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Drobo flüsterleise gemacht

Nun habe ich bereits seit einiger Zeit einen Drobo und er läuft wirklich gut. Allerdings hat mich eines von Anfang an gestört: Der Geräuschpegel. Ziemlich schnell hatte ich alle Platten gegen sparsamere, kühlere und leisere Modelle von Western Digital (Green Line) getauscht. Der Stromverbrauch und die Wärmeentwicklung ging messbar und spürbar zurück.

Die Platten laufen auch angenehm leise aber der Drobo ist laut geblieben. Der Grund: Immer wieder schaltet der Drobo den Lüfter an, ob das Gerät gerade Daten schreibt oder nicht, ob es im Stand-By steht oder nicht. Drobo erklärte mir, dass sie den Lüfter nicht nur bei warmen Platten zuschalten sondern generell immer mal die Luft absaugen um Probleme durch Stauwärme zu vermeiden.

Schön und gut, aber der verbaute Lüfter ist ziemlich laut. Nun war meine Geduld endlich am Ende. Ich bestellte einen extrem leisen Lüfter, tauschte ihn aus und nun habe ich einen richtig leisen Drobo. Ein erster Test, ein TimeMachine-Backup, läuft noch aber schon beim booten des Gerätes war klar: Das hat sich wirklich gelohnt.

Der Austausch ist nicht ganz trivial. Wie ich das gemacht habe und welchen Lüfter ich verbaut habe, das erfahrt Ihr nach dem Klick…

mehr nach dem Klick

Vorweg: Ich habe den Umbau gewagt und auch geschafft. Ich muss aber erwähnen, dass Ihr bei so einem Umbau ein Garantie-Siegel aufbrechen werdet. Ob Ihr also in einem Problemfall noch Garantie bekommt ist zumindest mal fraglich. Überlegt also gut was Ihr tut und wägt das für Euch selbst ab.
Außerdem könnte man mit dem Schraubendreher abrutschen und sich selbst verletzen oder etwas auf einer Platine zerkratzen. Passt also bitte auf wenn Ihr an diese Sache ran geht.

Der Lüfter sitzt ganz hinten im Drobo. Leider kann man nicht einfach die hintere Blende abnehmen ohne den kompletten Drobo zu zerlegen. Also ran an den Speck und das gute Stück zerlegt…

Zunächst einmal habe ich den Drobo in den Stand-By gebracht, aus dem Regal geholt und alle Kabel abgezogen. Zum basteln braucht man etwas Platz und so stellte ich den Drobo einfach auf den Boden.

Die vordere Blende geht zum Glück ganz einfach ab, sie wird nämlich nur von Magneten gehalten:

Wenn noch Festplatten im Gerät stecken ist jetzt der Zeitpunkt gekommen diese zu entfernen. Auch noch einfach, dafür ist der Drobo schließlich gebaut :)

Jetzt muss der Drobo auf den Kopf gestellt werden. In den vier Gummifüßen stecken die Schrauben, die dafür sorgen, dass die Metallhülle nicht vom Chassis rutscht. Also raus damit, mit einem Kreuzschlitz-Schraubendreher:

Die Schrauben sind raus:

Jetzt lässt sich die Metallhülle einfach herunter schieben:

Als nächstes muss der Einsatz für die Laufwerke nach vorne raus gezogen werden. Dieser ist mit drei einfachen Plastik-Clips befestigt. Je einer auf der Seite, unten (im Foto links unten zu sehen, die schwarze Nase die den Einsatz am Metall hält) und eine oben in der Mitte. Ich habe die seitlichen Clips mit einem flachen Schraubendreher ausgehebelt (vorsichtig, sollen ja nicht brechen)…

und dann die obere Nase runter gedrückt. Nun konnte ich die Laufwerkshalterung nach vorne heraus ziehen:

Nun kann man in den Drobo hinein schauen und sieht ganz hinten oben zwei weitere, schwarze Nasen. Diese halten die hintere Abdeckung fest. Mit einem langen Schraubendreher habe ich mich diesen Nasen vorsichtig genähert und habe diese aus der Halterung gehebelt:

