Facebook verlassen und dann? MeWe als Alternative

Facebook nervt zunehmend. Das sage ich und das sagen immer mehr Nutzer. Aus verschiedenen Gründen.

tl;dr; – MeWe ist kostenlos und trotzdem verkaufen sie keine Daten sondern bieten kostenpflichtige Erweiterungen und Zugänge für Nutzung in Unternehmen als Geschäftsmodell. Im Gegensatz zu Vero bietet es auch eine Web-Oberfläche und lässt sich ähnlich wie Facebook nutzen. Es gibt Gruppen, Chat, Umfragen, Veranstaltungskalender, Sprachnachrichten und mehr. 

Nach dem letzten Skandal um Nutzerdaten, die an Cambridge-Analytica gegangen waren und nicht gelöscht sondern mutmaßlich für einen Pro-Trump-Wahlkampf verwendet sein sollen, macht das Hashtag #deletefacebook die Runde auf diversen Social-Media-Kanälen.

Es gibt mehrere Gründe um Facebook zu verlassen. Die Frage ist nur: Wohin gehen wir dann? Facebook funktioniert, weil „alle“ dort sind und darum haben Alternativen es schwer.

Ich versuche es trotzdem mal. Auf MeWe. Über meine Gründe und Vero vs. MeWe, lest Ihr nach dem Klick

Gründe gegen Facebook

Nutzerdaten und Datenschutz?

Der oben angesprochene Skandal um unrechtmäßig verteilte Nutzerdaten ist nur eine Meldung von verschiedenen in der Vergangenheit. Ich bin dafür, dass Datenschutz eingehalten wird, keine Frage. Ich wundere mich bei so einem Social-Media-Plattform-Anbieter aber nicht, dass Daten weitergegeben werden – Das ist das Geschäftsmodell von Facebook.

Facebook ist für den Nutzer kostenlos, im Sinne von: Man bezahlt kein Geld. Facebook muss aber Geld verdienen und tut das mit den Daten seiner Nutzer. Diese werden für zielgerichtete Werbeanzeigen verwendet und, da bin ich ziemlich sicher, für Geld an andere Datenhändler verkauft.

Mir ist schon klar, dass viele Anwender dieses Konzept nicht verinnerlichen oder die Tragweite nicht ermessen können und dann überrascht von solchen Skandalen sind.

Es für mich trotzdem nicht der primäre Grund Facebook verlassen zu wollen…

Darstellung nicht mehr chronologisch

Facebook hat es mir immer schwerer gemacht, meinen „News Feed“ chronologisch anzuzeigen. Früher konnte man wählen, ob man wichtige Meldungen sehen wollte oder die neuesten. Bei letzterem wurden die Beiträge in zeitlich korrekter Reihenfolge angezeigt, die neuesten Beiträge oben.

Diese Option gibt es noch immer, nur vergisst Facebook sie bei mir immer wieder. Zuletzt war nahezu bei jedem Aufruf der Webseite die Anzeige wieder auf „Top Meldungen“, oft wurde es auch während der Nutzung umgestellt und ich war es Leid es jedes mal wieder umzustellen. Facebook hatte gewonnen, ich las, was mir vorsortiert wurde.

Das nervte und nervt mich weil:

  • Es kommt vor, dass ich Beiträge zu Veranstaltungen sehe, wenn diese schon vorbei sind.
  • Ich bekomme längst nicht alles zu sehen, was mir wichtig wäre. Oft erfahre ich nicht wenn Bekannte eine Frage hatten wo ich hätte helfen können, bekomme Planungen von Veranstaltungen nicht mit und wundere mich nach Wochen, wenn ich Freunde persönlich treffe, warum sie nichts vom neuen Pferd, Hund, Haus, Auto geschrieben hatten… doch, hatten sie, ich bekam es nur nicht zu sehen

Reichweite

Diese Filterung von Facebook schränkt die Reichweite also schon im privaten Umfeld stark ein und so verpasse ich immer wieder für mich interessante Nachrichten von Bekannten.

