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Podcasts über Skype aufnehmen – Mein Setup

rme-fireface400-routing

Achtung, in diesem Beitrag wird es technisch – zumindest technischer als in so manch anderem Beitrag.

Ich werde mein Audio-Setup erläutern, mit dem ich die Happy Shooting Podcast Episoden aufzeichne und auf die Geschichte, den Weg zu diesem Setup eingehen. Es geht um virtuelle und reale Audio-Devices, um Wiretap Anywhere, RME Fireface 400, Mac, OS-X 10.6, 10.7 und 10.8

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Spurensuche

Skype ist wohl jedem bekannt und viele nutzen es jeden Tag. Alles ganz einfach. Schwieriger wird es, wenn man so ein Skype-Gespräch als Podcast aufzeichnen möchte.  In der Recording-Software seiner Wahl, möchte man nämlich das Mikrofon-Signal und das Skype-Signal auf getrennten Spuren aufzeichnen, damit man diese unabhängig voneinander bearbeiten und ggf. leicht im Stereo-Bild anordnen kann.

Für Happy Shooting kommt noch hinzu, dass wir Audio-Beiträge von Hörern, Geräuschrätsel und Jingles einspielen und diese ebenfalls auf einer eigener Spur landen sollen.

Für die Aufzeichnung eines Podcasts möchte ich also drei separate Spuren aufnehmen können: Mikrofon, Skype, Zuspieler.

Mit OS-X Bordmitteln ist dies an einem einzelnen Mac nicht möglich, da Audio-Ausgaben einzelner Programme nicht getrennt abgegriffen und aufgezeichnet werden können. Es gibt viele Tools, um Skype-Gespräche aufzuzeichnen. Mikrofon und Skype landen dabei in zwei Audio-Dateien oder in einer Stereo-Datei. Das nutzt mir aber auch nichts, da die Zuspieler nicht getrennt aufgezeichnet werden und ich außerdem nicht eine Recording-Software meiner Wahl einsetzen kann.

Virtuelles Audio-Device

Unter OS-X 10.6 und davor hieß die Lösung: Wiretap Anywhere aus dem Hause Ambrosia. Diese Software simuliert ein Audio-Device und war in der Lage, Audio-Signale einzelner Anwendungen abzugreifen. Mit $129 nicht gerade ein Schnäppchen, Tests verliefen aber erfolgreichen und die Software tat genau, was ich brauchte.

Ich kaufte also diese Software und richtete ein virtuelles Audio-Device mit mehreren Eingängen ein. Mikrofon auf einen Eingang, Skype auf einen weiterne Eingang. Als Zuspieler fungierte anfangs Quicktime, später Soundboard, das gezielt abgegriffen und auf einen eigenen Eingang gelegt wurde. Dieses virtuelle Device konnte man in jeder Audiosoftware als Eingang wählen und so konnte ich Anfangs mit Garageband, inzwischen mit Reaper alle Audio-Quellen auf eigene Spuren aufzeichnen. Sehr praktisch.

Ein weiteres virtuelles Audio-Device wurde für Skype als Eingang genutzt. Hier wurden Mikrofon und System-Audio auf die Kanäle 1+2 gelegt, damit mein Gesprächspartner nicht nur mich sondern auch die Hörerbeiträge und Jingles und alles, was ich in irgendeiner Anwendung abspiele, hören kann.

Dieses Setup lief gut, war stabil und bequem. Bis…

Lion – OS-X 10.7

Apple scheint irgendein internes Problem mit Audio zu haben. Wenn ich den Entwicklern von Audio-Software glauben kann, ändert Apple wohl ständig irgendetwas an den grundlegenden Vorgängen im System. Von 10.3 auf 10.4 hatte sich einiges geändert, so dass die Entwickler ihre Treiber und Software teils heftig anpassen mussten. Beim Wechsel von 10.6 auf 10.7 wurde wieder eine tiefgreifende Änderung im Audio-System vorgenommen, wohl wegen der Vorbereitung auf die Sandbox-Apps.

Details ermüden uns als Anwender nur, das Ergebnis war aber: Tools wie Wiretap Anywhere konnten nicht mehr die Audio-Ausgaben einzelner Anwendungen abgreifen! Problemlos kam man nur noch an das Summen-Signal, also System-Audio heran. Mit einem Hack wäre es wohl noch möglich gewesen, Ambrosia entschied sich aber dazu, diesen nicht einzubauen und hielt die Anwender hin. Blöd, denn so konnte ich mit 10.7 den Zuspieler nicht getrennt abgreifen. System-Audio half mir nicht, da hier neben Zuspieler auch die Skype-Ausgabe zu hören war.