Der obere Teil der hinteren Abdeckung war nun lose aber sie ging nicht ab. Sie wird nämlich auch unten von zwei weiteren Nasen gehalten. An diese kommt man mit einem flachen Schraubendreher von der Seite ran:

Der Lüfter sitzt nun auf der Innenseite des Gehäuses, man muss das gute Stück also noch weiter zerlegen. Der obere (der Deckel) und der hintere (ein löchriges Schutzblech) Teil sind eine Einheit und einfach nur auf die Seitenbleche geschoben. Ich konnte das ganze Konstrukt (wie ein L-Winkel) nach hinten schieben, indem ich mit einem flachen Schraubendreher in den schmalen Spalt gegriffen und ihn dann vorsichtig gedreht habe:

Ich wollte das ganz vorsichtig machen aber man muss schon ein klein wenig Kraft aufwenden. Trotzdem fiel mir auf, dass es irgendwo klemmt. Die Ursache war schnell gefunden: Unten war eine kleine Schraube die das hintere Blech fest hielt. Diese musste also erst raus:

Danach war es ganz einfach. Schnell lag die Abdeckung inklusive Lüfter vor mir:

Das erste was mir auffiel, ist die Größe des Lüfters. Es gibt verschiedene Drobo-Gehäuse. Im ersten Modell war wohl ein 80x80x25 Lüfter verbaut. Mein Modell ist das Gerät mit den Firewire-800-Anschlüssen und hier ist ein 92x92x25 Modell verbaut. Dumm gelaufen, ich hatte nämlich einen 80x80x25 gekauft. Glück gehabt: Das Blech hat Bohrungen sowohl für 92×92 als auch für 80×80 :)

Auf der Suche nach einem leisen Lüfter wollte ich erst zu einem Papst-Lüfter greifen, die ich von Früher als sehr gut und sehr leise kannte. Ich bekam dann aber den Tipp, mich mal bei den Modellen der österreichischen Firma Noctua umzusehen, die extrem leise Lüfter anbieten sollen. Meine Wahl fiel dann auf einen NF-R8 Maximal 17 dB(A) bei einem Volumenstrom von 53 m³/h klangen gut und sollten wohl reichen, zumal meine Festplatten (Western Digital, Green Line) nicht sehr warm werden.

Im Lieferumfang sind u.a. vier Gummi-Halterungen um den Lüfter entkoppelt am Gehäuse zu befestigen. Diese habe ich dann auch benutzt. Die originalen Befestigungen vom Drobo bekommt man einfach heraus, indem man den inneren Pin nach außen drückt und dann einfach von außen daran zieht.

Mit dem Stromkabel gab es aber ein Problem. Die Stecker vom Noctua passen nicht an den Drobo (zu groß). Ich habe also den originalen Stecker verwendet. Dazu habe ich das Kabel vom Drobo-Lüfter mit einem Seitenschneider abgetrennt und die Isolierung der Kabelenden abgezogen. In der Packung vom Noctua lag auch ein Kabeladapter über die großen Stromanschlüsse in PC-Gehäusen. Das habe ich genauso bearbeitet: Den großen Stecker abgeschnitten und die Kabelenden blank gemacht. Dann habe ich blanken Enden der beiden Kabel mit einer einfachen Lüsterklemme verbunden. Löten oder Crimpen wäre die elegantere Lösung gewesen aber für beides fehlten mir hier und jetzt die Werkzeuge.

Jetzt musste ich beim zusammenbauen nur darauf achten, dass das sehr lange Kabel sauber an der Seite zwischen Gehäuse und Lüfter gelegt wurde, damit es später nicht in den Lüfter ragt und diesen evtl. sogar am Drehen hindert.

Tipp: Wenn Ihr mehr Zeit und Geduld habt, dann kürzt das Kabel vom Noctua. Man muss ja eh am Kabel basteln, dann sollte man es besser gleich kürzen, dann ist es einfacher das Ganze wieder einzusetzen und man läuft nicht Gefahr, dass das Kabel die drehenden Teiles des Lüfters berührt.

Ansonsten einfach alles in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammen stecken und schrauben.

