Deutsche Kinderhilfe ist für Internetsperren – Hintergründe

Nachträge: 1 – Link zur Unterschriftenliste der Kinderhilfe. und Bitte um Mithilfe im BVB-Forum um Aufklärung, damit die Fans nicht für fragwürdige Zwecke missbraucht werden. (Link siehe Ende des Artikels)

Nun wurde ich ja richtig neugierig. Ich musste lesen, dass die Deutsche Kinderhilfe eine große Gegenaktion geplant und gestartet hat. Man möchte im großen Stil Stimmen/Unterschriften FÜR die geplanten Internetsperren sammeln. Mindestens 100.000 sollen es werden. Die sollen dann natürlich schwerer wiegen als die inzwischen über 80.000 Unterschriften der Petition GEGEN die Internetsperren.

Ich bin immer für eine offene Diskussion und beide Seiten gehören angehört und beleuchtet.

Was mich aber wahnsinnig macht, und was mir inzwischen ein gewisses Grundverständnis für Amokläufer eingebracht hat, ist die Art und Weise wie die Befürworter der Internetsperren vorgehen.

Ausführlicher Kommentar zur Deutschen Kinderhilfe nach dem Klick

Die Deutsche Kinderhilfe hat die Aktion gestartet mit dem Titel „Stoppt Kinderpornografie im Internet“. Man kann sich in etwa ausmalen wie die Umfragen abgelaufen sind und ablaufen werden: „Entschuldigen Sie, sind sie gegen Kinderporno im Internet? Bitte hier unterschreiben.“ Und da hier eine Organisation am Werke ist, hat man natürlich Mitarbeiter um diese in Fußgängerzonen und vor Fußballstadien zu stellen. Verstärkt wird der Verdacht der Oberflächlichkeit und bewussten Falschinformation der Unterzeichner durch ein Interview mit Georg Ehrmann (Vorstandsvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe)
Um es mal deutlich zu sagen: Die Gegner der Internetsperre verfolgen das selbe Ziel! Kinderpornografie ist illegal und gehört vom Netz genommen. Wir sind uns einig über den Inhalt…
Uneinig sind wir uns bei den Mitteln.

Hürden nehmen bei der Online-Petition
Um die Onine-Petition zu unterzeichnen mussten die Bürger über diese überhaupt mal informiert werden. Es konnte also nur unterzeichnen, wer davon über Twitter, E-Mail oder Blogs erfahren hat. Dies allein ist schon eine Hürde.
Bei der Online-Petition mussten sich die Mitzeichner außerdem zunächst registrieren, eine kryptische Zeichenfolge korrekt eingeben, eine E-Mail abwarten (und ggf. aus dem Spam-Filter holen), sich dann erneut bei der Petition anmelden wobei allerdings nicht angegebene Nutzername sondern eine zugeteilte Nutzernummer zu verwenden ist und dann erst kann man unterschreiben. Viele haben dies nicht gemacht weil sie Angst hatten ihre kompletten persönlichen Daten auf einem fremden Server zu hinterlegen. Andere hatten Angst, dass sie mit der Unterschrift pauschal als Kinderschänder verurteilt würden und mit Durchsuchungen zu rechnen haben. Das ist zwar Unsinn, aber allein die Tatsache, dass diese Angst kursiert, spricht Bände gegen unsere Regierung.

Trotzdem kamen in nicht einmal einer Woche die erforderlichen 50.000 Stimmen zusammen. Viele haben anschließend Abstand davon genommen dort noch mitzuzeichnen weil „das Ziel“ ja erreicht war: Genug Stimmen für eine öffentliche Anhörung im Bundestag. Ich wünschte, man hätte glaubhaft machen können, dass mindestens 200.000 Stimmen nötig wären – man hätte es vermutlich locker geschafft. So aber sank die Geschwindigkeit mit der neue Unterschriften hinzu kamen (und noch immer kommen).

