Leistungsschutzrecht im Internet – Chancen für Alternativen?

Ich oute mich: Ich lese seit vielen Jahren keine Zeitung mehr. Ich habe nahezu jeden Tag einen Computer oder ein Smartphone mit Internetverbindung zur Verfügung und hole mir meine Informationen auf diesem Wege aus verschiedenen Quellen. Gezielt zu den Themen, die mich interessieren. Dass ich dabei die ein oder andere Anekdote verpasse, nehme ich in Kauf – obwohl, dafür habe ich ja auch noch Twitter wink

Für mich bedeutete das bisher sehr oft, dass ich über Google-News nach bestimmten Stichwörtern suchte oder einfach mal über aktuelle Schlagzeilen flog. Einen Klick weiter war ich dann auf den Webseiten der jeweiligen Verlage um die Beiträge zu lesen oder anzusehen.

Der Ast auf dem man sitzt

Ob das jetzt weiterhin so laufen wird? Es wurde jetzt nämlich ein neues Gesetz verabschiedet. Es geht um das Leistungsschutzrecht im Internet. Einfach gesagt: Verlage fanden es nicht gut, dass andere, es ging wohl hauptsächlich um Google, ihre Artikel nutzen, sammeln, den Lesern zur Verfügung stellen. Im Kern ist das ja auch nachvollziehbar, wer möchte schon, dass die eigene Arbeit anderen als Einnahmequelle dient. Die Frage wäre für mich zwar, ob dies im Fall Google auch wirklich so ist, denn über die News-Seiten habe ich keine Werbung gesehen und wie gesagt, die Links die ich dann klickte, führten immer zu den Verlagsseiten. Ich empfand das eher gut, dass Google mir den Weg zu den News-Seiten der Verlage vereinfacht hatte. Sollte Google das jetzt nicht mehr machen dürfen, wenn sie nicht bereit sind dafür zu bezahlen, dann werden die Verlage wohl nicht nur mich als Leser verlieren.

Wie auch immer, Verlage und Politik sehen das anders und so wurde das Leistungsschutzrecht im Internet nun wohl gesetzlich festgelegt. Verlage sollen nun also von Google bezahlt werden, wenn ihre Artikel in Google-News gezeigt werden. Zitate sollen weiterhin kostenfrei möglich bleiben, man möchte ja nicht die ganze Blogger-Szene verärgern? Stellt sich natürlich die Frage, was noch als Zitat gilt und ob eine News-Übersicht bei Google-News nicht auch nur Zitate zu einem gemeinsamen Thema sind. Darüber werden aber andere Köpfe grübeln.

Weg frei für neue Angebote

Ich frage mich eher: Wäre das jetzt nicht die Chance für neue, frische Alternativen zu den etablierten Verlagen? Ich meine, wenn jetzt jemand aktuelle und qualitativ gute Nachrichten macht, man muss das allerdings schon einigermaßen professionell aufziehen, dann wäre doch jetzt der Zeitpunkt, über das Internet an den großen Verlagen vorbei zu ziehen?!

Ich meine, bisher wird das kaum einer ernsthaft versucht haben weil die riesigen Verlage einfach allgegenwärtig waren. Wenn das jetzt aber auf eigenen Wunsch nicht mehr so sein soll und das auch wirklich so durchgezogen werden sollte, dann wäre der Weg doch frei für neue Konzepte.

Die Frage ist: Wer nutzt die Chance?

3 Kommentare zu “Leistungsschutzrecht im Internet – Chancen für Alternativen?

  1. Hallo Boris,

    ich habe mich mit den Folgen des Leistungsschutzrechtes noch nicht genau auseinandergesetzt, aber wo genau ist denn eigentlich die Abgrenzung geplant?
    Werden RSS-Feeds von Zeitungen demnächst nicht mehr verfügbar sein, oder wird Software aussterben, die mehrere RSS-Feeds auf einer Timeline aggregiert? Oder darf die Software, die RSS-Feeds aggregiert dann keine Werbung mehr beinhalten bzw. muss kostenlos sein (andernfalls würde ja mit den Inhalten in gewissem Sinne Gewinn gemacht)?
    Weißt du da schon mehr drüber?

    Viele Grüße,
    Wolfgang

    • Nein, das ist ein Punkt, denn ich auch nicht ganz kapiere. Es wirkt in den Erklärungen immer so, als ob versucht wurde, ein Gesetz ganz gezielt gegen Google zu bauen. Es geht wohl um Suchergebnisse?! Aber bitte frag mich nicht, wie man die Verlagsbeiträge im Internet ohne ein Suchmaschine finden soll? Vermutlich glauben die Verlage, man würde ihre Webseiten genau wie Zeitungen abonnieren.

  2. Ich gebe Dir volkommen Recht, dass ich die Einstellung der Verlage auch nicht verstehe. Da versucht wieder jemand voellig verzweifelt seinen „alten“ Markt zu verteidigen. Fragt mal die Musikindustrie wie gut das geklappt hat.

    Mir wird allerdings nicht ganz klar wo Du die grosse Chance siehst? Guter Journalismus wird immer seltener, weil er einfach sehr teuer ist. Leider sind die Leute einfach nicht mehr bereit dafuer zu bezahlen, denn man bekommt es ja umsonst im Internet und in Gratiszeitungen. Der Journalismus haengt immer mehr von der Werbung ab. Wie soll da Journalismus da noch unabhaengig, kritisch und hinterfragend sein. Niemand beisst die Hand, die einen fuettert. Eigentlich ist der Journalismus fuer mich eine Stuetze der Demokratie, aber ich habe das Gefuehl, das die Nachrichten sich in den Medien immer aehnlicher sind, den gleichen Quellen entspringen und immer oberflaechlicher werden. Gerade in Nordamerika wo schon viele grosse Zeitungsverlage die Tueren fuer immer schliessen mussten (z.B. die aelteste Zeitung der USA Rocky Mountain News (April 23, 1859, bis Februar 27, 2009).

    Wohin geht also die Reise?

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