Fertig.

Der Drobo ist jetzt beim Einschalten kaum noch zu hören, obwohl der Lüfter dreht wie ein prüfender Griff hinter das Gehäuse zeigte. Ich höre jetzt eigentlich nur noch die Platten und die sind auch ziemlich leise.

Das hier war der originale Lüfter:

Ich kann den Umbau nur empfehlen. Man sollte aber mit Ruhe und Geduld vorgehen und aufpassen, dass man sich nicht verletzt.

19 Kommentare

  1. Meine Lösung war folgende: Drobo schnell wieder zurück gegeben und ein Synology DS411j gekauft. Ist leiser und harmoniert mit TimeMachine besser. Es können wie beim Drobo verschiedene Platten eingebaut werden und die Möglichkeiten sind umfangreicher. Ach ja, günstiger ist es auch.

    • Mein Kommentar sollte nicht abwertend gemeint sein, falls es so geklungen hat… Finde Deinen Bericht und Dein Engagement klasse.

      Aber meine zwei Drobos hatten beide ein Problem mit einer gewissen Samsung-Platte. Das TimeMachine-Backup brach unregelmäßig ab (meist schon nach 10 – 20 MB), der Support konnte nicht weiterhelfen. Es gibt ein Caching-Problem mit besagter Platte. Das Synology erkannte das sofort und deaktivierte den Cache mit einem Hinweis, man solle ein Firmware-Update für die Samsung-HD einspielen. Da es dies nur für DOS gibt und ich als Mac-User keinen Bock hatte, auf irgendeinem Rechner BootCamp und Windows zu installieren, habe ich es bei der Deaktivierung des Caches belassen. Der Datendurchsatz ist immer noch höher, als beim Drobo (S, 2. Generation), und für den reinen TimeMachine-Einsatz reicht das allemal. Dazu kommt, dass ich beim Synology über die User-Quotas einen begrenzten Platz pro Mac zur Verfügung stellen kann. Perfekt für unsere mittlerweile 4 Macs im Haushalt.

      Momentan gibt es Bestrebungen, das Synology-Betriebssystem in Richtung CalDav und CardDav auszubauen (WebDav kann es schon), was mir die jährliche MobileMe-FamilyAccount-Gebühr einsparen würde. Haupteinsatz-Zweck für MobileMe ist bei mir die Synchronisation von Kalender und Adressbuch.

      Der Topfield (Twin-SAT-Receiver) hat auch seinen Bereich auf dem Synology, per NFS gemounted.

      Irgendwie passt das Teil (nahezu) perfekt für meine Zwecke.

      • Habe ich auch nicht so aufgefasst :)
        Synology-Geräte werden in diesem Zusammenhang häufig empfohlen. Offenbar können die auch die Volumes im laufenden Betrieb vergrößern wenn man größere Platten einbaut – aber es geht nicht automatisch, man muss also Hand anlegen wenn ich das richtig sehe.

        Hat nur einen Haken: Die Geräte sind „nur“ über Netzwerk anschließbar (nicht über Firewire). In meinem Fall wäre das ziemlich blöd, da ich noch eine ältere FritzBox nutze und die hat nur 10/100 Ports. Fürs Internet reicht das aber größere Datenmengen möchte man darüber nicht kopieren – da müsste dann schon eine neuere Fritzbox mit 10/100/1000 her, was wieder andere Herausforderungen mit sich bringt die hier zu weit führen würden :)

        Wie sind denn die Platten eingebaut und wie leicht kommt man da dran? Man muss die zwar nur selten wechseln/erweitern aber wenn, dann sollte es möglichst simpel sein finde ich.

        Übrigens: Wenn es um Geschwindigkeit geht, würde ich wohl eher einen Blick auf das Modell DS411+II werfen. Das scheint ja echt flott zu sein lt. den Daten auf der Webseite.

