{"id":3338,"date":"2012-08-29T16:06:04","date_gmt":"2012-08-29T14:06:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nsonic.de\/blog\/?p=3338"},"modified":"2012-08-29T16:06:04","modified_gmt":"2012-08-29T14:06:04","slug":"app-net-das-nachste-grose-ding","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nsonic.de\/blog\/2012\/08\/app-net-das-nachste-grose-ding\/","title":{"rendered":"App.net &#8211; Das n\u00e4chste gro\u00dfe Ding?"},"content":{"rendered":"<p>Da App.net als Alternative zu Twitter gehandelt wird, m\u00f6chte ich als erstes erz\u00e4hlen, wie ich zu Twitter gekommen bin. Danach werfe ich mal einen Blick als Au\u00dfenstehender auf App.net\u00a0und versuche zu verstehen, was es wirklich sein m\u00f6chte.<\/p>\n<h2>Twitter<\/h2>\n<p>&#8220;Was soll denn das sein&#8221;, dachte ich anfangs und schaute mir das Erkl\u00e4rungsvideo an. Aha, man sollte also seinen Mitmenschen mitteilen k\u00f6nnen, ob und wann man den Rasen m\u00e4ht, Kaffee oder Tee trinkt, ein Buch liest oder zu Bett geht. &#8220;Na immerhin ein neuer Dienst, der das &#8216;e&#8217; vor dem &#8216;r&#8217; nicht gestrichen hat&#8221;, war mein ironischer Gedanke und ich ignorierte Twitter.<\/p>\n<p>2008 war ich dann zusammen mit Chris auf der Photokina, um f\u00fcr unseren <a href=\"http:\/\/www.happyshooting.de\" target=\"_blank\">Happy Shooting Podcast<\/a> dar\u00fcber zu berichten. Chris nutzte Twitter zu dieser Zeit schon intensiver und so bekam ich einen v\u00f6llig neuen Blick auf diesen Dienst. Ein m\u00f6glichst weites Netzwerk von Folgern vorausgesetzt, konnte man Informationen extrem schnell und zeitnah verteilen und bekommen. Ein spontanes H\u00f6rertreffen war wortw\u00f6rtlich &#8220;im vor\u00fcbergehen&#8221; organisiert. Ich fing an zu verstehen und meldete mich an. Seither nutze ich Twitter regelm\u00e4\u00dfig und sehr gerne.<\/p>\n<h3>Twitter Clients sind mir wichtig<\/h3>\n<p>Allerdings so gut wie nie \u00fcber die Webseite. Von Anfang an hatte ich Twitter-Clients auf dem iPhone und dem Mac ausprobiert, habe immer mal wieder gewechselt, Tools gesucht, die meinen Vorstellungen und W\u00fcnschen am n\u00e4hsten kamen. Die Nutzer entwickelten Twitter dabei st\u00e4ndig weiter. Auf @-Replies folgten native Replies. Hashtags, Favoriten, Folger-Listen, \u2026 Die Anwender und Entwickler schufen neue Ideen und Konzepte und setzten diese um, bis sie schlie\u00dflich auch von Twitter selbst in die Webseite und Anwendungen \u00fcbernommen wurden.<\/p>\n<h3>Geld verdienen?<\/h3>\n<p>Aber wie verdient Twitter eigentlich Geld? So richtig klar ist mir das nie geworden. Die Nutzung der Webseite und der offiziellen Clients ist kostenlos. Geld von den Nutzern m\u00f6chte man nicht direkt haben, z. B. um Pro-Funktionen zu bieten. Offenbar hat man sich dazu entschlossen, auf die Werbefinanzierung zu setzen. Ob man dies auch von den Client-Entwicklern abgeschaut hat, die teils kostenlose Programme angeboten hatten, wenn man in seiner Timeline mit Werbung leben konnte oder ob Twitter nun von BWL-Studierten \u00fcbernommen wurde, kann ich nicht sagen.<\/p>\n<h3>Twitter m\u00f6chte keine fremden Clients<\/h3>\n<p>Fakt ist aber, dass Twitter zunehmend etwas gegen Clients hat, die nicht aus dem eigenen Hause stammen. Verst\u00e4ndlich, wenn man Werbung unterbringen m\u00f6chte, dann kann man keine Entwickler gebrauchen, die Clients programmieren, welche diese Werbung wieder heraus filtern. Twitter hat also vor Kurzem einige Empfehlungen <a href=\"https:\/\/dev.twitter.com\/blog\/changes-coming-to-twitter-api\" target=\"_blank\">zur Regel gemacht<\/a>. Es gibt nun feste Regeln, wie ein Client einen Tweet darzustellen hat, wie viele Anwender einen Client nutzen d\u00fcrfen und so weiter. Ob man sich dar\u00fcber nun aufregt oder man abwinkt und erst mal einen Tee dar\u00fcber trinkt, es \u00e4ndert an der Tatsache nichts. Die ersten Auswirkungen sieht man auch bereits.