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Von Lightroom 3 nach Lightroom 4

Lightroom 4 ist offiziell erschienen, viele von Euch werden es direkt bestellt und vermutlich auch schon erhalten haben. Die Installation erfolgt reibungslos parallel zu Lightroom 3 und der bestehende Katalog kann übernommen werden, wobei Lightroom 4 eine Kopie des Kataloges erstellt – und das ist auch gut so. Ich empfehle dennoch vorher ein Backup zu machen, Backups sind wichtig smile

Neben einigen neuen Funktionen ist die wohl tiefgreifenste Änderung an Lightroom 4 der neue Entwicklungsprozess. Die Routinen zur Interpretation und Bearbeitung der RAW-Daten wurden von Grund auf überarbeitet und geändert. Regler sind verschwunden, andere sind hinzugekommen, Werte- und Wirkungsbereiche einiger Regler haben sich geändert usw.

Positives, Negatives und ein paar Vorher/Nachher Bilder bei der Umstellung auf den neuen Entwicklungsprozess, seht Ihr nach dem Klick

Positiv

Bei ersten Tests sind mir folgende Dinge positiv aufgefallen

  • Der Klarheiten-Regler arbeitet sauberer und erzeugt weniger Halos
  • Die Abstimmung zwischen aufhellen von Schatten und abdunkeln von Lichtern ist besser und erzeugt weniger bis keine hässlichen Ränder mehr an den Kontrastgrenzen
  • Die Detailschärfe der Bilder, also offenbar schon das Demosaiking des RAW, ist nochmals deutlich verbessert worden
  • In der Objektivkorrektur kann man nun die chromatischen Aberrationen einzeln anklicken und so in vielen Fällen ohne weitere Einstellungen die Farbsäume abstellen und eine bessere Grundschärfe ins Bild bekommen, ohne dass man die Vignettierung und Verzeichnung des Objektivs anfasst.
  • Der Korrekturpinsel hat viel mehr Möglichkeiten bekommen und scheint flotter zu arbeiten.

Negativ

Der neue Entwicklungsprozess „2012“ bringt viele Änderungen mit sich. Ein kleines Ausrufezeichen unten rechts im Entwicklungsmodul weißt darauf hin, dass man ein Bild in einem älteren Prozess geöffnet hat. Lightroom 3 benutzt den „2010“-Prozess. Man hat nun auch in Lightroom 4 die Regler und Möglichkeiten dieses alten Prozesses zur Verfügung und man kann mit einem Klick auf das Ausrufezeichen auf den Prozess umschalten.

Im ersten Fall könnte man aber noch ein Problem mit Fehlern der 4er Version bekommen, im zweiten Fall könnte einiges an Arbeit auf einen zukommen.

  • Lightroom 4 hat derzeit noch ein paar Fehler. So werden manuell angepasste Tonwertkurven nicht korrekt von Lightroom 3 übernommen. Auch wenn man den Entwicklungsprozess nicht ändert, wird das bekannte Bild also neu interpretiert. Das gemeine ist, dass einem das nicht sofort auffällt, da die Vorschaubilder nicht neu erzeugt werden bei der Übernahme. Erst wenn man in das Entwicklungsmodul geht, sieht man es.
  • Die Regler zum entrauschen sind deaktiviert. Das Bild soll wohl korrekt interpretiert werden, man kann aber keine Änderungen mehr vornehmen. Das Problem ist Adobe auch schon bekannt.

Ob es noch andere Fehler gibt, ist mir derzeit nicht bekannt. Ich würde allerdings noch nicht empfehlen auf Lightroom 4 zu aktualisieren sondern mindestens das erste Update abzuwarten.

Wenn Ihr den Schritt dennoch wagt, dann legt Euch vor dem Upgrade eines Bildes auf den „2012“-Prozess eine virtuelle Kopie des Bildes an, als Backup. Die Änderungen können nämlich ziemlich dramatisch ausfallen und ziehen doch einiges an Arbeit nach sich, wenn man den alten Look möglichst gut wieder treffen möchte. Ein exaktes nachbilden des alten Looks ist allerdings nicht immer möglich, jedenfalls nicht mit endlichem Aufwand. In vielen Fällen wird einem der neue Look, nach Anpassungen, aber vermutlich besser gefallen – allerdings wohl nicht in jedem Fall.

Hier ein paar Beispiele. Links die Lighroom 3 Version, rechts nach dem Klick zur Umstellung auf den Lightroom 4 Prozess, ohne weitere Anpassungen (Klick macht groß):

Insgesamt wird das Bild zu hell. Schattenbereiche sind viel stärker aufgehellt, Kontraste gehen verloren. Die Sättigung ist weniger stark. Die Braun-Töne tendieren eher zu einem Grau.