  2. Hallo,

    vielen Dank für den Hinweis auf den Noctua Lüfter. Ich habe es in der Vergangenheit einmal mit einem anderen Lüfter probiert, der zwar sehr leise, aber auch zu schwach war. Die Platten haben sich dadurch unnötig aufgeheizt. Am Ende habe ich den alten Lüfter wieder eingebaut. Ich versuche es jetzt einmal mit dem Noctua NF-B9 (der 92mm Version). Mal sehen, wie es damit funktioniert. Wäre schön, wenn dadurch (bei ausreichendem Luftdurchsatz) sich der Geräuschpegel spürbar senken würde. Ich liebe meinen Drobo, aber der Lüfter ist leider wirklich unterirdisch ….

    Viele Grüße
    Andreas

  3. So, nun habe ich heute den neuen Lüfter eingebaut (NF-B9). Insgesamt ist der Drobo merklich angenehmer geworden – als flüsterleise würde ich dies jedoch nicht bezeichnen. Gelegentlich dreht der Lüfter voll auf und wird dann doch hörbar, wenngleich leiser als der Originallüfter. Die Plattentemperaturen stiegen etwas an, bleiben aber im akzeptablen Bereich (<40Grad). Insgesamt also eine lohnende Aktion!

  4. Wie sieht es denn eigentlich mit dem Stromverbrauch beim Drobo aus? Bei so viel Hitzeentwicklung und Lüfter laufen ist der wahrscheinlich auch nicht ganz ohne, oder?

  5. Yep! Super Sache – Danke für deinen Bericht. Ich selbst benutze einen IOMEGA ix2 und verstehe auch nicht warum solch laute Platten dort eingebaut sind. Nun überlege ich auch diese zu tauschen.

    Beste Grüße
    Jo

  6. Pingback: Pimp my drobo … den Drobo leiser machen. | Short cuts of my life

  7. Danke für den Umbau Tipp. Ich überlege es mir aber gerade 2x ob ich den Drobo wirklich auf mache. Meine Lösung ist den Drobo im Schrank zu verstecken wodurch er nun auch nicht mehr hörbar ist. Zudem habe ich Pass drunter geklebt die Schwingungen auffangen und so keine Vibrationen übertragen. Eco Platten sind auch in meinem Drobo.

    Den Synology DS411j habe ich mir auch Mal angesehen.
    1. gehen nur 4 Platten rein.
    2. Hat das Gerät doppelte Datenredundanz? Ich glaube nicht (2 Festplatten können ausfallen ohne das Daten verloren gehen) Ist bei mir der Entschiedenste Punkt!

    Ich hoffe ich konnte mit meinen Tipps ein wenig weiter helfen.

    • Die DS411j (mit 4 Platten) hat nur eine einfache Ausfallsicherheit (eine Platte als Redundanz). Systeme mit 5 Platten können normalerweise so konfiguriert werden, dass 2 Platten ausfallen dürfen.

  8. Pingback: Bits und so #260 (Geht ein iPhone in eine Bar…) | Bits und so

  9. Vielen herzlichen Dank für diese Anleitung. Konnte aufgrund Ihrer exakten Beschreibung mit einem Zeitaufwand von unter 30 Minuten den Lüfter tauschen. Habe den „Be Quiet Silent Wings USC“ verbaut, dieser Lüfter ist unhörbar. Ich bin mit der Taschenlampe hinter dem Drobo gesessen und hab reingeleuchtet um zu kontrollieren ob der Lüfter überhaupt läuft. Im Vergleich zu vorher ist das eine Erlösung!

  10. schließe mich an: vielen dank, war ’ne große hilfe.

    hab‘ jetzt auch den silentwings2 drin und bisher nicht nur keine probleme, sondern höre auch erstmals überhaupt die platten selbst ..

  11. Hallo Boris Nienke

    Ich habe zwar ein DroboS mit 5 Festplatten bestückt, kleine unterschiede hat es zwar schon zu meinen DroboS, hoffe aber trotz den Ihr könnt mir weiter Helfen dabei.
    Bin ungefähr beim Arbeitsschritt Foto Nummer 10 von oben, mochte meine Defekte Platine Sauber ausbauen und weiss nicht mehr wo genau am besten weiter Schrauben soll.

  12. Pingback: DROBO leise gemacht! Lüfter gewechselt | Bjørn K

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