{"id":6660,"date":"2018-03-05T12:10:16","date_gmt":"2018-03-05T11:10:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nsonic.de\/blog\/?p=6660"},"modified":"2018-03-05T11:28:33","modified_gmt":"2018-03-05T10:28:33","slug":"amazon-dash-buttons-und-der-verbraucherschutz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nsonic.de\/blog\/2018\/03\/amazon-dash-buttons-und-der-verbraucherschutz\/","title":{"rendered":"Amazon Dash Buttons und der Verbraucherschutz"},"content":{"rendered":"<p>Ein derzeit hei\u00df diskutiertes Thema sind die Dash-Buttons von Amazon. Ein technisch sehr simples Ger\u00e4t erm\u00f6glicht es dem Anwender mit einem einzigen Tastendruck genau ein Produkt zu bestellen. Ein Dash-Button f\u00fcr ein Produkt. Die Buttons klebt man sich zum Beispiel an die Waschmaschine um Waschmittel zu ordern, an den Klorollenhalter um 4-lagiges Gl\u00fcck zu bestellen wenn es knapp wird und so weiter.<\/p>\n<p>Die Verbraucherschutzzentrale NRW meint nun, dass diese Kn\u00f6pfe gegen geltendes Recht versto\u00dfen, hat geklagt und das Landgericht M\u00fcnchen <a href=\"https:\/\/www.verbraucherzentrale.de\/aktuelle-meldungen\/vertraege-reklamation\/amazon-dash-button-verbraucherzentrale-siegt-vor-gericht-13067\">hat ihnen Recht gegeben<\/a>.<\/p>\n<p>Wo ist jetzt das Problem? Schie\u00dft man bei der Regulierung \u00fcber das Ziel hinaus oder ist Amazon das eigentliche Problem?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h1>Wie der Button funktioniert<\/h1>\n<p>Ich selbst nutze diese Kn\u00f6pfe von Amazon nicht, das <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Amazon-Dash-Button\/b?ie=UTF8&amp;node=10852572031\">Prinzip ist aber relativ simpel<\/a>. Die Kn\u00f6pfe gibt es f\u00fcr ganz bestimmte Produkte bzw. Marken zu kaufen, diese Kn\u00f6pfe haben dann einen entsprechenden Aufdruck. Das eigentliche Produkt kann man dann \u00fcber eine App zuweisen.<\/p>\n<p>Einmal eingerichtet, wird eine neue Bestellung per Knopfdruck aufgegeben. Weiteres Dr\u00fccken bewirkt nichts, eine neue Bestellung funktioniert erst, nachdem die vorherige Bestellung geliefert wurde.<\/p>\n<p>Die Idee: Ist man im Keller an der Waschmaschine und bemerkt, dass das Waschmittel zuneige geht, kann man mit einem Knopfdruck Nachschub bestellen und braucht nicht mehr daran denken. Man sitzt auf der Toilette und greift zur letzten Klopapierrolle? Ein Knopfdruck und Nachschub ist unterwegs. Dasselbe kann man f\u00fcr Cremes, Rasierklingen, Sp\u00fclmittel, Windeln, Getr\u00e4nke und so weiter machen.<\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich brauche das nicht, akzeptiere aber, dass dieses einmal-dr\u00fccken-und-vergessen sehr praktisch sein kann.<\/p>\n<h1>Wo ist das Problem?<\/h1>\n<p>Die Verbrauchersch\u00fctzer bem\u00e4ngeln, dass der Kunde vor der Bestellung nicht sehen kann, zu welchem Preis er bestellen wird. Au\u00dferdem beh\u00e4lt sich Amazon in den AGB vor, auch Alternativen zum konfigurierten Produkt zu liefern. Es ist also auch nicht klar, welches Produkt genau man geliefert bekommt.<\/p>\n<p>Beide Punkte sind f\u00fcr mich nachvollziehbar. Jedes Gesch\u00e4ft muss seine Ware mit genauem Preis auszeichnen und dabei bestimmte Regeln einhalten, z. B. den Preis f\u00fcr eine Vergleichsgr\u00f6\u00dfe benennen \u2013 der Preis pro Liter oder pro Kilogramm beispielsweise.<\/p>\n<p>Warum also sollte ein Online-Lieferant das nicht tun m\u00fcssen?