Totale Sonnenfinsternis 1999

Ich war dabei! Bei der „Total Eclipse 1999“! Die totale Sonnenfinsternis hab ich mit einem Arbeitskollegen in Kaiserslautern miterlebt.
Hier könnt Ihr einen kleinen Bericht zur Sonnenfinsternis am 11.08.1999 lesen, so wie ich sie erlebt habe. Ich hoffe, ich werde bei einer der nächsten Finsternissen wieder mit dabei sein…

Total Eclipse 1999

Die Totale Sonnenfinsternis
„…und es hat sich doch gelohnt!“

– Der Wetterbericht: Hoffnungen und Adrenalinstöße –

Schon Tage vor dem 11.08.1999 habe ich aufmerksam jeden Wetterbericht im Radio, Fernsehen und Internet verfolgt. Immer wieder wurden Prognosen aufgestellt und verworfen. Immer wieder kam Hoffnung auf einen klaren Himmel auf und genauso oft wurde diese Hoffnung von neuen Wolkenbändern getrübt. Statistiken wurden erstellt die zeigten, wie das Wetter an diesem Tage vor 1, 5, 10, 100 Jahren war – als ob das etwas helfen würde wink Das Prinzip Hoffnung wird am Leben gehalten.

Zwei Tage vor dem großen Ereignis war aber eines klar: Das Wetter würde bei uns in Deutschland nicht richtig mitspielen! Das darf einfach nicht wahr sein: da findet eines der tollsten kosmischen Ereignisse mitten in Deutschland statt und dann macht uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung?! Adrenalin schießt jede Stunde durch den Körper wenn die neuen Wetterkarten aus dem Internet eintreffen…

– Der beste Beobachtungspunkt wurde gesucht –

Größte Chancen wurden Saarbrücken zugerechnet – so sollte dies unser Beobachtungspunkt werden. Auf allen Karten und in den meisten Berichten wurde dieser Stadt im Saarland die höchste Chance auf ein Wolkenloch zugerechnet. Und so war dies mein primäres Ziel! Ein Arbeitskollege wollte auch zur „Sofi“ und so entschlossen wir kurzerhand zusammen in den Süden zu fahren. Da er auch ambitionierter Hobby-Fotograf ist, kann ich Euch auch ein paar ganz tolle Bilder präsentieren.

– Die Anreise: Ziel verfehlt und damit Glück gehabt! –

Schon früh fuhren wir los (Karten für Züge waren ohnehin nicht mehr zu bekommen und wenn dann viel zu teuer). Um 4.30 trafen wir uns in Göttingen um nach Saarbrücken zu fahren. Doch kaum auf der Autobahn – Stau wegen Unfall sad Ein Stunde beten und zittern, eine Stunde verloren – wird das gut gehen?

Schließlich lief der Verkehr, wir kamen zügig voran. Langsam wurde es hell. Der Himmel ist klar und fast wolkenfrei – ein gutes Zeichen? Wir hoffen und fahren weiter Richtung Süden – die Route am Computer berechnet und diverse Straßenkarten auf dem Schoß. Wir kommen gut voran.

Doch was ist das? Je weiter wir nach Süden kommen, desto bewölkter wird der Himmel. Schließlich setzt starker Regen ein. Wir kommen nur noch langsam voran. Der Verkehr nimmt zu.

Schließlich lässt der Regen nach, die Sonne scheint – wenn auch größtenteils hinter den Wolken. Wir sind kurz vor Frankfurt und der Verkehr wird dichter. Nach einigen Kilometern „Stop and go“ schließlich Stau – wir hängen fest! Kein Chance eine Umgehung zu fahren, da alle anderen Strecken über den Rhein ebenfalls dicht oder viel zu lang sind. Die Zeit wird knapp: um 12:34 soll die Totalität beginnen. Es ist halb zehn und wir sind noch lange nicht dort wo wir hin wollen.

Langsam wird es klar: wir werden es nicht rechtzeitig nach Saarbrücken schaffen! Ich wälze die diversen Luftbildaufnahmen und Computergrafiken um zu sehen, wie weit wir noch müssen um in den Kernschatten zu gelangen. Kaiserslautern ist der nächste Punkt den wir einfach erreichen müssen.