 

Hier das Gegenteil: Dunkle Bereiche werden deutlich dunkler, die Vignette ist viel kräftiger. Kontraste in den Wolken werden viel zu hart, die zarten Rot-/Orange-Töne gehen fast verloren. Der Kontrast auf dem grünen Feld ist deutlich angehoben.

 

Mitten und Tiefen teils deutlich zu hell, Kontraste werden geringer. Sättigung und Tönung gerade wieder in den Braun-Tönen werden schwächer.

Bei keinem dieser Bilder ist es mit der Anpassung an zwei/drei Reglern getan um den alten Look wieder herzustellen. Neben den Hauptreglern müssen natürlich auch die Regler der lokalen Anpassungen (Pinsel) angepasst werden und oft müssen zusätzliche lokale Anpassungen eingebaut werden um bestimmte Bereiche zu verstärken oder abzuschwächen.

Fazit

Meine Empfehlung ist also: Lasst die alten Bilder im „2010“-Prozess und aktualisiert nicht auf Schlag die ganze Bibliothek. Schnappt Euch lieber ausgewählte Bilder, legt eine virtuelle Kopie an und stellt diese auf den „2012“-Prozess um. In den meisten Fällen werdet Ihr mit der neuen Entwicklung viel mehr Details und Zeichnung heraus holen und auch einen sauberen Look erreichen können. Es muss einem nur klar sein, dass das zum Teil viel Zeit kosten kann.

Über Eure Erfahrungsberichte freue ich mich smile

 

20 Kommentare

  1. Das mit den Tonwertkurven habe ich bei Chris auch schon gelesen :-( Meine LR4 liegt in der Packstation, werde ich mir nachher mach auf dem Rückweg vom Einkaufen abholen. Aber mal eine doofe Frage für mein Verständnis: wenn ich Bilder im 2010er Prozess bearbeiten will, bekomme ich dann auch die alten Regler wieder oder sind die Dinger wirklich einfach verschwunden?

    Das mit den Halos des Klarheitenreglers ist so eine Sache, mal stören sie und mal gehören sie zum Look des Bildes dazu. Hier muss man sich also wohl einen neuen Weg suchen um diese wieder zu erzeugen. Die bisherigen Updates von LR waren an sich immer gut. Aber diesmal mache ich mir doch etwas Sorgen. Bin jedenfalls schon gespannt.

  2. Ich benutze bisher nicht LR (komme von linux) und habe auf LR4 gewartet um in Lightroom einzusteigen. Die genannten Probleme tauchen nur beim umziehen von LR3 nach LR4 auf, oder? Ein komplett neues einsteigen in LR4 ist also problemlos möglich?

    vg stefan

  3. Ich habe da auch noch einen feinen Bug in LR4 für die Gemeinde. Bei recht vielen Benutzern ist nach dem Installieren von LR4 jegliche Verbindung zu den „Externen Editoren“ gestorben. Also keine Nik Filter kein Photoshop oder PSE. Das ist bitter, denn in der LR4 Beta war das alles noch kein Thema. Adobe arbeitet dran und wir werden ein Update bekommen. Manchmal glaube ich der Beta-Test war wohl etwas kurz und sehr ungenau.

    Btw. DANKE für all die tollen Beiträge im Blog.
    cu
    Marcus

  4. Pingback: 5 Gründe warum sich der Wechsel auf Lightroom 4 lohnt. | DOMINIKWOERNERcom BLOG

  5. Hi,

    mal unabhängig vom Entwicklungsprozess. Gibt es eine einfache Möglichkeit, einen neuen LR4 Katalog anzulegen, dabei aber die Stichworthierarchie aus LR3 zu übernehmen?

    Eine Export-/Import-Funktion habe ich bislang nicht gesehen und frage mich nun, ob ich ggf. den gesamten Katalog überführen und dann alle Bilder löschen muss, wenn ich mit einem frischen Katalog beginnen möchte.

    Danke vorab und Grüße
    Stefan

  6. Nutze nun seit einer Woche Lightroom 4 und bin mit den Neuerungen sehr zufrieden. Man muß sich zwar an die vielen Veränderungen im Development-Bereich erst wieder gewöhnen, aber ich habe den Eindruck, daß dadurch bei der RAW-Entwicklung eine witere Qualitätssteigerung möglich ist. Die Performance ist allerdings schlechter geworden.
    Was mir gar nicht gefällt ist, daß Adobe im Tethered Mode wieder den selben Fehler eingebaut hat, wie beim letzten größeren Releasewechsel. Was für Nikon Fotografen sehr unzumutbar ist. Wenn man während des Shootings ein paar Minuten nicht fotografiert, verliert Lightroom den Kontakt zur Kamera und man muß den Tethered Mode neu starten.