<\/p>\n<h1>Warum Anwender und Amazon kein Problem sehen<\/h1>\n<p>Ich finde es gut, wenn der Verbraucherschutz den Unternehmen auf die Finger schaut. Aber gehen sie in diesem Fall nicht zu weit? Oder machen sie genau Ihren Job aber das Gesetz passt einfach nicht zu neuen Entwicklungen?<\/p>\n<p>Nutzer des Dash-Buttons und auch Amazon sehen genau diese beiden genannten Probleme nicht \u2013 aus durchaus nachvollziehbaren Gr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Wird eine Bestellung ausgel\u00f6st, per Knopfdruck, erh\u00e4lt der Nutzer eine Textnachricht auf sein Smartphone. In dieser Nachricht stehen genau die geforderten Informationen. Nun hat der Nutzer ein Zeitfenster von 30 Minuten um die Bestellung zu stornieren, wenn der Druck ein Versehen war oder wenn das Angebot so nicht gew\u00fcnscht wird. Selbst wenn nicht storniert und dann etwas unerw\u00fcnschtes geliefert wird, kann der Nutzer die Ware kostenlos stornieren und zur\u00fcck senden.<\/p>\n<p>Da ich die Buttons nicht nutze, interessiert es mich jetzt von Anwendern, wie oft Amazon wirklich andere Produkte als die konfigurierten liefert? Kommt da bei jeder Bestellung eine andere Toilettenpapier-Marke, mal 3- und mal 4-lagig? Kommt da jedesmal eine andere Rasierklinge die dann nicht in den Rasierer passt? Ich kann mir das ehrlich gesagt nicht vorstellen.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem wird Amazon nicht pl\u00f6tzlich statt einer Packung Sp\u00fcli einen Flachbildfernseher f\u00fcr ein paar tausend Euro liefern <span class=\"wp-smiley emoji emoji-wink\" title=\";)\">wink<\/span> <\/p>\n<p>Ich glaube auch nicht, dass die Preise gravierenden Schwankungen unterliegen. Ein Artikel der um 5 Euro kostet, wird vielleicht mal 4,90 und mal 5,10 kosten? Wie oft schwankt denn der Preis im Supermarkt? Ich glaube die Kunden, die im Supermarkt einen Artikel nicht kaufen, weil er 10 Cent oder 20 Cent mehr kostet als letzte Woche, werden auch keinen Dash-Button verwenden <span class=\"wp-smiley emoji emoji-wink\" title=\";)\">wink<\/span>  Oder andersherum: Wer einen Dash-Button einrichtet wird sehr genau wissen worauf er sich einl\u00e4sst. Kleinere Preisschwankungen werden diese Kunden auch im Supermarkt ignorieren und bei gravierenden Abweichungen einfach stornieren.<\/p>\n<p>Und selbst wenn dem Anwender das nicht vorher klar sein sollte: Wenn Amazon st\u00e4ndig falsche Produkte zu \u00fcberzogenen Preisen liefern w\u00fcrde, h\u00e4tte der Anwender wohl die Nase voll und w\u00fcrde den Button entsorgen oder zur\u00fcck schicken.<\/p>\n<h1>Geltendes Gesetz und neue Entwicklungen<\/h1>\n<p>Ich pers\u00f6nlich sehe kein Problem mit den Dash-Buttons \u2013 jedenfalls keines, was vom Verbraucherschutz gesehen wird. Mein Problem w\u00e4re eher die Frage, ob man solche kleineren Artikel wirklich in diversen Einzellieferungen online bestellen muss oder ob es nicht \u00f6kologischer w\u00e4re, alle Artikel auf einmal bei einem Wochen- oder Monatseinkauf vom lokalen Supermarkt mitzubringen? Aber um solche Aspekte geht es hier ja nicht.<\/p>\n<p>Nun darf man sich nat\u00fcrlich auch fragen, ob neue Entwicklungen nicht behindert werden durch die bestehenden Gesetze und sicher l\u00e4sst sich das mit einem Ja beantworten. Neue Entwicklungen m\u00fcssen sich an das Gesetz halten und das ist auch gut so. Bedeutet das, dass es niemals neue Ideen und L\u00f6sungen geben kann? Nein!