Deutsche Kinderhilfe sammelt eigene Stimmen
Einfacher hat es die DKH die sich zu den potentiellen Unterschreiben begibt und dort auf Unterschriftenfang gehen kann. Im Gegensatz zu den Unterzeichnern der Online-Petition gegen die Sperren ist die DKH organisiert und kann mit Personal gezielt vorgehen. Sie müssen dem Unterzeichner nicht zeigen wie viele Stimmen sie schon haben und wie viele sie „benötigen“.
Im Gegensatz zur Online-Petition müssen sie auch keine Bürger aufklären. Es genügen platte, abgedroschene Aussagen. Es ist in wenigen Sekunden gefragt: „Möchten Sie Kinderporno aus dem Internet verbannen?“. Es dauert aber ein wenig länger zu erklären, dass die geplanten Mittel das Ziel überhaupt nicht erreichen aber sehr wohl Tür und Tor für viel weitreichendere Schritte öffnen. Es dauert länger zu erklären, dass diese Inhalte, über die gesprochen wird, schon längst illegal sind, dass Beispiele aus Dänemark zeigen, wie leicht man die Server, weltweit, still legen kann – mit bestehenden Mitteln, ohne in das Grundgesetz einzugreifen. Es dauert länger zu erklären, dass die Polizei in Schweden die Wirksamkeit der dort eingeführten Sperren stark in Frage stellt.

Wer ist eigentlich die Deutsche Kinderhilfe?
Da frage ich mich doch, wer diese Deutsche Kinderhilfe eigentlich ist. Irgendwie klingelt der Name aus verschiedenen Nachrichten in meinem Kopf. Und tatsächlich ist die DKH schon mehrfach negativ in der Presse aufgetaucht. Da ging es um hohe Personalkosten, fehlende Bilanzprüfungen und Unklarheiten im Umgang mit Spendengeldern – und mehr (hier ein Quelle)
Wie hängt die DKH denn jetzt eigentlich zusammen mit – ja mit wem eigentlich? Ist es eine unabhängige Organisation oder nicht? Nun – offenbar nicht (Quelle)

Ich habe mir also mal das Impressum der DKH angeschaut und staunte nicht schlecht:
Der Hauptsitz ist

Deutsche Kinderhilfe e.V.
Haus der Bundespressekonferenz
Schiffbauerdamm 40
10117 Berlin

Die Kinderhilfe beteuert also, politisch vollkommen unabhängig zu arbeiten, sitzt aber im Haus der Bundespressekonferenz, ganz in der Nähe vom Reichstag. Kurze Dienstwege für die nicht vorhandene politische Abhängigkeit? Hier ein Link zu Google-Maps.

Ich kann nur hoffen, dass möglichst viele Bürger erfahren wer oder was die Deutsche Kinderhilfe ist, sich eigene Gedanken dazu macht und dann erst einmal die Hintergründe erfragt bevor blind etwas unterschrieben wird, was einem später noch Leid tun könnte (und meiner Meinung wird es das).

was tun gegen die geplanten Internetsperren?
Bitte helft mit. Tut etwas!
Informiert so viele Leute wie Ihr könnt. Seid offen. Erklärt ihnen die Hintergründe. Gebt Ihnen Links oder von mir aus auch Ausdrucke an die Hand. Dann soll jeder selbst entscheiden.

Wer GEGEN die Internetsperren ist kann folgendes tun:

  • Die Online-Peition unterzeichnen. Auch wenn es aufwendig ist, auch wenn es schon über 50.000 Stimmen sind. Es kann nicht schaden wenn es viele hunderttausend werden. Je mehr, desto besser.
  • MOGIS, der Verband der „Missbrauchsopfer gegen Internetsperren“ (richtig gelesen: Die Opfer sind selbst GEGEN diese unnützen aber gefährlichen Maßnahmen) bittet auch um DEINE Mithilfe.
  • Falls Ihr selber Kinder habt, dann meldet Euch mal bei Hanno. Er sammelt Unterschriften von Eltern mit Interneterfahrung gegen diese Sperren.
  • Und vor allem: Erklärt den Leuten, dass „GEGEN Internetsperrlisten“ nicht bedeutet, dass man für Kinderpornografie ist. Wir fordern: Bestehende Gesetze anwenden, Provider anschreiben um solche Seiten vom Netz zu nehmen, Zahlungsverkehr bei den Händler kontrollieren und die Täter fassen. Wenn es doch angeblich ein Millionengeschäft ist, dann muss ja irgendwo Geld fließen. Und da die Seiten ja offenbar bekannt sind… Bisher hat noch kein Politiker erklären können, warum dies ein Problem darstellen sollte. Außer pauschalen Aussagen wie „in vielen Ländern gibt es keine handhabe“ die allerdings längst widerlegt sind.

