Microsoft und das neue Surface

Nachtrag 17.10.2012: Link am Ende des Beitrags ergänzt

Man muss ja nicht immer alles verstehen und es ist ja auch immer wieder schön, wenn man mal wieder überrascht wird. Die Frage ist dann nur, ob man in solchen Situationen lange grübeln oder sich einfach freuen sollte smile

So, oder so ähnlich, geht es mir mit Microsofts neuestem Wurf, dem Tablet namens „Surface„.

Schreibtisch oder Tablet

Microsoft stellte am 18. Juni 2012 ein, bzw. eigentlich sogar zwei neue Tablets, also flache Computer mit Bedienung über Touch-Display, der Öffentlichkeit vor. Mein Unverständnis fing schon beim Produktnamen an, war der Begriff „Surface“ bisher doch bei Microsoft für einen Schreibtisch mit großem Touch-Display besetzt. Dieser wurde bereits 2007 vorgestellt und bis kurz vor der Vorstellung der Tablets hieß er auch noch so. Inzwischen wurde der Schreibtisch umbenannt in „PixelSense“ um den Begriff „Surface“ für die neuen Geräte frei zu machen. Das fand ich verwirrend, zumal dieser Schreibtisch nicht unbedingt als sehr verbreitet und erfolgreich in meinem Kopf verankert war. Warum würde man so einen Begriff für eine ganz neue Produktkategorie verwenden wollen?

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Ein, Zwei Geräte

Dass es bei der Vorstellung der neuen Geräte eine peinliche Panne gab, die eher schlecht versucht wurde zu überspielen, lasse ich mal außen vor. Es wirkte etwas so, als versuchte man eine Keynote im Stil von Apple zu zeigen… Hat in meinen Augen nicht ganz geklappt.

Microsoft stellte aber nicht etwa ein, sondern gleich zwei Tablets vor, die wohl verschiedener kaum sein könnten. Beide heißen Surface. Zum einen ist es ein Gerät, dass wohl quasi das iPad von Microsoft sein soll. Es heißt einfach nur Surface und läuft mit einem ARM Prozessor. Zum anderen ist da das Surface Pro, dass mit einem x86-kompatiblen Prozessor läuft.

Nun soll auf den Geräten Windows8 laufen. Windows8 wird noch viele Anwender überraschen, verblüffen und auch ärgern. Windows8 kommt mit zwei komplett unterschiedlichen Oberflächen. Zum einen der alt bekannte Desktop, unter dem alle vorhandenen Programme weiter laufen sollen, der aber auch für Windows eigene Tools noch reichlich genutzt wird. Zum anderen eine komplett neue Oberfläche mit Kacheln, kompletter Touchbedienung. Sie wurde mal Metro genannt und dann wohl wegen Lizenzproblemen an diesem Namen in Modern UI umbenannt.

Das verwirrende für zukünftige Surface-Käufer könnte nun aber sein, dass auf dem Surface mit ARM-Prozessor ausschließlich die Modern UI Oberfläche vorhanden ist und alte Windows-Programme nicht darauf laufen. Es wird nämlich Windows RT installiert sein. Das komplette Windows8 gibt es für ARM nicht. Bisher konnte man für diese Kachel-Oberfläche allerdings nur kleine und kleinste Programme begutachten. Wie unter dieser Oberfläche komplexe Programme aussehen werden wurde bisher nicht gezeigt. Immerhin entwickelt Microsoft eine Office RT Version. Gegenüber dem bekannten Office ist es allerdings sehr eingeschränkt.

Das Surface Pro ist dagegen eher so etwas, wie das MacBook Air bei Apple, nur auf den Kopf gestellt. Das Pro ist dicker als das ARM Surface, hat einen Lüfter und läuft mit x86 Technik. Somit läuft also ein vollständiges Windows8 darauf und damit auch alle bekannten Programme. Ohne Maus und Tastatur dürften viele Programme aber nur schwierig zu bedienen sein, was sicher auch ein Grund ist, warum Microsoft eine Tastatur in den Schutzdeckel eingebaut hat.

Top oder Flop

Ich sehe bei dem Surface Pro schon Vorteile gegenüber den iPads. Ja ich weiß, ist eigentlich nicht wirklich vergleichbar.

Kleine Tools, Newsticker, Terminübersicht usw. kann in der Modern UI Oberfläche laufen. Diesen Bereich kann man unterwegs schnell mit dem Finger bedienen. Der große Vorteil gegenüber anderen Tablets ist aber:

  • Mal eben beim Kunden ins Netz um ein paar Daten zu kopieren oder aufzuspielen?
  • Mal eben einen USB-Stick mit Bildern, Datenbanken, etc. auf das Gerät übertragen?
  • Office-Dokumente verlustfrei öffnen, ändern, speichern, weitergeben, …?

Zumindest mit der Pro-Version des Surface sollte das, lt. gezeigtem Konzept, möglich sein. Ein vollwertiger Rechner, der für unterwegs Metro-Touch bietet, vor Ort aber auch mehr kann. Im Firmenumfeld dürfte es dafür einen Markt geben.

Außerdem können natürlich Softwarehäuser auch normale Windows-Apps so schreiben, dass sie an einem kleinen Bildschirm gut mit dem Finger zu bedienen sind, ohne dass sich die Entwickler auf Modern-UI-Only einlassen müssten. Individuelle Programme im Bereich Warenwirtschaft, Abrechnung, Auftragserfassung, etc. dürften da Updates oder neue Versionen bekommen.

Ich kann man also gut vorstellen, dass die Pro-Variante für Firmen interessant wird.

Die ARM-Variante wird sich nach meiner Theorie nicht durchsetzen. Wenn der Kunde sich ohnehin auf komplett neue Software und Bedienung einlassen muss, die Software in großen Teilen wohl auch inkompatibel zu den Windows8-Versionen sein wird, dann kann so ein Kunde auch gleich auf ein iPad setzen, das im Markt etabliert ist, für das es viel Zubehör und Software gibt, etc. Wenn Microsoft genügend Software-Entwickler motiviert bekommt und einen guten Store für Anwendungen zentral bereitstellt, dann könnte das ARM-Tablet eher eine Konkurrenz für die Android-Tablets werden.

Nicht in Deutschland

Am 26. Oktober 2012 sollen die Geräte dann auf den Markt kommen. Womit wir wieder bei den Dingen wären, die man nicht verstehen muss. Im Juni wurden die Geräte vorgestellt aber erst Ende Oktober soll man sie kaufen können. Und zwar vorerst nur in den USA in Microsofts eigenen Stores. Preise wurden ebenfalls noch keine genannt. Steve Ballmer sprach mal von einer Spanne von 300 – 800 Euro. Ob damit das Surface, das Surface Pro oder beide gemeint waren, weiß ich nicht.

Ich bin gespannt, wie die Geräte angenommen werden und was passieren wird, sollte dies nach vielen Jahren nicht der erhoffte Erfolg für Microsoft werden.

Weitere Links

1 Kommentar zu “Microsoft und das neue Surface

  1. Hi Boris,

    Falls du es nicht schon gelesen hast: Ein interessanter Artikel zur möglichen Strategie von Microsoft hinter dem eigenen Tablet:
    http://www.heise.de/mobil/artikel/Warum-Microsoft-zwei-Tablets-unter-eigener-Marke-Surface-verkaufen-will-1623334.html

    Ich finde die Idee mit der Tastatur in der Hülle übrigens genial, wenn sie denn gut funktioniert. Könnte ich mir auch prima für’s ipad vorstellen.

    Gruß
    Andre

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