Android vs. iPhone – Konzeptsache

Einige neue Systemen drängen auf den Markt mit dem Ziel, Apple mit seinem iPhone Paroli zu bieten. Einer dieser Vertreter ist Android.

Es ist gut, wenn Apple auf dem Markt etwas mehr ernsthaften Mitbewerb bekommt. Nur so wird Apple motiviert, weiterhin kreativ und anders zu denken um eben bessere Produkte herzustellen. Ich frage mich allerdings seit Jahren, ob oder warum andere Hersteller Apples Erfolgskonzepte nicht erkennen.

Das iPhone und das System sind eine Einheit. Fest in allen Eigenschaften (Bildschirm, Schnittstellen, etc.) Das bedeutet: Jeder Anwendungsentwickler weiß genau, dass die Programme beim Kunden laufen und wie sie aussehen werden beim Kunden. Das ist ein gigantischer Vorteil gegenüber den meisten anderen Systemen!

Hinter Android steckt zwar eine Gemeinschaft von über 30 Herstellern aber schon die Tatsache, dass Android wieder von jedem Hersteller angepasst werden kann wird das Konzept gegen die Wand fahren lassen. Bei diesem System weiß ein Entwickler plötzlich nicht mehr, ob die Anwendung auf dem Kundengerät über Knöpfe, Touch oder Multitouch bedient werden kann, ob es ein großes oder kleines Display ist und welche Auflösung es hat. Das macht das Design einer Programmoberfläche zu einer echten „Herausforderung“ (oder eher zum blanken Horror). Im besten Fall lässt sich zwar immer alles bedienen und sieht einfach nur unschön aus, aber auch das wäre für einen Kunden schon eine deutlich schlechtere Erfahrung als bei einem iPhone.
Viel schlimmer aber: Der Kunde kann sich nicht sicher sein, ob eine Anwendung auf SEINEM Android-Telefon funktionieren wird oder selbst wenn, ob sie sich dann auch sinnvoll bedienen lässt.

Schon tauchte die erste Meldungen über ein günstiges Einsteiger-Android-Phone auf – mit deutlich geringerer Auflösung. Tja. Pech gehabt. Alle bestehenden Anwendungen werden ziemlich sicher ein Problem bekommen. Es heißt zwar, dass das System die Anwendungen automatisch skalieren können soll, notfalls mit ein klein wenig Unterstützung des Entwicklers, aber das habe ich über PocketPC-Systeme auch schon gehört und gelesen und ich war selbst ein betroffener Entwickler. Ich bin da eher sehr skeptisch. Selbst wenn das Gerät eine Anwendung an die Auflösung anpasst indem es die Pixel interpoliert – Das Ergebnis ist dann einfach nicht optimal weil die Anwendung nicht dafür entworfen wurde und welcher Entwickler baut schon gerne 2, 3 oder mehr alternative Oberflächen für alle möglichen Auflösungen sie sich am Markt entwickeln werden?

Läuft es bei Android also wie beim PocketPC und den Telefonen mit WinCE? Erst war alles fest definiert. Dann ging es aber los und bestimmte Schnittstellen waren keine Pflicht mehr, Bildschirmauflösungen variierten zwischen 320×240 bis 640×480 oder gar quadratischen Versionen. Viele Anwendungen konnten mit VGA nicht umgehen, manche wurden einfach grob in doppelter Größe gezeigt – andere superwinzig in der linken oberen Ecke. Andere haben keine Scrollbalken eingeblendet wenn die Zielauflösung kleiner war und auf quadratischen Displays kam man an die Buttons oder bestimmte Eingabefelder nicht dran usw.

Das gleiche Schicksal wird Android ereilen wenn das System so offen für die Hersteller ist. Vielleicht wird es gute oder gar sehr gute Android-Phones geben. Aber eine breite Basis mit Anwendungen für alle Android-Nutzer? Dazu müsste es sehr enge Regeln geben. Die Hersteller sollten sich zusammenreißen und erstmal einen Standard schaffen, statt von Anfang an jedes Gerät anders aussehen zu lassen.