<\/p>\n<p><em>mehr nach dem Klick<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>So musste TabBots, Hersteller von <a href=\"http:\/\/tapbots.com\/news\/where-did-the-tweetbot-for-mac-alpha-go\" target=\"_blank\">Tweetbot, die Alpha-Version der Mac-Anwendung vom Netz nehmen<\/a>. Ein weiter Alpha\/Beta-Test mit fruchtbarem User-Feedback wird also nicht weiter m\u00f6glich sein. Der Grund liegt im Limit der User-Zahlen pro Client. Maximal 100.000 User darf ein Client haben. Nun kann so eine Zahl in so einem Alpha-Test durchaus schnell erreicht werden ohne dass sichergestellt w\u00e4re, dass all diese User sp\u00e4ter die Anwendung auch kaufen w\u00fcrden. Aber auch wenn sie die Anwendung nicht kaufen, diese Tester blockieren dann weitere User, solange sie den Zugang bei Twitter nicht wieder abmelden &#8211; und das werden vermutlich nur wenige machen.<\/p>\n<p>Wer also jetzt noch einen Twitter-Client schreibt, der muss schon sehr euphorisch sein. Bei max. 100.000 Kunden ist Schluss. Verkauft man seinen Client so, dass man 1,- behalten kann, k\u00f6nnte man also maximal 100.000 Euro damit verdienen. Nicht unbedingt ein Gesch\u00e4ftsmodell, auf das ich bauen w\u00fcrde, wenn ich es wirklich ernst meinte.<\/p>\n<h2>App.net als Alternative?<\/h2>\n<p>So ist also vielleicht an der Zeit, sich nach Alternativen umzusehen. Es bedeutet ja nicht, dass man sofort seinen Zugang bei Twitter l\u00f6schen muss, es schadet aber auch nicht, sich neue Schuhe anzusehen, bevor die alten auseinander fallen.<\/p>\n<p>Eine m\u00f6gliche Alternative lief dabei wie ein kleines Lauffeuer durch meine Timeline. App.net. Was so klingt, wie ein Programm f\u00fcr Windows auf .Net-Basis, ist in wirklich aber so etwas wie ein Dienst oder ein Protokoll oder\u2026 Was eigentlich? Gucken wir mal.<\/p>\n<p>Der Gr\u00fcnder von App.net, Dalton Caldwell, hat auf der Kickstarter-Plattform Geldgeber f\u00fcr seine Idee gesucht und gefunden. Dort gibt es auch <a href=\"https:\/\/join.app.net\/\" target=\"_blank\">mehr Informationen und inzwischen eine Anmeldem\u00f6glichkeit<\/a>. In dem Text und Video wird u. a. erkl\u00e4rt, dass er einen anderen Ansatz verfolgen m\u00f6chte. Der Dienst oder die API sollen nicht \u00fcber Werbung finanziert werden. Man m\u00fcsse sich immer nach den Geldgebern richten und w\u00e4re dies die Werbung, so w\u00e4re es eben eine gute Plattform f\u00fcr die Werber aber nicht mehr zwingend etwas Gutes f\u00fcr die Nutzer. Im Umkehrschluss hei\u00dft das nat\u00fcrlich: M\u00f6chte man eine gute Plattform f\u00fcr Nutzer schaffen, dann m\u00fcssen diese auch bezahlen.<\/p>\n<p>Das Gesch\u00e4ftsmodell ist derzeit also noch ganz einfach. Wer an App.net teilnehmen m\u00f6chte, der zahlt. In diesem Fall $50 f\u00fcr ein Jahr. Wer als Entwickler Anwendungen rund um App.net programmieren m\u00f6chte und den Zugang zur API ben\u00f6tigt, der zahlt zus\u00e4tzlich noch einmal $50 pro Jahr.<\/p>\n<p>Dalton wollte $500.000 haben, also mindestens 10.000 Nutzer, die bereit w\u00e4ren, $50 f\u00fcr ein Jahr zu bezahlen. Damit sollten zwei Ziele erreicht werden: Zum einen, gen\u00fcgend Geld f\u00fcr die Infrastruktur und Mitarbeiter, um die API zu entwickeln, Server aufzustellen, etc. Zum anderen gen\u00fcgend Nutzer von Anfang an, damit das Projekt auch leben kann. Au\u00dferdem w\u00fcsste man so nat\u00fcrlich gleich, ob \u00fcberhaupt gen\u00fcgend Interesse best\u00fcnde.<\/p>\n<p>&#8220;Der spinnt, das klappt niemals!&#8221;, dachte ich mir, als ich noch in der Gr\u00fcndungsphase auf dieses Projekt aufmerksam wurde. Tja, ich lag falsch! \u00dcber 12.000 Nutzer klickten um das Projekt zu unterst\u00fctzen, $803.000 kamen dabei zusammen und <a href=\"https:\/\/github.com\/appdotnet\/api-spec\/wiki\/Directory-of-third-party-devs-and-apps\" target=\"_blank\">auf Github tummeln sich immer mehr Projekte<\/a> rund um App.net.<\/p>\n<h3>Was ist App.net?