Ich blieb deshalb sehr lange auf OS-X 10.6 und hatte auch kein Problem damit. Nur stellte Apple schließlich MobileMe ein und ließ seine Kunden zur iCloud wechseln, ohne iCloud-Funktionen für 10.6 nachzureichen. So war ich gezwungen auf 10.7 zu wechseln und damit mein Audio-Setup zu zerstören.

Natürlich musste eine Lösung her, denn ich wollte weiterhin Podcasts aufnehmen…

Der Work-Around für 10.7

System-Audio, das das Summen-Signal, konnte Wiretap Anywhere weiterhin abgreifen. Ich deaktivierte also einige Systemklänge, so dass während der Aufzeichnung nur Skype zu hören war. Das virtuelle Audio-Device passte ich nun an: System-Audio auf eine Spur, Mikro auf eine weitere, wie bisher auch.

Fehlte noch der Zuspieler, den ich ja nun nicht mehr direkt aus einer Anwendung abgreifen konnte.

Nun nutze ich ohnehin schon lange ein externes Audio-Device am Mac und ich habe beim Kauf immer darauf geachtet, dass ich mehrere Ein- und Ausgänge hatte, man weiß ja nie, wann und wofür man sie mal brauchen könnte.

Ich schloss nun also mein MacBook Pro über ein Stereo-Kabel an das Audio-Device an und konnte so diese weiteren Eingänge in Wiretap Anywhere nutzen. Ich konnte nun also nicht mehr alles mit einem Gerät machen, aber lieber zwei Computer nutzen als gar nicht mehr vernünftig aufnehmen können.

Bei der Gelegenheit habe ich das zweite virtuelle Gerät, das für Skype als Input dient, auch noch geändert. An Skype wurde nun nur noch das Mikro und der Zuspieler geschickt. So konnte ich am Ende einer Aufnahme schon mit dem Mastern beginnen, ohne den Gesprächspartner zu nerven und ohne die Live-Zuhörer (inzwischen streamen wir bei der Aufnahme live) zu stören.

Probleme

Es fingen allerdings kleine Probleme an. Plötzlich lag am virtuellen Audio-Device kein Signal mehr an. Das passierte bisher immer nur vor einer Aufnahme, zuletzt aber auch einmal während einer Aufnahme. Gar nicht gut!

Mountain Lion – 10.8

Ambrosia hat während der gesamten Laufzeit von OS-X 10.7 keine Updates für Wiretap Anywhere gebracht, keine Work-Arounds geliefert und die Kunden immer vertröstet. Inzwischen ist 10.8 draußen und die Situation hat sich verschlimmert: Wiretap Anywhere kann unter 10.8 nicht mal mehr das Summen-Signal abgreifen! Ein Lösung soll es wohl geben, aber derzeit sei man komplett mit Snapz beschäftigt.

Gut, auf meinen alten iMac, an dem ich die Sendungen aufnehme, kann ich 10.8 gar nicht installieren, dennoch macht mir diese eingeschlafene Weiterentwicklung Sorgen. Ich warte und spare schon auf einen neuen iMac und dieser wird sehr sicher mit 10.8 ausgeliefert werden. Was dann, wenn Wiretap Anywhere nicht mehr läuft? Hätte die Software $49 gekostet – geschenkt. Aber wenn man $129 investiert hat, dann erwartet man als Kunde doch ein wenig mehr. Neben der technischen Hürde, war und bin ich auch ein wenig verärgert und fragte mich, ist ein…

…virtuelles Device noch notwendig?

Ich grübelte. Zum einen habe ich jetzt schon länger keine programm-spezifischen Audio-Signale abgegriffen sondern immer mit Summe und externem Zuspieler gearbeitet. Zum anderen hatte ich inzwischen ein richtig gutes Audio-Device gekauft, ein RME Fireface 400. Nicht das billigste Gerät, dafür mit tollen Möglichkeiten, die diversen Audio-Signale intern, also in Hardware, zu routen und mehrere Submixe zu erzeugen.

Mit dem Fireface kann man diverse Eingänge und Systemausgaben auf beliebige, auch auf mehrere, Ausgänge umleiten und dabei munter mixen. Der Haken ist nur, dass man Ausgänge nicht aufnehmen kann. Recording-Programme bieten einen nur die Audio-Eingänge an. Man müsste also irgendwie die gemixten Ausgänge auf entsprechende Eingänge umleiten können, damit man diese dann aufnehmen kann.

Ich studierte noch einmal die Anleitung von RME und hüpfte vor Freude: Es gibt einen internen Loop, um Ausgänge auf Eingänge zu schicken! Jetzt sollte es also möglich sein.

Alles in Hardware

Ich brauchte zwei getrennte Mixe. Einmal für Skype als Input und einmal für Reaper zum aufnehmen.

Für Skype musste ich das Mikrofon und den Zuspieler irgendwie auf Eingang 1+2 bekommen, da Skype immer nur von den ersten beiden Kanälen Signale entgegen nimmt.