  7. gueten tag zusammen,

    ich arbeite (ist mein liebstes hobby) mit apple’s aperture 3.2.x. ich bin auch voll zufrieden damit. aber mal etwas anderes ausprobieren reizt mich schon.
    meine fragen sind: gibt es einen guten grund zum auf lightroom 4 zu wechsel? oder fahre ich mit apple’s aperture besser?

    mein speicherplatz auf meinem macbook pro 17″ ist begrenzt. daher kann ich nicht beides auf meine hd unterbringen. ich habe viel ueber google gesucht, gefunden, und gelesen. aber nichts gefunden was mich in dieser hinsicht weiter bringen wuerde.

    hat jemand von euch so ein wechsel gemacht? wenn ja, wie ist dein eindruck? bereust du es?

    vielen herzlichen dank, im voraus. :-)) !!!

    • Ein „besser“ gibt es zwischen den Beiden vermutlich nicht. Es kommt darauf an, was Du machen möchtest, wie Deine bevorzugte Arbeitsweise ist und wie schnell es auf Deinem System läuft. Bei mir war und ist es so, dass alle Aperture-Versionen deutlich langsamer sind. Teils so langsam, dass ich damit ein Shooting nicht vernünftig bearbeiten kann (im Sinne von: Zügig fertig werden). Daher war für mich die Entscheidung klar. Allerdings wurde es mit LR3 und nun auch mit LR4 wieder langsamer als noch mit LR2. Aber eben immer noch performanter als mit Aperture3 – auf meinem Rechner.
      Wenn Du neben Mac auch Windows unterstützen musst oder möchtest, dann ist die Auswahl zwischen diesen beiden ohnehin klar.

      • vielen dank fuer die rasche antwort :-).

        seit ich mac habe, habe ich mit windows nichts mehr (privat) zu tun. ja aperture braucht ein bischen zeit, und geduld :-) ! ein freund hat noch lightroom 3, ich frag in mal ob ich es leien kann. wenn es mir zu sagt, kaufe ich dann die ver. 4. die ist ja jetzt auch nicht mehr so teuer wie vorher. wenn es mir nicht zusagt, habe ich nichts verloren. und bin um eine erkenntniss reicher.

        ich habe mal gelesen das die lightroom 3 nicht so viel ressourcen verbraucht wie aperture. war das so, und ist das bei der ver. 4 auch noch so?

        wuensch ein schoenes wochenende

        mfg dag

  8. LR 4 und Prozessoren:

    Hallo zusammen!

    Bei mir stehen 2 Kaufentscheidungen an: Ein neues Notebook (das ich auch fur Bildbearbeitung verwenden werde) und eben Lightroom.

    Meine Frage: reicht ein intel i5 2450M,2.50GHz aus um schnell und sauber mit LR 4 zu arbeiten?

    Falls nein sehe ich 2 Alternativen:

    1. i5 und LR3
    2. i7 und LR4 (insg. leider ca. € 200 teurer!)

    Danke für eure Antworten!

    Falls ihr auch Tipps für gute 17″ Notebooks für Bildbearbeitung habe, wäre ich euch auch sehr dankbar :)

    LG, Andi

    • So eine Frage wäre in einem entsprechenden Forum sicher besser aufgehoben wenn Du mehrere Antworten möchtest, um Dir ein Bild zu machen.
      Bei mir läuft LR3 und LR4 auf einem Core2Duo (MacBookPro 15″) mit 4GB RAM. Auf meinem alten iMac (weiß, 24″, Core2Duo, 2,1GHz oder so, 3GB Ram) läuft LR3. Ist teils schon etwas träge, glaube aber, dass das hauptsächlich am RAM liegt.
      Klar, schneller wäre immer schön ;)
      i5 oder i7? Aus dem Bauch heraus würde ich, für Lightroom, lieber i5 mit mehr RAM nehmen (also soviel RAM rein wie nur geht)

  9. Hi Andi
    Ich arbeite seit Jahren mit LR auf meinem Notebook (der schnellste Core Duo: T9900, 8GB RAM) und habe nun mit LR4 zum ersten Mal ein Problem mit der Geschwindigkeit. Wenn du es vermagst, rate ich dir einen i7 mit 8 GB RAM zu kaufen. Mehr RAM brauchst du kaum. LR4 nimmt meistens etwa 3-5 GB für sich. Auf meinem Desktop i7 kann ich mit LR4 recht gut arbeiten. – Allerdings wirst du in vielen Blogs und Foren Hinweise finden, dass viele LR-User unzufrieden mit der Geschwindigkeit von LR4 sind. Zurzeit arbeitet Adobe an einer erste Update-Version 4.1. Vermutlich wird die definitive Version in wenigen Tagen zur Verfügung stehen. Die 4.1 RC – Version ist auf jeden Fall schon recht gut bearbeitet.

  10. Pingback: 5 Gründe warum sich der Wechsel auf Lightroom 4 lohnt. « Dominik Wörner Photography

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