass ich in diesen Prozessordetails nicht mehr sehr tief drin stecke, ich kann Euch als nicht die Leiterbahnenunterschiede herunter beten, keine Taktfrequenzen auflisten oder die präzisen CPU-Namen und -Nummern nennen. Ich habe aber so viel verstanden, dass der gängige i5 über 4 Kerne verfügt. Der i7 besitzt ebenfalls 4 Kerne die aber allesamt das „Hyperthreading“ unterstützen, weshalb sich der i7 am System als 8-Kern-CPU meldet. Intel scheint allerdings einen Clown gefrühstückt zu haben und daher wird es in Zukunft zu einigen Verwirrungen kommen. Soweit ich gehört habe, soll es wohl bald eine CPU mit echten 6 Kernen geben die aber ebenfalls i7 genannt wird – nur mit einem Buchstabenzusatz wie einem „X“. Auf der anderen Seite soll es wohl auch i5 CPUs mit nur 2 Kernen geben. Man darf gespannt sein. Ich gehe hier aber von mindestens 4 Kernen aus.

Nun ist es ja so, dass ein Computer die meiste Zeit auf den Anwender wartet. Das war schon immer so und bezieht sich nicht nur auf die Zeiten, zu denen man selbst gar nicht vor dem Rechner sitzt. Nein, auch wenn man gerade einen Text schreibt gehen die meisten Taktzyklen für das warten auf den nächsten Tastenschlag verloren – auch wenn Ihr über 400 Anschläge in der Minute schafft. Die meiste Zeit dreht so ein Rechner also Warteschleifen, guckt nach neuer Mail oder aktualisiert den Twitter-Feed. Stellt sich also die Frage, ob ein i7 im Gegansatz zum Core2Duo (c2d) überhaupt etwas bringt oder ob er einfach nur „schneller“ wartet?

Naja, es wird schon bei meisten so sein, dass sich der i7 in über 80% der Zeit einfach nur „ausruht“ oder nach neuen Mails guckt. Aber ist das wirklich relevant?
Interessant ist doch:
– Was passiert in den anderen 20%?
– Wie viel Zeit definieren die 100%?

Nur mal angenommen man kommt von einem Fotoauftrag nach Hause und importiert ~1000 RAW-Fotos auf den Mac und lässt dann 1:1 Vorschauen rendern zum schnellen durchsehen und selektieren. Mit 8 Kernen (4 echten, 4 virtuelle) geht das sicher deutlich schneller als mit 2. Soweit ich weiß nutzen sowohl Lightroom als auch Aperture mehr Kerne. Auch wenn man hinterher z.B. 300 Bilder für den Kunden exportiert, dürfte das in einem Bruchteil der Zeit erledigt sein (i7 gegen c2d). Das mag im Einzelfall vielleicht nur wenige Tage im Monat betreffen, DANN aber ist man froh um jede Zeitersparnis.

Oder nehmen wir mal Audio-Aufnahmen. Normalerweise reichen sehr einfache Rechner für so etwas völlig aus – aber es gibt da durchaus Fälle bei denen man mehr Leistung benötigt als man glauben würde. Ich hätte auch nie glauben wollen, dass mich eine Podcast-Aufzeichnung an das c2d Limit bringen könnte. „Schuld“ daran mag durchaus Skype sein aber daran kann ich nichts ändern. Ich habe ein virtuelles Audio-Device mit Wiretap-Anywhere laufen um mein Mikro (vom externen Sounddevice), Skype und extra Audio (z.B. von Quicktime) auf getrennte Spuren in Garageband aufzunehmen. Während also das Gespräch in Skype läuft und Garageband alles aufzeichnet gehen meine zwei CPU sehr oft bis an den Anschlag. Gut, es ist nur ein c2d 2,16GHz, aber erwartet hätte man das trotzdem nicht. Das wäre auch nicht schlimm, wenn es denn nicht immer mal wieder zu Abbrüchen wg. zu knapper Leistung kommen würde.
Ein i5 oder i7 hätte mehr Leistungsreserven für die einzelnen Tasks zur Verfügung.

Es müssen also nicht immer aufwendige 3D-Film-Berechnungen oder HD-Videoschnitt sein. Auch bei „kleineren“ Aufgaben freut man sich über mehr Leistung. Daher schiele ich auch auf den i7. Gäbe es den 27″ in matt hätte ich ihn vermutlich schon – aber das ist ein anderes Thema.

Auf der anderen Seite steht natürlich auch der Stromverbrauch. Eine einfache Rechnung besagt, dass 4 Kerne mehr Strom benötigen als 2 und die Zahlen der Datenblätter belegen dies auch. Allerdings zeigen die Datenblätter normalerweise nicht die Werte, wie sie im normalen Alltag auftreten sondern sie gehen eher von Maximalwerten aus (Sollte das nicht so sein bitte ich um Korrektur).
Ich stelle mir also die Frage: Wie viel Strom verbraucht ein 27″ iMac bei normalen Arbeiten, also z.B. wenn nur Mail und Browser laufen, und unter Last, also z.B. beim importieren von Bildern in Lightroom? Das würde ich zu gerne mal vergleichen mit entsprechenden iMacs die mit einem c2d, einem i5 und einem i7 ausgestattet sind.
Wenn DU einen solchen iMac und ein Messgerät wie das Energy3000 oder ähnlich besitzt, dann miss doch mal und schicke mir Deine Werte als Kommentar zu diesem Beitrag. Bitte schreibe dazu was für ein iMac 27″ es ist (also mit welcher CPU) und stelle die Beleuchtung auf einen mittleren Wert (der Monitor wird ein großer Verbraucher sein).

Was ich also zu sagen versuche ist, dass man eine höhere Leistung nicht jeden Tag für 10 Stunden am Stück benötigt sondern vielleicht nur alle paar Tage für 1-2 Stunden im Schnitt. Dann aber kann so ein Gewinn an Leistung eine Nutzung robuster gestalten (z.B. weil eine Audioaufnahme nicht einfach abbricht) oder Zeit sparen (wenn man mit dem Bilder sichten sofort anfangen kann).
Ob man die Leistung dann wirklich benötigt oder sie einem nur die Teepause klaut, dass muss jeder selbst für seinen ganz persönlichen Arbeitsablauf entscheiden.

1 Kommentar zu “Kernfrage: 2, 4, 8 – Lohnt sich das?

  1. Hallo Boris,

    das Interessante an den neuen Intel CPU’s ist, dass diese erkennen, ob mehrere Kerne gebraucht werden oder eben nicht. Wenn diese nicht gebraucht werden, dann werden die quasi ‚runtergefahren‘, um Strom zu sparen und – jetzt kommt der Knaller – um eine thermische Reserve zu erzeugen, damit die verbleibenden Kerne (die etwas zu tun haben) schneller takten können.

    Es profitieren also unterschiedliche Arten von Applikationen: Die, die schon MulitCore können und die, die es nicht können.

    Zudem enthalten die neuen Intel CPU’s schon Speichercontroller und zum Teil auch Grafikkarte. Dadurch sollte der Stromverbrauch, zumindest wenn nicht permantent auf 100% gefahren wird, unterhalb der Verlustleistung der alten CPU Generation liegen. Messwerte kann ich leider nicht liefern.

    Viele Grüße,
    Sven

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.