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Apple nicht mehr Vorreiter bei Innovation und Forschung?

Samsung zeigte jüngst seine aktuellen Entwicklungen im Bereich der flexiblen OLED-Displays und präsentierte gleich noch eine Art Werbe-Clip, wie man sich die Zukunft mit diesen Geräten vorstellt. Die veranlasst nun viele zu glauben, dass Apple eben nicht mehr der Innovationsmotor ist, weil sie, im Gegensatz zu Samsung, keine solchen Geräte zeigen und stattdessen einfach mehr Speicher in ein iPad einbauen.

Aber stimmt dieser Gedanke so auch? Wenn man sich die Vergangenheit von Apple und auch anderen Herstellern mal ansieht, könnte man auch zu einem anderen Schluss kommen.

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Technische Möglichkeiten

Wie so oft, muss man auch in diesem Fall wieder deutlich unterscheiden zwischen Apple und anderen:

Bei den anderen (hier ist es Samsung), sieht man regelmäßig ganz tolle Ideen, Einblicke in aktuelle Forschung, Prototypen, etc. Diese werden auch gerne auf Messen wie der CeBIT gezeigt oder als futuristische Video-Clips auf Youtube. Als Endkunde sieht man das dann und sagt sich: “Wow, toll, wann gibt es das zu kaufen?” und bekomt dann nur schwammige Aussagen… in der Entwicklung… in 5-6 Jahren, wobei dann nicht gemeint ist, dass es dann auch marktreife Produkte gibt, etc.

Es ist nur wichtig für die Aktionäre und eben den Aktienkurs, dass regelmäßig etwas ganz tolles gezeigt wird. Frei nach dem Motto: “Wir tun etwas!” – Ob es jemals fertig wird oder überhaupt mal Anwendung findet, egal.

Man kann sagen, dass die Firmen gerne technische Möglichkeiten präsentieren, auch wenn diese erst am Anfang der Entwicklung stehen. Eine Vision beschränkt sich oft auf eine, gerne auch mal auf eine einzige, technische Grundlage. Immerhin hat Samsung in diesem Fall nicht nur die Vision eines biegsamen Displays, das alleine wäre nun wirklich nicht neu sondern schon schon über 20 Jahre alt, sondern sie überlegen auch, wie man solche gebogenen Displays nutzen könnte. Fertige Produkte sind all dies aber noch lange nicht, Touchbedienung wurde nicht wirklich gezeigt und der Werbeclip reduziert sich auf die Coolness eines zusammenlegbaren Displays.

Anwendung statt Technik

Apple ist da ganz anders. Ob das immer gut ist, ist die andere Frage.

Apple hat immer versucht, neue oder bessere Anwendungen möglich zu machen. Es geht bei Apple-Produkten nicht mehr vorrangig um technische Einzelheiten sondern darum, welche Aufgaben man damit erledigen kann und wie dies geschieht. Apple spricht lieber vom Retina-Display als konkrete Auflösungen zu nennen. Es geht darum, seiner Familie in die Augen zu sehen beim telefonieren, nicht um die dahinter stehende Technik. Es geht darum, das Internet in der Hosentasche zu haben, Mails, Kalender, Kontakte, Webseiten und mehr und nicht darum, wieviel GHz der Prozessor hat oder wie schnell der Speicher angeschlossen ist.

Ich bin mir relativ sicher, dass auch bei Apple über revolutionäre neue Produkte nachgedacht wird. Auch dort werden Prototypen gebaut. Das iPhone hat den Markt umgekrempelt und es hat vorher niemand wirklich geahnt, wann und was da kommen würde. Über viele Jahre wuchs die Idee und es gab zig Prototypen – nur stand Apple nicht regelmäßig auf Bühnen um unfertige Ideen zu zeigen, die dann so vielleicht niemals kommen würden.

Es gibt auch von Apple ein sehr altes Video von 1987(!), in dem ein Knowledge Navigator – ein persönlicher Assistent gezeigt wurde. Sprachsteuerung, Video-Telefonie, faltbares Display mit Touchbedienung… Ich glaube nicht, dass Apple diese Ideen verworfen hat – einige davon sind ja schon Realität geworden, oder zumindest nah dran.

Ich wäre also vorsichtig zu behaupten, dass Apple die Führungsposition verloren haben könnte oder in Kürze verlieren wird. Apple ließ sich noch nie in die Karten schauen und ich bin gespannt, an welchen Ideen der Konzern gerade grübelt – und zwar typisch Apple, wieder anders als andere. Nicht nehmen, was es gibt und es schneller, größer oder kleiner machen sondern das Problem hinter bestehenden Lösungen erkennen und einen neuen, besseren Ansatz finden.

3 Kommentare

  1. Ich bin der Meinung je mehr Firmen, grübeln wie man besser Verkäufliche Systeme macht desto mehr haben wir Kunden etwas davon. Ob Apple, Samsung, Nokia, RIM oder HTC gerade am Innovativsten ist mir persönlich egal. Was mich am meisten stört ist die Denkweise durch Abgrenzung und Marktmacht Kunden binden zu können. Da stehen die Firmen sich im Prinzip auch nichts nach wenn man sie lässt.

    Die Frage die sich stellt gibt es wirklich noch Problemstellungen die eine große Kundschaft so drängt das sie ein neues Produkt kaufen. Ich meine nicht so künstliche Hypes wie Datenbouncen oder die fünf Pixel mehr Bildauflösung.
    Eine unterentwickelte Rubrik wäre da z.B. EPayment, vertraue ich den Firmen genug das ich ihnen mein schwer verdientes Geld anvertraue. Zur Zeit eher nicht …keiner Firma aus dem Bereich. Wie Kompatibel sind die Systeme untereinander.
    Viele Verbesserungen die ich mir noch denken kann, erfordern ein Kooperation von Firmen um eine flächendeckende Verbreitung zu bekommen. Da sehe ich aber die größten Probleme.

    Da wird der Kunde in Röhre schauen.

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