7 Kommentare zu “Android vs. iPhone – Konzeptsache

  1. „wird das Konzept gegen die Wand fahren lassen“

    Das klingt mir doch etwas sehr hart, Entwickler bekommen mit dem SDK ein sehr guten Werkzeug in die Hand um Apps für diverse Auflösungen und andere unterschiedliche Umgebungen anzupassen, außerdem kann man im Makret angeben, auf welchen Geräten welche Apps angezeigt werden sollen.

    So kann es einem Nutzer mit QVGA-Gerät nicht passieren, dass er sich aus Versehen eine WVGA-App lädt und installiert und sich dann wundert, dass diese nicht läuft.

    Ich gebe dir teilweise recht, es ist immer ein schmaler Grad zwischen Nutzerfreundlichkeit und Entwickler/Hersteller aber worum geht es? Ob der Entwickler oder Hersteller zufrieden ist, ist dem Nutzer meiste egal, es wird egoistisch gedacht und man möchte das optimal für sich selber und sein Gerät rausholen und da scheiden sich die Geister…

    Denn für die einen ist ein Gerät + Software aus einem Guss das Super-Ding (siehe iPhone) und für wieder andere ist eine Auswahl an verschiedenen Geräten und eine Offenheit wichtig (siehe Android)

  2. traumtheater

    Ich möchte dir zustimmen, dass es ein großes Problem sein kann, wenn ein System zu offen ist. Gerade die von dir genannten verschiedenen Auflösungen und Bedienkonzepte können den Endnutzer schon ärgern. Man denke da nur an die vielen Handies und die Java-Programme, welche überall anders aussehen und sich manchmal furchtbar bedienen lassen, weil z.B. nicht jedes Handy eine Navigationstaste hat.
    Dennoch möchte ich betonen, dass offene Systeme durchaus ihren Vorteil haben. Hersteller können die Software besser an ihre Geräte anpassen und damit z.B. höhere Leistungen oder einen besseren Bedienkomfort herausholen (z.B. die TouchFlo Oberfläche der HTC-Geräte).
    Die Bedienung ist bei den Android-Geräten ja in 99% der Fälle identisch: Touchscreen + paar Bedienknöpfe. Das wird sich vermutlich nicht groß ändern.
    Das einzige was sich wohl ändern würde sind Leistung und Displayauflösung. Und das gleiche haben wir doch bei PCs heutzutage auch und dennoch gibt es für diese ein breites Softwareangebot.
    Apple hat mit dem 3GS ja mittlerweile auch eine Zwei-Klassen-Gesellschaft eingeführt: Nun gibt es iPhones die unterschiedliche Leistungsdaten haben. Der Software-Hersteller darf sich darauf dann einstellen.
    Android würde ich jedoch in keinem Fall mit einem Windows Mobile oder Pocket PC System vergleichen, denn Android ist weitaus offener. Findige Programmierer können mit dem System weit mehr anstellen. Und meiner Erfahrung nach (mein Vater hatte Pocket-PC, Windows Mobile und jetzt Android) ist das Android-System stabiler und ausgereifter.

    Ich gebe dir Recht, dass das iPhone-Konzept aufgeht, jedoch denke ich nicht, dass es nur an dem reinen Konzept liegt, sondern vor allem an der Tatsache, dass Apple klug gehandelt hat und z.B. den iPod integriert hat sowie das ganze System mit dem iTunes-Store gekoppelt hat. So hat der Endnutzer eine zentrale Anlaufstelle für Apps. Das zusammen mit der Tatsache, dass es das erste Mobiltelefon mit Multitouch und genialem Browser war ist meiner Meinung nach Ausschlaggebend für den Erfolg.
    Nur meine (leider lange) Meinung ;)
    Ansonsten: Schöner Blog und Podcast… lese und höre ich schon sehr lange! Und im Twitter hast du auch immer was zu sagen. Da fragt man sich, wo bei dir das Privatleben bleibt ;)
    Besten Gruß

  3. Danke für Eure ausführlichen Kommentare.
    Ich sollte vielleicht klar machen, dass ich nichts gegen offene Systeme habe. Dass so etwas durchaus Vorteile hat sieht man auch am iPhone – Erst mit einem Jailbreak öffnet sich bei dem Gerät das volle Potential (man nehme nur mal das Tethering als Beispiel. Geht bei jedem Handy mit BT/IR/USB aber beim iPhone ist die Funktion komplett verdongelt)