Also sitzt da nicht untätig rum sondern kümmert Euch. Außerdem sind in Kürze Europawahlen – und später Bundestagswahlen. GEHT ZUR WAHL!!! Nicht wählen und auch ungültige Stimmen sind keine Hilfe. Wählt stattdessen gegen die Großen. Sie haben den Denkzettel für die ständigen Rechtsverstöße verdient. Schaut Euch mal den Wahl-o-Mat an. Ich war erstaunt wie viel „Pirat“ in mir steckt. Die Piratenpartei braucht auch in vielen Bundesländern noch Unterschriften von Bürgern um zur Bundestagswahl zugelassen zu werden. Ich weiß nicht, ob die Piraten die Lösung sind – aber mal ganz ehrlich: CDU/CSU, SPD, FDP, Grüne – Wer möchte unsere Grundrechte geschützt wissen? Die Piraten werden sicher keine absolute Mehrheit bekommen – aber wenn genügend Stimmen für ein Kontra zusammen kommen, dann gäbe es vielleicht Abgeordnete im Bundestag, die etwas von den neuen Medien verstehen und Experten mehr Redezeit als 1 Minute zugestehen.

Nachtrag 1: Hier eine schöne Übersicht. Welche Partei hat bei Überwachungsgesetzen wie abgestimmt.

Nachtrag 1: Die Umfrage-Liste der DKH: Es tut fast weh wenn man Recht behält. Hier die Liste der Deutschen Kinderhilfe (PDF) mit der u.a. vor Fußballstadien auf Stimmenfang gegangen werden soll. Ich zitiere die plakative Überschrift: „Kampf gegen Kinder“pornografie“ – [x] Ja, ich stimme für das Gesetz gegen Kinder“pornografie“ im Internet.
Na, was hab ich gesagt? Diese Überschrift ist nicht nur irreführend sondern auch noch falsch.
a) Es gibt bereits ein Gesetz gegen Kinderpornografie (ich weiß nicht, warum es bei DKH in Anführungszeichen gesetzt wird?) welche das Internet NICHT ausklammert (§184b)
b) Das Gesetz, dass die Unterzeichner hier unterschreiben, wird keinen einzigen Anbieter tangieren sondern alle Internetnutzer pauschal verdächtigen. Wehe dem, der auf ein Stoppschild gerät. Wie dies geschieht ist egal – dann: „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“.
Ich bezweifle aufrichtig, dass den Bürgern, die dort mal eben einen Namen hinkritzeln sollen, offen erklärt wird, mit welchen Maßnahmen das Gesetz angeblich gegen Kinderpornografie vorgehen möchte.

Im BVB-Forum versucht man aufzuklären. Bitte hilf auch dort mit und erkläre die Hintergründe, sende Links zu Quellen, Kläre möglichst viele Fans auf damit sie nicht von dieser Organisation missbraucht werden.

Tut etwas. Jetzt.

Alle Beiträge zu diesem Thema in meinem Blog

3 Kommentare zu “Deutsche Kinderhilfe ist für Internetsperren – Hintergründe

  1. Christoph

    http://bit.ly/70Exy Hier eine Liste um offline die Petition zu unterstützen!!!

  2. Pingback: Totschlagargumente für Zensur | Oberlehrer

  3. Pingback: Zensurmenschen « Zivilschein

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