Noch schlimmer ist das aber im Geschäftsumfeld. Wenn ich über meine Facebook-Seite auf eine neue Podcast-Episode, ein Workshop-Angebot oder Hörertreffen hinweise, dann ist die Reichweite lächerlich gering. Wenn 700 Fans die Seite abonniert haben ist das schon ein Schlag ins Gesicht, wenn Facebook mir unter einem Beitrag schreibt, dass 23 Personen erreicht wurden. Da kann ich mir die Zeit zum Schreiben des Beitrags auch direkt sparen.

Der Grund ist natürlich, dass Facebook hier noch mal zusätzlich Geld verdienen möchte. Ich könnte einen zwei- oder dreistelligen Euro-Betrag an Facebook überweisen um einen Beitrag zu bewerben, für jeden Beitrag versteht sich. Dann geht die Reichweite hoch, je mehr Geld ich einwerfe, desto mehr Nutzern wird dieser in deren Zeitstrahl angezeigt, mit dem Vermerk, dass dieser bezahlt wurde.

Facebook verwendet also nicht nur die Informationen über mich, meine Freunde und über alles was ich dort schreibe, sondern sie möchten zusätzlich Geld, damit meine Freunde meine Beiträge überhaupt zu sehen bekommen.

Präsentation, Bedienung

Die Facebook-Seite sieht im Großen und Ganz seit sehr vielen Jahren gleich aus. Kleinere Anpassungen hier, abgerundete Eingabefelder dort aber keine Änderungen am eigentlichen Konzept.

Ich finde die Darstellung von Bildern nicht schön. Bei Videos kann es nerven, dass ein Klick das Video starten und stoppen kann aber irgendwie auch dazu führen kann, dass es als Vollbild gezeigt wird.

Richtig chaotisch wird es, wenn ein Beitrag mehrere Kommentare bekommt und auf Kommentare noch geantwortet wird.

Dann erhalte ich zwar eine Benachrichtigung, dass jemand kommentiert hat. Ich sehe an der Benachrichtigung aber nicht, zu welchem Beitrag kommentiert wurde. Und natürlich sehe ich in der Benachrichtigung auch nicht den Kommentar selbst, das wäre ja zu praktisch.

Also klicke ich auf die Benachrichtigung und gelange dann zum Kommentar. Gut. Aber das klappt nicht immer! Werden es mehr Antworten und war es ein Beitrag auf meiner Seite, dann geleitet mich Facebook nur noch zum Beitrag mit zugeklappten Antworten. Da steht dann zum Beispiel: „54 Kommentare“. Toll. Die darf ich jetzt aufklappen, nachladen weil ja nicht alle auf einmal gezeigt werden, alle Antworten aufklappen bis ich vielleicht den Kommentar finde, den ich noch nicht kannte?! Wie bescheuert ist das bitte?

Und wenn mich jemand über die Seite antextet der nicht über meinen Privat-Zugang mit mir befreundet ist, dann ist durchaus möglich, dass ich das nicht mitbekomme. Entweder geht es in den Benachrichtigungen unter oder wird mir gar nicht erst angezeigt.

Immer häufiger habe ich außerdem das Problem, dass Beiträge im Browser verschwinden während ich scrolle. Ein Bug, vermute ich.

Aber wohin? MeWe sieht nicht schlecht aus

Nun höre und lese ich von Leuten, die Facebook verlassen oder verlassen wollen. Aber wohin soll man gehen?

Ja, ich finde schon die Frage ist berechtigt. Wer mir darauf antwortet: „raus gehen und Freunde treffen“ der argumentiert am Thema vorbei. Social-Media und Real-Live schließen sich ja nicht aus sondern sie ergänzen sich. Wenn ich also von Facebook weg gehe, möchte ich ja trotzdem Kontakt zu Leuten halten, die ich im „da draußen“ gar nicht treffen würde, weil sie viel zu weit weg wohnen und weil ich kaum jede Woche mit hunderten Menschen Kaffeekränzchen organisieren wollte wink

Vero? Eher nicht.