<\/h3>\n<p>Aber was ist App.net eigentlich? Das ist mir selbst noch immer nicht ganz klar geworden. Viele meinen, es sei eine kostenpflichtige Twitter-Alternative. Das soll es aber laut Daltons Aussage eben nicht sein. Soweit ich das verstehe, m\u00f6chte App.net keine Anwendung oder Dienst sein, sondern vielmehr eine API, eine Art Protokoll, auf dessen Basis neue Anwendungen entstehen k\u00f6nnen. Eine dieser Anwendungen nennt sich &#8220;Alpha&#8221; und befindet sich auch noch in diesem Stadium. Es wurde laut Dalton als erstes Projekt aufgesetzt, um zu zeigen, dass die API vorhanden ist und funktioniert. Dieses<a href=\"https:\/\/alpha.app.net\/global\/\" target=\"_blank\"> &#8220;Alpha&#8221; stellt sich in der Tat wie eine Twitter-Alternative<\/a> dar, nur dass l\u00e4ngst noch nicht alles geht, was bei Twitter geht.<\/p>\n<p>In einem<a href=\"http:\/\/twit.tv\/show\/this-week-in-google\/159\" target=\"_blank\"> Interview in TWiG (this week in google) kommt Dalton ausf\u00fchrlich zu Wort<\/a> und stellt sich auch einigen Fragen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/appnetstats.com\/\" target=\"_blank\">Aktuelle Statistiken<\/a> gibt es inzwischen auch zu sehen<\/p>\n<h3>Kann das funktionieren?<\/h3>\n<p>Die Frage bleibt aber in meinem Kopf: Kann das wirklich etwas werden, wenn die Einstiegsh\u00fcrde mit $50 im Jahr relativ hoch liegt? Kann man von den Nutzern, die das ganze System \u00fcberhaupt zum leben erwecken und mit Inhalt f\u00fcllen, Geld verlangen? Ich bin grunds\u00e4tzlich nicht abgeneigt, Geld f\u00fcr etwas zu bezahlen, was ich auch gerne und oft benutze. Twitter ist f\u00fcr mich aber nur deshalb so wertvoll, weil eben sehr(!) viele daran teilnehmen und die Reichweite bei einer Frage mit einigen Retweets sehr hoch ist. Ich glaube, wenn Twitter auch nur $12 im Jahr kosten w\u00fcrde, w\u00e4re ein Gro\u00dfteil der Nutzer nicht mehr dabei, egal wie traurig ich das finden w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Dalton l\u00e4sst im Interview aber durchblicken, dass dieses Modell nicht f\u00fcr alle Zeiten so stehen bleiben muss. Ich glaube auch,\u00a0wenn es richtig Fahrt aufnehmen soll, wird man \u00a0daf\u00fcr sorgen m\u00fcssen, dass User auch deutlich g\u00fcnstiger oder gar kostenlos teilnehmen k\u00f6nnen. So wie ich das bisher verstehe, sollen das die Entwickler ggf. selbst in die Hand nehmen.<\/p>\n<p>Beispiel: Jemand schreibt einen App.net Client, mit dem neue User kostenlos rein kommen k\u00f6nnen. Die Kosten daf\u00fcr \u00fcbernimmt der Entwickler. Das Geld daf\u00fcr k\u00f6nnte durch Werbung rein kommen, die es nur in diesem Client gibt, oder durch einen Sponsor, den sich der Entwickler selbst gesucht hast. Oder die Nutzer kommen \u00fcber diese App erstmal kostenlos rein, k\u00f6nnen aber nicht alle Funktionen voll nutzen\/sind limitiert. F\u00fcr mehr Funktionen m\u00fcssen sie dann zahlen.<\/p>\n<p>Es wird auch nicht g\u00e4nzlich ausgeschlossen, dass Entwickler vielleicht mal an den Einnahmen beteiligt werden k\u00f6nnten. Es wird nichts versprochen, schlie\u00dflich steht App.net noch ganz am Anfang, aber es zeigt, dass man durchaus offen \u00fcber verschiedene (Bezahl-)Modelle nachdenkt.<\/p>\n<p>Ob das alles funktioniert? Ich wei\u00df es nicht. Aber wenn man es nicht versucht, wird man es auch nie erfahren <span class=\"wp-smiley emoji emoji-smile\" title=\":)\">smile<\/span>  \u00dcber 12.000 Nutzer sind ja schon der Meinung, dass App.net eine Zukunft hat. Klar, am Anfang werden die Twitter-Clones stehen aber laut Dalton soll die API noch weit dar\u00fcber hinaus gehen und andere Anwendungen erm\u00f6glichen. Auf welche tollen Ideen die Entwickler noch kommen werden, vielleicht erneut durch die Nutzer inspiriert, wird man abwarten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Ich habe bisher jedenfalls noch keinen Zugang gekauft, bin aber immer wieder \u00fcberlegen, es einfach mal auszuprobieren. Wie sieht das bei Euch aus? Seid Ihr schon dabei oder nicht &#8211; und warum?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da App.net als Alternative zu Twitter gehandelt wird, m\u00f6chte ich als erstes erz\u00e4hlen, wie ich zu Twitter gekommen bin. 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