    Nein, das Problem ist nicht die Offenheit des Systems (die wohl auch notwendig ist wenn Hersteller komplett unterschiedliche Geräte bauen möchten) sondern der Punkt, an dem die Hersteller sich auf keinen kleinen gemeinsamen Nenner einigen wollen/können.
    Den Kunden interessiert das nicht direkt – nur indirekt weil er entscheiden muss, was für ein Gerät er kaufen möchte. Das kann er durchaus vom verfügbaren Softwareangebot abhängig machen.

    Und ein Entwickler hat Heute schon die Wahl für verschiedene Plattformen zu programmieren. Für welche wird er sich wohl entscheiden? PocketPC/WindowsMobile, iPhone, Symbian, PalmPre, Android? Lassen wir uns mal überraschen.

    Wie gesagt – Kräftiger Wind auf dem Markt ist auch für uns Apple-Anwender gut. Ich aber bezweifele, dass Android da ein ernsthafter Gegner werden kann.

  4. Genau diese 100%ige Gleichheit ist einer der Gründe, weshalb Apple für mich keine Kaufoption ist.

    Meiner Einschätzung nach kaufen mindestens 2/3 der Kunden Apple nur wegen dem „guten“ Design. Das dies aber in der Masse dann auch nichts besonderes mehr ist und im Verhältnis zur gebotenen Leistung völlig überteuert ist, scheint den Meisten egal zu sein.

    Jeder Palm oder PocketPC ist besser, weil individueller auf die Bedürfnisse anpassbar und damit weitaus breiter nutzbar als ein IPhone.

    Aus Sicht eines professionellen Anwenders bin ich prinzipiell ein Gegner von Apple, da die Anwendungsmöglichkeiten viel zu stark eingeschränkt sind. Das gilt für die erhältliche Software, die Möglichkeiten der Auf- und Umrüstung als auch für die durch die erwähnte feste und unsinnige Struktur nur eingeschränkt mögliche Softwareentwicklung.

    Ich kann nicht verstehen, warum ich mich derart in meinen Möglichkeiten einschränken soll. Für mich ist das so, als ob man eine DSLR kauft, die kein RAW kann, aber besser aussieht als die anderen Modelle. Da stelle ich mir doch lieber einen schwarzen (unschönen) Kasten unter den Tisch und habe alle Möglichkeiten offen, als mir einen Design-Unfall zu kaufen (z.B. scharfe Kante bei der neuen MacBook Tastatur) und an nur spezielle Soft- und Hardware gebunden zu sein.

    Meinen PC kann ich mir genau nach meinen Anforderungen zusammenstellen und auch später noch leicht den zeitlichen Entwicklungen anpassen. Das Konzept von Apple erinnert mich an die graue Anfangszeit der Computerentwicklung, als die User noch nicht in der Lage waren, selber zu bestimmen, was sie brauchen und was nicht, und dann ein fertiges System vorgesetzt bekamen und damit glücklich waren, es gab für die breite Masse auch nichts anderes. Früher mag das ein Vorteil gewesen sein, heute ist es einfach nur noch antiquiert.

    Ich dachte wir wären heute weiter, aber anscheinend gilt auch für Computer, „Kleider machen Leute“.

  5. Hmmm, mir fällt dazu nur ein, dass das Informationsangebot im WWW auch auf einer Vielzahl von unterschiedlichen Browsern (mit unterschiedlicher Auflösung, unterschiedlichen Fenstergrössen, unterschiedlichen technischen Fähigkeiten, etc.) dargestellt wird, und das in den meisten Fällen auch ganz gut klappt, auch wenn es für Entwickler nicht immer leicht war (und ist), eine entsprechende Flexibilität herzustellen.

  6. >Das bedeutet: Jeder Anwendungsentwickler weiß genau, dass die Programme beim Kunden laufen und wie sie aussehen werden beim Kunden. Das ist ein gigantischer Vorteil gegenüber den meisten anderen Systemen!