Für Reaper musste ich Mikrofon, Zuspieler und Systemaudio auf drei getrennte Eingänge bekommen.

Nach etwas grübeln und probieren fand ich diese Lösung:

Input = physikalische Eingänge am Fireface
Wiedergabe = Spuren, die vom Computer direkt beschickt werden
Output = Ausgangs-Kanäle
Loop zu Input = virtuelle Eingänge die über internen Loop beschickt werden
Das Routing zu PHONES als Monitor habe ich hier der Übersicht wegen weg gelassen

Wie geht das nun? Dieses Routing und Looping kann man im RME Fireface Mixer einstellen. Mit Screenshots lässt sich das nur schlecht dokumentieren, wer aber so ein Gerät hat, der findet das schnell heraus. Die gute Anleitung hilft dabei.

Das Grundprinzip ist folgendes: Im Mixer klickt man unter einem Eingang in das Feld in dem der zugewiesene Ausgang angezeigt wird. Es öffnet sich eine Liste und man kann den gewünschten Ausgang wählen. Danach gelten die Lautstärkeregler des Eingangs für den Mix zum ausgewählten Ausgang. Danach kann man erneut klicken, einen anderen Ausgang wählen und mit den Reglern das Signal zu einem weiteren Ausgang leiten. In meinem Beispiel habe ich die Eingänge 1 + 2, an der 1 hängt das Mikro, auf diese Weise zum Ausgang 1 + 2 geschickt und zusätzlich an den Ausgang A1 + A2.

Der Ausgang 1 + 2 soll den fertigen Mix erhalten, den ich später an Skype als Eingang senden möchte. A1 + A2 enthalten nur das trockene Mikro-Signal, das ich später auf einen anderen Eingang Loopen möchte, um es in Reaper aufzunehmen.

Außerdem wird das Signal noch an PHONE geroutet, damit ich auf dem Kopfhörer auch mich selbst höre.

Das gleiche mache ich, wie in der Grafik dargestellt, auch mit anderen Eingängen und der System-Wiedergabe.

Am Ende habe ich tolle Mixe an den Ausgängen anliegen, kann diese aber so nicht aufnehmen und auch nicht für Skype verwenden, weil sie eben am Ausgang und nicht am Eingang anlegen. Und da kommt ein absolut geniales Feature des RME-Mixers ins Spiel:

Der Interne Loop!

Jeder Ausgang kann intern an den jeweils equivalenten Eingang geschickt werden. Keine Angst, Rückkopplungen gibt es dabei nicht, da zwischen echten und geloopten/virtuellen Eingängen unterschieden wird. Das funktioniert im Mixer, indem man am Ausgang auf den Namen des Ausgangs klickt, während man die CTRL-Taste gedrückt hält. Der Name wird dann rot dargestellt um zu zeigen, dass das Signal nun am Eingang anliegt.

Am Ausgang 1 + 2 liegt bei mir also ein gemixtes Signal aus Mikrofon und Zuspieler an und wird dann zurück an den Eingang 1 + 2 geloopt. Dieser geloopte Mix landet dann in Skype, wenn man das Fireface 400 als Audio-Device für den Eingang auswählt. Schon kann der Gesprächspartner mich und den Zuspieler hören, sonst nichts.

Die Audiosoftware greift die einzelnen Signale ab. A1 + A2 wird intern geloopt auf die Eingänge 11 + 12. Das trockene Mikro-Signal liegt also an Kanal 11 an. Der Zuspieler wird direkt von Eingang 5 + 6 geholt, hier ist kein Loop erforderlich. Die System-Klänge kommen zunächst im Wiedergabekanal 1 + 2 an, werden per Mixer aber auf den freien Ausgang 3 + 4 geroutet um von dort, per internem Loop, auf die Eingänge 3 + 4 geschickt zu werden. Schon können die System-Klänge, in meinem Fall also die Skype-Ausgabe, über Input 3 + 4 aufgezeichnet werden.

Wer solche Loops mit seiner Audio-Hardware nicht realisieren kann, der braucht einfache Patch-Kabel um die physikalischen Ausgänge mit freien Eingängen zu verbinden. Eine doppelte Nutzung von Eingängen, wie in meinem Fall bei 1 + 2, ist dann allerdings nicht möglich. Könnte ich nicht loopen, müsste ich das Mikrofon an einen anderen Eingang anschließen, womit ich das Problem hätte, dass ich einen externen Mikrofonverstärker bräuchte, da eben solche nur an Eingang 1 + 2 verfügbar sind…

Fazit

Man muss also nur schauen, dass man alle Eingänge und Wiedergabekanäle geschickt auf Ausgabekanäle routet um diese dann auf die Eingänge zu loopen. Schon ist eine ganze Menge möglich, ohne dass zusätzliche Software oder virtuelle Audio-Devices erforderlich sind.