Es geht wieder etwas voran – langsam aber sicher! Jeder Kilometer wird zu einer Zerreisprobe für unsere Nerven. Jede Muskelfaser ist angespannt. Immer wieder Überlegungen: weiter Autobahn oder Landstraße? Wir bleiben auf der Autobahn und kommen schließlich in die Gegend vor Kaiserslautern. Es ist 11 Uhr durch – die Finsternis beginnt. Immer wieder schauen wir kurz durch die Schutzbrille zur Sonne und sehen, wie sie langsam vom Mond verdeckt wird. Der Wettlauf spitzt sich zu. Wir wollen die Totale Sonnenfinsternis – alles andere ist egal!

– Durchhalten bis zum letzten Meter –

Überall fahren die Fahrzeuge auf Parkplätze oder halten einfach auf dem Seitenstreifen an. Passanten klettern die Böschungen rauf oder besetzen Brücken um die Sonne zu beobachten. „Tja Freunde: Ihr werden das beste verpassen! Denn Ihr seid nicht im Kernschatten!“ Wir halten durch und erreichen eine Landstraße nach Kaiserslautern: Überall halten Busse, Autos, Radfahrer; Überall stehen Fotoapparate und Teleskope; Überall Menschen, die nicht im Kernschatten stehen werden

Schließlich kommen wir ins Industriegebiet von Kaiserslautern und bauen die Kameras von meinem Kollegen auf: Uff! ca. 12 Uhr und wir sind im Kernschattengebiet.

– Die Sonne verschwindet –

Die Wolkendecke reißt immer wieder auf und gibt uns den Blick frei zur Sonne die jetzt als breite Sichel am Himmel steht. Immer weiter schiebt sich der Mond vor die Sonne. Langsam wird das Licht schwächer.

Schließlich ist nur noch eine ganz schmale Sichel übrig. Das Licht ist fahl, die Schatten sind extrem hart! Alles wirkt unwirklich – wie gemalt. Es ist etwas kühler geworden und der Wind frischt etwas auf. Ein Blick zum Horizont Richtung Westen: Dunkelheit – Der Schatten rast auf uns zu – leider nicht so gut zu erkennen, da wir ein paar Gebäude vor uns haben. Aber entfernt sind die Hügelketten zu sehen die schlagartig ins Schwarz getaucht werden.

Nur Sekunden später stehen wir ebenfalls in völliger Dunkelheit! Dieses Erlebnis lässt mir den Atem stocken. Eine Gänsehaut überläuft meinen Körper und die Augen werden feucht. In drei Sekunden ist es Nacht geworden. Am Himmel nur noch ein Sonnenring zu erkennen (leider viel zu lange hinter Wolken verborgen). Die Straßenlaternen schalten sich ein, alles Autos stehen alles wird ruhig. Ich sehe mich um: ringsherum ist der taghell der Horizont zu erkennen – und doch stehen wir in der schwärzesten Nacht die man sich vorstellen kann… Alle Probleme erscheinen mir auf einmal so unwichtig und banal. Ich erlebe mich als Miniaturwesen in einem gigantischen Kosmos – „Wir haben noch nichts begriffen“

– Unser Beobachtungspunkt: nicht perfekt aber auch nicht schlecht –

Nach etwa einer halben Minute ist alles vorbei. Der Mond gibt die Sonne frei und es wird wieder taghell. Mit unserem Beobachtungspunkt hatten wir Glück: Im Radio hören wir, dass es Saarbrücken wenige Minuten vor der Totalität anfing zu regnen. Leider hatten wir aber auch Pech: In Karlsruhe konnte man die Totalität länger erleben und es war sogar ein Wolkenloch vorhanden um die Korona zu fotografieren. Ein Arbeitskollege aus Karlsruhe stellte mir die tollen Bilder zur Verfügung.

Ganz toll war das Wetter wohl am Chiemsee. Ich habe mir so ziemlich jede Sendung über die Finsternis noch am selben Abend zu Hause angesehen.

Die nächste Finsternis wird wohl 2001 in Süd-Afrika und Madagaskar zu erleben sein. Vielleicht lässt sich das ja mit einem Urlaub verbinden? smile

Nachtrag: Nein, hat leider nicht geklappt :'( aber man kann nicht alles haben smile

1 Kommentar zu “Totale Sonnenfinsternis 1999

  1. wir haben dieses in Mannheim erlebt, zur Mittagspause am Arbeistplatz. Es ist plötzlich ganz still geworden, die Vögelhaben nicht mehr gezwitschert und das Licht war seltsam düster. Es war ein tiefes Erlebnis.

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