    Das war mal!
    Mittlerweile kann man das so nciht mehr sagen,jedenfalls wenn man mit augenmerk auf die aktuellen geräte entwickelt!
    Denn die neuen geräte sind schneller als die alten!

  7. Hallo Boris,

    prima Beitrag. Ich würde noch die wirtschaftlichen Auswirkungen von dem Apple Konzept etwas beleuchten.

    Apple hat es geschafft mit dem iPod touch und dem iPhone 6 Geräte mit gleichem UI zu erstellen und diese Millionenfach zu verkaufen. Für einen Entwickler bedeutet dieses eine riesige Zielgruppe bei gleichzeitig reduziertem Aufwand. Bei Nokia und Android habe ich eine kleinere Zielgruppe (durch unterschiedliche Hardware) und höheren Aufwand. Dieser Aufwand entsteht im Design, Entwicklung, Test, wie von Dir ausführlich beschrieben. Überall müssen unterschiedliche Hardware-Plattformen bedacht werden. Wie oben bereits von traumtheater angemerkt worden ist, ist dieses nicht unmöglich. Es beutet aber höhere Komplexität, die gemanaged werden will. Zudem ist das App-Store Modell einfach und simpel… deshalb gibt es schon mehrere Tausend Anwendungen für das iPhone und deutlich weniger für Android und Symbian. Diese Vielzahl von Anwendungen stellt Apple in seiner Werbung auch deutlich heraus – sicherlich für viele ein weiteres Kaufargument für das iPhone.

    In diesen Tagen geht durch die Presse, dass es Apple schafft mit nur einem Handy mehr Gewinn zu erwirtschaften, als Nokia mit all seinen unterschiedlichen Modellen. Auch hier schlägt sich die niedrigere Komplexität bei Apple voll auf die Kosten durch.

    – nur 2 Hardware-Plattformen parallel (iphone 3GS, iPod touch 3G) vs. 5+ aktuelle Modelle mit Symbian bei Nokia
    => niedrigerer Design und Testaufwand als bei Nokia
    – Größenvorteile im Einkauf bei Apple (zu dem noch Gleichteile im iPhone und iPod touch)
    – geringe Schulungskosten und Ersatzteilkosten für den Support
    – niedrigere Logistikkosten (weniger Lagerbedarf, mehr Stückzahlen aller Modelle transportierbar….

    Alle diese Kostenvorteile mögen für ein einzelnes Gerät klein sein. Man darf aber nicht das Volumen vergessen. Apple hat im letzten Quartal 8 Mio iPhones und 10 Mio iPods verkauft. Da werden aus 1$ Kostenvorteil schnell 8 Mio $ und mehr wenn man den iPod touch einrechnet.

    Nebenbei darf man nicht vergessen, dass Apple für seine iPhones durchschnittlich mehr erlöst als Nokia im Durchschnitt für seine Mobiltelefone und dass sich das iPhone sehr gut verkauft. Was für Nokia gilt, gilt für die Hardware-Partner von Google erst recht. Sie verkaufen gegenwärtig noch deutlich weniger Geräte.

    Apple hat es innerhalb von 2 Jahren geschafft, erfolgreich einen neuen Markt zu erobern und den Marktführer anzugreifen. Google hatte bisher keine Hardware-Kompetenz im eigenen Haus. Deshalb musste Google mit Android diesen Weg gehen. Android wird jedoch nicht diese dominante Position erreichen, die Apple bereits hat. Auch die Hardwarepartner von Google werden wirtschaftlich nicht so erfolgreich sein, wie es Apple mit dem iPhone ist. Es wird sehr schwer werden für einen dieser Partner mehr Geräte als Apple zu verkaufen und so die gleichen Größenvorteile zu erhalten, wie sie Apple bereits hat. Um Kunden vom eigenen Gerät zu überzeugen, müssen sie günstiger sein als Apple. Dies bedeutet auf lange Sicht weniger Gewinn als Apple.

    Man sieht Apple hat sehr viel richtig gemacht und ist meiner Meinung nach langfristig in einer besseren Wettbewerbsposition als Google und seine Hardwarepartner.

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