Das ist jetzt, in meinem Fall, nur deshalb machbar, da ich ohnehin auf einen externen Zuspieler ausgewichen bin. Wollte ich es, wie noch mit OS-X 10.6, mit einem Computer alleine realisieren, käme ich um eine Software zum abgreifen der Anwendungsklänge nicht herum. Da dies aber unter 10.7 nicht mehr möglich ist (oder nur noch mit Hacks, die keiner in der Form anbietet, dass man sie in Recording-Software nutzen könnte) und es ungewiss ist, wie es mit 10.8 weiter geht, bleibe ich beim externen Zuspieler und bin froh, jetzt ein Audio-Setup ohne zusätzliche Treiber gefunden zu haben.

Die nächsten Tests und Aufnahmen werden zeigen, wie gut dies hoffentlich funktionieren wird smile

13 Kommentare

  1. Hallo Boris,

    auch wenn man das sehr häufig hört, glaube ich nicht daß es „physikalische“ Eingänge gibt – sondern eher „physische“ also körperliche Eingänge. Oder habe ich da etwas falsch verstanden?

    Viele Grüße und Danke für Dein immer wieder recht interessantes Blog
    Andreas

  2. Irgendwann hab‘ ich nur noch Bahnhof verstanden. Aber das ist in Ordnung so. ;-) Audio ist nicht so meine Kernkompetenz. Aber ich hätte die gleiche Frage wie Ralf.

  3. Pingback: #280 – Mit Schlips und Krawatte | Happy Shooting – Der Foto-Podcast

  4. hi boris,

    probier doch mal journalist pro (als 30-tage-demoversion) von http://hindenburgsystems.com aus. die software ist für das produzieren von radiobeträgen konzipiert…

    die pro version ist in der lage mit dem „call recorder“ skype anrufe in zwei audiospuren getrennt (anrufer + angerufener) aufzuzeichnen und zu bearbeiten (schneiden, kürzen, verschieben).
    es werden natürlich externe mikrofone unterstützt.
    weitere audioschnipsel, wie geräuschrätsel, jingles, kann man weiteren spuren anlegen.
    die quellen werden, wenn gewünscht, nach ebu standdard (verhältnis sprache-musik) gelevelt.

    tutorials gibt es unter http://www.youtube.com/user/NickDunkerley

    gruß

    colmans

    ps: es gibt auch eine iphone app. wäre vielleicht für chris interessant um beim autofahren wieder eine folge tfttf aufzunehmen. aufnahmen mit dem iphone lassen sich über wlan in die schnittsoftware überspielen und auf dem macbook weiterverarbeiten.

    • Danke colmans aber wir haben keine Probleme mit der Audiosoftware :)
      Hindenburg taugt nicht für meinen Anwendungsfall, da ich ja eben neben Mikro+Skype noch weitere Einspieler auf eigener Spur benötige – Live! Nicht später. Hindenburg ist eher für ein Off-Air-Zusammensetzen von vorbereiteten Schnippseln zu einer gesamten Show.
      Ich hatte Hindenburg auch mal gefunden und auch einige Anfragen/Wünsche geäußert. Wenn die Software mal so weit ist, dass ich vorbereitete Einspieler live einspielen/aufnehmen kann (so dass der Skype-Partner sie auch hört), Kapitelmarken setzen möglich ist (die auch bei Schnitten mit verschoben werden) und zwar auch in MP3, dann schaue ich mir das sicher noch mal genauer an :)

      Für das mobile Recording hat Chris eine sehr schicke App gefunden, die er seit einigen tfttf-Folgen nutzt: Bossjock

  5. Hallo Boris,

    hast du dir ja eine ordentlich Arbeit gemacht das Setup so aus zu tüfteln und es dann auch noch super Dokumentiert. Ich bahne mit auch einen Weg durch den Jungel um Live auf Windows zu Produzieren. Aber noch weit von möglichen Lösungen oder fertigen Workflow entfernt. Mich würde noch interessieren welche Tool du einsetzt für die Kaptielmarken, auch wenn ich keinen Mac habe hoffe ich doch über die Software mehr Informationen zu bekommen.

    Mach weiter so, ihr macht einen Super Job!

    Gruß
    Chris alias Fotoniker

  6. Hallo Boris,
    ich denke, heute sieht Dein Setup etwas anders aus und Du wirst Reaper die Ultraschall von Ralf Stockmann einsetzen. Oder?

    Beste Grüße
    Achim

    • Das Setup sieht noch so aus. Anpassungen nur im Detail. Welche Audio-Software aufzeichnet spielt dabei keine Rolle. Ich nutze Reaper (aber Standard, nicht Ultraschall)

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