Vero gibt es schon länger und bekam vor Kurzem wieder neuen Wind durch frische Marketing-Aktionen. Ich habe es mir angesehen aber Vero ist für mich keine Alternative zu Facebook oder Google+

Ein Beitrag bei Vero muss immer auch einen Anhang haben. Bild, Video, Link, Empfehlung, Ort, etc. Einfach nur mal einen Text schreiben um eine Diskussion zu starten oder eine Information zu geben ist nicht drin. Damit ist Vero eher eine Alternative für Instagram mit der Option noch andere Inhalte zu teilen und bisher sieht es auch so aus, als würde es von den Nutzern wie Instagram genutzt – Foto & haufenweise Hashtags wink

Außerdem läuft Vero nicht im Browser sondern nur als App auf dem Smartphone. Das finde ich unpraktisch.

MeWe

Nun wurde ich auf MeWe aufmerksam und bin auf den ersten Blick recht angetan.

MeWe funktioniert ein wenig wie Facebook, man kann also Beiträge schreiben und man kann etwas anhängen wenn man möchte. Man kann sogar Umfragen starten.

Jeder Nutzer kann Gruppen anlegen die entweder öffentlich sind oder mit Einladung funktionieren. So kann man also thematisch oder zeitlich begrenzte Spezialthemen in Gruppen ausgliedern und so genau die Nutzer erreichen, die das Thema auch interessiert.

Chat mit Nutzern geht es auch.

Übrigens, Sir Tim Berners-Lee – genau, der Erfinder von HTML und Begründer des World-Wide-Web – ist bei MeWe im Verwaltungsrat.

Kein Datenhandel

MeWe sagt, dass sie die Privatsphäre ihrer Nutzer ernst nehmen. Die Daten werden nicht gehandelt oder für Werbung genutzt.

Moment? Kostenlos, kein Datenhandel – Was ist das für ein Geschäftsmodell? Das habe ich mich auch gefragt und die Antwort steht in deren FAQ.

  • Jeder Nutzer bekommt 8 GB Speicher gratis. Lädt man Fotos, Videos, etc. hoch, so liegen diese Daten in der „Cloud“ des Nutzers. Diese kann man jederzeit einsehen, seine Daten herunterladen und aufräumen. Braucht man mehr Platz, kann man diesen kostenpflichtig buchen. Zum Zeitpunkt dieses Beitrages gibt es die Stufen 50 / 100 / 500 GB für 4,99 / 9,99 / 49,99 Euro pro Monat. Mit den 8 GB sollte man allerdings eine Weile hinkommen smile
  • Für die Gruppen-Funktion soll es kostenpflichtige Apps geben
  • Es soll eine MeWe-Version für Unternehmen geben, damit diese das System für interne Kommunikation nutzen können.

Klingt mir soweit plausibel und die 8 GB für den kostenlosen Start erscheinen mir so üppig, dass es kein Hindernis sein sollte.

Ihr findet mich bei MeWe unter „Boris Nienke„, wie bei Facebook smile Wenn Ihr also, aus welchen Gründen auch immer, Facebook nicht (mehr) mögt, kommt mal rüber zu MeWe und lasst uns eine echte Alternative zu Facebook aufbauen. Ja, ich bin auch skeptisch, ob die kritische Masse erreicht wird, die zu einem echten Wechsel führen kann – wenn aber alle so denken, dann wird nie etwas passieren, also bin ich jetzt dort.

1 Kommentar zu “Facebook verlassen und dann? MeWe als Alternative

  1. Ich musste mich bei Facebook abmelden. Der Grund: Ich hatte zu viele Freunde ;) Bin jetzt neu zu MeWe gewechselt. Mal sehen wie es da so wird.
    Netten Gruss
    Jan

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.