<\/p>\n<p>Ein Unternehmen wie Amazon h\u00e4tte durchaus im Vorfeld erkennen k\u00f6nnen, dass die Dash-Buttons mit dem deutschen Recht kollidieren. Sie h\u00e4tten sich dann daf\u00fcr einsetzen k\u00f6nnen, dass diese Buttons als neue Produktkategorie oder als neues Bestellverfahren eine neue Regel bekommen, dass das Gesetz angepasst wird wenn n\u00f6tig. Das haben sie aber nicht getan. Stattdessen sind sie den inzwischen schon \u00fcblichen Weg gro\u00dfer Unternehmen gefahren: Erstmal machen und im Zweifel hinterher Fragen.<\/p>\n<h1>Alternative Umsetzung m\u00f6glich?<\/h1>\n<p>Es gibt viele Vorschl\u00e4ge im Netz was Amazon alles tun k\u00f6nnte um dem Gesetz zu gen\u00fcgen:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Buttons mit einem Display best\u00fccken um Produkt und Preis jeweils aktuell anzuzeigen. Ein E-Ink-Display w\u00fcrde wenig Energie verbrauchen. Halte ich f\u00fcr wenig realistisch weil die Buttons damit teurer und komplexer w\u00fcrden. W\u00e4re f\u00fcr Amazon aber in der Tat eine M\u00f6glichkeit, ohne am eigentlichen Verfahren etwas zu \u00e4ndern, nach den Regeln zu spielen. Nur wer w\u00fcrde die Buttons kaufen, wenn die am Ende einen hohen 2-Stelligen Betrag kosten w\u00fcrden? (Ich wei\u00df nicht, wie teuer so ein Display mit entsprechender Logik w\u00e4re)<\/li>\n<li>Andere schlagen vor, dass man mit dem Knopfdruck nicht direkt eine Bestellung ausl\u00f6st sondern diese erst best\u00e4tigen muss. Da man ohnehin schon eine Textnachricht bekommt, k\u00f6nnte man diese Nachricht best\u00e4tigen um die Bestellung abzuschlie\u00dfen. Das halte ich f\u00fcr wenig praktikabel. Es macht die Einfachheit des Knopfes zunichte. Ist man im Keller hat man sein Smartphone nicht dabei. Dann h\u00e4ngt man noch W\u00e4sche auf etc. und soll dann, viel sp\u00e4ter, die Bestellung noch best\u00e4tigen wenn man das Handy wieder in der Hand hat? Wenn das l\u00e4nger als 30 Minuten dauert, ist die Ware dann \u00fcberhaupt noch zu dem Preis verf\u00fcgbar? Wie lange? Ich wei\u00df ja nicht.<\/li>\n<li>Manche schlagen auch vor, dass der erste Tastendruck nur die Anfrage ausl\u00f6st, man Ware und Preis per Textnachricht auf dem Handy liest und dann ein zweites mal den Button dr\u00fcck zum best\u00e4tigen. Das ist nat\u00fcrlich noch unpraktischer wenn der Button im Keller an der Waschmaschine h\u00e4ngt und das Handy oben in der Wohnung liegt. Und wenn man als Abk\u00fcrzung gleich zweimal dr\u00fccken k\u00f6nnte, k\u00e4me wieder der Verbraucherschutz <span class=\"wp-smiley emoji emoji-wink\" title=\";)\">wink<\/span> <\/li>\n<\/ul>\n<p>Eine Idee w\u00e4re ja auch, dass man bei der Konfiguration des Buttons einstellt, ob man mit alternativen Produkten einverstanden ist oder nicht. Wenn nicht, wird eben nicht bestellt und die Textnachricht informiert einen dar\u00fcber. F\u00fcr den Preis k\u00f6nnte man einen Bereich angeben und z. B. hinterlegen, dass eine Abweichung von 15% OK ist, dar\u00fcber hinaus wird nicht bestellt sondern nur gefragt, ob man wirklich bestellen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich finde das zwar schon wieder viel zu kompliziert, wer es aber so m\u00f6chte, kann es sich einstellen und das sollte eigentlich auch mit dem Verbraucherschutz vereinbar sein?<\/p>\n<p>Es gibt doch auch Superm\u00e4rkte die auf Bestellung liefern und durchaus alternative Artikel mitbringen wenn das gew\u00fcnschte Produkt nicht vorr\u00e4tig war \u2013 Ist das nicht dasselbe Problem?<\/p>\n<p>Nutzt Ihr Dash-Buttons? Was sagt Ihr dazu?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein derzeit hei\u00df diskutiertes Thema sind die Dash-Buttons von Amazon. 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